Kalkanstrich/Seife

27.08.2010



Hallo,hat jemand schon davon gehört, dass man - bevor man Wände kalkt - die Wand mit einer speziellen Seife behandelt, damit dann ggf nichts durch scheint (zB alte Wasserflecken, alte Anstriche)?
Dass die Wände von alten Anstrichen befreit werden müssen ist klar...
Danke für Hinweise!
evakath



Kalkanstrich/Seife



Hallo,
ich kenne Seife in Verbindung mit Kalkanstrichen eigentlich nur als Imprägnierung auf dem letzten Kalkanstrich. Als Isolierung käme wohl eher Schellack oder Alaunsalz in Betracht.





Das vorseifen der Wände wurde annodazumal bei Leimfarbenanstrichen ausgeführt um die Poren an Frischputzen zu verschließen. D.h. um ein wegschlagen des Bindemittels in den Untergrund zu verhindern. Bei einem Kalkanstrich ist aber eine innige Verbindung :-)
mit dem Untergrund erwünscht, d.h. Grundanstrich mit dünner Kalkmilch. Heutzutage wird Tiefgrund anstatt Vorseife verwendet.





Kleiner Nachschlag aus

"Katechismus für die Gehilfen-und Meisterprüfung
im Maler-und Lackierergewerbe",
Guido Hengst, 1929

...
5.Wie ist ein Zimmer, welches in Leimfarbe gestrichen werden soll, zu behandeln?
Es kommt ganz darauf an, was für ein Grund vorhanden ist. Ist der Grund neuer Putz, so wird erst mit Kalkmilch geschlämmt, dann wird die Grundfarbe aufgestrichen. Bei alten Räumen muß der schlecht gebundene oder blätterige Farbengrund abgewaschen oder abgeschabt werden. Fehlerhafte Putzstellen sind auszubessern; dann wird vorgeseift. Dann folgt auch hier, nach der Trocknung der Vorseife, der Grundanstrich. Sitzt aber der Grund fest, so daß er nicht wischt, so kann nach dem Vorseifen eingestrichen werden.
6.Sie nannten hier Vorseife. Woraus besteht diese, und was für einen Zweck hat das Vorseifen?
Die Vorseife kann bei Pflanzenleimanstrichen aus verdünntem Pflanzenleim oder aus grüner Schmierseife, in heißem Wasser gelöst bestehen. Bei Tafelleimanstrichen kommt nur eine Seifenlösung aus grüner Schmierseife in Betracht, da diese fetthaltig ist und besser abdichtet. Die Vorseife hat zweierlei Zweck. Einmal, den Staub auf dem Grund zu binden, zum anderen mal, das Absaugen des Bindemittels und Wassers in den Grund zu verhindern, damit der Anstrich flott vonstatten geht und die Farbe gleichmässig auftrocknet.
...



Richtig Thomas ,



Schmierseife wurde auch früher bei Leimfarben verwendet , wenn der Altanstrich (event. mehrere Schichten) nicht mehr so tragfähig erschien oder auch kreidetet .
Dann wurde Schmierseife in warmen Wasser gelöst und ein bis zwei Doppel-Hände Sumpfkalk dazugegeben und aufgerührt .
Das gab dann oberflächlich im Eimer so eine Schaum-Quarkähnliche Schicht , genannt "Käse" . Entsprechend verdünnt wurde der Altanstrich eingestrichen . Nach Durchtrocknung strich sich der erneute Leimfabanstrich wie auf Glas und trocknete auch flott .
Ich arbeitete in meiner Lehrzeit noch damit .