Schilf und Stroh unverputzt

19.07.2007



Hallo,

Ich hätte da mal eine theoretische Frage: Wenn man eine Dämmschicht aus Schilfmatten oder Stroh hätte und diese nach aussen hin nicht mit etwas windichtem abschließt, wieviel der Dämmwirkung geht verloren?
Wovon ist das Abhängig?
Und warum sind Holzweichfaserplatten dicht?

Grüße
Andrea



???



Liebe Andrea,
die Fragestellung macht keinen Sinn. Nicht der Dämmstoff an sich sollte winddicht sein, sondern das Bauteil samt Anschlüssen (Dach Wand..). Grüße Jürgen



????



Hallo,

Wieso macht die Frage keinen Sinn???
Was ist denn dann an einer aussen gedämmten Wand mit hinterlüfteter Fassade das "Bauteil" welches Winddicht sein muss?

Erklär mir bitte was ich da nicht verstehe! ;o)

Grüße
Andrea
(Montag wieder da)



Schilf und Stroh unverputzt



Die Winddichtung bzw. Windichtheitsebene.
Das muß nicht die Dämmung sein.

Viele Grüße
Georg Böttcher



???



Schade,
Deine Antwort hat mir gar nicht geholfen und mir auch nicht klar gemacht, was denn nun an meiner Frage so sinnlos war...

WEnn das nicht die Dämmung sein muss, was dann?
Wenn eine Dämmschicht nach aussen hin so offen ist, so macht sich das doch sicher in einem Verlust der Dämmwirkung bemerkbar, auch wenn der Raum nach innen hin Winddicht ist, oder?
Wo sitzt bitte die Winddichtheitsebene???

Nochn beispiel für meine Frage: Bei der Dachdämmung (untersparren) baue ich üblicherweise eine Dampfbremse ein zum Raum hin und eine Unterdachbahn aussen für die Winddichtigkeit. Was ist bei einem dichten Dach ohne diese Bahn los bzgl Dämmung?

Gruß
Andrea



!!!



Entschuldige, Andrea.
Den zweiten Teil Deiner Frage habe ich erst nach meinem Familien-Wochenende gelesen. In diesem Zusammenhang macht die Frage schon Sinn. Wahrscheinlich ist die Antwort im wesentlichen schon hier im Archiv, aber dennoch:
Dämmmaterial muss von Luftdurchströmungen ferngehalten werden, damit es seine Wirkung entfalten kann (Einschluss von ruhender Luft). Voraussetzung für die dämmende Wirkung dieser Lufteinschlüsse ist also deren Schutz vor Luftbewegung. Deshalb ist bei der idealen Dämmkonstruktion der Dämmstoff allseitig abgeschlossen. (Beispiel aus Quelle Moll, pro clima: Auch die wärmedämmende Wirkung eines Wollpullovers beruht auf unbewegten Lufteinschlüssen in den Fasern: Sobald ein kalter Wind bläst, lässt die Dämmwirkung nach. Ziehen Sie eine dünne Windjacke darüber, ist die wärmende Wirkung wieder hergestellt)
Die üblicherweise in eine Dachkonstruktion eingebaute Unterspannbahn hat u.a. die Funktion, den Wind von der Dämmung fernzuhalten. Die Unterspannbahn liegt außen und stellt Winddichtheit her.
Schilfrohrdämmung hat relativ große Lufteinschlüsse, weshalb ohne eine Winddichtung die Dämmwirkung signifikant nachläßt. Ein Strohballen ist sicher winddicht, doch stellt sich dort die Frage der Insekten-und Mäusdichtigkeit. Holzweichfaser hat ein sehr kleines Lufteinschlussgefüge, deshalb stellt der Energieabtrag durch Luftzirkulation dort keine große Rolle. Hinzu kommt noch, daß immer eine Fugendichtigkeit an Stößen und Anschlüssen extrem wichtig ist, aber ich gehe mal davon aus, daß dies nicht das Thema ist.
Dass Hinterlüftungsebenen bei Mineralfaserdämmbauteilen einen Verlust haben, ist für mich zweifelsfrei, allerdings kann ich es nicht dimensionieren. Sind alle Fugenanschlüsse (besonders am Balken) korrekt -was sie oft nicht sind- ist es nicht viel. Kommen Fugendichdigkeitsprobleme hinzu, kann es schnell zum Heizdesaster werden.
Grundsätzlich glaube ich, ist es nicht entscheidend, ob ein Dämmaterial winddicht ist oder nicht - in aller Regel wird es nicht der Witterung, also dem Wind ausgesetzt. Entscheidend ist die Fugendichtigkeit, weil - wie Georg Böttcher es schon sagte, die Winddichtung, bzw. Winddichtungsebene unabhängig vom Dämmaterial ist.
Ich hoffe, das hilft jetzt weiter; ansonsten können wir uns gerne weiter unterhalten.
Oder Gegenfrage: Was für ein möglicher Aufbau beschäftigt Dich? Schöne Grüße Jürgen Maier



Winddichtigkeit



Hallo,

Ich bin mit jemandem am Diskutieren wegen einer Dachschrägendämmung und einem Giebel mit Aussendämmung.
Ohne allzuviel über die Feinheiten beim dämmen zu wissen habe ich mich auf Ratschlag eines Naturdämmstoffhändlers für folgenden Aufbau begeistert:

Dachschräge: Unter die Sparren 5cm Schilfrohrmatten (Idee:Eventuell eindringendes Wasser kann ablaufen wie an einem Reetdach und sehr gute Hinterlüftung der Ziegel und Sparren), darunter Stopfhanf als eigentliche Dämmschicht, darunter wieder Schilf (2cm oder 70stengelig) als Putzträger für den Lehm (darin Wandheizung ergo ca 4cm Wärmespeichermasse).

Nun gibt es Meinung von:
"Du verlierst dabei ein bischen von der Dämmwirkung des Schilfes" bis
"Das geht gar nicht, Du verlierst nahezu 100% der Dämmwirkung weil keine Winddichtigkeit vorhanden ist"

Aber genau wusste das keiner.
Man will mir jetzt sogar noch eine Dampfbremspappe und eine Unterspannbahn "aufschwätzen"

Dann geht es noch um die Aussendämmung mit hinterlüfteter Fassade.

Dort soll auf die Fachwerkwand aussen die Stopfhanfdämmung aufgebracht werden. Nach 2 cm Luft kommt dann einen Schlupf und Deckelschalung.
Hier stellt sich mir die Frage warum da niemand nach einer Dampfbremse fragt.
An den Schrägen wird diese durch die lehmschicht gebildet, aber diese Giebelwand bleibt nach innen Sichtfachwerk!
Da stellt sich mir die Frage nach der Dampfdichtigkeit und ich wüsste gerne was wäre wenn ich dünne Holzweichfaserplatten auf den Hanf setze oder Schilfrohr.
Oder soll ich gar den alten Zementputz aussen auf der Wand lassen unter der Dämmung???

Ich gebe zu dass mich Dampfbremse/sperre, Winddichte, Luftdichte, Kapillareigenschaften und deren Begriffe einige mehr etwas verwirren....werde auch nochmal ein bischen rumgooglen diesbezüglich.

Die Dämmaterialien habe ich u.a. wegen ihrer Feuchtigkeitstoleranz gewählt.
Dass in meinem Altbau alles mit einer Folie ganz dicht verschlossen werden kann halte ich für ausgeschlossen, v.a. bei den schiefen Sparren, deshalb möchte ich so etwas gar nicht einbauen.

Gruß
Andrea

PS: 100m²der Schilfmatten und den Hanf habe ich bereits auf Lager, also bitte nicht auch sagen "Vergiss alles, Kauf Diffutherm-Zeugs". ;o)



2. wasserführende Ebene



Unter die Sparren 5cm Schilfrohrmatten (Idee:Eventuell eindringendes Wasser kann ablaufen wie an einem Reetdach...

Ich halte diese Variante für bedenklich.
Wohin läuft das eventuell eingedrungene Wasser?
Sind die Schilfmatten dafür geeigenet (Herstellerfreigabe)?
Wer gibt dir die Garantie, dass der Aufbau so funktioniert (der Händler)?



Garantie



gibt's keine - das ist aber nicht der Punkt (Auf Handwerkergarantien geb ich nicht viel heutzutage).

Das evtl eindringende Wasser läuft am Schilf ab und unten aus dem Dachbereich raus.
Das Thema ist aber die Winddichtigkeit bei jenem Material, bzw der Dämmverlust bei eventuell nicht ausreichender Winddichtigkeit der Schilfplatten.
Gruß
Andrea
PS: Wie werden eigentlich Reetdächer gedämmt? Macht das jemand? USB unters Schilf???? Wie ist dann das Klima unterm Dach?



Liebe Andrea



ich habe nur kurz Zeit, aber vorab. Das ist abenteuerlich.
Eine Schilfrohrplatte ist nie und nimmer eine wasserführende Schicht. Das tropft unten raus. Die Stöße müßten ja zumindest überlappen, wenn es theorehisch funktionierte. Meinst Du wirklich.. die Schilfrohrplatte UNTER die Sparren? Wieviel cm Stopfhanf sollen es den sein im Dach? Schöne Grüße Jürgen



Tu mal so,



als ob es das Problem der Winddichtigkeit gar nicht gäbe.

Thema Dach: Ein ausgebautes, bewohntes Dach, sollte immer ein regendichtes Unterdach haben. Ein Sturm, ein verschobener oder gebrochener Ziegel und Du hast einen Bauschaden, wenn das nicht der Fall ist. Ausgebaute, von innen gedämmte Dächer, ohne Unterdach sind immer Übergangslösungen. Eine dünne Weichfaserplatte zwischen den Sparren könnte das Wasser weitgehend nach unten führen, wenn es denn auch hoffentlich wirklich außen im Freien abtropfen kann.
"Theoretisch" funktioniert die Dämmung (rein dämmtechnisch, nicht bautechnisch)Die Dampfbremse innen ist nicht nötig. Notwenig ist aber das Augenmerk an die Anschlußbereiche Fußboden und Giebel zu richten. Evtl. braucht es ein Putzabschlußband.

Thema Wand:
Da sollte mal einer vor Ort schauen und bewerten. Ein Problem beim innen sichtbaren Fachwerk mit Außendämmung ist immer auch das Taupunktproblem und möglicher dauerhaft verbleibende Feuchtigkeit im Bauteil. "Theoretisch" könnte auch da mit einem Putzabschlußband in den Gefachen die Gefährdung reduziert werden. Mitunter gibt es auch im Holzbereich (in den Verbindungen) Undichtigkeiten. Der Zementaußenputz (den ich sowieso wegklopfen würde) muß in einer Tauwasserberechnung natürlich berücksichtigt werden.

Auf das Reetdach gehe ich jetzt nicht ein. Sorry, das bringt nur Verwirrung. Schöne Grüße Jürgen



Abenteuer ;o)



Hallo Jürgen,


>Eine Schilfrohrplatte ist nie und nimmer eine >wasserführende Schicht. Das tropft unten raus.

Das soll es ja dann auch: abgeleitet und unten aus dem Gebäude rausgeführt.

>Die Stöße müßten ja zumindest überlappen, wenn es theorehisch funktionierte.

Das Dach ist sehr steil, gedämmt wird nur ein RAum (30m²)des untersten Dachgeschosses mit 2,60m Höhe. Meine 2m Platte (die Schilfrohre liegen längs!)könnte die Schräge über den Kniestock hinaus abdecken, also überlappend zu der Matte der Kniestockwand.

> Meinst Du wirklich.. die Schilfrohrplatte UNTER die >Sparren?
Ja, die Stöße der Platten wären von den Sparrenbalken verdeckt (Balkenbreite 16-18cm gehauene Fichte).

>Wieviel cm Stopfhanf sollen es den sein im Dach?
DAs wüsste ich gerne, deshalb ist es so interessant zu erfahren ob ich nur etwas Dämmung verliere oder komplett die Dämmwirkung der Platte, ob ich eine USB irgendwo einziehe und wieviel Dämmwert dann durch die Schilfplatte erreicht wird...
Usprünglich waren ja insgesamt 7cm Schilfrohr (0,056)zu 12-14cm Stopfhanf (0,045) angedacht.

Grüße
Andrea



Hobelspäne und Lehm im Dach?



Hallo Andrea,

entschuldige, dass ich Ihnen an dieser Stelle eine Frage stelle und nicht auf Ihre antworte.... aber ich weiß nicht, wie ich Sie sonst erreichen kann und brenne geradezu darauf zu erfahren was mit der Dämmung aus Hobelspänen und Lehm geworden ist. Self-made oder doch gekauft? Wir haben uns nämlich auch gerade ein Bauernhaus gekauft und würden gerne möglichst viel selber machen....

Danke,
Barbara



@ Barbara



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Grüße

Thomas