Ursprung 2




Noch eine foto



Brasilianische Meister



Hallo Paulo,

soweit ich bisher erfahren/ lesen konnte, habt Ihr in Eurer Gegend - in Blumenau und Pomerode - einige Zimmerermeister, die auch über die Grenzen Brasiliens hinaus bekannt geworden sind; z.B. Erich Bremer, Otto Hahne und Egon Tiedt.
Sie haben sich zwar alle an deutschen Vorbildern mit Sichtmauerwerk orientiert, aber nicht nur einfach kopiert.
Sie haben durchaus Ihre eigenen Stile entwickelt und das Fachwerk auch für brasilianische Verhältnisse angepaßt und weiter entwickelt, z.B. mit Veranden und Balkonen.
Insofern könnte man fast sagen, es ist ein brasilianischer Stil der sich an deutscher Handwerkstradition orientiert.
Seid doch stolz auf Eure Meister.
Das auf die schnelle.
Gruß aus Braunschweig
Bernd





Hallo Bernd.

Das stimmt, was du hast geschrieben. Unsere Häuser brauchen Änderung für Hitze. Hier ist furchtbar . . .
Braunschweig? Es gibt leute die sagen das unsere Architektur stammt aus Hannover. Aber ich weiss,( Ich habe ein jahr(1990) in Hannover gewohnen ) das stimmt nicht. Solche Stil ( mit Ziegel ) habe ich nur in nähe Leipzig gesen.
Leben noch diese leute? Wie hast du sowas gefunden?

Mfg

Paulo



stimmt und stimmt nicht...



Hallo Paulo,
1. Braunschweig und Hannover liegen gar nicht so weit auseinander. Die deutschen Fachwerkregionen beschreiben größere Gebiete und beziehen sich nicht nur Städte.
2. Ab ca. 1830 läßt sich ein großer Rückgang regional bedingter Fachwerkformen in Deutschland beobachten. Das Reisen wurde einfacher, die Eisenbahn erfunden und die typischen Formen verschiedener Schmuckelemente verschwinden. Das Fachwerk beschränkt sich auf seine konstruktiven Grundformen, "verallgemeinern" sich sozusagen und lassen sich regional kaum noch zuordnen.
Massivbau gewinnt an Bedeutung, vor allem auch für schmückende Fassadenelemente (dahinter versteckt sich häufig noch ein Fachwerkbau). Ab 1870 etwa gibt es nochmal ein Wiederaufleben des Sichtfachwerks, jetzt aber vornehmlich eingesetzt als Schmuckelement, wobei hauptsächlich das eigentliche Tragwerk gezeigt wird und kaum noch Verzierungen. Auch wird das Fachwerk nur noch Teilbereichen eingesetzt (vor allem im städtischen Bereich): Giebel, Türmchen, Teilfassaden.
3. Ihre Bilder sehen im ersten Blick dem Fachwerkbau in Deutschland, ab der Zeit um 1870 ähnlich: kaum noch Schmuckelemente, Querschnitte sehr schlank, gleichmäßige Ständerstellung. Wie beschrieben gibt es ab dieser Zeit kaum noch regionale Unterschiede, so dass ich Ihnen eine solche Art von Fachwerk in Hannover, Braunschweig und Leipzig zeigen könnte.
4. Dazu kommen Veränderung die bei Ihnen durchgesetzt wurden, wie mein Vorredner schon treffend beschrieben hat.
Grüße aus Leipzig von



1870



@ Martin Malangeri

Sehe ich ähnlich, insbesondere die Hinweise auf die Zeit nach 1870.
Meine Aussage "eher nordeutsch" bezog sich auch lediglich auf den Umstand, daß hier auch in der Vergangenheit, insbesondere im ländlichen Bereich, häufiger auf Schmuckelemente verzichtet wurde.
Hinzu kommt, daß brasilianische Zimmerer aus den großen Einwanderungswellen Ende des 19. Jahrhunderts doch stärker von den damaligen "aktuell-vereinheitlichten" Elementen geprägt waren als von "mittelalterlichen" Vorbildern mit den skizzierten starken regionalen Unterschieden.
Gruß aus BS





Bernd um Martin.

Ich glaube eure Antworte stimmt. Also,( ob ich habe es richtig verstand . . . ) so ein Stil stammt aus eine neue sozial und wirtschaft situation. Kann man sagen das ist eine Erfolg des Industrielle Revolution? Und nicht von eine bestimmte region in Deuschland?

Bernd, was bedeut "aktuell-vereinheitlichten" . . .?


Mfg

Paulo



Hallo Paulo,



entschuldige bitte dieses zusammengesetzte Wort.
Ich habe mich damit auf die von Martin Malangeri skizzierte Vereinheitlichung der Stile in Deutschland bezogen und wollte damit ausdrücken, daß dieser Stil aktuell war, als die großen Einwanderungswellen nach Brasilien stattfanden.

Deine Zusammenfassung, diesen "gesamt-deutschen Stil" als Ergebnis einer neuen Zeit zu sehen, ist insofern in der Tendenz richtig.
Gruß
Bernd