Strohlehm als Wand

09.07.2018 Holzwurm



Ich weiß, das Thema Wandaufbau im Fachwerk ist so alt wie das Fachwerk an sich, ich habe auch schon vieles gelesen, aber meine konkrete Idee hätte ich doch gern einmal von erfahrenen Leuten bewertet.

Unser Fachwerk ist komplett mit Ziegelsteinen ausgemauert, da dies nicht gerade optimal ist und wir ohnehin einige viele Balken ersetzen müssen haben wir uns entschlossen zur bauphysikalisch besten Variante zu greifen. - Eben Lehm.
Nun sind Leichtlehmsteine nicht gerade kostengünstig und man macht sich Gedanken über Alternativen.
Leichtlehmstampfwände - Preisunterschied minimalistisch

Mein Gedanke ist nun folgender:

Ich habe vor längerer Zeit einmal gesehen, wie eine Lehmstadtmauer von irgendeiner alten Nordafrikanischen Stadt restauriert wurde. Dazu hat man in einer Lehmgrube Stroh und Lehm gestampft und einzelne "Batzen" nach oben befördert und dort mit der Wand verstrichen.

Da ich mir ohnehin in den Kopf gesetzt hatte die Wandstärke ungefähr zu verdoppeln, indem die Gefachausmauerung im Verbund mit einer zweiten Wand hinter dem Fachwerk gesetzt werden soll, stellt sich mir nun die Frage, ob man dies nicht einfach so betreiben könnte, wie bei dieser alten Stadmauer?

Wie hoch könnte man denn wohl den Strohanteil machen um noch genügend Wärmespeicherfähigkeit, Formfestigkeit und kapillare Leitfähigkeit zu erhalten?
Ich würde das Lehm-Strohgemisch möglichst erdfeucht verbauen wollen, sodass die Trocknung nicht allzu starke Risse hervorruft und nicht "ewig" dauert.

Was denkt ihr, wie praktikabel ist diese Lösung?

Natürlich möchte ich keine Lehmgrube vor dem Haus auftun, sondern würde diesen liefern lassen und in einem großen Bäckerkneter "anrühren".

Vielen Dank, ich bin auf Meinungen gespannt.



Lehmwand



Wieso ist die Ausfachung mit Ziegelsteinen "nicht gerade optimal" ?

Die früheren Fachwerkbauer haben sicher gewusst, warum sie von Lehm (später Grünlingen) auf gebrannte Ziegel umgestiegen sind, obwohl der (finanzielle) Aufwand sicher viel höher war.
Dass man diese 'Evolution' des FW Baus als Laie nun umkehren möchte, erschießt sich mir nicht.

Grundsätzlich sehe ich folgende Probleme:

in Nordafrika regnet es viel weniger!
Eine bewitterte Lehmwand geht rapidissima kaputt und muss ständig repariert werden. (einen Augenzeugenbericht gabs hier kürzlich, der Vater hatte früher einmal im Jahr die gesamte Fassade repariert).

eine doppelt so starke Wand steht auf einem doppelt so dicken Fundament!

So eine dicke Wand wird ewig brauchen bis sie trocken ist, d.h. bis die Oberflächen gemacht werden können, von den Schwundrissen ganz abgesehen.

Wenn man so eine FW Wand betrachtet, wird man feststellen, das Holz arbeitet und die Anschlussfugenbreite je nach Witterung & Jahreszeit variiert. Ich würde befürchten, dass es aufgrund dieser Bewegungen Risse geben wird, die die Wand durchdringen, Lehm ist auch mit Stroh kein Stahlbeton.
Deswegen sind die Holzfaserplatten zu Innendämmung auch so beliebt: sie nehmen diese Bewegungen auf un der Inneputz bleibt heil und dicht.

Lehm in dieser Menge dürfte ein erheblicher Kostenfaktor sein.

Was spricht dagegen, das Haus abgesehen von den Reparaturen so zu lassen, wie es ist. Die Ziegel kann man wiederverwenden, das kostet nix!
Lieber die Energie und das Geld in eine korrekt ausgeführte Innnendämmung stecken.

Gruß

GE



Lehmwand



Hallo,

ich bin der Meinung, dass Ziegelstein aus mehreren Gründen "nicht so optimal" ist.
1. ist Lehm der bessere Baustoff bezüglich Ausgleichsfeuchte, da Lehm bekanntermaßen wunderbar Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt.
2. so vermute ich, ist ein Lehm-Stroh Gemisch elastischer als ein Ziegelmauerwerk, was beim Fachwerk nur von Vorteil sein kann.
3. möchte ich dass meine Wände wenigstens ein Mindestmaß an Dämmwirkung haben, was mit Ziegelsteinen wohl kaum gegeben sein dürfte. Bezüglich Innendämmung stehe ich der Sache auch eher skeptisch gegenüber, denn grundsätzlich ist es ja immer eher erstrebenswert, wenn die Dämmung außenliegend ist, nicht inne, was den Taupunkt nur unnötig weit in die Wand hinein versetzt, ich glaube einfach, dass da eine monolithische Wand die bessere Alternative ist.

Bezüglich der Wetterfestigkeit habe ich vergessen zu erwähnen, dass außen natürlich ein Kalkputz angebracht werden soll, Entschuldigung.

Bezüglich des Fundamentes: Es ist natürlich immer sehr schwer bei hunderte Jahre alten Gebäuden sagen zu können wie Tragfähig ein Fundament ist, aber da man meist ohnehin etwas überdimensioniert gebaut hat, und ich mir nicht vorstellen kann, dass 60-80cm starke Sandsteinwände im Untergeschoss plötzlich mit10-12cm Strohlehm an den Außenwänden zusätzlich, überfordert sein könnten, bin ich bereit dieses Risiko einzugehen.

Die Sache mit dem Schwund und die Trockendauer ist genau das was mich interessiert, deshalb wollte ich nach Möglichkeit nur erdfeuchtes Gemisch verwenden, was diese beiden Probleme etwas eindämmen sollte, da wären Erfahrungsberichte eben sehr wertvoll.

Lehm kostet in der örtlichen Sandgrube 4€ die Tonne, wenn ich mir schon die Mühe mache Lehm und Stroh anzumischen, dann werde ich nicht auf den vergoldeten Lehm von Claytec und Co. zurückgreifen.

Neben all den Gründen die ich nun genannt habe, muss ich auch noch erwähnen, dass die Herren Maurer irgendwann einmal so intelligent waren die Steine in den Gefachen bündig einzusetzen, womit der Putz an den Balkenanschlüssen immer Probleme haben wird vernünftig zu halten.

Soweit von mir, Danke und Gruß.



Strohlehm als wand



wird so nicht funktionieren..
was stört ist das Fachwerkholzgerüst ,weil es nicht im gleichen maße Schwindet wie der Strohlehm,es wird 2-3 Jahre brauchen bis es "endgültig"zusammengesackt ist.
Und dann sieht man an jedem einzelnen Riegel im Fachwerk wie sehr so ein Strohlehm schwindet.
Nach 3 Jahren sind dann so Handbreite spalten unter allen Riegeln und dort ziehen Schwalben und Meisen ein:)

wie der Strohlehm zu dem Zeitpunkt in der wand aussieht ,kann man nur Ahnen.
Überall wo Fachwerkholz im weg war konnte die Wand nicht Sacken..zb bei Streben ,Bügen oderRiegeln an geraden Stielen gibt es kaum Probleme.

Und erst dann könnte man es Verputzen von außen weil so lange ist Bewegung drin..
natürlich erst nachdem man alle Gefachanschlüsse aufwändig wieder mit Strohlehm verschlossen hat.

Strohlehm ist auch ein Klassischer Nassbaustoff ,er wird relativ nass eingebaut und ergibt so nachher als Endprodukt einen Homogenen Wandaufbau,
Also was für Leute mit Zeit..

man könnte ja auch die Steine aus den Gefachen herausnehmen,das Holz sichten und reparieren,gegebenenfalls die flanken Ölen und einfach die Ziegel mit Kalkmörtel,zurückgesetzt wieder einmauern...

das kann man dann auch Zeitnah Verputzen,natürlich wieder mit Kalk..


gutes gelingen wünscht Flakes..



Strohlehm als Wand



Hallo,

ich lese zwischen den Zeilen, das der Hauptgrund dieser Frage ein finanzieller ist.

Ich saniere auch gerade mein Fachwerkhaus und habe die Ziegel aus den Gefachen durch Lehmsteine ersetzt.

Bei mir sind die Zeigel auch bündig mit den Balken eingesetzt worden, was im Laufe der Jahre dazu geführt hat, das der Putz über den Balken steht und die Nässe dort stehen bleibt.

Die Ziegel sind bei mir allerdings mit Lehmmörtel einetzt worden, und das wäre vielleicht auch eine Möglichkeit für Deine Probleme.

Durch den Lehmmörtel ist ein kapillarer Feuchtigkeitstransport möglich und der Lehm nimmt die Bewegung des Ständerwerks auch besser auf.

Deine Idee eine dicke Strohlehmwand einzubauen halte ich für nicht praktikabel.

Immerhin musst Du diese auf Deckenhöhe , möglicherweise über zwei Geschosse, einbauen.

Da kommen schon einige Kubikmeter Lehm zusammen, und natürlich auch eine Menge Feuchtigkeit.

Ich würde mir auch immer vor Augen halten, warum gewisse Techniken hier nicht verwendet werden.

Gerade in Fachwerkhäusern kann man sehr schön sehen, wie ein an den Gegebenheiten optimiertes Ergebnis aussehen kann.


Gruß
Ralph



meine Bedenken



das Fundament betreffend bezogen sich aich nicht auf das Gewicht, sondern auf die Breite. Wenn es nach innen eine Fundamentsockel von ausreichender Breite gibt mag das gehen, dann wird man aber den Fußboden ganz anders machen müssen.

Und das Lehm wunderbar Feuchte aufnimmt ist wohl allen bekannt, insbesondere bei Regen!
Nun soll ein Kalkputz drauf. Wenn man das Fachwerk sichtig lässt, wird Nässe zwischen Ausfachung und Putz eindrigen und es passiert, was bei gefliesten Lehmwänden auch passiert sobald minimal feuchtigkeit eindringt: das ganze wird nach und nach von der Wand fallen.
Wenn man die Balken überputzt, hätte man wohl viel besser eine Außendämmung mit z.B. Holzverschalung anbringen können.

Das mit den damals bündig eingebauten Ziegelgefachen ist in der Tat intelligent. Ein solches Fach braucht nämlich gar keinen Putz (außer man baut Lehm ein). Die Fugen kann man viel leichter im Bedarfsfall nacharbeiten als die ganze Putzfläche.
Bei meinem Haus sind die bewitterten Wände unverputzt geblieben und auch mit 'besseren' Ziegeln gebaut, als die abgewandten Wände. Dort sind weniger die guten Ziegel um die Putzdicke zurückversetzt und eben mit Kalkputz verputzt.
Dieser komische Kissenputz, den man oft sieht, sagt einem, dass die Wand eigenlich für einen Putz gar nicht vorgesehen war.

Aber: jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden (hat ein berühmter Preusse mal gesagt)