Lehm und Kalziumsilikatplatten auch nur Hokuspokus ?

06.02.2009



Eigentlich war ich im Internet auf der Suche nach Kalziumsilikatplatten als ich auf die Internetseite(n) von Herrn C. Fischer gestoßen bin: http://www.konrad-fischer-info.de/7schim.htm .
Ein Bericht der in mir doch etwas Verunsicherung hinsichtlich Schimmelbefall hervorruft (bzgl. einiger Praktiken bzw. Baustoffe die hier in diesem Forum sehr oft anders beschrieben bzw. angepriesen werden).
Hier nur ein paar Stichworte aus diesem Bericht:
-unsinnige Stoßlüfterei
-Das Märchen vom feuchteausgleichenden Lehmputz/Lehmbau
-zu Tode dämmen mit mondscheingestampftem ÖKO-Leichtlehm oder handgezupft- pobedrückten BIO-Haschischplatten
-Schimmelrisiko bei Lehmputzen
-Holzweichfaserplatten mit ausreichenden Mengen giftiger Fungizide beigesetzt
-Nebenbei werden "moderne" Holzweichfaserplatten auch gerne mit Kunstharzleimen und Kunststoff-Stützfasern versehen.
Das ist nun die Frage der Fragen die sich mir und ich denke auch anderen (unbedarften) Forumsteilnehmern immer wieder stellt, wem soll man glauben schenken, frei nach dem Motto was war zuerst da, das Huhn oder das Ei.
Gruß Peter



Alte Bekannte



Konrad Fischer ist hier ebenfalls Community-Mitglied.
Ich glaube ich tue ihm nichts böses, wenn ich behaupte, dass er einerseits ein sehr guter Sanierungsfachmann ist, aber andererseits viele seiner Thesen sehr kontrovers diskutiert werden. Die Diskussionen schweben dann zumeist zwischen bemühter Sachlichkeit und unverhohlener Polemik, beides von Vetretern der unterschiedlichen Standpunkte wechselweise angewandt. Mach Dir selbst ein Bild und verwende die Suchfunktion hier im Forum.
Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri



Hokuspokus



Hallo,
Glauben soll man gar nichts. Entweder es ist schlüssig dargestellt und überprüfbar oder nicht.
Meine einzigen Bedenken richten sich hier gegen de Verwendung von Haschischplatten.
Die sind einfach zu teuer.

Ansonsten hüte man sich vor Halbwahrheiten ! Beispiel
Lehmplatten: Man kann natürlich immer das Negative raussuchen und breittreten. Beispielsweise sind Lehmplatten radioaktiv.

Die öffentliche Verbreitung einer solchen Halbwahrheit via Massenmedium würde sicher zu Panik führen.
Richtig ist, daß Lehm als Bestandteil der Erdrinde Thorium enthält und vielleicht noch ein bisschen Erinnerungen an radioaktiven Fallout.
Richtig ist aber auch, daß Sie die Radioaktivität von Lehmwänden vernachlässigen können, verglichen z.B. mit einem Liter eines beliebigen Kaiserstühler Weißweines z.B.
oder dem Risiko aus einem irgendwo auf der Welt herumstehenden Atomkraftwerk.

Grüße vom Niederrhein





Das ist wie mit den Äpfeln und den Birnen!
Da wird schon mal gern alles durcheinandergewürfelt um zu guterletzt allem den selben Geschmack zu Attestiren.

Die Baustoffe sollten aufeinander und für ihre Aufgabe abgestimmt sein!
Ein reiner Kalkputz auf einer Betonwand ist genauso unsinnig wie Lehmputz im Keller oder ein Zementputz im Wohnzimmer.
Und wenn man sich für einen Lehmputz aufgrund seines Feuchtespeichervermögens entscheidet ist es wenig sinnvoll diesen einen diffusionshindernden Anstrich zu geben, genausowenig sollte einer Kalziumsilikatplatten eine Tapete zugemutet werden.

Baustoffe ob alternativ oder modern sind weder gut noch schlecht. Die richtige aufeinander abgestimmte Verwendung ist entscheidend.
Ein Superbaustoff für alles der obendrein in der Lage ist alle Bausünden am Objekt zu beheben gab und gibt es genausowenig wie schlechte Baustoffe.
Insofern kannst du also deine Suche einstellen Peter.
Such dir lieber kompetente Beratung zum deinem jeweiligen Problem.

gruß jens



Wer die Wahl hat hat die Qual



Hallo,
ich finde es immer wieder traurig zu sehen, wie viele verzweifelt auf der Suche nach dem richtigen Baustoff sind. Was ich mich fragen würde, wenn ich auf der Suche nach geeigneten Baustoffen wäre ist: wenn ich heute einen modernen Baustoff einbaue wie sieht es in 10 Jahren aus, gibt es dann noch die Putze oder Farben, die auf eine bestimmte z.B. Platte gehen oder hat sich die gesamte Palette verändert?

Jeder Baustoff gehört an einen bestimmten Platz. Vielleicht sollte man mal ein Haus anschauen, das seit der Erbauung nicht verändert wurde um zu sehen was die Handwerker damals verwendet haben. Kalk, Lehm, Holz, Natursteine gab es und wird es immer geben. Nur heute ist die Frage wie wurden die Urbaustoffe verändert oder verfälscht.

Viel Mut zur Entscheidung und mit freundlichen Grüssen.

Veronika Klepac



Und was ist denn Ihr eigentlicher Grund gewesen...



...sich diesbezüglich im Netz umzusehen?
Wollen oder müssen Sie dämmen?
Was haben Sie für eine Gebäudesubstanz?

Wir haben Kalziumsilikatplatten genau so verarbeitet, wie Lehmputze darauf.
Natürlich entsprechend den Gegebenheiten.
Und da beginnt die Sache erst interessant zu werden, die jeweiligen Situationen zu erfassen.
Und genau darauf zielt Herrn Fischer seine Betrachtung hinaus.

Also Lösungen erarbeiten und die entsprechenden Materialien dazu wählen.

Grüße und handwerkliches Geschick,
Udo Mühle



Baupolemiker...



...und Bauideologen gibt es halt reichlich.

Warum ein Architekt mit Erfahrung und Verstand nebenbei solchen Unsinn schreibt wie "zu Tode dämmen mit mondscheingestampftem ÖKO-Leichtlehm oder handgezupft- pobedrückten BIO-Haschischplatten" sollten wir hier besser nicht ausdiskutieren, es gab schon überreichlich "Gespräche im Hause Fachwerk über den abwesenden Herrn Fischer".

Katastrophale Berichte lassen sich vermutlich über jeden Baustoff versammeln, weil es für jedem Baustoff Situationen gibt, in denen er versagt.

Mein Part ist das Holz, ein organischer Stoff, der von Pilzen und Insekten geliebt wird, brennbar ist, heterogen, nicht formstabil etc. Man fragt sich ernsthaft, wieso jemals einer auf die Idee kam, mit Holz zu bauen, stimmt's, Martin?

Ich halte es also nicht für sinnvoll, Materialien in Bausch und Bogen zu verdammen oder zu glorifizieren. Konkrete Konstruktionen sind komplex zu bewerten, statt isolierte Grabenkämpfe mit Diffusions- oder k-Werten zu betreiben. Damit freilich ist der Laie zumeist überfordert.

Ich rate dazu, einen altbauerfahrenen Planer zumindest in die Planung Ihrer Maßnahme einzubeziehen. Er sollte bereit sein, Selberbauer fachlich zu begleiten (wenn Sie das denn vorhaben). So wachsen Ihnen die Kosten nicht über den Kopf, und die Wahrscheinlichkeit, ein dauerhaftes Werk zu erstellen, steigt immens.

Gutes Gelingen wünscht

Thomas



Die Antworten sind so..



wie auch ich größtenteils empfinde. Leider hat mich die Grippe erwischt und so möchte ich mich zumindest vorerst für Ihre / Eure bestärkenden und anregenden Meinungen bedanken.
Zitternde Grüße
Peter Hage
..und der geht nun wieder in's Bett.



Fachleute



Ich hoffe dass die Grippe sich verzogen hat...

Bitte bedenken, Sie dass die Fachleute nicht immer einer Meinung sind und nicht unbedingt alles was geschrieben wird ist auch war.
Ich kenne Herrn Fischer aus einem Vortrag und bin froh darüber, dass er auch mutig und erfolgreich andere Wege und Methoden anwendet.
Er muss sich ja schließlich auch als Planer bzw. Beauftragter Architekt verantworten.
Insofern kann ich mir seine Meinung und seine Argumente anhören oder im Internet durchlesen und dann als Fachmann auch bewerten.
Nicht frei nach dem Motto:
Wer nichts tut macht auch keine Fehler, sondern die Bedenken des Herrn Fischer und anderer Fachleute mit in meine Überlegung einbeziehen. Herr Fischer ist nicht nur ein begnadeter Redner und fleißiger Schreiber, sondern er ist auch ein guter und gefragter Architekt, der über viel Erfahrung und Fachkompetenz verfügt. Insofern hat natürlich seine Meinung gerade in der Fachwelt auch Gewicht. Allerdings ist seine Ausdrucksweise manchmal drastisch und zuweilen provokant, aber das halte ich durchaus für zulässig und legitim, er will schließlich auch niemanden etwas andrehen.

Richtig ist auch, dass die Theorie der Dämmproblematik nicht ganz einfach ist und die Laien und "Selbstsanierer " häufig überfordert sind. Aber das ist auch nicht verwunderlich, sonst wäre der studierte oder erfahrene Fachmann bzw. die Fachfrau in diesem Zusammenhang überflüssig.

Ich persönlich halte es bei der Auswahl der geeigneten Sanierungsbaustoffe ähnlich wie mit den Nahrungsmitteln: je mehr sie verarbeitet werden, desto mehr Inhaltsstoffe kommen hinein, die nicht unbedingt immer hinein gehören.
Deswegen halte ich im angesprochen Zusammenhang bezgl. der Fragestellung die Verwendung von Reetmatten zur nachträglichen Wärmedämmung der Außenwände für die bessere und preiswertere Alternative. Diese Methode ist bereits vielfach erprobt und funktioniert auch, vorausgesetzt, es liegt eine richtige Planung und Berechnung vor.
Mit freundlichen Grüßen
Architekt A. R. Thams