Tadelakt: Untergrund, Anschluß an Duschtasse,...

22.06.2012 Eichi



Hallo Forumsgemeinde!
Ich setze mich jetzt die letzten Tage sehr intensiv mit dem Thema Tadelakt im Bad auseinander aber ein paar Fragen blieben bisher leider unbeantwortet und daher hoffe ich hier noch ein paar Infos zu erhalten.
Es geht bei uns um den Bereich rund um die Badewanne und ganz speziell um die Wände der Dusche. Wir (bzw. ich, meine Frau ist noch nicht ganz so überzeugt) würden in diesen Bereichen gerne Tadelakt anbringen. Unser Haus ist als Massivholzhaus aufgebaut und die Wände im Badezimmer sind mit Fermacell Gipsfaserplatten beplankt. Die Platten wurden an den Stößen geklebt und in der Fläche mit Klammerl an den Holzwänden befestigt. Manche Bereiche sind mittlerweile mit Lehmputz versehen, die Bereichen in denen ursprünglich Fliesen vorgesehen waren sind noch frei, hier würden wir eben gerne Tadelakt aufbringen.
Unser Installateur hat für den Bereich in der Dusche vorgeschlagen einen Duschdichtanstrich aufzubringen. Lt. Hersteller hält auf diesem Anstrich dann aber nur noch Fliesenkleber vom gleichen Hersteller (Lugato). Nachdem Tadelakt ja wasserdicht ist könnte ich aber auf den Anstrich auch verzichten, glaub ich zumindest.
Aber wie soll ich z.B. die Abdichtung zwischen Tadelaktwand und Duschtasse machen. Ich könnte natürlich versuchen den Dichtanstrich mit Dichtband auf die Duschtasse zu bringen aber nachdem ja eine Tadelaktschicht (ev. mit Unterputz) nicht so viel Dicke aufweist wird das auch nicht so einfach. Außerdem kommt dann wieder das Problem mit der Haftung zum Tragen.
Herkömmliches Silikon fällt auch flach, das schadet dem Tadelakt und generell wird von Silikonfugen abgeraten weil sie nie so wirklich dicht sind und immer wieder erneuert werden müssen.
Eine weiter Frage ist der Untergrund: Hin und wieder hat es sich für mich schon so gelesen als ob Tadelakt direkt auf Gipsfaserplatten verarbeitet werden kann (in der ersten Lage mit Netz), dann wieder liest es sich so als ob es keinen brauchbaren Unterputz für Tadelakt gibt der auch auf Gipsfaserplatten verwendbar ist,...
Ich bin da echt noch etwas verunsichert ob und wie man das machen soll. Hab mir schon überlegt ein Probestück zu machen aber ich bin nicht sicher ob man da was über die Langzeithaltbarkeit sagen kann.

Ich hoffe ich hab nicht zu viele unnötige Informationen in meinen Text gepackt und bin gespannt ob mir jemand bei meinen Fragen helfen kann.
Besten Dank jedenfalls schon mal für Eure Antworten,
Günther



Sprichwort: G'scheid oder garned!



Hallo

Tadelakt ist eine Oberflächenart, die auf einem System von Kalkprodukten aufbaut und als letzter Abschluss - als Finish in seiner Farbigkeit (sekundär) und Haltbarkeit und Wasserbeständigkeit (primär) "erfunden" wurde.

Wenn Sie solche modernen Untergründe wie Gipsplatten haben geht kein "richtiger" Tadelakt sondern nur ein Produkt, das vielleicht so heisst oder vielleicht so aussschaut aber nichts mehr mit der Wahrheit zusammenhängt.

Da werden Sie wie alle anderen halt einfach von der Masche, vom Marketing der Herstellerfirmen "gebrieft" und hirnmässig darauf eingestellt um es zu konsumieren.
Das ist mittlerweile Usus und am Bausektor üblich - dergleichen kann man beim Holz, beim Lehm, beim Kalk etc. beobachten.

Wenn Sie richtigen Tadelakt haben wollen, dann sollten Sie auf Kalk aufbauen und jemanden suchen der das auch wirklich auch kann.
Wie alles Handwerk mit Geschichte braucht's da Erfahrung von Jahrzehnten und kein DIN A 4 Zertifikat von selbsternannten Zertifikateuren oder andern obskuren G'schäftlasmacher die halt gerade mal "auf Tadelakt machen".

Eine moderne Art relativ Fugenlos eine Dusche zu kreieren ist entweder Glas oder sind grosse Fliesen: www.kerlite.it als Beispiel

Viel Erfolg

FK



Zustimmung



Dem Florian Kurz stimme ich hier in aller Form zu.

Tadelakt ist eine hohe Kunst der handwerklichkeit, wenn man auch den Originalen zum Einsatz bring und nicht nur den für Billigheimer von verschiedendsten herstellern nur so benannten.
Bei der originalen Variante ist ein massiver Untergrund nötig, der mit einem zementären Grundaufbau auch beginnen sollte.

Abdichtungen der Duschtasse sind dann leider nicht exakt möglich, weil die Oberflächen gewachst werden und somit elastische Fugabdichtungen nicht haltbar sind.
Derartige Fungen sind eh nur periodisch haltbar und sollten stets aufr Funktionalität kontrolliert werden.

Frohes Schaffen,
Udo Mühle



wie gesagt …



entweder g'scheid oder garned

DAS:
… der mit einem zementären Grundaufbau auch beginnen sollte …

würde ich schon nicht machen …

so scheiden sich die Geister

FK



sooo...



Hatte heute auch noch Kontakt mit kreidezeit.de und nach einem sehr ausführlichen Gespräch (besten Dank auch von hier aus noch mal) bin ich doch recht guter Dinge daß das was wird.
Die Abdichtung der Dusche werde ich jetzt mal mit Lugato Duschdicht machen, darauf eine Schicht Fliesenkleber mit einer Zahnspachtel auftragen und dann Kalkhaftputz als Untergrund für den Tadelakt. Der Kalkhaftputz wird auch gleich noch genetzt damit es mit den Gipsfaserplattenstößen da ja keine Probleme gibt.
Die restlichen Flächen werden erst mit Kaseinanstrich bepinselt, danach Kalkhaftputz mit Netz und dann Tadelakt.
Werde vorher wohl noch im Keller testen ob ich das auch hinbringe und wenn es da glückt dann hab ich mir wohl einiges an Arbeit aufgehalst. Aber lieber ein wenig später einziehen und das haben was man möchte als sich ewig fragen ob denn die Fliesen wirklich das sind was man will.
Ich danke euch nochmal für Eure Tipps und wenn ich nicht vergeß dann mach ich ein paar Fotos und stell sie hier ein, kann aber noch dauern.

Schöne Grüße,
Günther



Unabhängig



davon nehmen die Malems in Marrakesch auch schon Zementmörtel als Grundputz für ihren Taderlakt. Allerdings immer auf einen massiven Untergrund.

Ich selber verarbeite verarbeite Tadelakt nicht auf Gelump alla Fermacell etc!



Wandaufbau



S.g. Hr. Welsch!

Danke für Ihre fachmännische Antwort, leider ließ sich das minderwetige Produkt Fermacell an den Badezimmerwänden nicht vermeiden. Oder wäre es besser auf einer blanken Holzfläche zu arbeiten.
Bei unserem Haus ist nun mal der Wandaufbau so daß er aus einer 10cm dicken Massivholzdreischichtplatte besteht auf die im Badezimmer mit Fermacell gearbeitet wurde die an den Fugen geklebt wurde und in der Fläche mit Klammerl befestigt ist.
Ich persönlich finde Fermacell noch immer besser als Gipskarton und nachdem in manchen Bereichen sogar direkt Lehmputz auf die Platten aufgebracht wurde kanns ja nicht ganz so schlimm sein mit der Tragfähigkeit.
Ich hoffe daß nicht mein Motto zu so geringschätzigen Antworten wie der Ihren führt, ich mein es nämlich auch mit einem kleinen Augenzwinkern.
Meine Unwissenheit zum Thema Tadelakt bitte ich ebenfalls zu entschuldigen, beschäftige mich erst seit einer Woche mit dem Thema und bin halt begeistert von dem Material und der Wirkung. Davor waren Fliesen in den nicht verputzten Bereichen im Badezimmer vorgesehen, mal schauen was es dann wirklich wird.

Grüße,
Günther



Fehler …



Hallo

Wenn Sie schreiben:
Unabhängig davon nehmen die Malems in Marrakesch auch schon Zementmörtel als Grundputz für ihren Tadelakt. dann solle man da schleunigst runterfahren und denen Mal erklären dass sie damit die über 2000 jährige Geschichte und Erfahrung ihrer Vorfahren konterkarieren und dieses Handwerk wie die meisten auch den Bach runter geht - Hauptsache praktisch, schnell und billig - Die Industrie verspricht's und gewinnt und entzieht dem Handwerk den goldenen Boden den es einst hatte.

Dieses - in meinen Augen blinde - Nachrennen hinter dem zweifelhaften Fortschritt und seinen Segnungen bringt nahezu jedes Handwerk an den Rand des Ruins.

Wenn ich die Fussböden von Früher mit denen von Heute vergleiche - kotz!

Wenn ich die Schreiner- oder Zimmererkunst vergleiche - früher Kunst - heute Schund auf allen Ebenen!

Bei einer massiven Holzwand könnte man mit ein bisschen Planung und vor Ort Kenntnis auch gut mit Kalk oder Lehm arbeiten ohne die "Vorzüge des Schnell Schnell Glumps" verfallen zu müssen.

Es gibt fast immer ein vernünftige Alternative!

FK



Tadelakt: Untergrund, Anschluß an Duschtasse,...



Dieses - in meinen Augen blinde - Nachrennen hinter dem zweifelhaften Fortschritt und seinen Segnungen bringt nahezu jedes Handwerk an den Rand des Ruins.

100% Zustimmung !

Hier wie da die selbe Dummheit ! Hier sinds die 20 cm Sytropor-Sondermüllfassaden und dort die sog . modernen maschinengängigen Baustoffe die die Arbeit ja so erleichtern!!!



Wandaufbau



Der Aufbau der Ihnen empfohlen wurde mag zwar funktionieren, ist aber nicht der idealste was Tadelakt anbelangt. Genauso ist Lehmputz auf Gipsfaser nicht zu empfehlen und in Räumen mit hohem Feuchtigkeitsanfall erst recht nicht.

Auf das von Ihnen genannte miwe Gipsfaser Produkt hätte man sehr wohl verzichten können :-).

Eine Option wäre z.B. Ziegeldrahtgewebe gewesen, dieser Putzträger kann direkt auf Holz verarbeitet und verputzt werden. Mit Luftkalk verputzt entsteht ein idealer Untergrund auf Kalkbasis für Tadelakt. Spannt man das Ziegeldrahtgewebe frei zwischen Boden und Decke, verputzt es beidseitig hat man eine freistehende stabile Wand die genauso mit Tadelakt bearbeitet werden kann.

Möglichkeiten gibt es auch ohne moderne Plattenwaren, aber leider haben Sie erst Tadelakt kennengelernt als die Wände schon fertig waren.

Die Anschlüsse an Duschtasse oder Badewanne sind oft einfacher zu realieren als es zunächst scheint.

Grüsse Thomas





Kalk auf Zement + Feuchtigkiet + Wärme.
Bitte niemals!