Taupunkt bestimmen - wohin soll er denn nun?

09.02.2005



Hallo die Herren und Damen,

mit Begeisterung stelle ich immer wieder fest, welch immensen Informationsfundus das Internet darstellt. Zu allen möglichen Themen findet man hier in Foren Unterstützung. So auch zu unserem alten Fachwerkhaus. Hier stehen wir nun vor dem Problem, die mittlere Etage renovieren zu müssen. In der Vergangenheit ist an dem Objekt teilweise in unfassbarer Weise rumgebastelt worden, zum Austausch der Gefache reichte allerdings (Gott sei Dank) scheinbar nicht das Geld. So haben wir nun eine Außenwand mit Sichtfachwerk (soll auch so bleiben), die andere ist mit Schiefer verkleidet (soll auch so bleiben: Schiefer wird erneuert). Die Frage ist nun: Wie dämme ich am besten. Für die Seite mit Sichtfachwerk werden wir, ganz klar, innen dämmen. Mir schweben da Zelluloseplatten vor. Nun wird überall empfohlen, vom Fachmann eine Taupunktberechnung durchführen zu lassen - ist soweit in Ordnung. Die Frage für mich ist allerdings: Wo muss der hin? Versucht man eher, den durch viel Dämmaterial nach innen in den Bereich der Dämmung zu schieben, oder sollte man ihn im Bereich des Lehmgefaches/Fachwerks lassen?
Wie sieht das an der beschieferten Seite aus?

Wie ist das überhaupt mit Fenstern im Bereich des Fachwerks? Die schäumt man doch gewiss nicht ein, oder?

Vielen Dank schonmal im Voraus für die Beantwortung meiner Fragen, Andreas



Was issn das- der Taupunkt?



ich glaube die Frage beantwortet sich fast durch die Definition des Wortes. Taupunkt ist der Moment wo warme,feuchte Luft so stark abgekühlt wird, dass die nun kühlere Luftebene die hohe Feuchte nichtmehr halten - es kondensiert und das Wasser geht in einen anderen Aggregatzustand über. Auf der Innenseite sollten die Oberflächen eine brauchbare Menge an Kondensat aufnehmen können, die dann bei steigenden Lufttemperaturen wieder abgegeben werden können. Bestes Beispiel Lehm.
Wird diese Funktion ständig überfordert weil der Taupunkt zu nah an der Innenseite liegt, fangen die Probleme an.
Liegt der taupunkt weiter außen im Wandquerschnitt und wird der Wandaufbau nach außen auch diffusionsoffener, wird die entstehende Feuchtigkeit durch den erhöhten Diffusionsdruck nach außen gedrückt.
Dies ist eine vereinfachte Darstellung, eigentlich ist ganze noch etwas komplizierter, aber es müßte für das Allgemeinverständnis reichen.
Grüße aus Leipzig von
Martin Malangeri



Wie Martin schon schreibt



Guten Tag, aus dem von Martin Malangeri gesagten ergibt sich, dass die Tauwassergefahr bei Innendämmungen größer ist als bei Außendämmungen. Deshalb sollte nicht zu stark gedämmt werden. Halbwegs einfach und auch "zu Fuß" lässt sich eine Tauwasserbilanz nach dem "Glaserverfahren" berechnen. Diese Berechnung ist jedoch nicht sehr genau, da kapillare Wasserleitung nicht berücksichtigt wird (außer in dem Maß, wie sie in Baustoffkennwerte einfließt). Außerdem geht man von idealen Wärmeströmen aus, die immer auf geradem Weg von innen nach außen führen. In wirklichkeit beeinflussen sich unterschiedliche Materialien und Konstruktionen sowie die Geometrie der Bauteile. Zur Überprüfung ob ein Fachwerk den empfehlungen des WTA entspricht kann man eine Glaserberechnung durchführen. Die Tauwassermenge sollte nach WTA auf 500 Gramm pro Quadratmeter beschränkt sein. Die Glaserberechnung dient hier einem Vergleich von Konstruktionen untereinnander, keineswegs wird genau 500 Gramm Tauwasser im Winter anfallen. Je weniger Tauwasser jedoch in der Glaserberechnung ausgewiesen wird desto sicherer ist die Konstruktion einzuordnen. Die Schlagregenbelastung spielt eine weitere Rolle, da in den Gefachfugen Regenwasser eindringt, das muss schnell heraus (nach außen und auch nach innen) und sich schnell so verteilen, dass es an die Bauteiloberflächen geführt wird, wo es verdunsten kann. Eine rechnerisch absolut dichte Dampfsperre innen ist in der Praxis nicht sicher herzustellen, hier warne ich vor Selbstbetrug bei der Berechnung. WTA empfiehlt die innere Schicht von der Tauwassereben aus gerechnet mit einem SD-Wert von 0,5 bis 2,0 m zu konstruieren. Die Innendämmung sollte einen Wärmedurchlasswiderstand von 0,8 m²K/W nicht übersteigen.
Zum SD-Wert habe ich in alten Forumsbeiträgen etwas erklärt. Viel Spass beim Googeln zum Thema Glaserverfahren, Taupunkt, Bauphysik, WTA, ...
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Arnold



Taupunktwände



Hallo Herr Henke

Aussen ist besser als innen - deshalb würde ich untersuchen, ob es möglich ist den geschieferten Teil aussen zu dämmen - das aber nur wenn die Unterkonstruktion nicht mehr tragfähig ist ...
Wenn Sie innen dämmen müssen / wollen ist es ratsam, dass (wie oben schon erwähnt) die Dämmung nicht zu dick wird!
problematisch werden die Übergänge sein, die beim Wechsel von Aussen- und Innendämmung entstehen.
Machbar und sinnvoll ist es gut zu planen und gewissenhaft auszuführen

und das mit dem "Ausschäumen" haben Sie sich schon selbst beantwortet!!!

schöne Grüsse aus Nürnberg

Florian Kurz



überlesen...



die Frage mit der Fensterverschäumung. Bauschaum ist lediglich eine Montagehilfe und kein Dämmstoff. Es gibt zwar mittlerweile auch spezielle Bauschäume mit dämmender Wirkung, aber das Zeug ist und bleibt ein "NoNo". Besser ausstopfen mit Dämmwolle, ökologisch einwandfrei mit Hanffaser und Flachsdämmung. Von der Dämmwirkung her gesehen ist die Fuge zwischen Fenster und Rohbauöffnung prädestiniert für eine prima Wärmebrücke mit durchschlagend negativer Wirkung. Daher auf eine besonders sorgfältige Verarbeitung achten.



Idealfall



Im Idealfall sollte man versuchen den Taupunkt in eine belüftete Schicht zu legen. Auf der Fachwerkseite dürfte das etwas problematischer sein als auf der Schieferseite. Bei der ersten schätze ich dass ein relativ starker Wandaufbau (Dämmung) nötig ist. Auf der anderen Seite hingegen rech wenig Dämmung.

Grüße Bruno



Zu einer ähnlichen Frage...



... in einem anderen Forum (ich weiß, ich kann es nicht lassen ;) ), habe ich folgende Antwort bekommen:

///////////////////////////////// ANFANG
Der Taupunkt spielt bei Lehm de facto keine Rolle - es muß allerdings über die Lehmmischung gewährleistet sein, daß die organischen Bestandteile des Leichtlehms genügend mit Lehm ummantelt sind, damit die zwangsläufig anfallende Kondensfeuchte problemlos aufgenommen und in alle Richtungen verteilt werden kann. Gleichzeitig ist natürlich auch sicher zu stellen, daß der Lehm die aufgenommene Feuchtigkeit an die Umgebung wieder abgeben kann. So kann er seine konservierende Wirkung für das Holz jederzeit voll entfalten, weil er eine niedrigere Gleichgewichtsfeuchte hat, als das Holz .

Mit absperrenden Beschichtungen oder Bekleidungen kann allerdings jedes noch so gut durchdachte System schnell ruiniert werden .

Anmerkung zum besseren Verständnis: Die Wand wird - ausreichender konstruktiver Wetterschutz vorausgesetzt - nie wieder so feucht sein, wie der Stampflehm in der Bauphase eingebracht wird und das auch nicht annähernd.

///////////////////////////////// ENDE