Tadelakt wirklich eine Alternative im Badezimmer?

15.10.2007



Ich bemerke, daß zur Zeit das Thema Tadelakt immer mehr Gegenstand von Interesse ist und teilweise als „die Alternative“ zu Fliesen hochgelobt wird. Dagegen ist nichts zu sagen, denn Tadelaktoberflächen besitzen zweifelsohne eine gewisse Fazination- immerhin war auch ich dieser erlegen.

Durch meine bisherigen praktischen Erfahrungen möchte ich potentiellen Tadelaktkunden sensibilisieren und vor Ärger/Enttäuschungen warnen. Das Problem liegt halt im Detail, worüber man sich als Laie im Vorfeld ja auch keine Gedanken macht, da entsprechende Fachkompetenz bei den Anbietern erwartet wird.

In einem normalen Badezimmer mit Badewanne und Duschtasse, wo eine zusätzliche Abdichtung zu der Tadelaktwand erforderlich ist und diese Abdichtung aufgrund fehlender technischer Lösungen mit Silikon erfolgen muß- ist Tadelakt meiner Erfahrung nach völlig ungeeignet und nicht brauchbar. Sogar der Einsatz von Primer und hochwertigem Natursteinsilikon (von Otto-Chemie, der übrigens auch vom Tadelaktvertreiber empfohlen wird) führt nur zu einem nicht zufriedenstellenden Ergebnis.

Dies ist nun der zweite Tadelakt, nachdem beim Erstenmal es versäumt wurde, sowohl vom Vertreiber als auch vom Lehmputzer die richtige Verarbeitung und Abdichtung zu präzisieren. Grund des Ärgers war das Ablösen des Silikons (Undichtigkeit) und die Verdunkelung des Tadelaktes im Kontaktbereich mit dem Silikon. Die Verdunkelung (Fettflecken) sind nicht zu beseitigen und sehen fürchterlich aus. In dieser Situation zeigte sich, daß weder der Vertreiber noch der Handwerker über fundierte Kenntnisse zu diesem Thema verfügten. Eine Verantwortlichkeit wurde zurückgewiesen, mit der Begründung, daß „Silikon“ nicht deren Fachgebiet sei- schöne einfache Welt- da frag ich mich, wie die Menschheit es überhaupt bis auf den Mong geschafft hat? Naja, das mag zwar vielleicht rein rechtlich seine Berechtigung haben, doch bei so einem exotischen Baustoff könnte man als Endverbraucher doch ein wenig mehr erweiterten Horizont erwarten. Denn mit dem Tadelakt allein ist es halt in diesem Fall nicht getan. Letztlich ist Tadelakt ein „Gebrauchsgegenstand“, der funktionieren muß und nicht nur was fürs Auge sein soll.

Immerhin zeigt sich der Lehmbauer soweit einsichtig, daß er den gesamten Tadelakt im Bad erneuerte.
Nun wurde das Bad neu abgedichtet- diesmal nicht vom Bad-Installateur, sondern von einem Versiegelungsfachmann. Nach 3xmal duschen haben wir auch wieder unsere Fettflecken wieder.

Da Tadelakt auch nicht gerade Preiswert ist, bin ich der Meinung, daß dieser Zustand mehr als unzufriedenstellend ist.
Deshalb sollten potentielle Kunden/Nutzer sich gut überlegen, ob unter den geschilderten Bedingungen Tadelakt tatsächlich eine Alternative darstellt.
Das ursprüngliche Einsatzgebiet liegt halt nicht in einem mitteleuropäischen (modernen) Badezimmer. Bei Tadelakt ist grundsätzlich eine völlig andere Planung des Badezimmers ratsam, dies ist uns jedoch im Vorfeld nicht vermittelt worden und nun das alles ändern, um Tadelakt zu haben?

Darüber hinaus konnte ich bei den Tadelakt-„Experten“ nicht gerade auf fundierte Kenntnisse stoßen- teilweise wurden sogar widersprüchliche Angaben zu der Verarbeitungsreihenfolge- Seifen, Wachsen und Abdichten mit Silikion abgegeben, die einen erahnen lassen, das da keinerlei praktischer Erfahrung vorhanden sind. Letztlich völlig enttäuschend war, daß ich nicht erkennen konnte, daß da ein Interesse entwickelt wurde, wie dieses Problem tatsächlich gelöst werden könnte- schönes ökologisches Schubladendenken.

Mein Fazit:
Kritisch den Handwerker unter die Lupe nehmen. Am Besten Referenzen zeigen lassen, damit man nicht nur erzählt bekommt, daß diese Problem bei den 20 Bädern davor nicht aufgetreten ist- im Zweifelsfalle eine klare Gewährleistung definieren. Bei diesem alternativen Wandschmuck sollte man sich auch Gedanken zu einem alternativen Badkonzept machen.

Prinzipiell ist der Einsatz von Silikon zu vermeiden- auch Natursteinsilikon, da dieser, wenn auch in verminderter Weise, zu einer Stellenweisen Verdunkelung führt.

Da dieser Effekt nicht an allen Stellen gleichzeitig und gleichmäßig auftritt, vermute ich, daß das Polieren (Verdichten) mit dem Stein sehr entscheidend für die Tadelaktbeständigkeit ist.
Tadelakt hat jedenfalls für mich viel von seinem Glanz verloren- beim nächsten Mal werde ich eher auf bewährte Natursteine zurückgreifen.


Immerhin scheint diesmal durch den Primer die nötige Haftung vorhanden zu sein, so daß es wenigstens nicht undicht wird.

Soweit mein "Erfahrungsbericht".

Gruß,

Michael





Als Maleem der eigentlich Tadelakt Verarbeiten und verkaufen will sehe ich die Problematik ähnlich. Tadelakt als archaisches System funktioniert nicht richtig im Hightech System unserer Tage. Inzwischen rate ich mehr Interessenten von Tadelakt ab als ich verkaufe . Allerdings funktioniert es aber bei den wenigen sehr gut und der Tadelakt kann sein volle Pracht und Wasserresistenz entfalten.Ich stelle z.b meine Bade und Duschwannen selber aus Ziegel oder Porenbetonsteinen her+ althergebrachter Technik und Putzaufbau mit Tadelakt als Abschluss = keine Probleme.



Hallo Roland,



ja leider besitzen viele gar nicht die Erfahrung, um einem Kunden evtl. etwas abzuraten oder zu beraten.
Der von Dir geschilderte Weg mit selbstgebauten Wannen erscheint mir nach meiner Erfahrung letztlich, als der einzig machbare und logische. Ich befasse mich erst seit ein paar Monaten mit Tadelakt- wie kann es dann sein, daß ein Handwerker, der sich angeblich schon seit 15 Jahren mit Lehmputz und Tadelakt befaßt, nicht zu den gleichen Schlüssen kommt- traurig!
Leider ist es sehr schwierig in diesem Gebiet wirklich gute Leute zu finden, die sich wirklich mit dem "Werkstoff" auseinander setzen.
Abgesehen von den abgedichteten Bereiche habe ich zu der Funktion des Tadelaktes nichts zu berichten- es einfach Schade, wenn soetwas einfach nicht richtig geplant wird.

Gruß, Michael



Noch 'ne kleine Randnotiz



Hier vielleicht ein guter Tipp aus der Tiefe der Plattform.

Ralf Budwell Creations, AG
Ralf Budwell
Hafenstrasse 50C
CH 8280 Kreuzlingen
Tel.: 0041(0) 33534990
eMail: info@budwell.com
WWW: Homepage

Versucht es einfach einmal, aber er ist schwer zu erreichen. Sehr viel im Ausland. Und schaut auch mal auf die Page.

Grüße Udo



Ob Tadelakt oder Kalk oder Lehm oder …



Hallo

Es ist doch immer das Selbe:
Sie schreiben es so schön: es einfach Schade, wenn soetwas einfach nicht richtig geplant wird.
Das ist doch auf allen Gebieten so - irgendwelche selbsternannten Spezialisten schwimmen auf der Öko - oder sonstwas Welle und verklickern mit schönen Bildern, solventem Gebrabbel am Telefon oder vor Ort, erzählen von jahrelanger Erfahrung und der Kunde fällt drauf rein.
Und nachher hat er das Schlamassel.
Alles ist so einfach - ein paar Sachen im Internet googeln, eine paar Fragen in irgendeinem Forum und los gehts - Firmengründung, hippes Logo und ein paar hochqualifizierte "Seminare" und dann gehts los.
Andere Firmen springen auf den Zug und kreieren allerlei Hilfsmittel die geeignet sind für dies und jenes und belabern dann die so erfahrenen Neugründer.
Wirkliche Handwerkskunst - mangelware!
Warum haben denn die Handwerker früher Lehr- und Gesellenzeiten gebraucht - heutzutage geht das ratz fatz - und der Kunde soll die Kohle rausrücken.
Und ...
das Ganze sollte auch noch geplant werden … von wem denn?
Wo bleibt denn die Erfahrung der Planer und Berater - Hochschulausbildung - Seminare auf einer eher intelektuellen Ebene und Baustellen sind handwerklich unterqualifiziert - alle bauen nicht mehr etwas zusammen sondern gegeneinander und montieren eigentlich nur noch Halbfertigprodukte der Industrie - Putze und Mörtel haben Zusätze, die der Arbeiter gar nicht mehr überblickt und der, wie der Planerstab halten sich an die Vorgaben der Industrie mit gefaketen Normen und Vorschriften.
Letztlich entscheidet immer der BAUHERR was er wirklich will - und das bekommt er.
Ist's etwas modernes, optisches, hippes oder wirkliche planerische und oder handwerkliche Qualität!
Ich will nicht sagen, dass es der Bauherr leicht hat in dem Wust an Informationen - aber den letzten beissen die Hunde!
Hört sich blöd an - ist aber so!

EIn guter Beitrrag vom Michael!

einen schönen Herbsttag

FK





Hallo Querulant, guter Beitrag!
Lediglich durch die Attacke auf die Normen gibt´s mal wieder Abzüge in der B-Note.

Find das Thema interessant, weil selbst keine Ahnung.

Gruß jens



Mist schon wieder!



Hallo

…die Attacke auf die Normen gibt´s mal wieder Abzüge…
dazu mein Lieblinglink:
Ui - der ist mittlerweile ganz gut versteckt!
http://www.din.de/cmd?level=tpl-unterrubrik&menuid=47421&cmsareaid=47421&cmsrubid=47429&menurubricid=47429&cmssubrubid=47433&menusubrubid=47433&languageid=de
und da der Satz:
DIN-Normen sind jedoch keine Lehrbücher. Deshalb muss jemand, der sie anwendet, soviel Sachverstand haben, dass er die Verantwortung für sein Handeln selbst übernehmen kann
Das ist der ultimative "Persilschein" für Weisswäsche!
Schuld hat immer der Anwender - nicht der "Erfinder" der DIN!
Ist doch prima so!
Und wenn Sie schon mal auf der Seite sind schauen Sie sich mal um, wer denn so alles in den Aussschüssen sitzt!

Nahc der alten Devise von Rudi Carell: "Lass dich überraschen!"

FK



unterschnittener Einbau?



Habe auch keine Ahnung von Tadelakt, ich kann mich aber an eine Gutachtertermin vor vielen Jahren erinnern, bei dem eine ähnliche Problematik (Dusche mit Tadelaktwänden)und resultierende Feuschteschäden unter dem Estrich durch Hinterlaufen untersucht wurde.

Der öbvS (kurz vor der Rente) sah eine einzige Mängelbeseitigungsmöglichkeit (außerhalb des Protokolls und ohne die Hand dafür ins Feuer legen zu wollen) eine solche Dusche zu bauen (die der Bauherr immer noch wollte) durch einen unterschnittenen Einbau der Duschtasse (Duschtasse sollte massiv ohne Styropor aufgeständert werden(kein Absacken beim Betreten), stößt an Rohbauwand,Tadelakt wird bis auf dünnes Quetschprofil auf dem Duschrand geführt und steht auf).

Ich habe keine Infos, ob das dann so gemacht wurde. Könnte es funktionieren?

Gruss Eckard





Hallo Eckard, gute info.
So kann die Sache funktionieren.
Silikon reisst(in folge schrumpfens) eh immer wieder ab und hat so von vornherein keine Abdichtende Wirkung.
Bei dem Quetschprofil würde ich ein Kompriband versuchen. Irgend welche Einwände oder anderslautende Infos/Erfahrungen hier?

gruß jens





Hallo, ist eine interessante Disku hier. Bisher habe ich diezbezüglich noch keine Probleme von meiner Kundschaft gehört. Selbst wenn Tadelakt, wie unten beschrieben, auf die Wanne geführt wird ist es nicht Dicht da auch Tadelakt schrumpft. Das Problem geht auf falsche ausführung und immer schnell schnell zurück. Tadelakt könnte mann auch "sich zeitnehmen" benennen. Die fettflecke würden mich aber mal interessieren und ob mit original Tadelakt aus Marokko oder dem in Norddeutschland "nachgebautem Tadelakt" gearbeitet wurde. Da gibt es einiges an unterschieden, was leider die meisten leute nicht wissen......muss los und verfolge die Disku weiter.

Grüsse aus Ffm



Hallo Sandro,



als Erläterung: Der Tadelakt schließt nicht direkt mit der Dusch- und Badewanne ab, sondern der Tadelakt ist einige Zentimeter tiefergezogen, d.h. beim Anbringen und Polieren waren die Wannen nicht installiert und sind erst nach Fertigstellung an die Wand gestellt worden. Der Luftspalt zwischen Wannenkante und Wand ist zur Adichtung mit Silikon gefüllt worden.
Der Tadelakt ist kein original marrokkanischer, sondern wie Du selbst vermutest hast von dem deutschen Anbieter.

Vieleicht noch eine zusätzliche Frage:
Unser Tadelakt wurde mit dem Stein poliert und dann 2xmal mit Seifenlauge behandelt. Anschließend wurde der Tadelakt 2mal mit Punischem Wachs behandelt.
Ist diese Reihenfolge optimal oder ist evtl. im Zusammenhang mit dem Seifen ein nochmaliges polieren mit dem Stein erforderlich?

Gruss,

Michael





Hallo Michael,

die Reihenfolge ist soweit ok und es muß nach dem Wachsen nicht mehr mit dem Stein poliert werden.......wie wurde die Oberfläche mit der Seife behandelt??. Soviel ich weiss ist in dieser Glättseife Kieselsäure enthalten was ich persönlich nicht so gut finde. Wurde der "Tadelakt" vor dem Abdichten mit Natursteinsilikon wenigstens aufgeraut? Wie lange war die Trocknungszeit bis zum wachsen....usw.? Es ist halt schwierig von hier jetzt alles zu beurteilen. Das wichtigste für mich ist beim Tadelakt: Der Untergrund. Die Gedult. Das Gefühl für das Material und wieder die Gedult und die Pflege. Die ersten drei Punkte sind Abhängig vom Verarbeiter, die Gedult und Pflege vom Benutzer. Wenn nur ein Punkt nicht Passt gehts in die Hose. Wobei die Pflege das einfachste ist.

Was ist eigentlich mit den Fettflecken??

Gruss Sandro