Für und Wider Fertig-Fensterstürze?




Hallo,
unser Haus BJ 1910 (Ziegelbauweise mit einzelnen Stahl- und Kunststeinelementen) braucht einen neuen Fenstersturz über einer Balkontüre.
Die entsprechende Wand ist tragend, aus Klinkern im Kreuzverband 45cm stark gemauert.
Über der Balkontür liegen somit wegen der Stärke der Wand zwei gemauerte, bogenförmige Stürze.

Der Maurer rät aus Kosten- und Stabilitätsgründen zu einem Betonsturz. Was spricht (außer der Ästhetik -- die Mauer ist beidseitig verputzt) gegen diese Lösung?

Dank & Grüße
fx



Fenstersturz



Ich verstehe die Frage nicht.
Sind die alten Bögen defekt, wenn ja, wie?
Liegen die Bögen neben- oder übereinander?
Entsteht eine neue Öffnung bzw. verändern sich die Widerlager der Bögen, also z.B. im Bereich von ein bzw. zwei Fensteröffnungen entsteht eine Terrassentür?
Betrifft das eine Längswand oder einen Giebel?
WievielPlatz ist noch bis zur Decke?

Viele Grüße



Gerissener Sturz über einer Balkontür



Hallo Herr Böttcher,
der alte Bogen (innen wie außen) ist mittig in der Mörtelfuge gerissen, vom inneren Bogen ist die linke Hälfte um 4cm nach unten gerutscht, d.h. dieser Bogen trägt nicht mehr. Baulich ändern wir hier nichts, sondern wollen den Bestand reparieren. Bei der Wand handelt es sich um die "Breitseite" (Längswand). Oberhalb des Sturzbogens stehen noch ca. 100cm Wand.

Der Riss setzt sich jedoch im Mauerwerk oberhalb des Sturzbogens bis zur Decke fort; erst ab dem Schwellbalken der nächsten Etage ist die Mauer dann wieder i.O.

Die Ursache für den Riss ist unklar, auch nach Hinzuziehen eines Statikers. Wassereinwirkung könnte eine Rolle spielen, da der Balkon des Geschosses darüber seit längerer Zeit (20 Jahre oder länger) keine funktionierende Entwässerung mehr hatte. Vielleicht ist es auch ein Mangel der ursprünglichen Konstruktion -- die Wand trägt ja an dieser Stelle die Last des Balkons (Balkone sind mit Doppel-U-Profilen in die Mauer eingehängt, nicht am Boden abgestützt). Ansätze zu ähnlichen Schäden zeigen sich auch auf den anderen Etagen an der selben Stelle. Der Statiker sah jedoch keinen Setzriss oder Probleme im Fundament.

Grüße,
fx.



Fenstersturz



Ohne die genaue Kenntnis der Schadensursache halte ich eine Sanierung für unseriös.
Die Ursache hätte Ihr Statiker herausfinden müssen, ebenso hätte er dann die Art und Weise der Sanierung festlegen und eventuell bemessen müssen.
Das überlässt man nicht dem Maurer.
Übrigens halte ich dessen Variante eben für nicht besonders praktikabel und billig.
Rein gefühlsmäßig würde ich zu Stahlträgern und einem mehrteiligen Entlastungssturz tendieren. Aber das kann man nur nach genauer Kennnis der Lage vor Ort entscheiden. Können Sie nicht ein paar Fotos von der betroffenen Fassade und dem Bogen veröffentlichen?

Viele Grüße
p.s. Sieht der Riss in etwa so aus wie auf dem Foto?



Fenstersturz / Foto



Die Aussage des Statikers war "harmlos". Vielleicht sollten wir einen anderen fragen.

Was kann ich mir unter einem mehrteiligen Entlastungssturz vorstellen -- wie "mehrteilig"?

Ich habe hier leider kein Foto vom betreffenden Sturz. Ich habe aber ein Bild gefunden, auf dem die Träger des Balkons sowie Balkontüre und -fenster einer anderen Etage von außen zu sehen ist. Die Rissbildung muss man sich mittig über der Türe vorstellen. Detailbilder reiche ich morgen nach.

Grüße & Dank für Ihre Einschätzung,
fx.



Detailfotos der Sturzrisse



Hallo,
heute habe ich die Risse nochmal einzeln fotografiert.
Welche Argumente sprechen für das Neumauern der Ziegelstürze gegenüber einem Ersatz durch Betonstürze oder Stahlträger?
Was gegen das Neumauern spricht, weiß ich schon: Es dauert
länger und wird teurer :)
Grüße,
fx.



Fotos der Sturzrisse (2)



Hier ein Bild von außen -- der oben im Bild sichtbare
Balkonträger ist übrigens nicht identisch mit dem Deckenträger
von Bild 1, sondern nur in die Außenwand eingeklemmt.
Grüße,
fx.



Ursache



für die Risse scheinen die eingespannten Balkonträger zu sein. Der Einsatz eines Stahlbetonsturzes ist hier sinnvoll, da die Last dann senkrecht ins Mauerwerk abgetragen werden und die seitlichen Kräfte, die aus dem gemauerten Sturz kommen(Gewölbewirkung)entfallen. Allerdings muss das gerissene Mauerwerk ebenfalls ersetzt werden. Ebenso muss das Kräfteaufnehmende Mauerwerk über den Balkonträgern erneuert werden. Diese müssen entsprechend bis zur Aushärtung des Mörtels(ca 14 Tage) abgestützt werden. Vor allem ist hier sorgfältiges und gewissenhaftes Arbeiten erforderlich. Ebenso sind die Stahlträger auf Korrosion und Tragfähigkeit zu überprüfen, Aufgabe für einen Statiker.
MfG
dasMaurer



Sturzträger



Mit den Fotos kann man sich schon ein besseres Bild machen. Leider fehlt noch eins von der gesamten Fassadenansicht, aber immerhin kann ich soviel sagen:

1. Die Aussage des Statikers ist sehr fragwürdig.
2. Ob der Kragträger des Balkons damit etwas zu tun hat, ist für mich nicht eindeutig.

Nicht der Bereich unter dem Träger ist abgesackt, es kann auch der danebenliegende Teil nach rechts gekippt sein. Das kann durch ein Auswandern/Ausknicken des rechten Fassadenteils (von innen gesehen) nach rechts passiert sein.
Darüber kann man ohne genaue Untersuchung (das hätte Ihr Statiker tun sollen) nur spekulieren, da die weiteren Teile der Fassade eben nicht zu sehen sind.
Mir fallen einige mögliche Ursachen ein:
- Veränderungen im darunter liegenden Geschoss oder Keller, wie neue Fensterdurchbrüche, Wegnahme von Innenwänden,
- Wegnahme einer Innenwand im betreffenden Geschoss, die als Widerlager eines der Kragträger diente,
- Senkungen des Fundamentes durch Unterspülung aus defekten Grundleitungen, auch innerhalb des Kellers,
- defekte oder aus Unwissenheit demontierte Deckenanker...
Es ist nicht so einfach, die eigentliche Schadensursache festzustellen.
Ausgehend davon kann es erforderlich sein, noch weitere Sanierungen durchzuführen, z.B. zur Verringerung der Knicklängen des Fassadenmauerwerkes oder zur Stabilisierung von tragenden Mauerteilen.
Dann kann man sagen, das die Schadensursache schon einige Jahrzehnte vorhanden ist. Das bedeutet aber nicht es ist alles in Ordnung. Es hat sich zwar wieder ein Kräftegleichgewicht eingestellt, aber auf welchem Niveau?
Kann sein, das bei einigen Bauteilen die Sicherheitsreserven praktisch aufgebraucht sind. Noch eine kleine Änderung, die sonst klaglos weggesteckt wird, kann zum Versagen eines Bauteiles führen.

Zur Sanierung des Sturzträgers würde ich mit Stahlträgern arbeiten. Erst auf der einen Seite einbauen, dann auf der anderen und dann verbolzen. So kann der jeweils verbleibende Wandquerschnitt weiter tragen.

Viele Grüße

p.s. Auf dem Foto sieht man die Ursache der Risse auf dem ersten Foto: Ein Durchbruch im Keller. Die Auflager sind überlastet und haben sich verformt, das Fundament ist abgesunken. Das führte zu Rissen an großen Teilen der Fassade.
Als ich das sah, mußte ich mich zusammenreißen um nicht auf Zehenspitzen zu laufen.



Ursache des Risses im Türsturz



Hallo an alle,

wir hatten auch an Setzrisse gedacht, bzw. andere Probleme im Fundament -- zumal sich unterhalb der Balkons direkt am Haus früher die Aschegrube befand (die Ofenasche wurde durch ein Rohr von den Balkons aus "entsorgt").

Der konsultierte Statiker sagte, in diesem Fall müssten
auch entsprechende Risse im Keller und im Erdgeschoss
entstehen -- da er keine fand, gab er Entwarnung und
riet zum Ersetzen der Stürze (mit Gipsmarken, um zu sehen ob die Mauer sich noch bewegt). Insgesamt haben sich zwei Statiker und ein Bauingenieur die Sache angesehen und waren mit der kleinen Lösung (Sturz) einverstanden.

Was vielleicht auch gegen ein "tiefes" statisches Problem spricht, ist, dass sich das Rissbild in verminderter
Form über allen Balkontüren findet. Der Grundriss ist symmetrisch mit Balkons auf beiden Seiten der Fassade (links
und rechts vom Treppenhaus).

Kann es nicht sein, dass die Wand an dieser Stelle generell zu schwach ausgelegt ist? Herr Böttcher, verstehe ich Sie richtig, dass die Fortsetzung des Risses über dem Sturz eindeutig gegen die allgemeine Dummbatzaussage "der Sturz ist erschöpft, normale Alterung" spricht?

Dank & Grüße!
Felix



Sturzträger



Nein, dann würde die Wand rechts und links neben dem Sturz und vor allem im Pfeiler zwischen den Fenstern reißen, die Rissbilder wären ganz anders.
Ich habe mich schon über das komische Rohr auf dem Foto gewundert; die alte Aschengrube ist ein Sachstand, den man weiter untersuchen sollte.
Noch was zu Ihren Fachleuten:
Stellen Sie sich vor Sie gehen zum Arzt und haben Schmerzen in der Bauchgegend.
Der untersucht Sie ein wenig, sagt, ich kann nichts finden, hier haben Sie ein paar Pillen gegen den Schmerz.
Wären Sie damit zufrieden?

Viele Grüße





Ich kann an den Bildern keine gravierenden statische Ursachen erkennen.
Wenn drei Fachleute hier der gleichen Meinung sind sollte man annehmen können das diese auch recht haben könnten.
Ich sehe hier lediglich das fehlen von Fugenmörtel, und das sich der Kalkmörtel aus den Fugen verflüchtigen kann ist nichts neues, eben ganz normaler Verschleiß.

Je nach Lage des Hauses ist es mehr oder weniger Schwingungen ausgesetzt.

Oft reicht hier auch das kraftschlüssige verschließen der Fugen mit einem geeignetem Quellmörtel, am besten zu realisieren durch Verpressung.

Grüße aus Schönebeck



Sturzträger



Ich kann auf den Fotos auch keine erkennen.
Das heißt nicht, das es keine gibt.
Ein Haus bzw. Teile davon bewegen sich nicht so einfach, schon gar nicht im Bereich von mehreren cm.
Ein bisschen suchen muß man schon.

Ich hatte mal einen Fall, da war die neu verputzte Fassade eines sanierten Altbaues nach 2 Jahren von mehreren kleineren Rissen durchzogen.
Nach der Mängelbeseitigung traten die nach ca. 2 Jahren wieder und vermehrt auf.
Die meisten sah man gar nicht ohne Hilfsmittel, sie verliefen im Bereich des Obergeschosses.
Ich konnte sie nur mit einem Fernglas ausmachen.
Ich mußte die Fassade nachzeichnen und sämtliche Risse eintragen, um ein Gesamtbild zu erhalten.
Das wies auf Bewegungen im Gründungsbereich hin.
Ich habe dann etwa ein Dutzend Möglichkeiten, angefangen vom Neubau der Straße samt Entwässerung, einer Erdwärmeanlage auf dem Nachbargrundstück, Sanierungsmaßnahmen im Erdgeschoss, Bergbaufolgeschäden usw. untersucht und nach und nach ausgeschlossen.
Auf die eigentliche Spur brachten mich ein paar gerissene Fußbodenfliesen an einem Treppenpfeiler.
Die Ursache war ein partieller, fortschreitender Grundbruch,
hervorgerufen durch ein Dränrohr, an das zwei Fallrohre einer großen Dachfläche angeschlossen waren und das im Nichts mündete. Der bindige Boden im Fundamentbereich begann sich langsam in Brei zu verwandeln.
Noch ein oder zwei Jahre und ein Einsturz wäre unvermeidbar gewesen.

Soviel zu dem Thema:
"Ein paar kleine Risse- na und, schmieren wir sie zu."

Viele Grüße

p.s.Mit ein paar Rissen wie auf dem Foto fing meine Ursachensuche an.
Unten die Mängelbeseitigung, oben der neue Riss, der unten durchläuft.





Herr Böttcher,

>>"Ein paar kleine Risse- na und, schmieren wir sie zu."<<

Das hat keiner so gesagt,

Kraftschlüssig verschließen.

Ursachenforschung hat hier auch ein Ing. Büro übernommen und das Sanierungskonzept (hat auf einen Bierdeckel gepasst) erstellt.

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Wir haben es dann nach dem Konzept „zugeschmiert“

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Das ist jetzt schon ein paar Jahre her und hält.


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