"Tanking"? Oder lieber hydraulischer Kalkputz???

01.02.2007



Habe gerade ein altes reihencottage in Wales gekauft. Das Haus leidet sowohl unter Boden- als auch eindringender feuchtigkeit. Die Rueckwand steckt ueber einen Meter in der Erde - unisoliert - nur alte Steinbrocken mit losem Moertel. Die aeussere Rueckwand ist mit haesslichem Rauhkieselverputz verunstaltet. Vorne haben sie versucht das Haus mit Zement neu zu verfugen. Hier lieben alle Zement und sogenanntes "Tanking" (Plastikmembran an Rueckwand und unter Boden). Hausschwamm (oder trockenfaeule?) haben wir leider auch - vorne am Haus. Ich kenn mich eigentlich gar nicht aus, weiss aber, dass die meisten hier noch weniger wissen. Ein paar alternative "Builder" und Gutachter hatten einige gute Ideen und nun ueberlegen wir: koennte man die im Erdreich steckenden Waende mit einer Schicht Lehmputz und darueber einer Schicht hydraulischem Kalk (hydraulic lime ... ist geloescht, richtig? und haertet unter Wasser) Verputzen und dann einfach nen Heizkoeper an die Rueckwand installieren? Unterm Teppich haben wir einen 150 Jahre alten Schieferboden gefunden. Wenn ich den ordentlich verfuge, muesste er auch wasserdicht sein. Oder? Ich will das Wasser ja nicht aussperren. Das Haus soll atmen koennen. Aber weil wir am Hang wohnen und viel Wasser den Berg runterkommt, hab ich Angst, dass es einfach konstant durch die Kalkschicht sickern und das Haus zum schimmeln bringen wird...



bitte auf Ihre feuchten Mauern keinesfalls Lehmputze auftragen.!!



Diese können nicht trocknen, also auch nicht abbinden. Da würde ich eher Traßkalkmörtel/Traßkalkputze empfehlen.Kalk hat immerhin eine fungizid vorbeugende Wirkung gegen Schimmelpilze.
Bei massiven Natursteinwänden hilft ein normaler Heizkörper (Konvektionsheizung) überhaupt nix. Besser wäre eine Haustemperierung (reine Strahlungswärme), das wären ca 3 warmwasserführende ,in Kalkmörtel eingeputzte Kupferrohre im Sockel/Brüstungsbereich, montiert entlang der Außenwände.



Tanking



Das sind eine ganze Menge komplexer Ursachen für Bauschäden, die hier wirken können. Hier hilft nur eine gründliche Analyse vor Ort, um die erforderlichen Sanierungsaufgaben zu planen. Richtig ist, das man Nässeschäden nicht mit Zement o.ä. einfach zukleistern sollte. Zum Lehmputz und zur Mauerwerksentfeuchtung hat Klaus schon was geschrieben. Also: einen Fachmann (und zwar einen richtigen) vor Ort suchen!

Gruß
Georg Böttcher



Analysen



Wir schließen uns den Vorrednern mit an und möchten ebenfalls darauf verweisen, daß ein guter Fachmann für derartige Substanz und mit dem Quentschen Feingefühl für die alten neuen Baustoffe (Lehm, Kalk, Stein, etc.) in der Kombination von moderen Verfahren und Einbauten Sie an die Hand nimmt.
Sollte es in Ihrer Region (Land) keinen Fachmann (Fachfrau) geben, so können Sie auch hier in der Plattform bestimmt einige ansprechen.

Freundliche Grüße
Udo Mühle



Lime



Versuchen Sie bei der "IHBC" (Institute of Historic Building Conservation). Sie haben eine Zweigstelle in Wales und bieten auch Kurse an (z.B. "lime plastering"). http://www.ihbc.org.uk/Branches/wales/Training_Wales.html



Herzlichen Dank an Sie alle



Vielen Dank an Sie alle fuer Ihre Antworten und Tipps. Tut mir leid, dass ich erst so spaet antworte: wir haben weder Internet noch Festnetz und wohnen in einem Zelt in unserem eigenen Haus (ohne Zentralheizung!!). Sehr romantisch und furchtbar kalt.
Jedenfalls war letzte Woche der Gebietskonservator hier und gab uns eine Broschuere ueber verschiedene Kalkarten und Workshops zu "Dampness" vom Institute of Historic Building Conservation (danke Frau Bruegge!). Da unser Haus zur Haelfte im Boden steckt, kann es wohl sein, dass Trasskalk (hydraulic lime) alleine nichts bringt. Ich habe beim Abschlagen des alten Moertels auch Trasskalk gefunden (gemischt mit Pferdehaaren) und der fiel mir foermlich entgegen. Da wir von aussen nicht graben koennen (Hauswand schliesst direkt an Strasse an und die ist oeffentlich und das "Council" arbeit furchtbar langsam... ) kann man aussen auch keine Deltafolie hinmachen. Vielleicht muessen wir dann doch eine Drainage unter dem Schieferboden und eine Plastiknoppenfolie (nehme an, das ist dann eine Deltafolie) in Erwaegung ziehen. Waere wirklich bloed, wenn nach einigen Monaten der Putz wieder abfaellt. Das Wasser laesst sich von aussen nur teilweise stoppen: man kann das Regenrinnenabwasserrohr verlegen, aber es kommt immer noch viel Wasser den Berg runter und das trifft dann auf die Rueckwand des Hauses, die ueber einen Meter in der Erde steckt. Nun muss ich Schluss machen. Morgen kann ich wieder Mailen.




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