Unger Diffutherm vs. Steico

13.08.2013



Hallo zusammen,

wir beabsichtigen unsere Aussenfassade(massive Ziegelwand 36 cm) mit einer Aussendämmung zu versehen. Dies geschieht im Rahmen einer Kernsanierung und wird Aufgrund einer Umnutzung des Gebäudes (MFH zur EFH) durch die Baubehörde vorgeschrieben. Baujahr des Haus ist 1930. Wir wollen ausschliesslich mit einer Holzfaserdämmung arbeiten und in unserer Region sind wohl Steico und Unger Diffutherm die beiden "Platzhirsche".
Grundlegende Unterschiede habe ich bis jetzt folgende:
Steico benötigt Holzrahmen Konstruktion und einen Zweischicht Aufbau aus Steicoflex und Steicoprotect(=2 Arbeitsgänge)
Unger Diffutherm UdiReco oder UdiFront wird direkt auf die Wand geschraubt.
Die nachfolgenden Putzarbeiten sind dann relativ gleich.

Welche weiteren Unterschiede sind bekannt (Gesamtarbeitszeit, Kosten, technische Unterschiede)?
Unger schildert seine Dübel als thermisch entkoppelt. Wie zuverlässig sind solche Entkopplungen?
Es soll Kfw 70 Standard erreicht werden, falls dies eine relavante Information ist.

Leider habe ich bis jetzt im Netz keinen relevanten Vergleich oder Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen beider System gefunden. Vielleicht gibt es hier Erfahrungen...





Hallo,

Unger Diffutherm GmbH ist zunächst einmal eine Firmenbezeichnung. Ich gehe davon aus, dass Sie deren Produkt
UDIFront, ein Wärmedämm-Verbundsystem meinen. Es ist für den Mauerwerksbau zugelassen. Anwendung wie jedes andere WDVS auch mit Kleben und Dübeln, Beschichten mit Putz Ihrer Wahl.

STEICO bietet das System steico-Wall mit den von Ihnen beschriebenen Trägern ("joists") an. Das können Sie machen, wenn Sie eine Vorhangfassade erstellen wollen. Der planerische Aufwand und die exakte Arbeitsvorbereitung sind sehr aufwendig. Ich empfehle es für den Massivbau nicht.

Aber am besten vergleichen Sie die Systeme solber im Internet.

Grüße





Hallo Herr Beckmann,

Danke für Ihre Antwort.
Ja ich meinte natürlich die Systeme UdiReco bzw. UdiFront.

Eigentlich meine erste Wahl, jedoch sind da eben die thermisch entkoppelten Dübel. Meine Frage ist wie zuverlässig sind solche Thermischen Entkopplungen. Es zeigt sich ja gerade bei WDVS die vor 5 - 10 Jahren durchgeführt wurden, dass eben diese Dübel sich an der Fassade abzeichnen können. Bei Styropor Dämmung werden die Dübel aktuell ein paar Zentimeter in der Dämmung versenkt und anschliessend mit einem Styropor Stopfen vesehen. Wären solche Massnahmen auch bei den Unger Systemen anzuraten bzw. möglich?





Hallo,

das kann man mal probieren, ich bin da eher skeptisch, weil Styro nicht in HWF gehört und weil es keine HWF-Stopfen gibt, es sei denn, sie fertigen sich mit dem Topfbohrer welche an.
Dann müssen die Dübel entsprechend kürzer sein. Experimentelles Bauen nennt sich das, wofür ich im Grunde immer zu haben bin.
Warum diese isolierten Dübel gewählt werden müssen liegt m.E. am mickrigen Putz, der eher eine Deckschicht ist.
Sie haben die optischen Probleme nicht bei einer mineralischen Dickbeschichtung, also z.B. einem Edelkratzputz, z.B. von Weber. My First choice: webertop200

Viel Erfolg



...



Hallo Roman,

mit den von Dir angesprochen Produkten vergleichst Du drei grundsätzlich verschiedene Systeme, auch wenn der Grundstoff (Holzfaser) der gleiche ist ...

Die UdiFront wird verklebt und gedübelt (Unebenheiten nur über Klebeschichtdicke auszugleichen). Die Udi Reco nur gedübelt, wobei die Flexfaser sich optimal an bestehende Unebenheiten anpasst. Die Ebenheit der Fläche würd hier über Einstelldübel realisiert. Bei der Steico braucht es eine Tragkonstruktion ist also sehr Arbeits- und wie bereits angedeutet auch Planungs- intensiv.

Von den Erstellungskosten her gesehen, wirst Du damit bei Steico vermutlich am teuersten liegen (wird das Angebot entscheiden). ... Nachteil bei der Reco sehe ich darin, daß die Festigkeit des Aufbaus rein aus der Vorkomprimierung der Flexfaser resultiert. Ist die nicht ausreichend könnte starker Winddruck zu Rissen in der Putzfläche führen.

Die Udi-Dübel sind ansonsten aus technischer Sicht freilich thermisch entkoppelt. Der Schraubenkopf verschwindet gut einen Zentimeter in der Wand. Oben auf wird dann eine integrierte Kunststoffkugel geklippst. Der Teller selbst ist ebenfalls aus Kunststoff. Trotzdem denke ich wird sich bei nur dünnem Verputz im Bereich der Dübel ein anderes thermisches und hygroskopisches Verhalten an der Putzoberfläche einstellen. Über kurz oder lang wird sich dies zumindest in einer unterschiedlichen Verschmutzung der Fassade niederschlagen. Gegen Algenwuchs hilft der PH-Wert oder Fungizide (wer's mag). Gegen Schmutz nur eine Reinigung. ... Ich jedenfalls kenne bisher kein WDVS welches den Wartungsaufwand einer Fassade nicht spürbar vergrößert.


Noch zum Abschluss ... Ich selber habe vor wenigen Jahren mein Häuschen mit der UdiReco von Innen gedämmt (wegen Denkmalauflagen außen). Die Montage erfolgte in Eigenleistung und deshalb weiß ich noch genau wie oft man da pro m^2 mit der Bohrmaschine im Mauerwerk zugange ist.
Ich kann Dir nicht genau sagen wie das Mauerwerk jetzt genau aussieht, aber ich könnte mir vorstellen, daß die 12er Innenwand des doppelschaligen, Kalk- vermörtelten Wandaufbaus da doch einiges an zusätzlichen Rissen mitbekommen hat. Mit Rücksicht auf die historische Bausubstanz würde ich das heute glaube wohl so nicht wieder machen.

Gruß aus Berlin,



Moin Roman,



wir haben 2009 mit 4cm Steico Protect auf 2x8 cm UK mit Climacell ausgeflockt gedämmt, da die Flocken mit Einbau genausoviel gekostet haben wie der reine Materialpreis der HWF-Dämmschicht ohne Einbau.

Ausserdem war unsere alte Fassade alles andere als gerade - der Kleberverbrauch wäre verheerend gewesen. Schonmal mit einer langen Richtlatte über deine Fassade gefahren?

Die schicken Dübelabzeichnungen auf den ersten Styrodämmungen der 80er sind m.E. bei HWP-Dämmung nicht zu befürchten, da sich hier nicht soviel Tauwasser niederschlägt.

Preislich und vom Aufwand her juckt sich's nicht viel - die UK muss schliesslich auch gedübelt werden, die Platten werden dann mit Edelstahlklammern auf der UK befestigt (weiteres Werkzeug nötig).

Denk' vor allem mal nebenbei dran, was da noch für Leitungen (DSL/SAT/Kabel/Gegensprechanlage etc.) in die Dämmebene sollen....

Wie zuverlässig die thermische Entkoppelung funktioniert, kann dir evtl. jemand sagen der Wärmebilder solcher Aufbauten gemacht hat.

Sowohl Steico als auch Unger sollten dir Fachbetriebe in deiner Region und die wiederum Referenzbauten nennen können.

Und apropos Dresden: Je nach Lage würde ich den Sockel hochwassertauglich in XPS ausführen......

Grüsse, Boris