Steinwolle auf vorhandener Schalung aufbringen? Oder Aufsparrendämmung?

01.06.2014 Janne



Hallo Zusammen,

ich besitze ein altes Haus von ca. 1900. Es handelt sich um ein Satteldach mit 120cm Drempel und ca. 16° Dachneigung. Das Dach soll nun saniert werden und der Dachboden ausgebaut werden.
Momentan ist der Aufbau von außen folgender:
- Eternit-Wellplatten
- Traglattung
- mehrer Lagen Bitumenbahnen
- 28mm Schalung (Fichte)
- 120x120mm Sparren.

Die Eternit-Platten, sowie die Bitumenbahnen sollen im Zuge der Sanierung entfernt werden. Auf der dann freigelegten Schalung möchte ich 60x100mm Aufdopplungen aus KVH
aufschrauben. Die Zwischenräume der Aufdopplungen möchte ich mit Steinwolle WLG 035 (100mm Klemmrock/Rockwool) dämmen. Die Dämmung liegt somit auf der Schalung auf. Unter der Schalung möchte ich die Zwischenräume der Sparren mit 120mm Steinwolle dämmen. Der Innenseitige Abschluss bildete eine feuchtevariable Dampfbremse. Außenseitig auf den Aufdopplungen möchte ich eine diffusionsoffene Unterdeckbahn spannen. Es folgt Konterlattung,Traglattung...
Eigentlich ein normaler Aufbau, aber was ist mit der Schalung zwischen den beiden Dämmlagen? Gibt es aus eurer Sicht ein bauphsikalischen Problem, da die Dämmung durch die Schalung "unterbrochen" wird.
Da der Dachstuhl nicht eben ist und ein wenig durchhängt wurde mir von einer klassischen Aufsparrendämmung (harte Dämmplatten) abgeraten, da die Dämmung nicht vollflächig auf der Schalung liegen würde. Daher möchte ich einfach eine klassische Mineralwolle/ Steinwolle verwenden.
Vielen Dank im Voraus für Eure Kommentare



Bauphysik



...schade ist immer, das man zwar fragt aber für Fachwissen kein Geld ausgeben will. Wie so oft liegt der Teufel im Detail. Später es dann zu verändern kostet ein Vielfaches, was einen guten Rat davor gekostet hätte. Sicherlich sind 120 mm Dämmung ein bißchen wenig, aber auch die 260 bzw. 288 mm Dachdämmung machen aus dem alten Haus kein Niedrigenergiehaus (Relation Aufwand-Nutzen (Energieeinsparung)). Hier sind viele Details gar nicht erwähnt. Ich denke, es werden z.B. Dachflächenfenster eingebaut, wie ist die Lage des Gebäudes, welche Heizung ist vorgesehen. Nur das Bauteil betrachten zu wollen, bringt am Ende nicht viel. Hier könnte minimiert werden um andere wichtige Maßnahmen damit zu finanzieren. Grundsätzlich würde ich nach Außen im Dach keine Dämmwolle empfehlen, schon gar nicht bei der geringen Dachneigung, da das Risiko der Durchfeuchtung immer vorhanden ist und erst festgestellt wird, wenn schon ein erheblicher Schaden entstanden ist. Gleiches gilt auch für die Schalung. Ich würde sie auch demontieren. Eine Aufsparrendämmung ist da wesentlich günstiger. Ein guter Handwerker findet auch eine Möglichkeit, Unebenheiten auszugleichen. Warnung vor zu viel des Guten. Die Dämmung hat verschiedene Wirkungen, sie verhindert ja das eindringen der Wärme/Kälte nicht vollständig, sie verzögert es ja nur. Da es bei der Dämmung im Dach ja verstärkt auch um den sommerlichen Wärmeschutz geht, muß man auch betrachten, wenn die Wärmestrahlung erst einmal eingedrungen ist, dauert es sehr lange bis sie wieder entweicht. Sind dann noch genügend Fenster nach Süden ausgerichtet, kommt es nicht selten vor, das die Räume längere Zeit auf Grund der vorherrschenden Temperaturen nicht bzw. eingeschränkt benutzbar sind.
Mit freundlichem Gruß
M. Schmidt



Freudenmangel und Detailteufel



Prinzipiell funktioniert das so, selbst die derzeit gültige EnEv würde deutlich übererfüllt. Mit Kondensat ist nicht zu rechnen wenn die Dampfbremse sorgfältig eingebaut wird. Das war es aber schon mit der guten Betrachtungsweise: Freude ist oft nur ein Mangel an Information.

Der Teufel steckt im Detail der Verarbeitung. Das Einbringen einer Dampfbremse ist nichts für Laien. Schnitte, Risse, Balken- und Kabeldurchführungen sowie viertausend Tackerlöcher wollen fachgerecht angeschlossen und verschlossen werden. Bei einem Loch oder Riss dringt die Feuchtigkeit punktuell und nicht flächig, somit also gehäuft ein. Einmal in der Mineralwolle ausgefallenes Kondensat kann diese erst wieder in der Dampfphase verlassen. In diese gerät das Wasser erst bei sehr tiefem, in die Dämmlage eindringenden, Frost oder hohen sommerlichen Temperaturen. Da geht es meist nicht um große Mengen, aber das kann sich aufschaukeln.

Bei einem etwas durchhängenden Dach würde ich auch zum flexiblen Material greifen, nicht jedoch zu Mineralwollen. Flexible Hanf- oder Holzweichfaserprodukte o. vglb. sind kapillar aktiv und können ausgefallenes Kondensat an die Oberfläche transportieren.

Bei der flachen Dachneigung und den dünnen Sparren sollte aber ein Statiker mal einen Blick auf das Ganze werfen – nicht das die Durchbiegung ungeplant und erheblich (oder gar plötzlich) zunimmt. Schnee soll es ja auch da oben geben.

Noch ein Hinweis: Auch eine Umnutzung von Dachboden zu Wohnraum ist genehmigungspflichtig. Das betrifft das Baurecht, ggf. Denkmalrecht, ggf. Nachbarschaftsrecht etc.. Auch das Finanzamt bemisst seine Grundsteuer für ein Einfamilienhaus anders als für ein Zweifamilienhaus und ob eine Versicherung im Schadensfalle für ein nicht genehmigtes Umbauverfahren leistet vermag ich nicht zu sagen.

Trotz allem hoffe ich auf gutes gelingen. Vielleicht findet sich ja jemand im Forum der in der Nähe ist und sich das mal ansehen kann.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer