Sumpfkalk vs. Kalhydrat

12.05.2014 Zemra



Hallo liebes Fachwerk-Team,

wir haben unsere erste Wohnung vor drei Jahren selber saniert und haben damals unsere Wände mit Sumpfkalkfarbe (Kreidezeit) gestrichen. Nun sind wir bei der Sanierung unserer zweiten Wohnung, doch diesmal würden wir gerne die Sumpfkalkfarbe selber herstellen. Ich habe in den ganzen Foren eine Menge über Sumpfkalk und Kalkhydrat gelesen und mir schwirrt der Kopf. So wie ich es verschanden habe ist Sumpfkalk das hochwertigste von allem (je länger das einsumpfen um so hochwertiger) weil: 1. die Farbe keine weissen Spuren hinterlässt wenn man sich anlehnt und 2.der Kalkstein mit dem es hergestellt wird, wird mit Holz gebrannt, somit ist es Sulfatfrei, was bedeutet er vergilbt nicht.

Viele hier im Forum haben geschrieben dass sie ihren Sumpfkalk mit Kalkhydrat aus dem Baumarkt angefertigt haben, jedoch nur Ihren Keller damit gestrichen.


Da wir aber in ein paar Wochen mit dem Streichen beginnen möchten, würde ich gerne "Sumpfkalk" mit Kalkhydrat herstellen der eben ein paar Wochen alt ist.

Meine Frage hierzu:

1. wenn ich Magerquark benutzte, vermeide ich das der Kalkanstrich weisse Farbe hinterlässt?

2. falls das Kalkhydrat mit Kohle gebrannt wurde und er somit Sulfatreste enthällt, könnte ich in der Mischung das Pigment Titanweiß einrühren um das vergilben zu vermeiden? Und wenn ja, wieviel?

3. ist es besser Kalkhydrat ungelöscht zu nutzten oder den gelöschten? Ich habe in einem Video gesehen, dass jemand Weißfeinkalk benutzt hat, gibt es da mehrere Bezeichnungen?

4. ich habe gelesen dass man auch Branntkalk benutzten kann, anstelle von Kalkhydrat, den muss man jedoch selber vorher ablöschen. Könnt ihr mir eine Firma enpfehlen bzw. sagen wo ich den herbekomme? Oder hat jemand gute Kalkquellen oder Tipps wo man Kalk herbekommt...

Ich bedanke mich recht herzlich im Voraus
Zemra



Einen durchaus recht ordentlichen Beitrag



... dazu findet man bei Wikipedia, insbesondere wird dabei auf den Unterschied zwischen "echtem" Supfkalk und kurz eingesumpftem Weißkalkhydrat eingegangen... auch was die Herstellung von Farbe/"Tünche" angeht...

Kalk bei Wikipedia

Zu Deinen Fragen:

1. Nein
2. Nein
3. s.o. & ja
4. z.B. Kreidezeit, für fertige Farbe



Kalkfarbe



Ich glaube, das Problem besteht fast überall, das wir unseren Vorstellungen hinterher laufen und selbst die Erfahrung scheuen. Probieren ist besser als studieren und bei Kalkanstrichen, gibt es immer noch die Möglichkeit des zweiten Versuches.
Also ich habe beim Verstreichen von Kalktünchen, die ich auf den frischen Kalkputz auftrage bis jetzt keine Unterschiede zwischen Sumpfkalk und Weißkalhydrat festgestellt, ähnliches fand ich aus bei Konrad Fischer, http://www.konrad-fischer-info.de/start.htm. Der einzige Unterschied ist der Preis. Sicherlich ist Sumpfkalk besser aufgeschlossen, da CaO ein schwer wasserlöslicher Stoff ist, aber für den Normalverbrauch sollte Weißkalk genügen, da er vor dem Ablöschen gemahlen wird. Vom selbst Ablöschen von Brandkalk würde ich abraten, da es dazu Erfahrung bedarf und wie schon geschrieben einige Zeit in Anspruch nimmt.
Kaseinzusatz verbessert grundsätzlich die Eigenschaften. Einige Grundrezepturen und Bermerkungen habe ich in meinem forum, http://www.derhausdoktor.net/forum/index.html#home. Man kann alle kalkechten Pigmente zu setzen, also auch Titanweiß. Ich habe lieber das Kalkweiß, was dem Altweiß ähnlich ist, daher kommt es wahrscheinlich auch, da es kleine Farbunterschiede nicht so deutlich vortreten läß. Zum füllen der Farbe, wenn dies notwendig ist nehme ich Marmormehl, die hat den gleichen Effekt wie Titanweiß und schließt gleichzeitig kleine Fahrräder (Reibestellen), die noch im Putz sind. Um das schnelle Absetzen zu verlangsamen setze ich zusätzlich ein wenig Leinöl (Aufhebung der Oberflächenspannung der Wassers)zu, was gleichzeitig die Streichfähigkeit verbessert.
Mit freundlichem Gruß
der hausdoktor



DANKE!!!



Vielen lieben Dank für die ausführliche Anwort. Da ich leider nicht so viel Vorlaufzeit habe, dachte ich mit meinen Fragen ein zwei Ideen zu bekommen die mir einige Versuche ersparen und das tut es mit Ihrer Antwort!!!! Marmormehl kannte ich nicht, da hatte ich auch schon an Champagnerkreide gedacht (Titanweiß und Champangerkreide nutzte ich für meine selbsthergstellte Holzbodenseife für unseren gelaugten Dielen Boden).
Vieln Dank nochmal! Ich freue mich schon auf meine Wände :-)
Ein schönen Start in die Woche!
Zemra



keine Ursache



Das Schöne am Arbeiten ist, das man jeden Tag was dazu lernen kann. Kreide würde ich bei Kalk nicht nehmen, so aus dem Gefühl. Bei fertigen Farben sind allerhand Leime zugesetzt. Die Flächen gründlich abwaschen, denn alte Leimreste auf Zellulosebasis verfärben sich und scheinen durch. Die Farbe nicht so dick ansetzen, muß wässrig sein, sonst bilden sich Schalen, die wieder abplatzen. Bei selbst hergestellter Farbe nicht das regelmäßige Umrühren vergessen. Pinsel oder Quast verwenden, damit die Farbe besser in den Untergrund eindingt. Am Anfang sieht es so aus, als ob es nicht deckt, aber keine Panik. Beim zweiten Anstrich ist es dann meist komplett weiß.
Mit freundlichem Gruß
der hausdoktor



...und Alternative zur Kalkfarbe?



Lehmfarbe!
Mittlerweile so wischfest, dass sie mit Kalkfarbe total ebenbürdig und in allen erdenklichen Farbtönen ausführbar ist.
Auch für die Selbstanwender eben.

Freundliche Grüße
Udo





@ Udo: Ich stehe irgendwie auf Kalk ;-)
@ der hausdoktor: ich hab mir heute Weßkalkhydrat 25kg gekauft. Könnte ich meinen Sumpfkalk auch in einem 90L Mörtelkübel herstellen? Soll ich gleich die ganzen 25Kg einsumpfen? Wieviel Fläche kann ich denn damit streichen. Ich habe gar kein Gefühl wieviel ich dann eigentlich erhalte.
Und beim einschütten im Wasser, wird dabei auch eine Temperatur von 150°C erreicht?

Beste Grüße,
Zemra



Kalkfarbe



Lehmfarbe, ja die Baustoffindustrie, also reine Lehmfarbe ist nicht wischfest, da brauch es gewisse Mittelchen. Meist verwenden die Lehmexperten Kaliumwasserglas, damit ist die Farbe hart und wenig atmungsaktiv. Einfach mal Wasser dran spritzen und dann versteht man was ich meine. ein bißchen Chemiekenntnisse sind doch von Vorteil, auchwenn ich das Fach nicht besonders geliebt habe.
Einsumpfen: Ich nehme auch ein Mörtelfaß und i. d. R. 50 -60 Liter Wasser und streu den Kalk ein und rühre in sorgfältig durch (Schippe od. Rührgerät) bis er völlig sämig ist und keine Klumpen mehr hat. Etwa zwei Tage stehen lassen. Auf einen Eimer Farbe nehme ich ca. 3- 4- Liter Kalk wieder gut durchrühren und max einen Liter verdünntes Kalkkasein. Damit kommt man schon eine ganze Weile hin. Quadratmeter weiß ich nicht aus dem Kopf jedenfalls habe ich einen Sack auf 80m² nicht verbraucht.
Viel Spaß beim Ausprobieren.
Mit freundlichem Gruß
der hausdoktor



Moin Zemra



Nee das Weißkalkhydrath wird nicht heiß ,wenn du auf dauer Platz für den Kübel hast ,sumpfe alles ein ,kann man ja auch mit Putzen und mauern.
Ist der Sack einmal offen ,reagiert der Kalk mit der Luftfeuchte und ist relativ schnell nicht mehr zu gebrauchen.

Und beim Kauf ,immer auf s Herstellungsdatum achten!

Grüße Martin



Marmormehl und Farbenleim?



@ Martin : Die Ware wurde gerade frisch geliefert ;-) frisch von der Palette geholt!

eine Frage hätte ich noch: mir wurde gesagt ich könnte auch Farbenleim dazu geben. Was ist der Unterschied vom Farbenleim und der Zugabe von Magerquark?

Viele, vielen lieben dank im Voraus!
Zemra



Kalkfarbe selber herstellen



Ein paar Anmerkungen von mir:
Öl setzt die Oberflächenspannung von Wasser nicht herab, es ist hydrophob und zur Verhinderung des Absetzens von Füllstoffen wie Kalk nützt es nichts. Das geht besser mit leichten Füllstoffen und Verdickern wie sie in fertigen Farben eingesetzt werden. Bei selbstgemachten Farben hilft nur öfters rühren.
Von Ölzusätzen halte ich bei Innenfarben generell nichts. Wer es machen will sollte vorher das Öl mit dem Eiweißträger (z.B. Quark) emulgieren.
Sumpfkalk eignet sich zu zum Streichen besser da er sauberer ist, Verunreinigungen die es in jedem Kalkgestein gibt haben sich beim Sumpfen separiert. Außerdem ist seine kristalline Struktur feiner. Bei Kalkhydrat muß man abschlämmen oder mit den Krümeln am Boden des Farbeimers leben.
Ich streiche damit untergeordnete Räume, allerdings mit Magerquarkaufschluß als Kalkkaseinfarbe. Damit bin ich nicht abhängig von der Carbonatisierung und spare eine Menge Geld. Kasein ist ebenfalls genügend wischbeständig.
Der leichte Gelbstich beim Kalkkasein aus Magerquark und (üblicherweise gasgebranntem) Kalkhydrat stört mich nicht.

Das mit dem angeblichen Schwefelgehalt im Kalkhydrat sollte nicht übertrieben bzw. überbewertet werden. Wer einmal auf Gipsputz bzw. Gipsspachtel mit Kalkfarbe gestrichen hat weiß was ich meine, da passiert nichts.
Wer es heller mag kann mit einem kleinen Zusatz von blauem Pigment nachhelfen.
Ob es sich lohnt selber herumzuexperimentieren statt fertige Innenwandfarbe zu verwenden muß jeder selber entscheiden.
Man sollte allerdings daran denken das Wandfarbe- wie Tapete- einer gewissen Modeströmung unterliegt. Deshalb halte ich reversible Anstriche aus Leim- oder Lehmfarben für geeigneter.
Die kriegt man besser wieder ab.



Lehmputz und Kalk



Endlich sind wir mit der Sanierung soweit, dass ich nun die Wänden streichen kann. Leider ist es so, dass ich anscheinend Lehmputz an meinen Wänden hab, den ich nicht los werde. Ich habe die Wände "gewaschen", aber es scheint das das Lehm noch immer an meinen Wänden haftet. Denn wenn ich mit meinem eingesumpften Kalk und der Bürste drüber gehe, habe ich das Gefühl den Lehmputz mit abzutragen bzw. mit dem Kalk zu vermischen. Zwar ist nach zwei Tagen trocknen, die Stellen wo Kalk dran ist heller als der Rest, leider ist nicht der Kalk zu sehen sondern das Braun vom Lehmputz ist einfache nur hellbrauenr geworden.
An einer Stelle habe ich versucht den Lehmputz mit einem Spatel abzukratzen, doch dann kam richtige Erde zum vorschein. Ich bin etwas überfordert und weiß nict was ich jetzt mit meinem Kalk und meinen Wänden anfagen soll.

Macht es Sinn die Wände mit Kalkputz zu Verputzen (Kalkputz: selbst gesumpfter Weißkalkhydrat + Quarzsand).

Ich endschuldige mich im Voraus, falls ich mein Problem zu sehr kryptisch formuliert habe.

Ich hoffe es kann mir irgendjemand helfen!!!!!

Vielen Dank!
Zemra



Wandfarbe



Auf Lehmputz geht am besten Lehmfarbe. Kalkfarbe hält am besten als frescaler Anstrich auf Kalk- bzw. Kalkzementputz.



Wände gut … Alles gut



Hallo

Was haben Sie für Wände, an denen man Lehm abwaschen kann … ?

Wenn das Lehmputz oder ähnliches ist … wird der Anstrich erst hellbraun und dann mit der Zeit immer heller … also weisser … 

Was allerdings hier für Statements über "eingesumpftes Kalkhydrat" … Sumpfkalk und "Lehmfarben" daherkommen lässt mich erschaudern … 

Sie sollten sich allerdings verabschieden von der Meinung dass eine Kalkfarbe so was ist wie eine BaumarktTopfAufmachUndDrüberstreiUndGutIst-Farbe … 

… die Wand einfach mal mit einem "QuarzsandKalkhydratgemisch" verputzen ist genauso irrsinnig, denn QuarzSand ist das schlechteste Material dafür … 

Hier kann man wieder mal beobachten, dass der Segen des Internets mit seinen vielfältigen Informationsmöglichkeiten überhaupt nichts bringt und vor allem zu keinem wirklichen Ergebnis führt … 

ein einfacher und guter Anstrich wäre: Sumpfkalk … etwas Magermilch oder Magerquark und ein paar Tröpfchen Leinöl . kreidet nicht ab … hält ewig … und ist "billig" … allerdings muss man wissen AUF WAS für eine Wand man streicht, ob die auch geeignet ist … 

Sie müssen raus aus dem: "ich weiss alles … vom Internet"-Dschungel … 

Florian Kurz



FOTOS



Hallo Zemra,

unter dem Lehmputz kommt richtige Erde zum Vorschein??

Das hört sich mehr wie seltsam an,stell doch bitte Fotos von der Wand hier ein.
Das schafft Klarheit!

Grüße Martin



Kalk ist nicht weiß



Entschuldigt den Abstand, ich hoffe es ist noch nicht zu spät, aber ich war/bin krank. Kalk wird meist nicht weiß, weil es ein Naturstoff ist und regional unterschiedliche Beimengungen hat. Das macht ihn für mich schon mal interessant. Will man es heller, weißer haben hilft Marmormehl als Aufheller und Füllstoff in einem.
Mit freundlichem Gruß
M. Schmidt



Kalkhydrat



Dann nehmen Sie Weißkalkhydrat CL 90, der ist schon recht weiß und den meinen wir. Dunklere Farbschläge deuten auf hydraulische Kalke oder Dolomitkalk, für Anstriche ungeeignet und nicht Bestandteil Ihrer Frage.





Vielen lieben Dank für die Antworten!

Ich benutze Weißkalkhydrat CL 90, habe jedoch für die ersten Anstriche auf Marmormehl ersteinmal verzichtet.

Ich werde jetzt ein zwei weitere Anstriche versuchen mit Marmormehl und Magerquark und gucken ob das Hellbraun weiterhin dominiert. Falls es dominiert, habe ich mir überlegt die Wände mit Kalk+Kuhmist zu streichen, da auf der Decke eh Wasserflecken zu sehen sind. Vielleicht hilft es dann, dass der Sumpfkalk dominiert.

@forian Kurz: es ist mir sehr bewusst dass selbst hergestellter Sumpfkalk nicht "BaumarktTopfAufmachUndDrüberstreiUndGutIst-Farbe" ist!!!!
Bei der ersten Wohnung habe ich Sumpfkalk von Kreidezeit benutzt, was super war, jedoch ist Kreidezeit leider im Moment teuer für mich und aus diesem Grund habe ich Weißkalkhydrat selber eingesumpft. Was den Quarzsand angeht, dachte ich dass man Sumpfkalk mit Quarzsand vermengt und so "Kalkputz" herstellt. Wie auch immer, bin ich kein Meisterschüler und daher können mir Verwirrungen gegönnt sein! :-)

@Martin: Foto kann ich erst Morgen einstellen!

Danke noch einmal für die Antworten. Wenn die Wände fertig gestrichen sind, melde ich mich was ich genau anders oder auch nicht gemacht habe.

Viele Grüße
Zemra