Risse in Tuffsteinfassade

05.06.2007



Hallo!
Ich beabsichtige eine Eigentumswohnung in einem 4 Parteien Haus zu kaufen. Das Haus ist ca. 1930 gebaut worden. Die Fassade besteht aus Tuffstein. Wie damals üblich ist die EG-Whg. mit 38 cm starken, die 1. OG-Whg. mit 36 cm starken und die 2. OG-Whg. mit 34 cm starken Wänden errichtet worden. Das Gebäude hat einen Gewölbekeller und ist voll unterkellert (abgeteilt). Nun sind mir bei einer Besichtigung Risse in der Fassade (ind den Steinblöcken) aufgefallen. In wie weit ist so etwas relevant? Was müsste dagegen unternommen werden?
Vielen Dank für die Antworten!



Risse in Tuffsteinfassade



Hallo Annegret,
um etwas zu den Rissen in der Fassade sagen zu können, brauche ich genauere Angaben zum Außenmauerwerk.
Allgemein üblich waren beim Neubau in den 30-igern Wandstärken von 1,5 Stein (38 cm Rohbaumaß).
Bei mehrgeschossigen Gebäuden wurden je nach Höhe und Fassadengliederung im KG mit 2 Stein (51 cm), im EG mit 2 bzw. 1,5 Stein, in den weiteren 2 Geschossen 1,5 Stein und im Bereich des DG mit 1 Stein (25 cm) dickem Mauerwerk gearbeitet. Höhere Spannungen wurden nicht mit mehr Mauerstärke, sondern mit Traggliedern aus Stahl und Stahlbeton abgefangen.
Nicht mehr die Tragfähigkeit, sondern eine ausreichende Wärmedämmung waren die Kriterien für die Mindestwandstärken.
Reine Natursteinwände wurden nur bei Sonderbauvorhaben eingesetzt, da sie viel teurer waren als Normalziegel.
Natursteinfassaden sind stets vorgeblendet oder als Mischmauerwerk mit Normalziegelhinterlage ausgeführt worden.
Daher hätte ich bei Deinem Fall auf Mischmauerwerk mit 1 Stein dicker Ziegelhinterlage getippt.

Nach Deiner Bemerkung, das bei Euch "wie damals üblich" eine andere Bauart verwendet wurde, würde ich gern mehr darüber hören. Der für mich etwas seltsame Wechsel der Rohbaustärke um 2 cm als Rücksprung pro Geschoss ist für mich völlig neu.
Bedeutet er, das bei Euch eine lokale Bauweise aus reinem Tuffstein mit eigenen Wandstärken bzw. Rastermaßen außerhalb des oktametrischen Systems verwendet wurde?
Wo tritt dieser Versprung auf, an der Fassade oder im Deckenbereich?
Oder sollten Deine genannten Wandstärken keine Rohbau- sondern Fertigmaße sein?
Ich habe so etwas ähnliches als Sparmauerwerk gesehen, bei dem zwei Wandschalen mit einem Luftspalt als Zwischenraum gesetzt wurden, die nur ab und an mit einem eingebundenen Kopf verzahnt waren und so in der Gesamtstärke variiert werden konnten.
Falls solche Wandarten oder Natursteinvorblendungen vorliegen, sind Risse sorgfältig zu prüfen.

Wenn es sich um das von mir eingangs beschriebene Mischmauerwerk handelt, sollten einzelne Risse statisch kein Problem darstellen, wenn sie nicht durch die Wand reichen.
Genaueres zu den Ursachen und damit zur Wertung kann man ohnehin nur vor Ort sagen.

Viele Grüße
Georg Böttcher



Risse in Tuffstein



Hallo Herr Böttcher!
Leider konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen, was genau alles verwendet wurde. Aber da Tuffstein bei uns regional abgebaut wurde und ein sehr weit verbreiteter Stein hier ist, gehe ich davon aus, dass nichts hintermauert wurde. Ich werde mich aber in den Bauakten (soweit welche vorhanden sind) kundig tun und Ihnen weitere Details zukommen lassen.
Viele Grüße
Anne Löchel