Steinwolle und Lehmkleber

26.05.2021 Daloy


Guten Tag,
derzeit Saniere ich ein Haus aus 1737, halb Fachwerk und halb gemauert. Das Haus ist Grenzständig und nun soll die Nachbarwand von Aussen gedämmt werden. Eigentlich sollte diese auch, wie die andern, mit Schilfrohrplatten gedämmt werden. Aus Brandschutzgründen wird das aber wohl nix.

Ich bin nun auf Steinwolledämmplatten gestoßen, Rockwool Coverrock oder ähnlich.
Die fast auf der Grenze verlaufende Wand besteht zu einem drittel aus Fachwerk, mit Lehmsteinen ausgemauert und zu zwei drittel aus Vollziegeln.
Den Aufbau habe ich mir so vorgestellt,
Von innen nach aussen: Lehmputz, Schilfrohr 2cm, Lehmputz(als Kleber), Fachwerk/Ziegel), Lehmputz(als Kleber), Steinwolleplatten 5-6cm, Kalkputz

Kann man das so machen? Ich glaube das durch den Lehm eventuell anfallende Feuchte abtransportiert wird.

Vielen dank für eure Antworten



Besser nicht



Genau den gleichen Fehler habe ich vor einigen Jahren gemacht.
Als ich mein Elternhaus von außen dämmte, dachte ich es wäre eine gute Idee den Giebel zum Nachbar hin aus Brandschutzgründen mit Steinwollplatten zu dämmen. Die ersten paar Jahre war noch alles ok. Dann fing es langsam an, der Giebel wurde erst nur fleckig grau/schwarz. Nach ca. 10 Jahren war er vollflächig schwarz von anhaftendem Staub und Algen.
Die Steinwollplatten saugen sich nachts und bei Regen/feuchter Witterung mit Feuchtigkeit voll und trocknen zu langsam ab. Sodass genug Zeit für reichlich Wachstum ist.....
Zum Glück ist mein Giebel massives Ziegelstein-Mauerwerk, kein Fachwerk.
Ich an deiner Stelle würde mit dem Nachbar reden ob er was gegen eine Schilfdämmung hat. Wenn nicht, würde ich auf jeden Fall die dran machen. Mit Steinwolle auf Fachwerk haben schon sehr viele Leute schlechte Erfahrungen gemacht. Eben aus dem Grund: Steinwolle kann sehr viel Wasser aufnehmen, gibt es aber nur seeehr langsam wieder ab. Derweil verrottet das Holz und keiner kriegts mit.....bis es zu spät ist.

Anderes Thema: Wenn du innen statt 2 cm Schilfplatten eine 2-, od. 4-, besser noch 6cm-Holzweichfaserplatte an die Wand klebst, hast du eine bessere Dämmung. HWF-Platten haben eine viel besseren Lambda-Wert als Schilf....und sie lassen sich besser/schneller verarbeiten.



Hinterlüftung



Hallo, danke für die Rückmeldung. Mit was sind deine Platten geklebt bzw. Verputzt?
Würde eine Hinterlüftung das Problem lösen? Die Feuchteproblematik würde ich mir bei einer zu dicken Innendämmung ja in Haus holen. Und beim Thema HWF kommt derzeit der Holzmangel zum tragen :(



Hinterlüftung



an welcher Stelle im Maueraufbau würdest Du denn eine Hinterlüftung vorsehen? Hinterlüftungen von verputzten Fassaden sind nicht durchführbar.
Wieso holst Du Dir bei einer Innendämmung die Feuchteproblematik ins Haus?



Re:



"Mit was sind deine Platten geklebt bzw. Verputzt?"
Ganz konventionell, wie "man" eben Vollwärmeschutz macht: Klebe- und Armierungsmörtel zum Ankleben und zum Verspachteln der Dämmplatten, darauf dann ein farbiger Oberputz. Aber wie gesagt, bei mir sinds gemauerte Wände. Auf Fachwerk geht das so nicht.

"Die Feuchteproblematik würde ich mir bei einer zu dicken Innendämmung ja in Haus holen."
Nicht, wenn du die zulässige Dicke der Innendämmung einhältst. Das geht schon, für mich ist Innendämmung auf Fachwerk Tagesgeschäft, wir machen das andauernd. Gerade in einem Fw-haus von 1568.

"Und beim Thema HWF kommt derzeit der Holzmangel zum tragen :("
Da hast du allerdings recht..... mein Vorrat wird als mehr wert.... ;-)
Ich habe gerade erst ein Prospekt zu Dämmplatten aus Strohfasern geschickt bekommen. Kennen tue ich sie und den Hersteller von daher selbst noch nicht, aber schau mal, ob das eine Alternative für dich wäre: http://www.vestaeco.de/index.html



Was man sich so in den Koof gesetzt hat...



Danke für den vorschlag, ist eine Überlegung wert. Fakt ist aber, das ich diese Wand von aussen Dämmen möchte, da muss es doch eine möglichkeit geben :)
Lehmputz und Kalkputz aussen drauf, zum Schutz der Wolle?



Re: Was man sich so in den Koof gesetzt hat...



Lehmputz außen nur wenn der Dachüberstand so groß ist, dass kein Schlagregen dran kommt....und wenn du gleich dem Nachbar alle Gartenschläuche konfiszierst, damit er dir nicht versehentlich den Putz von der Wand spülen kann.
Kalkputz geht auf entsprechender Haftbrücke (z. B. Kalk-Haftputz). Aber wie gesagt, Mineralwolle auf Fachwerk ist sehr kritisch!!! Ich würds garantiert nicht machen!

Hast du innen keinen Platz, oder sind die Zimmer hinter der Wand bewohnt und sollen nicht angefasst werden, oder warum willst du auf der Wand keinen dickere Innendämmung machen und außen dafür nur neu verputzen?
Spiele einfach mal mit ubakus.de verschiedene Varianten durch, dann wirst du sehen was geht.

Davon abgesehen, du schreibst: "Das Haus ist Grenzständig...:".
Mit der Außendämmung gehst du also über die Grenze drüber? Wenn ja, was sagt dein Nachbar dazu?
Und was sagst dann du dazu, wenn irgendwann mal Nachbars Kinder Löcher in deine (weiche) Steinwolle-Außendämmung ballern, die daraufhin "absäuft", das Fachwerk verrottet und du merksts erst wenn die Bude in die Knie geht? (ein gesunder Eichenbalken kann in 10 Jahren weg gefault sein, Nadelholz viel schneller)



Re



Die Grenze verläuft schräg zum Haus, also ragt die Dämmung nur auf den letzten Metern über diese hinaus. In Hessen besteht eine duldungspflicht für angemessene Dämmstärken. Ich verstehe die bedenken hinsichtlich des Fachwerks, aber so wie ich das jetzt verstehe werden die gemauerten zwei drittel recht wenig von der eventuellen Feuchte gestört oder?

Und das Fachwerk ist ja innen Diffusionsoffen, reicht das nicht?



Ganz andere Frage



Ich habe gerade deinen Beitrag von 2018 gelesen. Da scheibst du von einem Haus das unter Denkmalschutz steht. Ist das das Haus von dem du hier schreibst?
https://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/leben-in-zwei-haeusern-verbindungsbau-278397.html



Außendämmung bei Fachwerk



Als Kleber unter Dämmplatten im Außenbereich würde ich keinen auf Lehmbasis verwenden sondern auf Kalkbasis oder üblichen für Dämmplatten.
Sofern der Untergrund eben ist können auch Mineralschaumplatten benutzt werden-
Außenputz nicht zu dünn, besser ca 10 mm dick und mit Silikatfarben streichen.
Hinterlüftung ist möglich wenn zB zementgebundene Platten auf eine dünne Konterlattung geschraubt werden.

Auch möglich:
Holzunterkonstruktion, Zellulosedämmung und Außenverkleidung mit zementgebundene Platten oder 40 oder 60 mm dicke Holzfaserdämmplatten mit Verputz.
Das erspart den Unterputz auf dem Fachwerk und das Verkleben von Dämmplatten