Tadelakt wirklich eine Alternative im Badezimmer - Fortsetzung

24.10.2007



In dem Posting vom 15.10.2007 „Tadelakt wirklich eine Alternative im Badezimmer?“ hatte ich einen „Erfahrungsbericht“ verfaßt, um auf die Problematik des Tadelaktes im Bad hinzuweisen und evtl. entsprechende Erfahrung anderer Anwender zu diskutieren.

Das Badezimmer ist nun seit knapp zwei Wochen im Gebrauch und eine damalige Vermutung scheint nicht ganz zu zutreffen, so daß nun noch mal die neueren „Erkenntnisse“ zur Diskussion gestellt werden sollen.

Insbesondere der letzte Schritt der Badfertigstellung hat es in sich: die Abdichtung der Zwischenräume von Tadelakt-Wand zu der Bade- und Duschwanne.

Zwei Probleme ergaben sich bei dem ersten Tadelakt: Durch Verwendung des falschen Silikons und einer nicht Vorbehandlung des Tadelaktes mit einem Primer war die Haftung nicht gegeben und es kam zu „Fettflecken“.

Beim zweiten Tadelakt wurden diese Punkte eliminiert. Wobei schon während der ersten Benutzung der Dusche es an einer Stelle wieder zu einer Verdunklung kam, so daß zu befürchten war, daß erneut eine Unverträglichkeit von Tadelakt zu Silikon vorhanden sein könnte. Jedoch im Gegensatz zu den Verdunklungen beim ersten Tadelakt gehen die Verfärbungen nach ca. 5 Tagen Trockenzeit zurück, so daß eine Ursache im Silikon auszuschließen ist- zumal diesmal ein hochwertiger Natursteinsilikon verwendet wurde.

Jedoch stellt sich die Frage warum der Tadelakt gerade in diesem Bereich für Wasser durchlässig ist?
Der Tadelakt wurde mit dem Stein poliert und am gleichen Tag geseift und nochmals nach einigen Tagen zum zweiten Mal geseift. Anschließend wurden die Oberflächen zweimal mit Punischem Wachs behandelt. Über Nacht trocknete das Wachs ab und wurde anschließend glänzend poliert. Das Wasser perlt ansonsten sehr gut ab, so daß Ergebnis eigentlich zufriedenstellend erschien. Bis auf die eine Stelle, wo anscheinend Wasser eindringt.

Ist die Behandlung des Tadelaktes so in Ordnung, oder hätte bei dem ersten Seifen dies mit dem Polierstein (leichtes Nachpolieren) erfolgen müssen?

Nach dem Abtrocknen der Stelle habe ich den Bereich nochmals großflächig mit Wachs (2x) behandelt, jedoch stellt sich während der ersten Benutzung wieder der „Wasserfleck“ ein.

Gibt es sonst noch Möglichkeiten die Wasserbeständigkeit zu beeinflussen?

Gruss,

Michael





Also ich lasse meine Tadelaktoberflächen immer einige Wochen durchkarbonisieren bevor ich die finale Schlussbeschichtung aufbringe pure Savon Beldy , von Wachsen jeglicher Art halte ich als Purist nix. Und zweimal Polieren mache ich auch nur bei Flächen die nicht mit Wasser in Berührung kommen, ansonsten 3-4 seifen und polieren .



Tadelakt



Bei Tadelakt im Duschbereich gilt das gleiche, wie für alle übrigen Beläge auch, eine wasserdichte Abdichtung unter der Oberfläche ist unbedingt erforderlich. Und dann ist es auch kein Problem, wenn es eine dunkle Stelle gibt, die ja problemlos abtrocknet. Ich setze hier immer eine Verkieselung ein, weil ich damit eine kraftschlüssige Verbindung zum Untergrund bekomme.



Tadelakt - Wenn´s sicher sein soll



Für ein funktionierendes Tadelaktbad braucht man etwas Erfahrung. Es ist sicherlich auch schwer einen guten Verarbeiter zu finden. Es gibt viele, die sich um solche Baustellen bewerben.
Für den Bauherr stellen sich viele Fragen: Welches Tadelakt-Material sollte verwendet werden? Was muß bei dem Unterbau beachtet werden? Wie bekommt man es sicher? Wie geht man mit Kanten und Rändern um? Hat der Verarbeiter Erfahrung? Wie muß und kann Tadelakt aussehen?
Risse, keine Risse, glänzend, Stumpf, Farbe ...

Nicht um sonst bieten wir Workshops zum Thema Tadelakt an.

Insbesondere Selbstbauer sollten daran teilnehmen.

So, jetzt aber ein paar Antworten.

Tadelakt muß im Badbereich schnell nach der Verarbeitung geseift werden, da die Seife mit dem Kalk reagiert und eine Kalkseife bildet, die dann wasserabweisend ist.
Das bedeutet, dass sich professionelle Verarbeiter schon mal die Nacht um die Ohren hauen, weil der Tadelakt die Zeit vorgibt. Das rechtfertigt dann auch den Preis.
Nur im freuchten Zustand und wenn der Tadelakt noch nicht ausgehärtet ist, kann die Seife die entscheidende chemische Reaktion mit dem Tadelakt eingehen.

Wenn der Tadelakt mit dem Stein verdichtet wurde, wird die Seife noch im feuchten Zustand aufgetragen. Die Seife zieht ein, und muß dann nochmal mit einem Stein poliert werden. Je, nach Glanzwunsch entsprechend gründlich.
Am nächsten Tag sollte die Seifung wiederholt werden, da der Tadelakt dann immernoch feucht ist. Dabei nicht mehr mit dem Stein verdichten. Am besten einen oder zwei Tage später noch ein drittes mal seifen.

Das Bad darf erst nach 4 Wochen benutzt werden, weil der Tadelakt erst mit dem Luft CO2 aushärten muß.

Auf dem Tadelakt perlt das Wasser dann ab. Wachsen ist überflüssig.

In seinen eigenen 4 Wänden kann man ja machen was man will, aber wenn ein Auftraggeber viel Geld ausgibt, dann kann er erwarten, dass er keine Folgeschäden erleidet. Deshalb finde ich, dass der Untergrund natürlich abgedichtet werden muß. Dann muß auf diesen Untergrund aber auch ein Aufbau, den der Tadelakt mag.

An den Rändern kann man mit unterschiedlichen Methoden einen Abschluß finden. Entweder mit Schienen oder mit einer Mosaikbordüre und im letzten Fall auch mit Silikon. Dann muß man allerdings mit dem Seifen an dieser Stelle aufpassen. Es sollte dann mit einem Kellenschnitt eine entsprechende Fuge gelassen werden, die nicht geseift ist. Seife und Silikon vertragen sich nicht.

Insgesamt ist das Thema eine eigene Wissenschaft, die man nicht nur schriftlich und telefonisch besprechen kann, weil einfach viel Erfahrung dazu gehört.
Wir haben eine Werkstatt, in der wir praktisch, theoretisch und chemisch den Tadelakt testen und verfeinern.

Wir finden das Tadelakt ganz klar eine alternative im Bad ist.
Allerdings sollte der Verarbeiter frühzeitig hinzugezogen werden und nicht erst zum Schluß, so nach dem Motto mach mal den Tadelakt an die Wand. Es könnte sonst sein, dass ein guter Tadelaktverarbeiter einfach die Baustelle ablehnt, weil er weiß dass es problematisch wird.

Mit freundlichen Grüßen
Dipl.-Ing. Sven Hänichen
www.abwshop.de





Prinzipiell ist Tadelakt und Silikon unverträglich, da Silikon permanent Essigsäure abspaltet und somit den im Tadelakt elementaren Kalk angreift. Wenn man schon Dichtmassen verwenden will, rate ich zu Sanitäracrylaten.