Stellenweise Gipsputz unter Holzfaserdämmung?

10.01.2022 WirVonWald


Hallo Zusammen,

ich heiße Michael und bin bisher nur fleißiger Leser im Form gewesen. Nun würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir bei einem Problem helft.

Wir sind gerade dabei mein altes Elternhaus herzurichten. Es handelt sich um einen 50er Jahre Bau. Auf anraten meines Onkels (Stuckateur) sind wir dabei eine Innendämmung aus Holzfaserdämmplatten einzuziehen.

Im Haus wurden Teile der Elektroleitungen (schmale Schlitze mit Mauernutfräse) mit Rotband eingeputzt. Außerdem kleinere Löcher ebenfalls damit verfüllt.

Meines Wissens verträgt sich reiner Gipsputz nicht gut mit der Dämmung. Daher wollte ich zwecks Tauwasser die eingeputzten Dosen an der Außenwand entfernen und durch spezielle Innenwanddämmdosen (hola, sind die teuer!) ersetzten.

Müssen die Leitungen und Leerohre auch aufgestemmt werden und neu Verputzt werden? Und was mach ich mit den kleinen bereits verfüllten Löchern, wo der Gipsputz nur hauchdünn aufgetragen ist? Können die so bleiben? Der Kommentar meines Onkels: typisch Handwerker: "Passt schon". Hat er recht?

Vielen Dank für eure Hilfe,
Michael

Hier der Aufbau im Überblick:
- Außenputz
- 300mm Bimsstein
- 15mm Kalksandputz
- Haftgrund Offenporig (sd-Wert <0,01)
- Klebeschicht Lehm
- 40mm Holzfaserdämmplatten
- Amierungsputz Lehm mit Gewebe
- Oberputz

Edit: Da ich nicht weiß ob ich Markennamen nennen darf, habe ich diese entfernt.



Re: Stellenweise Gipsputz unter Holzfaserdämmung?



Hallo Michael,

Gipsputz muss, bzw. sollte hinter einer Innendämmung weg. Es geht darum dass Gips Feuchtigkeit auf Dauer nicht verträgt, er verfault. Wenn garantiert ist, dass das Mauerwerk trocken ist und nach Einbau der Innendämmung auch bleibt, ist es kein Problem wenn der eine oder andere Batzen bleibt. Das müsst ihr aber vor Ort selbst sehen und entscheiden. Größere Flächen aus Gipsputz solltet ihr sicherheitshalber entfernen!

Frage: Warum wollt ihr nur 40 mm Dämmplatten einbauen? Z. B. 60mm-Platten kosten nur ca. 5 - 6 €/m² mehr, bringen aber eine deutlich bessere Dämmung, ohne dass man Bedenken wegen Tauwasser haben muss. Der große Kostenfaktor, die Arbeit und das "Drumherum" bleiben aber gleich.

Mit den Elektroinstallationen ward ihr zu schnell. Denn, erstens, die Dämmplatten werden an die Wände geklebt UND verdübelt. Da man dazu viiiele Löcher bohren muss, ist das Risiko groß dabei ein Kabel oder Rohr zu treffen. Zweitens, es ist viel einfacher Kabel in den Dämmplatten einzuschlitzen als im Mauerwerk und drittens, wenn man die Installationen nachträglich montiert, muss man beim Ankleben der Dämmplatten keine Kabel, usw. passgenau durch die Dämmplatten durch frimmeln.
In einen 2 cm tiefen Schnitt mit der Handkreissäge kann man ein 3x1,5 oder 5x2,5-Kabel einfach rein drücken. Es hält ohne Nagelschellen. Für die UP-Dosen bohrt man einfach mit einer Lochsäge ein Loch in die Platten und klebt darin die Dosen ein, ich verwende dazu Lehmkleber. Der hält bombenfest.
Wenn ihr 60mm HWF-Platten einbaut, müsst ihr das Loch auch nicht ganz durch die Platte durch bohren, dann gibts auch eine Wärmebrücke hinter der Dose und ihr könnt "normale" Dosen verwenden. Auch in Außenwänden. Solltet ihr bei Lochbohren die komplett durch die Platte durch sein, könnt ihr einfach etwas Stopfhanf oder Holzfasern hinten rein drücken und die Dose davor einmörteln.

"Und was mach ich mit den kleinen bereits verfüllten Löchern, wo der Gipsputz nur hauchdünn aufgetragen ist?" Kleine Löcher und flache Unebenheiten kann man auch mit dem Lehmkleber auffüllen/ausgleichen, wenn die Dämmplatten angeklebt werden.
Wichtig ist, dass die Dämmplatten vollflächig angeklebt werden (keine Batzenklebung wie bei GK-Platten!!!), es dürfen keine Hohlräume zwischen Wand und Dämmplatten bleiben. Beachtet die Anwendungsanleitungen der Dämmplatten-Hersteller.

Noch eines zu "Aufbau im Überblick": Einen Haftgrund braucht ihr nicht, der Lehmkleber hält auch ohne auf dem Putz, wenn der noch tragfähig ist und nicht sandet. Falls doch ist eher ein Tiefengrund zur Verfestigung angesagt. Die Flächen müssen nur sauber, staubfrei und tragfähig sein. Der Untergrund wird vorm Aufziehen des Kleber gut vorgenässt.

Eine Arbeitsanleitung zur Innendämmung findest du z. B. hier: https://www.claytec.de/Arbeitsbl%C3%A4tter/3_Arbeitsblatt-Innendaemmung/Arbeitsblatt_Innendaemmung.pdf

Markennamen darf man in diesem Forum nennen. Es dient ja dazu Tipps und Infos weiterzugeben... ;-)

Gruß,
KH



Re: Stellenweise Gipsputz unter Holzfaserdämmung?



Hallo Karl-Heinz,

Erst einmal: Herzlichen Dank für die ausführliche Antwort. Das haut mich um, wie hilfsbereit dieses Forum ist. Spitzenmäßig!

Die Wand ist trocken, soweit ich das beurteilen kann. Ich hoffe natürlich das das so bleibt. Der Rechner bei Ubakus kann schein ja nicht mit Innendämmung klarzukommen und zeigt „grausig feuchte“ Werte an.

Warum nur 40mm? Weil mein Energieberater dazu geraten hat. Zu hohe Dämmstärken bei Innendämmung brächten einige neue Probleme mit sich. Das Problem: Das Material ist schon da. Schwierig das jetzt noch aufzustocken. Oder kann ich 20mm davor schrauben? Für die Preise der Innendämmungsdosen kann ich locker noch ein paar Platten kaufen.

Mit dem Schnellschuss beim Elektro sagst Du was. Hab da meinem Bruder (gelernter Elektriker) vertraut. An das Thema Gips habe ich erst zu spät gedacht. Die Idee mit den Kabel in Dämmschicht kam mir nämlich auch, im Planungsheft des Herstellers stand aber explizit: „Elektroleitungen sind außerhalb der Dämmschicht in der Wand zu Verlegen und zu verputzen.“ Mir scheint, hier spricht die Erfahrung eines Handwerkers. Würde ich im Nachgang jetzt so machen.

Ich schau das jetzt möglichst wenig Gips unter der Dämmung verbleibt und werd dafür die Dosen ausbauen. Bei 40mm Dämmung bleibt mir wohl nur die Spezialdosen „Kaiser 1159-90“ oder? Und was ist eine größere Fläche? Zählen Mauernut Schlitze dazu?

Vielen herzlichen Dank nochmal,
Michael



Re: Stellenweise Gipsputz...., die Zweite



Ich fange mal "von hinten" an:
Die von dir genannten Kaiser-Dosen kenne ich nicht, bzw. habe ich noch nicht "live" gesehen.
Ich denke aber die brauchst du nicht. Die "normalen", flachen UP-Dosen sind ca. 40 - 45 mm tief. Wenn die ca. 15 mm (= Putzdicke) vor die Dämmung vor stehen, hast du bei den 40er Platten noch 10 -15 mm Plattenmaterial dahinter. Das reicht. Ihr werdet ja kein Unmengen an Dosen in den Außenwänden versenken.

Thema Gips: Eine maximale Größe für "zulässige" Gipsreste gibt es nicht. Die reine Lehre sagt: Gips muss komplett weg. Wenn du sagst die Wände sind trocken und bleiben es auch dauerhaft, dann sollten ein paar zu gegipste Kabelschlitze kein Problem sein. Garantieren wird dir dafür weder ich noch sonst jemand!

".... im Planungsheft des Herstellers stand aber explizit: „Elektroleitungen sind außerhalb der Dämmschicht in der Wand zu verlegen und zu verputzen.“ Ja. klar, die sichern sich natürlich ab. Es geht um die Wärmeentwicklung der Kabel bei hoher Belastung. In der Dämmung werden Kabel halt schneller warm als in einer Wand, da die Wärme in der Dämmung nicht oder nur ganz schlecht abgeleitet wird und das Dämmmaterial meistens auch noch entflammbar ist. Es könnte also bei Überlastung zu Schwelbränden kommen. Ich persönlich denke, es ist eine Frage der Absicherung der Kabel. Wenn die Sicherung zum Kabel passt, so what? Aber das ist eine Diskussion die kannst du mit deinem Bruder führen... ;-)

Auf deinen Energieberater will ich jetzt lieber nicht eingehen. Nur so viel: eine kapillaraktive 60mm-Innendämmung kann man in mind. 90% der Fälle problemlos und ohne lange nachrechnen zu müssen sogar auf eine viel "empfindlichere" Fachwerk-Außenwand bauen. Erst recht auf ein massives Mauerwerk.

Was den Ubakus-Rechner angeht. Ich habe, bevor ich meine erste Antwort schrieb auf die Schnelle und mit Materialien, die ich nach deinen Angaben angenommenen habe, den Rechner gefüttert. Mir zeigt er außer den U-Wert, ganz akzeptable Werte an. Vor allem die Tauwasserbelastung war voll im grünen Bereich.
Grundsätzlich kann man dem Rechner schon trauen. Ich habe ihn schon mehrfach zusammen mit einem Energieberater-Kollegen und dessen Profi-Tools getestet. Das Gute ist, er zeigt eher schlechtere Werte an als sie in der Realität sind. Hast du vielleicht in der einen oder anderen Schicht falsches Material oder falsche Schichtdicken eingetragen?

Gruß,
KH

PS: Dämmplatten an Wänden aufdoppeln habe ich noch nie gemacht, wäre mal einen Versuch wert. Versuch macht kluch..... ;-)



Lösung gefunden?



Hallo Karl-Heinz,

vielen Dank nochmal für den super Support, hat mir sehr geholfen. Meine Antwort hat etwas länger gedauert. Ich war die letzten Tage fleißig und habe mit verschiedenen Personen (Hersteller Support, Energieberater, Handwerker usw.) gesprochen.

Dabei hat sich jetzt folgender Lösung herauskristallisiert:
- Wie von dir empfohlen stocken wir die Dämmung auf 60mm auf. Der Händler tauscht die 40er in 60er um. Das macht vieles einfacher.
- Die beiden schon mit 40mm gedämmten Wände (20m2) werden zusätzlich mit 20mm Dämmplatten beplankt. Die Platten werden nur gedübelt. Der Steico Support sieht hier kein Problem, wenn die untere Schicht sauber angeklebt wurde. Das kann ich bestätigen, die Platten kommen nur noch in Stücken von der Wand ;-).
- Die eingegipsten Leitungen bleiben, größere Gipsflächen werden entfernt. Der Energieberater sieht hier kein Problem.
- Die eingegipsten Dosen werden vollständig entfernt und der entstandene Hohlraum (ca. 5cm tief) wird mit Stopfhanf (hab ich noch da) ausgedämmt.
- Wir verwenden flache abgedichtete Hohlraumdosen die in die Dämmplatten eingelassen werden. Die verlegten Leerrohre werden bestmöglich von innen abgedichtet.

Frage an dich Karl-Heinz und in die Runde: Was haltet ihr von dem Plan?
Würde mich sehr über eine Rückmeldung freuen.

Und noch eine Frage zu den Dosen: Würde gerne die günstigen luftdichten Hohlraumdosen verwenden z.B. Kaiser 9263-22. Bekomme ich die in den Holzfaserdämmplatten fest oder soll ich besser die teuren Kaiser 1159-55 ECON Iso+ kaufen?

Besten Dank und viele Grüße
Michael



Hohlwanddosen



Meine Meinung kennst du bereits. Ich halte es für rausgeschmissenes Geld in einer völlig diffusionsoffenen Wand luftdichte Dosen einzubauen. Rund um die Dosen findet m²-weise ein Gasaustausch statt, nur in den Dosen soll es nicht sein? Warum?
Abgesehen davon, die glatten Hohlwanddosen halten eingemörtelt nicht so gut, wie die gewöhnlichen. Sie werden nur durch die beiden Krallen und die Klebekraft des Mörtels gehalten. Die gewöhnlichen Dosen haben einfach mehr Grip.



päpstliche Hersteller



Der gleiche Gedanke kam mir auch. Aber die Hersteller sind in der Hinsicht schon päpstlicher als der Papst. Müssen sie wohl. Ich denk nochmal drüber nach. Zum Mörteln nehme ich Kalk-Zement Mörtel oder reicht der Lehmkleber aus?

Da zum Rest kein Veto kam, nehme ich an das passt, oder?

Viele Grüße
Michael



Re: päpstliche Hersteller



Die 20mm-Platten, die ihr Aufdoppeln wollt, würde ich zusätzlich mit Lehmkleber, mit 6mm- od. 8mm-Zahnung aufgezogen (testen ob 6er reicht), vollflächig auf die 40er Platten Kleben (und in der Wand verdübeln). Einfach damit sie vollflächig Halt bekommen und sich nicht doch irgendwo wölben bzw. hohl stellen.
Markiert euch vorm Dübeln an der Decke oder dem Fußboden wo die Kabel und Rohre sind, damit ihr es noch seht wenn die Platten angeklebt sind !!! ..... ;-)

"Zum Mörteln nehme ich Kalk-Zement Mörtel oder reicht der Lehmkleber aus?" ---> Lehmkleber.
KZ-Mörtel hat an/in HWF-Platten nix zu suchen und klebt auch nicht so gut wie der Kleber.

Da zum Rest kein Veto kam, nehme ich an das passt, oder? Jou, aus der Ferne gesehen passt der Rest, wenns der Energieberater auch für gut befunden hat.

Gruß,
KH