bruchsteinhaus neubau

07.07.2010



guten tag liebe forumsgemeinschaft.

ich plane, oder träume davon, mir langfristig ein haus mit bruchsteinfassade im stil einer kleinen burg zu bauen. die in meinem kopf gesammelten vorstellungen versuche ich nun mit den realisierbaren abzuwägen. dabei stieß ich auf dieses forum in dem es scheinbar wirklich kompetente beiträge gibt.

meine fragen:

thema material. welche sorte Bruchstein ist besonders geeignet in sachen witterungsbeständigkeit, bezugsmöglichkeit, preis, stabilität,... sonstige vor und nachteile.

thema dämmung. reiner bruchstein wird nach heutigen bestimmungen und auch von der effizienz wahrscheinlich kaum ausreichen. dennoch hätte ich einige räume gern von innen und außen unverputzt müsste oder könnte ich dann eine dämmschicht mittig zwischen eine innen und außenwand setzen?

gibt es einen speziellen Mörtel den ich verwenden sollte, ich hätte die fugen gern möglichst dünn.

kennt jemand gute bezugsquellen für in frage kommende steine?

wie gesagt bestehen noch garkeine konkreten pläne sondern möchte ich nur erstmal vorfühlen. wer also einwände oder andere tips hat, ich bin für jeden beitrag dankbar. zuletzt entschuldige ich mich für rechtschreibfehler, ich schreibe vom mobiltelefon aus.

einen schönen tag
jens





Für reines Bruchsteinmauerwerk braucht es Mindestmauerstärken von 55 cm aufwärts. Rechnen Sie pro m2 Mauerwerk etwa 0.3 - 0.5 Kubikmeter Steine (je nach Qualität) und etwa 2 - 300 Liter Luftkalkmörtel. dazu kommen Werksteine für Fensterstürze usw. Die Sache muss verputzt werden, mit Natursteinen auf Sicht zu mauern ist für den Meister, nicht für den Stift.
Bei behauener oder plattig brechender Ware ist der Verbrauch geringer. Natursteine für 'möglichst dünne Fugen' (Werksteine?) müssen genau behauen oder gesägt sein und sind entsprechend teuer (und gesägt nicht besonders schön).
Be zweischaligem Bruchsteinmauerwerk wird der Materialverbrauch entsprechend höher.
Man kann, um Material und Zeit zu sparen, auf einer Seite eine Schalung aufstellen, auf der Sichtseite mit erlesenen Steinen mauern und mit Beton hintergiessen.

Aus irgendwelchen Gründen hat man ja die Ziegelsteine erfunden.

Es gibt Lehrbücher für Maurermeister aus der guten alten Zeit, z.B. beim Reprint-Verlag Leipzig. Eins lesen lohnt sich!

Es ist zu beachten, dass für Bruchsteinmauerwerk auch die Bauzeit und der Flächenverbrauch (wegen der Mauerdicke) ein Vielfaches höher sind.

Mein Tip: Kaufen Sie sich eins, das schon steht. Neubau in Bruchstein ist für heutige Bauherren unerschwinglich.

Bezugsquellen: Steinbrüche in der Nähe.



Und die Dämmung wenigstens



können Sie sich sparen. Die ist nämlich bei 55 cm garantiert noch unwirtschaftlicher als sonst. Und dafür gibt es ja den Befreiungsparagrafen 25 EnEV.

Viel Glück und Erfolg beim Bauen nach alter Väter Sitte!

Ja, träumen ist wenigstens noch erlaubt.

Konrad Fischer
Träumer + Mitglied im Bauauschuß der Marksburg und Beirat für Denkmalerhaltung der Deutschen Burgenvereinigung DBV e.V.



Bruchsteinhaus bauen



Komisch, ich habe mich gerade konzeptionell mit dem Neubau einer Turmhügelburg auseinandergesetzt, die einen Donjon erhalten soll.
Muß wohl eine neue Mode werden.
Da wandeln Sie also auf den Pfaden der Gründerzeit- Romantiker, die als Gegengewicht zu den welschen Klassizistik- und Renaissancebauten was teutsches haben wollten (bzw. das, was Sie sich darunter vorstellten).
Ich kann ihnen erstmal soviel dazu schreiben:
Bauen kann man alles, es muß als Haus seinem Zweck entsprechen und es sollte auch gut aussehen.
Dafür sollten Sie Ihre Ideen mit einem guten Architekten durchsprechen. Herauskommen sollte ein gut funktionierendes Haus, das nicht bei den Betrachtern zu ästhetischem Würgereiz führt.

Nun zur Technik an sich:
Man kann Bruchsteinmauerwerk durchaus in einen Neubau integrieren. Solche Wände eignen sich gut als Stützwände, in technischen Bereichen (Garage, Lagerfunktionen, Weinkeller, Kellerräume einfacher Nutzung). Auch als Außenwände im partiellen Fall sind sie gut einsetzbar.
Für den ausschließlichen Einsatz als Gebäudehülle sind sie schlecht geeignet, aber grundsätzlich machbar. Die einzelnen Verband- bzw. Mauerwerksarten, die Steinmaterialien und die Tragfähigkeit sind in der DIN 1053 aufgelistet. Wenn man sich nicht an diese Regeln für Rezeptmauerwerk hält, muß man die Tragfähigkeit eines davon abweichenden Mauerwerks durch eine Eignungsprüfung nachweisen. Sie können sich vorstellen, das so etwas kompliziert, langwierig und teuer ist.
Allerdings kann man das Erscheinungsbild solcher Wände durch vorgesetzte Verkleidungen bzw. als Mischmauerwerk in Kombination mit modernen Wandbaustoffen nachbilden und so Wände erhalten, die unseren heutigen Anforderungen entsprechen.

Die klassische zweischalige Bruchsteinwand ist einfach zu dick.
Das ist gestalterisch, statisch, bauphysikalisch und finanziell problematisch.
Auch Verkleidungen sind sehr kostenaufwändig und nur von wenigen Spezialisten ausführbar. In Südtirol habe ich bei Neubauten dazu hervorragende Beispiele gesehen.

Viele Grüße
p.s. Burgen waren früher meistens verputzt, wie die meisten Bauwerke aus Bruchstein.
Das Foto zeigt eine ca. 800 Jahre alte kleine Kapelle einer Fattoria in der Toscana mit ihrem angestammten Verputz.
Und das obwohl sich das hammerrechte Schichtenmauerwerk auch ohne Verputz sehen lassen kann.



Mosel-Grauwacke



Hallo,

diese Bruchsteinverkleidung aus Mosel-Grauwacke wurde in Eigenleistung erstellt.
Die Steine wurden selbst von Hand behauen. Fertig behauene Steine wären sehr viel teurer gekommen. Die Arbeit dauerte ca. 4 Jahre lang jeden Samstag und Sonntag.
Die Bruchsteinverkleidung wurde nach Fertigstellung des Rohbaus begonnen.
Die Kellerdecke wurde um die Stärke der Verkleidung überstehend ausgeführt, darauf wurden die Bruchsteine hochgemauert. Zwischen Hohlblock-Wand und Bruchstein-Wand wurde Bitumenbahn eingebaut. Zusätzlich wurden alle 30-40 cm in die Hohlblockwand eingeschraubte Anker in die Bruchsteinwand eingemauert.Auf eine zwischengelegte Dämmung wurde verzichtet.
Die Hohlblockwand hat eine Stärke von 36cm und die Bruchsteine nochmal ca. 30cm .
Vermauert wurde die Grauwacke mit Zementmörtel, die Härte des Steins ist erheblich, Schädigungen durch den Zement sind nicht zu befürchten. Der Zementmörtel ergibt ein extrem festen Mauerverbund. Ziel war es, sich in diesem Leben nicht mehr um die Fassade kümmern zu müssen.
Nach nun ca. 15 Jahren ist alles noch in perfektem Neuzustand.
Fakt ist aber, wer so etwas durchziehen möchte, braucht
eisenhartes Durchhaltevermögen und keine Angst vor Tennisarmen.

Grüße,
Rich





Hier noch ein Bildchen...





noch ein Detail...



Hut ab...



... da kann man Sie nur unterstützen.
Dämmung brauchen Sie wirklich nicht dazwischen.
Einfach die richtige Strahlungsheizungsform und dann passt es!
Das Foto zeigt ein Haus in Italien und ließ mein Herz höher schlagen, zwar etwas verspielt, aber für Sie noch mehr Motivation.
Viel Glück.



Noch ein Foto...



...es ist ein Baumeister in dritter Generation!



da



er einer BURG schreibt und das wohl wegen der lage in einem Außenbereich machen will (reinen Annahme)wird wohl schon das Bauamt mehrere Abstrihe machen wollen. Wir wäre es denn man mit einem Tripp nach Frankreich, wo (mit den alten Methoden) sich welche an solch einem Projekt (lobenswert) beweisen. Dort mal zuschauen - und helfen - bringt mehr als hundert Fragen hier. Hat jemand mal einen Link für jens ??





Hallo,

hier der Link : http://www.guedelon.fr/

oder hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Gu%C3%A9delon



Danke



lieber Rich !



Das wird die Dämmfront



aber sehr ins Wanken bringen. Meinen allerhöchsten Respekt!

Konrad Fischer
Auch ein Sturkopf



Bruchsteinmauerwerk



Das wird die Antizementfraktion
aber sehr ins Wanken bringen. Meinen allerhöchsten Respekt!

Viele Grüße



Na, da hoffmerma,



daß die Wärmedehnung dauerhaft beherrscht wird.



Oder



so hat das ein Kunde von uns so in Belgien gebaut.

Aber günstig wir das nicht.





Also ich hätte noch schöne Steine übrig.

Grüße aus Schönebeck

[pubimg 22322]

[pubimg 22321]





Er schreibt "Bruchsteine"; eingestellt wurden aber Bilder von behauenen Steinen.
Viele mittelalterliche Fürsten waren wahrscheinlich so mürrisch und gefürchtet, weil sie in ihren Steinburgen überwintern mussten und davon die Gicht bekamen.

Ich hatte das Vergnügen, ab und zu Militärdienst in solchen massiven ungedämmten Gebäuden machen zu dürfen. Trotz glühender Elektroheizkörper (-->Strahlungseffekt) war es drin nie warm. Der Effekt ist dort willkommen, weil es die Kampfbereitschaft erhöht. Aber "Wohnen" ist doch etwas anderes.

Wenn jens aber so lange Fragetexte auf seinem handy schreibt, wird er die paar Jahre Steine behauen auch mühelos schaffen.





Ja Jens

Er schrieb aber auch:

---“wer also einwände oder andere tips hat, ich bin für jeden beitrag dankbar”---



“Vergnügen” und “Militär”

Muss man das so zusammenwurschteln?


Grüße aus Schönebeck





>“Vergnügen” und “Militär”
>Muss man das so zusammenwurschteln?

Klar. Nur so lässt sich's überleben ;-))

Ausserdem hat's genützt - die Russen sind ja damals nicht gekommen. Und ich wohne in einem teilweise aus Bruchsteinen gemauerten Haus *mit* Wärmedämmung.



Es ist klar,



daß glühende Elektroheizkörper, wenn nur zeitweise betrieben, das kalte Mauerwerk nicht überwinden können. Dafür muß kostensparend stetig mit deutlich weniger Glüh "temperiert" werden. Übrigens, je höher die Glühung, umso tiefer der Strahlungsanteil und höher der konvektive. Ist doch logo. Doch auch das weiß nicht jeder.

Konrad Fischer
Vorglüher



also



nun habe ichs endlich kappiert:
Massiver Beton, ca 1m, Einfachfenster und innen niedrig glühende Heizwendel , ev. noch Teppich auf Fußboden und Wänden....

Da ziehe ich mir doch einen trad. Ziegelbau mit Kachelofen vor.



Heizt Dein Haus nur ein Kachelofen,



mußt' oft mit schweren Scheitern lofen.
Rollste dann alt und krank im Stuhl,
ist's ohne Glühknopf klamm und cool :-(

Gibt zu bedenken

Konrad Fischer
Warmduscher





@KF:
Ich hab zwar keine Lust auf diese Diskussion, aber
erstens, die Elektroheizkörper liefen IMMER, und zweitens

"Übrigens, je höher die Glühung, umso tiefer der Strahlungsanteil und höher der konvektive. Ist doch logo. Doch auch das weiß nicht jeder."

weiss ich das tatsächlich nicht.

Gilt das Bolzmannsche Gesetz, das die Abhängigkeit der Strahlungsleistung von der Temperatur beschreibt (siehe z.B. hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Stefan-Boltzmann-Gesetz), denn für Gebäudeheizungen nicht? Immerhin ist die Abstrahlungsleistung proportional zur vierten Potenz der absoluten Temperatur. Da muss ich wohl in dieser Physikvorlesung grad gefehlt haben ...

mit konvektiv strahlenden Grüssen (heiss ists hier ...)

j



da



ich aufgrund der Wärmedämmung nur 2x am Tag die - korrekte Bezeichnung: Kachelofenluftheizung) mit 2 Eimer Holz im Winter beheize, brauche ich kein Holz schleppen und bin mit meinem Waldholz nicht auf gestützte Preise unter anderem aus Atomenergie angwiesen. Da meine Heizmaterial aus einheimischen Wäldern und Abbruch, Ostbaumschnitt usw. kommt, wird weder dem Öl noch dem Strommultis die Taschen gefüllt. Das Elektroenergie nicht die effektiveste Heizung ist und der Dreck dafür bei anderen vor der Haustür entsteht, habe ich selber gesehen und erlebt. Leider kommt man davon aber nicht ganz los, sonst könnten wir nicht diese anregenden Diskussionen mit Rechnern im Netz führen ...





@Olaf: Ich heize zu Hause auch nur mit Holz und Solar. Das andere war eine Kaserne im Gebirge, Strom wahrscheinlich zum Verteidigungs-Sondertarif.



@Jens:



Strahlungsrätsel (Maeutik 2.0):

- Wie hoch ist gegenüber dem von der Übertemperatur abhängigen Konvektionsanteil nun der Strahlungsanteil einer 20grädigen Heizplatte bei 20 Grad Raumlufttemperatur?

Grübel, grübel, kratz, kratz ...

T^4 schenk ich mir!

Konrad Fischer
Strahlungspraktiker