welche Mindesttemperatur?

26.01.2009



Guten Morgen,
wir haben nach dreijähriger Bauzeit unser Fachwerkhäuschen saniert und eine kleine Wohnung darin an einen berufstätigen Wochenendfahrer vermietet. Die kleine Wohnung besteht aus einem Wohnraum, einer kleinen Naßzelle mit Dusche und WC und einem darüber liegendem Schlafraum (so Art Galerie). Die Wände sind innen zunächst mit Lehm geputzt, dann mit Steicoflex gedämmt, darüber ist Schilfgeflecht mit ca. 3cm Lehm als Oberputz. Als Heizung existiert ein Kaminofen im Wohnraum und eine elektrische Zusatzheizung im Bad.
Unser Mieter hat sich sehr positiv über das angenehme Raumklima in der Wohnung geäußert. Ich habe mal mit einem Infrarotthermometer die Oberflächentemperatur der Wände gemessen und festgestellt, dass diese nur minimal (weniger als ein Grad) von der Raumtemperatur abweicht.
Nun meine Frage:
Die Wohnung kühlt, wenn der Mieter nicht da ist, jetzt im Winter auf durchaus unter 10 Grad aus, die rel. Feuchte ist dann immer noch so bei 50%. Die Wände zeigen zwar keinerlei Feuchtigkeitsspuren (sicherlich dank des Lehms!) aber trotzdem bin ich unsicher,ob das auf Dauer dem Bauwerk schadet.
Im Internet habe ich in einem Artikel von Sedlbauer und Kießl zu neuen Erkenntnissen zu Schimmelpilzen eine Formel gefunden, mit dem Hinweis, dass der so ermittelte Temperaturfaktor nicht unterschritten werden sollte.

TOberfläche - Taußen
Temperaturfaktor = -------------------- >0,70
Tinnen - Taußen

Dieser Wert wurde bisher auch bei niedrigen Innentemperaturen nicht unterschritten, da wie gesagt, die Wandoberflächen-Temperatur immer nur sehr wenig von der Innentemperatur abweicht. Trotzdem möchte ich die Fachleute hier zu diesem Punkt befragen:

Sollte ich von dem Mieter die Einhaltung einer Mindesttemperatur verlangen, um dem Bauwerk nicht zu Schaden und wenn ja, welche?

freue mich auf Antworten!

Steffen



Feuchte



Meiner Meinung nach hängt die Schimmelbildung primär von der Feuchte ab, und wenn der Taupunkt nicht unterschritten wird, wird es auch nicht feucht. Will heissen: Wichtig ist wohl, dass der Mieter sehr gut lüftet, bevor er geht, und keine nasse Wäsche oder so in der Wohnung lässt.

Dass die Temperatur als solche Schimmel verursacht, ist mir nicht bekannt. Im Gegenteil: wenn es sehr kühl ist, wächst Schimmel sehr langsam (deswegen auch die Erfindung des Kühlschranks, in dem es übrigens sehr feucht ist).

Aber es würde mich sehr interessieren, was die Fachleute so meinen.

stt



Formel?



Ich kann, so wie sie oben niedergeschrieben wurde, die Formel nicht verstehen. Läßt die sich noch einmal irgendwie eingängiger darstellen? Würde auch gerne den Wert für unsere 4 Wände berechnen.

Was den potentiellen Schimmelbefall betrifft, ist die Gefahr wohl nicht sooo groß. Wir wohnen in einem mit Lehm verputzten, schlecht bis gar nicht wärmegedämmten Häuschen, kochen fleißig und trocknen Wäsche, und obwohl einzelne Räume jetzt im Winter ziemlich kühl und die Mauern tw. kalt sind, gibt es keinerlei Anzeichen von Feuchtigkeit oder gar Schimmel an den Wänden.

Einzig in unserem noch nicht renovierten "Vorflur", einem ca. 12 m² großen Raum, in dem wir bei 2-5° C unsere Kübelpflanzen überwintern, schimmelt's an einer Außenwand.

Also: keine Panik!

Beste Grüße,
franz.



welche Mindesttemperatur?



Also im Zähler steht die Differenz von

TOberfläche - Taußen

Im Nenner steht die Differenz von

Tinnen - Taußen.

Der Quotient daraus soll größer als 0,7 sein.

Beispiel:

Innentemperatur Tinnen: 20 Grad
Außentemperatur Taußen: 0 Grad
minimale Wandtemperatur TOberfläche: 14 Grad

Formel: (14-0)/(20-0)=14/20=0,70

und damit gemäß den Autoren (so habe ich das verstanden) grenzwertig. Wird die Wandtemperatur um 1 Grtad erhöht, ändert sich der Quotient auf 0,75 und wäre damit im "grünen Bereich".


Die Web-Adresse des Artikels lautet:

http://www.hoki.ibp.fhg.de/ibp/publikationen/konferenzbeitraege/pub1_34.pdf

Steffen



Danke!



Jetzt hab ich's kapiert.
Gruß, franz.



Feuchte. Und nur Feuchte.



Na ja, steht ja drin in der Arbeit: "Dabei wird als Wachstumsvoraussetzung für Schimmelpilze
temperaturunabhängig eine relative Feuchte von 80 % an der Oberfläche angenommen."

Also, wichtig ist allein die Feuchte, die Temperatur kann ihnen pieps-egal sein.

Gutes Gelingen
stt