Gefache Backstein gegen Lehmbau tauschen?




Hallo zusammen,
wir wollen unseren Bauernhof sanieren und außen in den Ursprungszustand versetzen.
Bei unsererm Bauernhof an der Scheune von 1777 ist das Gefache an einer Giebelwand mit Backsteinen ausgemauert. Meine Frage dazu? Wurde damals sofort mit Backstein ausgemauert, oder wurde der Lehmbau erstellt und später durch Backsteine ersetzt? Wir überlegen die Gefache mit Lehmbausteinen und Kalkputz zu sanieren.
Vielen Dank für mögliche Anworten.



Moin Rudi,



ich bin jetzt historisch wahrlich nicht der Spezi hier, aber die 1777 vermag ich da nirgendwo mehr zu erkennen.....

Von daher frage ich mich welchen Zustand du meinst, den ihr wiederherstellen möchtet?

Und last not least sehen die Steine noch gut aus und sollen verputzt werden - also wozu soll deine angedachte Massnahme eigentlich gut sein?

Gruss, Boris



Backstein gegen Lehm tauschen



Morgen Boris,
danke für die Antwort,
da hast du Recht, der Stein ist gut in Schuss. Da im Dorf einige Häuser mit gleichem Baustiel überwiegend mit Lehm ausgefacht sind haben wir uns überlegt das Gefache der Optik wegen auch in Lehm aufzubauen. An der Innenhofseite s. Bild ist am Bauernhaus überwiegend Lehm verbaut. Wir wissen leider nicht ob der Backstein seinerzeit überhaupt die erste Wahl als Baumaterial war. Oder ob irgendwann das Bachsteinwerk später erichtet wurde. Gruss Rudi



1777



Doch, das Ursprungsbaujahr könnte wohl hinkommen. Dafür sprechen die gedrungene Hausform und die Fenster. Man hat hier nur den Fall, dass auch die Verklinkerung schon ca. 130 Jahre alt ist.

Bevor man sich bei so einem Haus in Detailfragen wie derjenigen, ob man eine bestimmte Sichtfachwerkwand wieder mit Lehm und Putz versieht, verliert, sollte eine komplette Gebäudebestandsaufnahme mit einer denkmalpflegerisch beschlagenen Person stehen. Hier könnte ein Kontakt zur IGB weiterhelfen.

Ich wohne in der Region restauriere hier selber ein altes Haus und kenne die Haustypen aus der Zeit. Habt Ihr mal das Haupthaus dahingehend untersucht, ob es nicht auch Fachwerk mit neuerem Backsteinvorsatz ist?

Im Gebiet rund um die Niers hat sich wegen der Tonvorkommen im Boden schon sehr früh eine Ziegeleiindustrie etabliert, sodass durchaus auch bereits im 18 Jahrhundert Backsteine zur Verfügung standen, allerdings waren diese teuer und wurden kaum bei einfachen Bauernhäusern verwendet. Die Form der Gefache mit den liegenden Quadern ist regiontypisch und wurde zur Ursprungsbauzeit klassisch, also mit Lehm ausgefacht. Nichtsdestotrotz würde ich vorerst keine übereilten Maßnahmen ergreifen, sondern erst noch ein wenig Gebäudeforschung betreiben.



Backstein gegen Lehm tauschen



Hallo,
Danke für das Feedback. Wir fangen erst nächsten Monat an den Hof von Abauten, Verkleidungen und dergleichen vorsichtig zu berfreien. Ich werde dann sichlich ein besseren Überblick haben und Aussagekräftige Bilder einstellen. Den Kontakt zur IGB werde ich suchen und berichten. Danke und Gruss Rudi





Hallo,

ich habe schwer den Eindruck, dass Ihr Haus das bessere am Platz war und deswegen auch mit dem aufwendigeren Backstein
gemauert wurde. Denkmalpflegerisch wäre es verkehrt, jetzt
"rückbauen" zu wollen.

Grüße vom Niederrhein



Backsteine austauschen



Beim Betrachten der Fotos kommt mir noch der Kosten/Arbeitsaufwand in den Sinn.
Es gibt womöglich noch andere, vielleicht dringlichere Arbeiten am Haus.
Insofern könnte der Grundsatz "never change a running system" gelten.

Oftmals gestaltet sich ein Aus-und Umbau ja kosten- und arbeitsintensiver als vorher veranschlagt...
Und da würde ich eine funktionierende Außenfassade nicht gegen eine andere funktionierende Außenfassade tauschen.

Gruß P.



Backstein tauschen



Hallo Peter,
der Hof wird komplett kernsaniert, die Planungen sind fast abgeschlossen. Eine Dringlichkeit besteht nicht, für uns ist es wichtig zu erfahren wie der Ursprungzustand war. Durch gegebene Hinweise aus dem Forum werden wir diese Frage auch beantworten können um dann die "richtige" Entscheidung zu treffen. Danke und Gruss Rudi



Moin Rudi,



ich hätte jetzt kein Problem damit aussen die Ziegel zu lassen und nur den Innenhof in Lehm wiederherzustellen. Für den Gesamteindruck finde ich die schwarzen Betondachsteine samt Eternitbekleidung viel schlimmer - vom fehlenden Pflaster im Hof mal abgesehen.

Ich finde man kann auch mehrere Epochen im selben Gebäude wiederherstellen und so ein wenig den Werdegang und die Geschichte erhalten.

Das ist manchmal gelungener, als diese Puppenstuben, wo noch der letzte Holzwurm mittelhochdeutsch spricht......;-)

Es wäre schön, wenn du uns weiterhin am Werdegang teilhaben lässt. Gerade die unterschiedlichen Lösungen finde ich sehr inspirierend für Mitleser und Nachahmer.

Gutes Gelingen, Boris



Nachbarschaft?



Bei unserem eigenen Haus hat es viel geholfen, anhand sehr alter Fotos und Lithographien, die sich im Besitz der Nachbarfamilien befinden und in Vereinsarchiven (vor Ort wird es wohl meist der Schützenverein sein...) Bildzeugnisse früherer baulicher Zustände unseres Hauses zu bekommen, die man in unserer digitalen Google-Zeit nie finden würde.

Einfach mal (nicht nur deswegen) Kontakte knüpfen, herumfragen. Manchmal gibt es rührige ältere Mitbürger mit interessanten Privatarchiven, die viel wissen und gerne erzählen.

Ob man nun beispielsweise den Zustand von 1870 oder lieber von 1777 wieder herstellen will, da schließe ich ich den Vorrednern an. Lieber ein sauberer und in diesem Fall ja auch historisch einwandfreier Zwischenzustand als eine letztendlich doch nur fiktive Urzustandsreproduktion.



Backsteine tauschen



Hallo zusammen,
ich werde die Sanierung natürlich dokumentieren und hier einstellen. Ende Februar gehts los...