stark marodes Fachwerkhaus retten?!

02.01.2014 HenrikWa



Hallo und eine "frohes neues Jahr" an die Community,

ich bin neu hier und bin auf der Suche nach Hilfe. Wir haben im August ein altes Fachwerkhaus von 1900 gekauft welches komplett verkleidet war. Nachdem wir angefangen haben die Verkleidungen zu entfernen mussten wir feststellen, das der größte Teil der Fachwerkkonstruktion marode ist(Feuchtebefall über Jahrzente hinweg. Ich habe mal ein Bild von der aktuellen Situation beigefügt, die anderen Balken sehen leider nicht unbedingt besser aus sofern sie noch vorhanden sind. Mehrere Zimmereien haben sich das Haus schon angeschaut und alle kamen zu dem Entschluss, das es nicht sinnvoll sei die maroden Balken auszutauschen da der Aufwand zu groß sei. Jetzt stehen wir vor der Frage "abreissen und neubauen, verkaufen, doch irgendwie versuchen zu sanieren?" Gegen Variante eins spricht die finanzielle Mehrbelastung, gegen Variante zwei die schlechten Verkaufsprognosen in diesem Zustand. Variante drei versuchen wir gerade etwas genauer zu betrachten. Sofern die Deckenbalken nicht beschädigt sein sollten war schon mal unsere Überlegung, ein "Haus ins Haus" zu bauen, das heisst die Aussenwände innen neu zu erstellen damit wir die alte und marode Substanz aussen nachträglich entfernen können(wir wohnen derzeit zur Miete und die aktuelle Doppelbelastung frisst und nach und nach auf). Wäre dies eine Möglichkeit um das Haus grundlegend zu erhalten? Wir dachten da schon mal an ein Holzständerwerk da der vorhandene Keller meines Erachtens nach keine schwereren Lasten tragen kann. Wie ist Eure Meinung dazu? Kann uns eventuell jemand Tips, Erfahrungen oder andere Hilfestellungen geben?

Vielen Dank schon mal im voraus.

Henrik



Hallo Henrik



Schau mal in mein Profil,70% des Ausenfachwerks sind hin oder Reparatur bedürftig,nie und nimmer hätt ich unser Haus abgerissen!

Grüße Martin



Das wäre ja mal wieder



eine Aufgabenstellung, die mich reizen würde. In Freudenberg habe ich schon mal gearbeitet und es hat mir in der Gegend gut gefallen. Schade, dass das so weit weg ist von mir.
Ich wünsche Dir viel Glück mit der Bude. Nur Mut!!!alles wird gut!!!
( ich habe sowas auch in der Mache )
Ralph Schneidewind





Hallo,

ist im wesentlichen der Sockelbereich bis Fensterbrüstung im EG betroffen oder auch das FW im Obergeschoss?
Wenn die Kellerdecke nicht besonders trägt können sie nicht ein lastabtragendes Innenfw oder Holzständerwerk errichten, es geht nicht darum ein leichtes Ständerwerk zu erstellen, sondern durch dieses die Last durch das Haus abzutragen, damit sie die Außenwände erneuern können. Vielleicht können sie irgendwo mehr Fotos einstellen und diese hierher verlinken?

Sollten im wesentlichen die Fußpunkte der Ständer und Streben sowie die Schwelle verfault sein, könnte man diese bis in den gesunden Bereich zurückschneiden. Wenn sich daraus dann eine halbwegs waagerechte Linie ergibt, könnte man hier die neue Grundschwelle setzen und den Bereich unterhalb durch Mauerwerk ersetzen. Man muß in kurzen Abschnitten vorgehen um nicht zu aufwändig abstützen zu müssen. Diese Methode ginge auch bis zur Stockschwelle.
Besteht Denkmalschutz?
Können sie Eigenleistungen erbringen, zur Not unter Anleitung?

Je nach ihrer eigenen Fachkompetenz wäre vielleicht eine Beratung durch einen unabhängige Fachperson/ Planer/Architekten anzuraten.

Gruß
Selle



Ganz unsentimental



Wie´s um Ihr Haus bestellt ist, wissen Sie nach einer Bauzustandsanalyse (Bauaufnahme) durch einen fachwerkerfahrenen Architekten oder Bauingenieur.

Die FW-Bauten sind meistens nur ungenügend und nicht frostfrei fundamentiert, d.h. es gibt keine Fundamente auf die Sie aufbauen können, außer (eventuell) auf den Kellergrundmauern. Deshalb können Sie auch nicht einfach ein "Haus im Haus" errichten. Was zudem auch unglaublich teuer und kompliziert wäre.

Der gesamte Aufwand, um ein wirklich marodes, im Grunde abrissreifes FWHAus zu restaurieren: Nachfundamentierung, Bodenkonstruktion gegen Erdreich inkl. Dämmung und Abdichtung, Fachwerkrestaurierung,eventuell komplette oder teilweise neue Deckenbalkenlagen, Restaurierung des Dachstuhls, eventuell neue Sparrenlage, Dacheindeckung, neue Fenster, Gebäudedämmung, Innennausbau, Heizungsanlage, Elektrik, Sanitär, vielleicht ein neuer Hausanschluß inkl. Gebäudentwässerung (gibt es einen Kanalanschluß?) kosten ca. 1,5 mal so viel wie ein bescheidener Neubau, z.B. ein Holzrahmenbau und dauert wahrscheinlich 3 mal so lange.

Für all diese MAßnahmen brauchen Sie einen Architekten, einen Bauantrag, weil auch eine umfangreiche Fachwerksanierung mit statisch aufwendigen Absprießungen bauantragspflichtig ist, viel Zeit, insbesondere, wenn Sie Eigenleistungen erbringen wollen.

Wenn der BAu also wirklich so marode ist, wie es den Anschein hat, er nicht in irgendeiner Weise besonders erhaltenswert ist, er nicht unter Denkmalschutz steht, nicht unter Bestandschutz, dann ist Abriss und Neubau angleicher Stelle eine Option. Voraussetzung ist allerdings, daß Sie auf dem Grundstück ein angemessen großes Haus neu bauen könnten. Bei einem alten grenzständigen FWHaus und einem engen oder verwinkelten Grundstück kann das nach Abriss schon mal fraglich sein.

Um das zu klären, sollten Sie einen Architekten beauftragen.



Link zur Bildersammlung



Hallo und Danke für die Antworten,

zur besseren Übersicht habe ich mal ein paar Bilder hochgeladen, zu finden unter:
https://drive.google.com/folderview?id=0B_QKTjp3cOHAUUctMDJyWl9PVG8&usp=sharing

Das Haus steht nicht unter Denkmalschutz, der leicht zurückversetzte Teil des Hauses ist ein gemauerter Anbau aus den 70´er Jahren. Im Erdgeschoss sind circa 80% des Fachwerks beschädigt, entweder durch Feuchtigkeit, durch Holzwespen oder durch Waldameisen, viele Balken klingen mit hauen ziemlich "hohl". Im Obergeschoss haben wir bislang nur stichprobenartig zwei bis drei Balken freigelegt, diese sind allerdings auch mit Holzwurm befallen und das Holzmehl rieselt nur so runter. Am Speicher sieht es am Aussenfachwerk nicht unbedingt anders aus, dort war oder ist leider auch der Holzwurm aktiv. An der ehemaligen Aussenwand zum Anbau scheint über Jahre hinweg eine immense Feuchtigkeitansammlung gewesen zu sein, das komplette Fachwerk in diesem Bereich ist quasi nicht mehr vorhanden und besteht nur noch aus einer "Fassade". Die Deckenbalken haben wir noch nicht freigelegt, an den Stellen, wo man sie erkennen kann sind diese wohl in Ordnung. Das interessante ist, das das Innenfachwerk so wie es aussieht nicht betroffen ist. Das Haus steht auf einem circa 150 Jahre alten Bruchsteinkeller der in Lette gesetzt scheint, die Aussenwände ragen circa 30 cm ins innere des Fachwerkhauses rein, so das wir eventuell eine tragende Auflagefläche für ein Ständerwerk "im Haus" hätten oder? Ich scheue mich nicht davor mir Hilfe zu holen von Menschen, die Ahnung von dieser Materie haben, ich selber bin zwar handwerklich nicht unbegabt, bin aber auch nicht "vom Fach", ohne Unterstützung sehe ich einfach nur einen riesengroßen Berg vor mir den ich alleine nicht bewältigen kann, deshalb bin ich für jede Hilfe dankbar.

Liebe Grüße Henrik



Hallo Henrik



und frohes Neues Jahr!

Habe mir vor fast 2 Jahren ein uraltes FW-Häuschen gekauft und stand dann wie du fassungslos vor den Schäden, die unter Schichten von Tapete, Putz, Vorsatzmauer bzw. Zement hervortraten (Vieles bei mir sah schlimmer aus als auf deinen Bildern).
Mittlerweile sind 2 Eckpfosten erneuert (Schwammbefall), ebenso diverse Deckenbalken, zudem wurden etliche Balken angeschuht oder anderweitig ausgebessert. Außerdem musste das Dach stabilisiert werden. Und die Heizungs- und Sanitärinstallation erneuert werden. Dann waren in zwei Zimmern neue Dielenböden fällig, ebenso mussten einige Fenster ausgetauscht werden. Die Kosten explodierten förmlich. Um zu sparen, habe ich die meisten Gefache selbst herausgeklopft und mit Leichtlehmsteinen wieder ausgemauert. Momentan versuche ich mich im Lehmputz. Im Frühjahr muss ich noch die Fassade und die Fensterrahmen streichen.

Warum ich dir das schreibe? Ich möchte dir Mut machen. Weil es einfach toll ist, wenn der Wiederaufbau beginnt. Du bekommst eine völlig andere Beziehung zu deinem Haus, als wenn du einfach irgendwo einziehst. Plötzlich lernst du, Dinge zu schätzen wie eine funktionierende Toilettenspülung oder warmes Wasser, das aus dem Hahn fließt. Und du merkst, dass du Dinge kannst, an die du dich sonst nie herangewagt hättest - oft merke ich aber auch, warum es Handwerker gibt ;-).

Lasse dein Haus begutachten und frage dich realistisch, welches Opfer du bringen magst.

Wie auch immer du dich entscheidest, ich wünsche dir viel Erfolg!

Elke



Da kann ich der Elke nur Recht geben ;-)



Man wächst mit seinen Aufgaben, eine realistische Einschätzung seiner eigenen Fähigkeiten vorausgesetzt.
Meine Hütte sieht nicht ganz so schlimm aus, genug zu tun ist trotzdem noch, zumal ich hier mit 3 Kids von 5 bis 8 Jahren wohne. Die können mittlerweile perfekt Lehm stampfen... ;-)
Viel Glück und Kraft !!!
Grüße Micha