Kosten für Architekt

23.06.2005



Hallo,
ich habe mal eine Frage, und zwar muss unser über 200Jahre altes unter Denkmalschutz stehendes Fachwerkhaus ein neues Dach incl. Dachstuhl bekommen. Hat hier irgendjemand Erfahrung damit was in etwa der Archtikt mit allem Drum und dran kosten wird. Ich denke das Haus muss komplett ausgemessen werden samt Statik da ja keinerlei Zeichnungen oder ähnliches existieren. Ich will keinen genauen Preis wissen nur um einen ungefähren Überblick zu bekommen. Zur Info: Das Haus ist 13,5 X 12 m und besitz bisher 2 Etagen mit Keller, das Dach soll dann später noch ausgebaut werden ist aber noch irrelevant.
Vielleicht kann mir ja jemand helfen
Danke und Gruss



googeln



sie mal noch "archifee". da können sie ein biss'l die hoai rauf und runter rechnen.
aber nur fürs dach würde ich keinen zusätzlichen archi nehmen, der Statiker misst eh selber, es sei denn sie planen bahnbrechende änderungen des dessins. und vorlageberechtigt ist der auch.
zuerst würde ich das gespräch mit dem denkamlschutz suchen, da wissen sie gleich was die wollen und was sie nicht dürfen ;-). ob sie bei einem neuen dachstuhl z.b. frei in der konstruktionsform sind.
und dann, die hoai ist verbindlich, in der theorie jedenfalls :-)



Das kann ich fast net glauben, daß ein 200jähriges Dach



so fertig sein sollte, daß es wirklich total erneuert werden muß. Ein Statiker könnte sowas vorschlagen, da nach seiner DIN vielleicht ja nix mehr hält, was alt ist, aber ein altbauerfahrener (!) Architekt bestimmt nicht. Und deswegen könnte so einer schon sein Geld wert sein. 20-30 % der Baukosten möchten das sein, eben gem. HOAI.

Wer weniger will, muß die Baukosten hochtreiben, dann kommts hintenrum dorthin und baukostenmäßig eben weit höher. Frau Ingenkamp, hat, wie ich vermuten darf, sehr schlechte Erfahrungen mit billigen Architekten, sie ist ja Rechtsanwältin und da gehört das bestimmt zum täglichen Brot. Architektur ist mehr als "Dessin". Manchmal jedenfalls.





Hallo,
danke schon mal für Eure Antworten.
Also das mit dem Dach ist so ne Sache, die Sparren wurden teilweise ausgetauscht und stehen in keinem regelmässigen Abständen, der Denkmalschutzbeamte ist der Meinung das dieses früher mal mit Stroh eingedeckt war, und der Dachstuhl irgendwann einmal gebrannt haben muss. Der Dachstuhl muss alleine wegen dem späteren Ausbau erneuert werden, da ist schon zuviel rumgefuscht worden. Hört sich vielleicht alles etwas komisch an, aber jeder der das schonmal gesehen hat ist der gleichen Meinung.Was muss oder nicht ist auch relativ peng, da es sich in erster Linie um unseren Wunsch dreht, denn wenn das Dach gemacht werden muss dann gleich richtig, alleine schon aus dem Grund, daß das Denkmalamt keine Einwände erhebt. Habe mittlerweile auch schon mit einem Architekten telefoniert, das geschätzte Honorar liegt in annehmbaren Bereich.



Viel Erfolg! Abgerechnet wird zum Schluß.





dach sanierund



hi,

habe auch mal eine frage:
mein dach sollte auch ausgebaut werden. muss ein statiker hinzugenommen werden?oder einen Architekt ?
oder reicht es wenn der Zimmermann das entscheidet.das haus ist 10,42*12,84 krüppelwalmdach.

habe hier mal ein bild vom dach.



Wenns wirklich gut werden soll, könnte es sowohl was für



Architekt, Statiker und Zimmermann werden. Wenn einer versagt, hat man ja noch zwei Reißleinen.

Architekt: Entwirft, gestaltet, konstruiert, schreibt aus, Bauleitung, Abrechnung.

Statiker: Kennt günstige Reparaturkonstruktionen, bemisst Tragfähigkeit Bestand und entwurf, berechnet alles.

Zimmermann: Baut das, was geplant wurde, möglichst gut.

Alle drei: schwer bis nie verzichtbar. Gerade in komplexeren Fällen.



dach



Das wären ja zwei kosten auf einmal, erst Architekten dann den Statiker.
Dann reicht doch auch nur der Statiker. 

in was für ein zustand wäre denn mein dach.



Ein Statiker



ist meistens kein Architekt, ein Architekt selten Statiker, wenn doch dann kosten beide Leistungen auch etwas.
Sie sorgen im Zusammenwirken dafür, daß ihr Bauvorhaben eben planmäßig und nicht improvisiert abläuft.
Schon Marx hat die Arbeit des Architekten, weil formbestimmend, als produktiv angesehen. Die Ausgaben für produktive Arbeit unterscheiden sich eben von den Ausgaben, die sich nur in der Zirkulationssphäre des Geldes abspielen, also da, wo das Geld aus der einen in die andere Tasche wandert, ohne daß man eine Wertschöpfung auch sieht.
Sparen Sie lieber bei Bastlern von Bauherrenmodellen, Finanzierungs- und Anlageberatern, den Zinsen u.s.w. aber doch nicht bei den Ausgaben für Statiker und Architekt !
Wenn die ihre Arbeit ordentlich machen sollen, brauchen sie was zu essen, genau wie der Zimmermann.

Grüße



Nebenbei habe ich jedenfalls noch keinen Statiker getroffen,



der ein echter VOB-Ausschreibungsprofi wäre und seinen Krempel im Altbau auch nur ansatzweise entsprechend VOB/A § 9 hätte nachtragsfrei ausschreiben, vergeben und abrechnen können.

Damit wird aber das meiste Geld des Bauherrn gespart oder rausgeschmissen, das werden die Kollegen hier bestätigen können.

Es ist also bestimmt nicht nur die exzellente Schöpferkraft, die dem Architekten seine existenzielle Lebensberechtigung verleiht.



Ausschreibungsfeste Statiker



Ich kenne die Problematik der Ausschreibung und Abrechnung von Bauleistungen im Altbau-/Denkmalbereich zur genüge und finde es grundsätzlich auch unerläßlich, dass gerade dort Architekt und Statiker gleichberechtigt zusammenarbeiten, um gute und kostenverträgliche Lösungen zu schaffen.
Die grundsätzliche Problematik für den Statiker und seine Massenermittlung/Kostenschätzung/Ausschreibung ist hauptsächlich der Umfang der Voruntersuchungen, die oft aus Kostengründen auf ein Minimum reduziert werden. Viele Schäden an verdeckten Bauteilen sind erst beim Bauen zu erkennen, da beispielsweise nicht jeder Balkenkopf freigelegt werden kann, um ihn zu begutachten. Die Abwägung, wieviel Mehrmengen zur Sicherheit in die Ausschreibung mit einbezogen werden, ist ein Balanceakt und wird meist auch zum Kräftemessen mit dem Architekten.
Grundsätzlich ist es aber auch für uns Statiker das Ziel unsere Kosten einzuhalten.



Toleranz



Lieber Herr Limper,
ich halte relativ wenig von dem Gestänker zwischen Architekt und Statiker, welches Herr Fischer hier wohl in Gang bringen möchte, ich bin jedenfalls Statiker und möchte nur anmerken, daß ich mich wie Herr Fischer und die meisten Community-Mitglieder dieses Forums wohl auch zu denjenigen zähle, die möglichst viel historischer Substanz erhalten möchten, deswegen hat es für mich schon verleugnerische Züge, wenn den Statikern unterstellt wird, Sie würden grundsätzlich viel zu viel abreisen.
Der Fehler besteht oft darion , daß der Statiker oft viel zu spät eingeschaltet wird. Ich hoffe Ihnen unterläuft dieser Kardinalfehler nicht.
Um den besten Erfolg zu haben engagieren Sie einen Architekten und einen Statiker, die gleichberchtigt nebeneinader arbeiten, wie dies Thomas Leyh bereits vorgeschlagen hat. Sie sollten lediglich darauf achten daß Statiker und Architekt im Umgang mit historischer Bausubstanz erfahren und engagiert sind.
Viele Grüße und viel Erfolg
Johann Müller



Es geht mir doch nicht um Gestänker zwischen Arch. und Statiker, solche Unterstellungen weise ich zurück.



Aber wegen diverser Enttäuschungen in der Praxis mit externen Statikern habe ich mich entschlossen, die Statik lieber selbst zu machen. Und seitdem gelingt es, noch mehr zu erhalten und die statisch veranlaßten Konstruktionsverbesserungen im komplizierten Bestand noch besser auszuschreiben als vorher.

Selbstverständlich sind mir auch exzellente Denkmalpflegestatiker wie der leider unlängst verstorbene Hans Reuter bestens bekannt - übrigens aich ein Architekt und Statiker. Das sind die Experten, von denen wir Ingenieure alle lernen könnten.

Ein dreifaches Hoch auf alle sorgfältig den Bestand untersuchenden, substanzschonend konstruierenden, den Altbau nicht kaputtrechnenden und nachtragsfrei ausschreibenden Denkmalstatiker! Auf daß es möglichst viele sind!