Stopfhanf und Kondensationsfeuchte

31.12.2018 volvere



Guten Tag,

ich habe aus denkmalschutzrechtlichen Gründen beim Ausbau des Dachgeschosses am Giebel eine Vorsatzschale aus Multipor Calziumsilikatplatten ausgeführt, die Zwischensparrendämmung (180er Mineralwolle) mit einer Dampfbremse sd=2m, welche mit Entlastungsschlaufe an das Altmauerwerk, unter die CaSi Platten geführt ist (siehe Detailzeichnung Draufsicht Giebel). Den Raum zwischen den CaSi-Platten und der Entslastungsschlaufe/Dampfbremse habe ich mit Stopfhanf gefüllt.

Da die Luftfeuchte am Altmauerwerk kondensiert ist in diesem Bereich der Stopfhanf feucht/klamm - die CaSi-Platten sind laut Hersteller für diese Konstruktion ja ausgelegt - nur frage ich mich, ob der Stopfhanf bzw. die Umgebungskonstruktion nicht doch gewissen Gefahren hinsichtlich Schimmel/Verottung o.ä. ausgesetzt ist und ob es eventuell bessere Detaillösungen hier gäbe.

Ich hatte schon den Gedanken, die Dampfbremse vor der Vorsatzwand noch einmal zu öffnen und auf die (dann zu verputzenden) Stirnseiten der CaSi Platten zu kleben, sodass kein Hohlraum hier mehr besteht.

Was sagen die Experten - ist der Hanf dafür geeignet oder sollte ich Alternativen in Betracht ziehen?

Vielen Dank im Voraus
Jan



Dampfbremse



Deine Bauausführung ist ein gutes ( nun zwar grad nicht für Dich) Beispiel, wie wichtig eine korrekte Planung und Ausführung von Details bei Innendämmungen ist. Die Dampfbremse soll immer so weit wie möglich auf die Warmseite gezogen werden, bei Dir bedeutet das, das es besser gewesen wäre a.) die CaSi-vormauerung bis an die Dachschalung zu führen und b.) die Dampfbremse innen auf die CaSi zu verkleben und anschließend mit zu überputzen bzw. überspachteln. Vielleicht geht es ja zu realisieren, das an der Stelle, wo jetzt das Wort "Stopfhanf" auf Deiner Skizze steht, nochmals Folie aufzukleben und an die Innenseite der Vormauerung zu führen und die "Altfolieschleife" wegzuschneiden und neuen Stopfhanf einzustopfen, obwohl ich, wenns irgendwie gänge, einen Perlit-Kalkmörtel dafür verwenden würde . Wieviel cm ist die Dampfbremsfolie zwischen Bestandsmauerwerk und Vormauerung gezogen?



Konstruktion noch einmal öffnen



Ja, Überarbeiten kann ich den Bereich durchaus noch einmal.
Allerdings hatte der Hersteller explizit auf Nachfrage angegeben, die CaSi Platten aufgrund Ihrer Eigenschaft beim Feuchtetransport von der Mineralwolle mit der Dampfbremse zu trennen - auf einem Konstruktionsbeispiel in einer Produktpräsentation ist dies auch so auchgeführt, allerdings bei einem Kniestock und nicht beim Giebel. Im Fußbereich dieses Beispels ist die CaSi-Schale mit einem Hanfstreifen von der Holzbalkendecke entkoppelt, dieser muss demnach ebenfalls wie die CaSi Platten am Altmauerwerk die Feuchte "verkraften".

Ich vermute also zwei Optionen:

- Vorsatzwand bis zur Dachhaut ziehen
- Hohlraum beseitigen durch Aufkleben der Dampfbremse auf die Stirnflächen der CaSi Wand

Oder: ich beobachte per Langzeitstudie das Verhalten des Stopfhanfs :-)

Bezüglich meiner Eingangsfrage: ist Stopfhanf hier sinnvoll oder überhaupt nicht?

Viele Grüße
Jan



eine Trennlage



zwischen CaSi und Miwo ist ja möglich, diese sollte nur nicht auf die "kalte" Bestandsmauer geführt werden. Ich würde wie gesagt eine mineralische Füllung des Spaltes bevorzugen, vor allem weil ich nicht so überzeugt von der kapillaren Eigenschaft des Stopfhanfes bin und auch lieber im System bleibe und ungern so viele Dämmmaterialien mische. Auf jeden Fall wird durch die zwischen Bestandsmauerwerk und CaSi gezogene Dampfbremse möglicherweise eine Kondensationsstelle geschaffen. Wie stark ist die CaSi vormauerung?



CaSi Vormauerung



Stärke ist ca 80, die Dampfbremse zieht sich ca. 15cm unter Putz auf das Altmauerwerk.

Laut "https://www.hanffaser.de/uckermark/index.php/bauphysik/feuchtigkeit" muss die Materialfeuchte im Stopfhanf der Grenzfläche bei mir zu hoch sein - ich bin mir unsicher, ob das Material bis zum Raum hin in der Lage ist dies auszugleichen.

Gibt es denn auch andere Konstruktionslösungen (mit CaSi Platten oder anderes), die hier vielleicht jemand in ähnlicher Situation verwirklicht hat? Eine mit Dampfsperre/bremse eingepackte Mineralwolle wollte ich ursprünglich eigentlich am Giebel vermeiden.

Viele Grüße
Jan



Es ist ein Mißverständnis



von Einpacken war keine Rede. Meine Idee war lediglich, die 15cm Dampfbremse zwischen Vormauerung und Bestand zu entfernen und statt dessen den Spalt , der momentan mit Stopfhanf gefüllt ist (und von welchem ich immer noch keine richtige Vorstelllung von seiner Größe habe) mit einer mineralischen Füllung zu versehen. Dann die Dampfbremsfolie nicht zwischen Miwo und CaSi, sondern auf die CaSi-Platte raumseits anschließen. Damit wird der Kondensationspunkt, der jetzt zur Durchfeuchtung des Stopfhanfes führt kapillaraktiv mit Altmauer und CaSi verbunden und kann austrocknen.



Pardon,



vielen Dank für Deine Rückmeldung! Mein Gedanke war eher allegemein gemeint, wenn ein Mitleser evtl. eine solche Variante mir vorschlagen wöllte.

Zum Spalt: die Stopfwolle füllt die Entlastungsschlaufe aus, grob geschätzt ist dort die Maximaldicke 50mm, die Tiefe 100mm. (Abb 1)

Ursprünglich wollte ich die Dampfbremse so wie von Dir beschrieben (raumseitig auf CaSi) auch ausführen (Abb 2), jedoch war ich mir wegen der Dampfdiffussion durch das CaSi in Richtung MiWo unsicher und habe beim Hersteller (Fachberater Denkmalschutz) nachgefragt. Dieser gab an, die Dampfbremse erst nach Abschluss der dampfsperrenden Konstruktion der Zwischensparrendämmung auszuführen - also nach dem Einputzen der Dampfbremse an den Altgiebel und die CaSi Wand danach vorzusetzen. Ich habe zugegebenermaßen mir keine detailierten Gedanken gemacht, dass die Folie an dieser Stelle nur auf der CaSi Stirnseite aufliegt, die Entlastungsschlaufe dann innerhalb der Dämmebene mit Raumluft gefüllt ist und eine prima Wärmebrücke abgibt.

Unter Berücksichtigung der Richtlinie des Fachberaters Trennung CaSi/MiWo) - würde die von Dir angesprochene Lösung dann der in Abb.3 entsprechen (keine raumlufthinterströmten Bereiche, durchgehende Kapillaraktivität) entsprechen?

Wenn ich die 15cm auf der Giebelwand eingeputzte Dampfbremse entferne, muss ich die CaSi Platten in diesem Bereich zuvor abnehmen, dann könnte ich theoretisch danach auch bis zur Dachhaut die neuen wieder ansetzen - das wäre der größte Aufwand. (Abb 4) Aber auch hier stellt sich mir die Frage: Trennung von CaSi und MiWo (rot).

Alternativ könnte ich den Stopfhanf entfernen und warten, was dann passiert ;-)

Viele Grüße
Jan



Ja, Abb. 3



könnte funktionieren.Eigentlich sollte es nicht zu einem Kondensationsproblem zwischen der Stirn der CaSi und der Miwo kommen, da die Diffusionsrichtung aufgrund des höheren Dampfdruckgefälles eher in Richtung Altbestandsmauerwerk als in Richtung Miwo stattfindet. Aber Du kannst die Folie dort belassen. Das 15cm-Stück sollte auch verbleiben können, die Platte, aber auch das Mauerwerk sollten kapillaraktiv genug sein, evtl an dieser Stelle auftretende Feuchte durch Rücktrocknung nach innen bzw. im Sommer nach außen abzuführen. Insofern kannst Du Dir die Arbeit mit Herausreißen der Folie und dem Weiterziehen der CaSi bis an die Dachschalung sparen, daß war nur ein Hinweis, wie es von Anfang an besser gewesen wäre. Weil ja hier evtl auch Leute mitlesen, die so was noch machen wollen, wie von Dir schon angemerkt. Fazit: Es sollte reichen, den Spalt mit Leichtmörtel zu füllen und einen Streifen Folie raumseits an die vorhandene anzuschließen ( Überdeckung ca 10 cm) in die Ecke über die neue Füllung zu ziehen und dann raumseits ca 3-5 cm auf die CaSi zu ziehen und mit zu überputzen.



...vielen Dank



...für Deine Rückmeldungen sowie gesundes, bauschadenfreies Jahr ;-)