Teerfarbe? Grundierung? Was wurde hier auf der Wand aufgetragen?



Teerfarbe? Grundierung? Was wurde hier auf der Wand aufgetragen?

Guten Abend,

nachdem wir in unserem alten Bauernhaus die Tapete von den Wänden entfernt haben, kommen in fast allen Räumen (bis auf die, die in den 60ern umgebaut worden sind), die im Bild zu sehenden Anstriche (bis auf etwa 60 cm Höhe) zum Boden hin zum Vorschein. Teilweise kommt mir das Zeug "verwittert" vor, an wenigen Stellen scheint es zu glänzen und fester zu sein. Ist das eine Art Teerfarbe? Ich würde das Zeug gerne mit entsprechendem Mundschutz abschleifen.

Wer kann mir hier raten?

Danke und schöne Ostern
Silke



Wandanstrich



Das kann Ölfarbe sein, ein Teeranstrich, aber auch ein Bitumenanstrich oder etwas wie Dachlack. In den 50er/60er/70er-Jahren hat man unbedenklich alles verwendet, was eine kurzfristige Lösung eines vielleicht längerfristigen Problems versprach. Abschleifen wird wahrscheinlich nicht möglich sein, der Anstrich wird durch die Wärmeentwicklung verschmieren. Sie können nur den Anstrich mitsamt Putz abklopfen und neu verputzen,

Allerdings -und das gilt es vorher zu beachten bzw. zu untersuchen: der Grund für diesen Anstrich wird wahrscheinlich eine Feuchtebelastung als Kombination aus aufsteigender Feuchte = fehlender Bauwerksabdichtung, eventuell Kondensat an ungedämmten Bauteilen und Spritzwasser im Sockelbereich sein.

Die Räume sind nicht früher Stallungen gewesen? Sind die Zimmer teilweise in Hanglage, mit angeschüttetem Erdreich? Gibt es defekte Regenfallrohre an den Gebäudeecken?



Das Ganze...



wirkt recht dünn, und aufgrund des sauber gezogenen oberen Streifens vermute ich eine Ölfarbe.

Eine Sanierfräse mit guter Absaugung sollte das Problem lösen. Das Gerät von Festool bzw. Protool läßt sich in der Eindringtiefe sehr fein einstellen, so daß nur die oberste Putzschicht angegriffen wird.

Grüße

Thomas



Danke!



Vielen Dank zunächst für die Antworten. Noch zu den Fragen von Herrn Pickartz: die Räumlichkeiten befinden sich im 1. Stock. Der Hauptteil des Gebäudes wurde zu Beginn des 19 Jh errichtet. Etwa 100 Jahre später wurde aufgestockt (ca. 1897). Um diesen Teil im 1. Stock geht es. Dort befinden sich in allen Räumen diese Anstriche. Allerdings nicht über der Scheune, dort wurde in den 60ern eine Decke eingezogen und neue Räume geschaffen. Diese haben den Anstrich nicht.

Es gibt zwar den ein oder anderen Riss im Putz, wir sind das Haus aber mit einer Architektin durchgegangen und sie konnte im ersten Stock nichts gravierendes finden. Das Beispielbild zeigt rechts die Aussenwand und links die Wand zum Nachbarn, die direkt angebaut ist. Mich wundert, dass im "alten Teil" konsequent überall diese schwarzen Anstriche sind. Eine innen liegende Wand, die z.B. zwei Zimmer teilt, sollte doch kein Problem mit aufsteigender Feuchte haben.

Aber es ist faszinierend, was man bei Renovierungsarbeiten findet. :o)

Einen schönen Tag und viele Grüße
Silke



Ölsockel...



haben an sich nichts mit aufsteigender Feuchte zu tun. Die wurden mehr der Reinigung wegen angelegt.

Grüße

Thomas



Sockelanstrich in Wohnräumen



Hallo Silke

Wenn der Anstrich sehr hart,unflexibel, wasserfest und hitzebeständig ist wäre auch ein Silikatputz oder auch -anstrich möglich.

Wenn er wasserfest,flexibel und relativ leicht zerkratzt werden kann- Teerbasis
Ölfarbe: wasserfest, flexibel und härter als Teer, aber auch nicht hitzefest.

Zur etwas leichteren Identifizierung könntest du ein kleines Stück oberflächlich abheben und dann untersuchen
bzw einem Fachmann dazu überlassen wenn es dir wichtig ist.

Wenn der Sockel nicht störend wirkt bzw die Verdunstung nicht behindert, was im 1.Stock wohl kaum anzunehmen ist, könntest du den lassen wie er ist und nur einen Haftputz (MC 55W oder Gekkosol etc) auftragen und anschließend einen Feinputz auf Kalk-oder Lehmbasis über die gesamte Wand ziehen.
Den Sockel könnte man dabei um Haftputzstärke absetzen, falls dieser nicht wandhoch aufgetragen werden soll.

Dann ersparst du dir die ganze Abfräserei, erhälst den historischen Bestand und hinterher einen weitgehend einheitlichen Wandaufbau, der nicht durch verschieden dicke Putzschichten mit unterschiedlichen Materialien unterbrochen wird.

Bei 2 neuen mineralischen Putzschichten im Sockelbereich würde ich keine Feuchteschäden erwarten, da die bestehende Situation erheblich schlechter ist.
Oder gab es unterschiedliches Verhalten der Tapeten im Sockel- zum übrigen Wandbereich ?

Abschleifen, Abschlagen sind natürlich immer eine Option, aber insgesamt mit mehr Aufwand verbunden.

Zuerst natürlich die Haftung überprüfen und Tragfähigkeit des Untergrundes.
Vorher ließen sich dann ggf noch neue Installationen verlegen.

Andreas Teich



Dampfdichte Krusten...



alter oder neuer Herkunft sind eine schöne Basis für Schimmel. Aufsteigende Feuchte wird Sie wohl nicht beschäftigen, Kondenswasser aber ganz gewiss. Aus diesem Grund würde ich obenstehenden Rat verwerfen.

Grüße

Thomas