Taubenzecken, Zecken, Dachboden, Bekämpfung, Pyrethrum




Hallo,wir brauchen einen Rat!!! Mein Neffe hat ein Haus übernommen,er hat das Dachgeschoss augebaut,sollte das Schlafzimmer werden,in der ersten Nacht kamen lauter "Tierchen" die Holbalken herunter, es stellte sich heraus das es Taubenzecken waren, es wurden vor 15 Jahren dort Tauben gezüchtet, es kam ein Scädlingsbekämpfer und sprühte Gift, das ist jetzt 3 Monate her und es kommen immer noch diese taubenzecken die wände herunter, muss man das ganze Dach abdecken um endlich Ruhe vor diesen grässlichen Viecher zu haben,bitte um Antwort mein Neffe ist mit den Nerven am Ende!!!!



Schon das gelesen?



http://www.act-active.de/zecken.htm

Normalerweise müsste euch da der Schädlingsbekämpfer besser Auskunft geben können als die Fachwerker. Aber vielleicht habt ihr Glück. Ich drücke euch die Daumen.

Gruß Marko



Taubenzecken (Argas reflexus)



Hallo Sandra, hallo Marko

Der Befall durch Taubenzecken ist nicht ungefährlich. Nach diversen medizinischen Angaben und eigenen Erfahrungen heilen Stiche durch Taubenzecken zwar oft binnen kurzer Zeit ab. Allergische Reaktionen sind aber nicht selten. Diese treten als generalisierte Urtikaria, Quincke-Ödem oder als Urtikaria-Angioödem-Syndrom, zum Teil mit Diarrhöen, auf. Urtikaria oder Ödem erscheinen - egal wo die Zecke zugestochen hat - am ausgeprägtesten im Kopf-Hals-Bereich. Rasch kann es dann zu Atemnot, Kreislaufbeschwerden, Herzrhythmusstörungen und anaphylaktischem Schock kommen.

Grundsätzlich sind folgende Schritte zu einer erfolgreichen Bekämpfung und Vorbeugung einzuhalten:

1. Kontrollen auf Taubenzeckenbefall:
Vor Um- oder Ausbau von Gebäuden, auf deren Dachböden sich verwilderte Haustauben aufhalten bzw. in der Vergangenheit (bis vor 10 Jahren) dort aufgehalten haben, sollte grundsätzlich der Dachboden auf Taubenzeckenbefall kontrolliert werden.
Diese Kontrollen sind von Sachkundigen vorzunehmen.
Befragung von Hauseigentümern, Vermietern und Mietern zur Lokalisation und Dauer der Taubenbesiedlung sowie zu evtl. aufgetretenen Taubenzeckenstichen sind durchzuführen.
Die unmittelbare Umgebung potentieller Verbergeorte ist mittels Taschenlampe auf Taubenzecken und Kotspuren absuchen! Taubenzeckenkot (Durchmesser etwa1-2 mm) hat ein schwarzes, teerartig glänzendes Aussehen und ist oft perlschnurartig hintereinander aufgereiht.
Vermutete Schlupfwinkel sind mit einem pyrethrumhaltigen Austreibemittel (am besten Naturpyrethrum) aussprühen und nach ca. 30 Minuten erneut deren Umgebung auf evtl. ausgetretene Taubenzecken kontrollieren. Es empfiehlt sich, unter die zu besprühenden Stellen weiße Papierbogen zu legen. Ausgetriebene Taubenzecken fallen herunter und sind so besser zu erkennen.
Die Kontrollen sollten sich auf den Zeitraum Mitte März bis Ende August beschränken! Darauf achten, daß bei den Kontrollen die Temperatur über 12° C liegt!

2. Taubenzeckenbekämpfung
Einige grundsätzliche Hinweise
· Auswertung der Befallskontrolle (Befallsanalyse)
· Das Ergebnis der Befallsanalyse entscheidet über Art und Umfang erforderlicher Bekämpfungsmaßnahmen.
· Die Bekämpfungsstrategie muss differenziert und objektbezogen alle biologischen und ökologischen Parameter berücksichtigen.
· Erarbeitung eines Bekämpfungsplanes Vorbereitungsarbeiten, Mittel, Methoden und Verfahren, Zeitpunkt der Durchführung, Sicherheitsvorkehrungen u.a.)

Notwendige Vorbereitungsarbeiten vor einer Taubenzeckenbekämpfung:
· Als Voraussetzung für die Durchführung einer Taubenzeckenbekämpfung muss gewährleistet sein, dass sich auf dem Dachboden keine Tauben mehr aufhalten und dort für diese Tiere jegliche Zuflugs- und Zutrittsmöglichkeiten unterbunden sind.
· Großflächige Desinfektion auf dem Dachboden als Schutzmaßnahme, bevor mit der Entrümpelung und Reinigung des Dachbodens begonnen wird, da im Taubenkotstaub
Krankheitserreger vorkommen können (z.B. Erreger der Ornithose und Kryptokokkose).
Entrümpelungs- und Reinigungsarbeiten:
* Dabei sollte die Staubentwicklung möglichst gering gehalten werden.
* Schutzkleidung, Schutzhandschuhe und Atemschutzmasken mit bakterienzurückhaltenden
Staubfiltern tragen (sehr gut geeignet sind Rauchfilter der Feuerwehr)!
· Umgehender Abtransport des vom beräumten Dachboden angefallenen Materials!
· Ist die Taubenzeckenbekämpfung erst zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen,
wäre auf dem Dachboden eine weitere Desinfektionsmaßnahme anzuraten.
2.3 Zeitraum für die Durchführung von
Taubenzeckenbekämpfungen:
Mitte März bis Anfang Oktober (Voraussetzung: Temperatur auf dem Dachboden
über 12°C)
Nach neuesten Erkenntnissen ist eine TZ- Bekämpfung in jeder Jahreszeit möglich, wenn es sich um einen ausgebauten Dachboden handelt, der in der kälteren Jahreszeit ständig beheizt wird.

3.Bekämpfungsverfahren:
a) Heißluftverfahren
· Durchzuführen nach DIN 68800
· Die Kerntemperatur in den Dachbalken und im Mauerwerk muss über eine Zeitspanne
von mindestens 1 Stunde 55°C betragen.
· Als alleiniges Verfahren ist damit eine Tilgung nicht zu erreichen, da es Probleme mit der Temperatur insbesondere in den Randzonen des Dachbodens gibt und die Taubenzecken durch diese Maßnahme in die unter dem Dachboden liegenden Etagen abwandern. Daher immer als Kombination mit nachfolgenden Verfahren:

b) Mehrschrittverfahren (Auch als "Leipziger Mehrschrittverfahren" nach Dr. G. Vater bekannt)
1. Schritt: Barrierebehandlungen in der(n) unter dem Dachboden liegenden Etage(n) mit einem Mittel mit Langzeitwirkung (z.B. Propoxur). Dabei sollten äußere Fassadenteile mit einbezogen werden.
2. Schritt: Bereiche des Dachbodens, in welchen die Kerntemperatur von 55°C nicht erreicht werden kann, sind ebenfalls mit einem Langzeitmittel zu behandeln.
3. Schritt: Heißluftverfahren

c) Taubenzeckenbekämpfung mit dem Langzeitakarizid Propoxur in Kombination mit einem Austreibemittel auf Basis von Pyrethrum
· Barrierebehandlungen mit einem Propoxur- Präparat (wie beim Mehrschrittverfahren)
· Austreiben der Zecken mit Pyrethrum (vor oder nach dem Ausbringen von Propoxur)
· Ausbringen von Propoxur:

* Wurde auf dem Dachboden die Dielung und Schüttung herausgenommen, sollte dort Propoxur möglichst flächendeckend gespritzt werden.
* Anderenfalls wäre die gründliche Behandlung aller potentiellen Verbergeorte und ein massives Arbeiten nach dem Bohrlochverfahren angezeigt, wobei die Bohrlöcher anschließend zu versiegeln sind.
* Sind Taubenzecken bereits in Wohnbereichen aufgetreten, ist dort unter Berücksichtigung von Barrierebehandlungen in den darunter liegenden Etagen ähnlich wie auf dem Dachboden zu verfahren.

d) Kombinationsverfahren aus Sprüh-, Stäube-, Schaum und Nebelmittel zur Bekämpfung von Taubenzecken nach Entwesungsmittelliste des BgVV gemäß Infektionsschutzgesetz §18

1. Barrierebehandlung mit Pyrtox Insektenkiller Emulsionskonzentrat (Diazinon + Pyrethrum) Sprühen in einem 10 cm breiten Streifen entlang der Fußleisten, rund um die
Fenster, unterhalb von Fensterbrettern, an der Deckenkante, um Rohrdurchbrüche, Elektroleitungseintrittsstellen, im Bereich von Versorgungsschächten u.a.
2. Behandlung kleiner Hohlräume (z.B. Kabelkanäle, Mauerspalten, Türzargen) mit Pyrtox Insektenschaum (Diazinon). Anschließend sind diese Bereiche dicht zu
verschließen.
3. Behandlung großflächiger Hohlräume wie abgehängte Decken, hohle Wände (z.B. Gipskarton-Wände), Hohlräume im Fußbodenbereich (Fußbodenschüttung)u. ä. mit dem Stäubemittel Pyredi 2000 Pulver Ultra (Kieselsäure + Pyrethrum + Piperonylbutoxid).
Pulver über Bohrungen (10 mm) in das Hohlraumsystem einblasen (Druck: 3-4 bar). Danach müssen die Bohrlöcher wieder dicht verschlossen werden.
4. Den Abschluß des Verfahrens bildet eine Vernebelung (Kaltnebel) mit Pyredi 2000 Insektenkiller LSF (Pyrethrum + Piperonylbutoxid) zum Austreiben der Taubenzecken.

Diese Kombinationsverfahren zur Taubenzeckenbekämpfung basieren auf den gegenwärtig neuesten Erkenntnissen und sind zur Zeit als Verfahren der 1. Wahl anzusehen.
Ihr seht, es ist nicht ganz einfach hier zu einem Erfolg zu gelangen.

Gruß

L. Parisek



Na prima



doch ein echter Fachmann im Forum! Ich hatte ihr Profi noch nicht gelesen. Sandra ist dann bei ihnen in guten Händen. (Die Frage war von ihr)
Und ihre Antwort bekommt einen Pluspunkt von mir.

Gut zu wissen, dass hier Fachleute quasi aller Fachrichtungen aktiv im Forum mitarbeiten. Prima Forum kann man nur sagen!

Gruß Marko



Taubenzecken



Hallo, Danke für die Auskunft,mein Neffe hat sich noch nicht bei mir gemeldet ob er diese nachricht schon gelesen hat aber von meiner Seite aus nochmals vielen Dank, über so eine Bekämpfung muss man ja schon fast einen Doktortitel haben um alles zu verstehen,ich hoffe aber für meinen Neffen,das man auch ohne das ganze Dach abzudecken diesen Viechern noch herr wird.Wenn man von solchen Parasiten nur mal schon im Vorfeld gewusst hätte, wäre alles anders gelaufen.Gebe mal meinem Neffen seine email adresse ein