Zuganker in Kappengewölbe einbauen

26.01.2012



Hallo,

wir haben ein 10 x 12 m Haus, vollunterkellert mit Kappengewölben. Es wurde beim Bau vor 120 Jahren kein Stahl eingebaut, also keine preußischen Kappen, sondern die Horizontalkräfte nur durch die 80 cm dicken Feldstein-Kellerwände abgefangen. Leider ist im Bereich der Kellerdecke von außen kein Erdreich, das das Abfangen der Kräfte unterstützt hätte. Die Wände haben es auf Dauer alleine nicht gehalten. Deshalb sind einige Kappen gebrochen und haben dabei die Außenwände auseinandergeschoben, also dicke Risse verursacht.

Eine Kappe ist grade erneuert worden, Jetzt möchte ich im ganzen Keller Zuganker einbauen, um das weitere Auseinanderdrücken der Kellerwände zu verhindern. Ich finde kaum Informationen dazu. Statiker und Fachfirma sind mir zu teuer, der Maurer würde das alles auch alleine machen. Aber welchen Stahl nimmt man, Band- oder Rundstahl, wie dick muss er sein, welche Stahlsorte, kann man ihn in der Mitte des Kellers zusammenschweißen und wo kann ich Maueranker/Zieranker kaufen? Es ist eigentlich schönes Sichtmauerwerk und ich will nicht einfach Stahlquadrate mit einem Loch in der Mitte verbauen. Es ist ein Backsteinhaus, die Kellerwände sind allerdings aus großen Feldsteinen. Wir wollen Löcher in die Kellerwände machen in Höhe der Gewölbe-Widerlager, dann Stahl von Außenwand zu Außenwand spannen, außen eine Gewindestange drangeschweißt und darauf die Zieranker fest kontern. Und das ganze alle 1-2 m, je nachdem, ob Fenster im Weg sind. Insgesamt 11 Zuganker mit 22 Mauerankern, nur in Schubrichtung der Kappen.

Hat jemand Erfahrung damit und kann mir z.B. einen Anbieter für die Zieranker und eine gängige Stahlstärke nennen? Ich finde nix dazu. Oder gibt es ein gutes Buch?

Dank aus dem Barnim



Selbermachen ...



"Statiker und Fachfirma sind mir zu teuer"

Guter Rat ist manchmal unumgänglich und damit teuer, wenn Gewährleistung, Haftung und fachgerechte Ausführung eingeschlossen sind.


Ansonsten: (hoffentlich) Gutes Gelingen



Meine Tipps:



als Zugstangen würde ich GEWI-Stahl Durchmesser 20 mm, Stahlgüte S355 nehmen.
Diesen Stahl gibt es im Baustahlhandel in Stangen bis 12 m.
Beim Einbau können auch kürzere Stangen und Verbindungsmuffen verwendet werden.
Die Druckplatten (ca. 25x25x2 cm) am Besten im Mauerwerk auf Betonpolster versenkt einbauen.

Viele Grüße



Es ist dein Haus...



...aber ich würde bei einer solchen Maßnahme ganz bestimmt nicht am Statiker sparen. Und wenn du derartig grundlegende Fragen hier stellst scheint dein Maurer auch keine Erfahrung zu haben.



vielen Dank



Hallo Gerhard,

super, so mache ich es. "Die Druckplatten im Mauerwerk auf Betonpolster versenkt einbauen." heißt das: mitten rein in die dicke Feldsteinwand die Platten einbetonieren, dann die Feldsteine wieder drüber setzen und zum Schluss ist der Anker von außen gar nicht mehr sichtbar? Das wäre natürlich auch eine Idee, wenn es ausreicht.

Der Statiker war übrigens schon mal kurz da und meinte, es sei ja sowieso alles zusätzlich zum ursprünglichen Zustand.

Grüße, Jan





allein die 22 Bohrlöcher in 80 cm Feldstein an einer Stelle, die schon vorher instabil ist, das würde mich abhalten.



Mal rein...



...hypothetisch:

Wenn der Erste der auf Deine Frage reagiert hat geantwortet hätte:
"...Alles kein Problem, du nimmst 12m Einkochgummis und verankerst die mit Tesa Power Strips auf der Wand, das machen wir immer so..."
Hättest Du dann auch "..super, so mache ich es.." geantwortet?

Wenn Dir das ein Statiker berechnet und auslegt, weist Du wirklich, wie es gemacht wird und auch gleich noch mit welchem Material. Und mal im Ernst, das kostet nicht die Welt!

Gruß
Michael



Hallo Michael,



ich werde den Statiker tatsächlich fragen, allerdings ohne Gutachten. Damit habe ich mal schlechte Erfahrungen gemacht. In den Feldsteinwänden mit Kalkmörtel ist doch jede Stelle anders und jeder Stein. Ich verbaue lieber den Stahl eine Nummer zu groß, als ein Gutachten zu bezahlen, an das ich nicht glaube.

Grüße, Jan



Kann...



...man so machen. Dann hat man eine Lösung, an die man glaubt, für die aber im Zweifelsfall keiner haftet.

Wenn man eine Lösung mit einem Verantwortlichen hat und muss nächstes Jahr wieder eine Kappe neu mauern, weils eben doch nicht gehalten hat, hat man wohl auch einen, der die neue Kappe bezahlt.

Ist aber ansichtssache und bleibt letzlich Dir überlassen!

Gruß
Michael



Seit wann



haftet denn ein Statiker voll für seine Berechnungen.

Wenn ich als Handwerksmeister eine Statik erhalte,
so muß ich sie prüfen, ob sie plausibel ist,
denn für die Ausführung hafte ich ganz allein.

Erst wenn es hart auf hart kommt, kann ich vor Gericht den Statiker in Mithaftung nehmen.

Viele Grüße



Der Statiker sagt



So, ich habe eben mit dem Statiker gesprochen und den halte ich für einen sehr guten, realistischen. Er sagt, 20er Stahl reicht auf jeden Fall. Er würde allerdings nicht versenkte Maueranker verwenden, sondern außen Zieranker draufsetzen, zur Not selbstgebaute runde 2mm-Stahlplatten mit einem Loch in der Mitte, weil dort die Last noch besser verteilt wird als innen bei versenkten. Die Löcher würde er auch eher bohren, als die Steine, die im Weg sind, rauszunehmen. Da stört man die Wand weniger. Aber ob ich da tatsächlich die ganzen Löcher in die Feldsteine bekomme, wird noch spannend. Ganz 80 cm sind die Wände wohl auch nicht alle. Danke für Eure Hilfe und falls jemand noch mehr Tips hat, würde ich mich freuen.

Gruß, Jan