Beschlagene Fenster von "Außen"

12.10.2005



Hallo,
durch Zufall habe ich dieses Forum entdeckt.
Wir haben im Sept. 05 neue Fenster einbauen lassen.
In der kalten Jahreszeit beschlagen sie von "außen".
Ich kann mir nicht vorstellen das das normal ist.
Ich wollte eigentlich auch abends aus den Fenster sehen können.
Viel leicht kann mir jemand da Auskunft geben.

Heidi Lissner



Natürlich ist dies normal, es kommt auf den Temperaturunterschied an


Natürlich ist dies normal, es kommt auf den Temperaturunterschied an

Es gibt Gesetzmäßigkeiten die absolut klar sind.
Dazu gehört, dass in der Luft immer Feuchte enthalten ist.
Wir brauchen Luft zum Atmen und diese Luft enthält auch Wasser in Form von Wasserdampf.
Den tatsächlichen Feuchtegehalt der Luft nennt man absolute Feuchte, sie wird gemessen in g/m³ Luft.
Als Sättigungsfeuchte bezeichnet man die Wassermenge, welche physikalisch maximal in einer Luftmenge bestimmter Temperatur enthalten sein kann.
Die relative Luftfeuchtigkeit ist das Verhältnis zwischen dem tatsächlichen Feuchtegehalt und der Sättigungsfeuchte. Sie ist, ebenso wie die absolute Feuchte, temperaturabhängig.
So bedeutet eine absolute Feuchte von 9g Wasser pro m³ Luft, bei einer Lufttemperatur von 20 Grad C, eine relative Luftfeuchtigkeit von ca. 55%. Bei gleicher Wassermenge (9g/m³) und 10 Grad C Lufttemperatur wird die Sättigung von 100% rel. Luftfeuchte erreicht.
Sinkt die Lufttemperatur, so steigt – bei gleichem Wassergehalt - die relative Luftfeuchtigkeit an. Wird die Sättigung erreicht, muss die Luft das überschüssige Wasser an die Umgebung abgeben. Die Temperatur, bei der die Luft die Sättigungsgrenze erreicht, nennt man Taupunkt oder Taupunkttemperatur. Das Kondensat schlägt sich nieder, wo die Temperatur eines Gegenstandes oder Baustoffes die Taupunkttemperatur unterschreitet. Bei porösen, diffusionsoffenen Baustoffen kann der Taupunkt auch innerhalb der Wand liegen.
Ist doch so einfach, oder?
Dazu ein Beispiel:



beschlagene Fenster



deuten demzufolge auf eine gute Wärmedämmung hin, denn sonst wäre die Außenoberfläche warm und Sie könnten durchsehen. Umgekehrt, also innen feucht, wird es schon kritischer.

Grüße vom Niederrhein



Ich will nicht dauernd widersprechen, aber mit der Wärmedämmung hat dies nun überhaupt nichts zu tun,...



denn, in diesem Falle geht es nur um den Taupunkt.
Warum sollte es diesbezüglich außen warm werden?
Eventuell haben Sie aber was anderes gemeint - wie ich es verstehe.
Sozusagen etwas unglücklich formuliert.
Ich denke die Fenster sind auf der Nordseite und die Tagestemperatur war schon etwas höher, aber die Luftfeuchte an dieser Stelle nahe 100% und dann beschlagen die Scheiben.
(Aber auch alle anderen Baustoffe, nur dass man es nicht sieht!)



Soso



womit denn sonst ?
innen gut geheizt, Scheibe mit u-Wert 5,0 > Taupunkt nicht unterschritten
innen vielleicht geheizt, Scheibe mit u-Wert 1,1 > Taupunkt außen unterschritten.

Wie Sie ganz richtig formuliert haben, hängt es von der Taupunkttemperatur ab. Und ob die unterschritten wird, ist bei beheizten Gebäuden eine Funktion der Wärmedämmung der Scheibe. Habe ich es so verständlicher formuliert ?

Gruß





Außenbeschlagene Scheiben.

Außenbeschlagende Scheiben deuten auf eine gute Wärmedämmung
der Scheibe hin. Die Scheiben sind auch nur in der Mitte beschlagen, am Rand kann man meistens noch durchsehen, bedingt durch den Aluminiumrandverband, die Schwachstelle einer Wärmedämmisolierglasscheibe.

Gerade jetzt ist wieder die Zeit wo es sich gut beobachten läßt. Tagsüber schön warm (goldener Oktober) abends starke Abkühlung und Unterschreitung des Taupunktes auf der Scheibenaußenseite.

mit gruß aus dem sonnigen Diepholz mit außenbeschlagenen Werkstattscheiben

Louis Schierbaum



Interessantes Phänomen nicht nur auf Glas



Hallo! Das ist ein interessantes Phänomen, dass wir im Alltag auch von unseren Autos kennen: man wundert sich, dass morgens die Scheiben von außen beschlagen sind, dabei hat es gar nicht geregnet.
Wenn man im Glashaus sitzt und rausgucken möchte, ist das schon ein (kurzfristiges) Problem, auf das man hinweisen sollte. Zum Beispiel beim Bau eines Wintergartens: hier beschlägt zuerst das Dach. Grund ist, dass die äußere Glasscheibe ihren Wärmeinhalt durch Strahlung an die Atmosphäre abgibt und dadurch so stark auskühlt, dass die umgebende Luftfeuchtigkeit an ihr kondensiert. Dieser Effekt setzt eben abends ein, wenn die Sonne weg ist. Am nächsten Morgen wird die Feuchtigkeit wieder "abgetrocknet". Vorzugsweise tritt das im Herbst oder Frühjahr auf; meisten, wenn wir hohe Luftfeuchtigkeit und einen klaren Himmel haben. Vor allem beim Bau von Wintergärten damit rechnen!
Allerdings betrifft das grundsätzlich jede Außenhautkonstruktion unserer Gebäude. So wird dieses Phänomen mit dafür verantwortlich gemacht, dass die Putzoberfläche von Wärmedämmverbundsystemen schneller mit Algen überzogen und unansehnlich wird als althergebrachte Massivkonstruktionen. Das leichte WDVS speichert über Tag wenig Wärme, kühlt deshalb schnell aus und "zieht" sozusagen Luftfeuchtigkeit an. Feuchtigkeit und Ablagerungen aus der Luft sind dann Nährboden für Algen.
Gruß Michael Nehls