Supfkalkanstrich auf Ardumur Spachtel




Hallo,
aufgrund eines Missverständnisses war ich davon ausgegangen, dass eine unserer Decken mit Kalkputz neu verputzt wurde und habe diese mit zwei Sumpfkalkanstrichen (3 Jahre alter Sumpfkalk 1:3 mit Wasser und 3% Leinöl, gestrichen mit Bürste) versehen.
Ich habe mich sehr gewundert, weshalb diese so ungleichmäßig und teilweise glänzend wurden - bis ich erfahren habe, dass die Decke abschließend mit Ardumur gespachtelt wurde.
Scheinbar verträgt sich ein Kalkanstrich nicht mit dieser Spachtelmasse? Wie würdet ihr nun vorgehen? Eine herkömmliche Dispersionsfarbe wird wohl auf dem Kalkanstrich nicht halten, nehme ich an? Jetzt sind aber schon 2 Anstriche dran und getrocknet. Besteht die Chance, dass ein 3. Anstrich besser wird oder spare ich mir die Arbeit lieber?

Vielen Dank schonmal!





Das ist ein kunstharzverstärkter Flächenspachtel auf Gipsbasis. So etwas streiche ich selten mit Kalk, deswegen tue ich mich mit einer Sanierungsempfehlung etwas schwer.

Es sollte aber zu lösen sein. Wie sieht es den mit der Saugfähigkeit des Untergrundes aus? So wie es aussieht ist diese wohl stellenweise gering. Die glänzenden Stellen sind Sinterschichten, hier ist der Kalk durch zuviel Feuchtigkeit oberflächlich kristallisiert. Auch bei späteren Anstrichfolgen wird hier Farbe weniger haften.

Diese stellen sollten mit Sandpapier etwas aufgeraut werden.

Ansonsten benötigst du eine Grundierung auf dem Gips auch um die unterschiedliche Saugfähigkeit auszugleichen.

Hierzu verwendet man eine Kaseingrundierung. Hierzu wird eine 0,5 prozentige Kalkkaseinleim -Lösung zubereitet.

Grundrezept:

Hierzu nimmt man Magerquark (0,X Prozent Fett ) (!), 500 g (500 ml), werden mit 140 g (100 ml) intensiv (!) verrührt.

Hierdurch wird das Milcheiweiß (Kasein) von dem alkalischen Kalk aufgeschlossen und wasserlöslich was auch einen typischen Geruch und Verflüssigung der Masse bewirkt. Die 500 g Magerquark enthalten etwa 40 g Kasein und ergeben einen vierprozentigen Leim wenn dieser Ansatz auf einen 1 Liter Volumen mit Wasser (ca. 800 ml) aufgefüllt wird. Die 0,5 prozentige erhält man durch weitere Verdünnung mit 8 Litern Wasser.

Damit können bis zu 70 Quadratmeter grundiert werden und benötigt 12 Stunden Trockenzeit.

Gestrichen könnte die Decke nunmehr mit Sumpfkalk dem um die 1,5 kg Magerquark pro 10 Liter (13,4 kg) und 250 g Marmormehl (32 my, 0,03 mm) zugegeben werden.

Allerdings entfalten solche Kalkkaseinanstriche eine recht hohe Oberflächenspannung was mir mit Blick auf die dünnen Spachtelschichten etwas problematisch erscheint.

Deswegen würde ich empfehlen die Decke lieber mit einer Glutolin-Kalkfarbe zu streichen. Der Leim aus Methylcellulose verbessert ebenfalls die Haftfähigkeit bindet aber nicht so spannungsreich ab.

Ein Zusatz von Marmormehl macht den Anstrich fülliger und erhöht die Deckfähigkeit.

Dazu nimmst du 11 Liter (15 kg) Sumpfkalkteig .

Auch besorgst du dir eine Methylcellullose, da kannst du ein Päckchen (125 g) Farbenleim Glutolin L oder (im Baumarkt wohl eher zu bekommen) Methylan, normal kaufen.

Nur Methylcellullose ist in Kalk beständig. Auch auf "normal" achten andere Leime sind mit möglicherweise Kunstharzen verstärkt.

Dann rührst du eine Packung Leim (125 g) in 3 Liter Wasser an.

Ebenfalls sumpfst du 5 kg Marmormehl (0,03 mm, 30 my) in 3 Litern Wasser ein.

Beides rührst du dann in den Kalkteig (15 kg) ein und verdünnst dann auf Streichkonsitenz mit 4 Litern Wasser.

Mit diesem Ansatz können gut 80 Quadratmeter gestrichen werden.