Trocknung Standölfarbe

19.12.2005



Hallo,

habe ein Problem mit einer halbfetten Standölfarbe auf Holz, die nicht richtig abtrocknen will. Obwohl schon seit Wochen am Trocknen, klebt die Oberfläche immer noch leicht und man sieht jede Berührung. Ich hatte auf die bereits abgetrocknete Oberläche eine dünne Leinöl/Terpentin-Mischung aufgebracht, da die (eigentlich glänzende) Farbe teilweise matt war (was Sch.... aussah) und ich keine Farbe mehr hatte...da habe ich wohl einen Fehler begangen. Gibt es einen Geheim-Trick, wie ich die Trocknung beschleunigen kann oder muss ich einfach nur geduldig sein ?

Grüße und danke
Achim Kraft



Luft, Wärme und Geduld



Hallo Achim Kraft,
das Trocknen von (Öl-)Farbe ist ein Oxydationsvorgang. Es setzen sich an offenen Brücken /Doppelbindungen immer wieder Sauerstoffatome an, dadurch wird die Farbe allmählich fest(er). Chemisch gesehen wird eine Ölfarbe nie ganz trocken.
Aber irgendwann müßte sie tatsächlich aufhören zu kleben. Ein Trocknen ist jetzt freilich jahreszeitlich bedingt schwierig. Um das zu beschleunigen ist etwas Luftbewegung hilfreich (wie beim Wäschetrocknen). Und eine etwas höhere Temperatur als Null Grad fördert das Aushärten freilich auch.
Das Problem, das ich hier sehe, ist tatsächlich der zweite nachträgliche Anstrich. Wenn Leinöl-Halböl event. zu dick aufgetragen ist, dazu noch auf einem noch nicht durchgehärteten, nicht saugenden Untergrund, kann es seeehr lange kleben. Und selbst im Sommer bei deutlich höheren Temperaturen kann es immer wieder klebrig werden. Das merkt man gelegentlich auch bei Fachwerkanstrichen und heißen Außentemperaturen. Die Balken können so viele Jahre lang Kleben und dadurch Staub annehmen.
Einen "Trick" dagegen weiß ich leider nicht, außer Frischuft, aber nicht zu kalt.

Handelt es sich um innen oder außen, um ein Möbel oder eine Wand ? Auch bei einem Gebrauchsgegenstand kann man nur zur Geduld raten.

Mit Restauratorengrüßen
D.Fr.





Hallo Herr Fröhlich,

vielen Dank für die ausführliche Antwort!
Es handelt sich bei dem "Anstrichgegenstand" zu allem Überfluss um einen Dielenboden (bitte jetzt nicht sagen, dass man einen Boden nicht mit Standölfarbe Streichen sollte! Ich wurde aufgeklärt und habe dieses Experiment trotzdem duchgeführt). Der Raum wird momentan nicht bewohnt, es wird aber trotzdem geheizt, deswegen sollte die Temperatur kein Problem sein, wobei die Trocknung sicher trotzdem nicht so schnell geht wie im Sommer. Die Schicht Halböl, die ich nachträglich aufgetragen habe, war wirklich minimal (auf 35 qm ca. 0,1 Ltr.). Ich war selbst skeptisch. Aber so wie der Boden war, konnte man ihn nicht lassen.
Vielleicht stelle ich einfach einen Heizlüfter / Ventilator in das Zimmer ?!

Danke nochmals und liebe Grüße
Achim Kraft





Hallo Herr Kraft,
ein Ventilator bringt nicht viel. Er kostet nur Strom.
Wenn es denn geht: Fenster 10 min. ganz weit öffnen > frische Luft reinlassen, denn weiter heizen. Immer wechseln, mehrmals am Tage.
Meistens ist aber der Fußboden auch die kälteste Ebene, so daß das Heizen wenig bringt.
Leinölfirnis braucht eben Sauerstoff zum Trocknen. Ich hoffe, Sie haben nicht reines Leinöl genommen ?
Standöl ist schon okay.!
Noch ein drittes mal streichen mit einem Sikkativanteil (Trocknungsbeschleuniger), geht in diesem Falle auch nicht.
Da hilft nur Geduld.

Grüße wieder
D.Fr.





Hallo,

nein, ich habe kein reines Leinöl genommen. Die Frabe war eine halbfette Standölfarbe (von Kreidzeit) und anschließend (nach Durchtrocknung) bin ich mit der besagten Mischung (50:50) aus Terpentin/Leinöl drüber. An die Ventilation dachte ich, um die wärmeren und kälteren Luftschichten zu vermischen. Wie Sie sagen: unter der Decke ist es mollig warm und in Fußbodennähe kühl.
Aber ich denke, Sie haben grundsätzlich recht: wahrscheinlich hilft wirkllich nur abwarten!

Vielen Dank nochmals und Grüße
Achim Kraft



Standölfarbe



Hallo, es sind immer wieder Kunden da, die Fußböden oder Treppen gerne deckend (so wie es vorgefunden wird) neu streichen möchten. Leider habe ich keinen Naturfarbenhersteller gefunden, der eine voll deckende Ölfarbe für den Fußbodenbereich anbietet. Deswegen "behelfen" wir uns folgendermaßen: Holzhartöl von Kreidezeit, abgetönt mit ca. 25% Standölfarbe. 2 Anstriche sind voll deckend; wird sehr hart, trocknet relativ schnell, hat einen gleichmäßigen Glanzgrad. Ein Fußboden in Ochsenblutrot oder grau sieht dann sehr gut aus. Das könnten Sie bei Ihrem nächsten Fußboden einmal ausprobieren. Vielleicht können Sie nach Trocknung des Bodens, wenn er dann noch scheckig sein sollte dieses pigmentierte Hartöl noch oben drauf setzen. (evtl. Probefläche anlegen). Viele Erfolg, Johannes Prickarz



Sikkative



Hallo Achim,
der kleine Helfer, der hier schon angesprochen wurde heißt "Sikkativ".
Ein Rezept:
1:10 Gemisch Terpentin/Leinöl und darauf 5% Cobaltsikkativ.
Pigmente können dann zugegeben werden. Jedoch sollten diese seperat ungefähr 1Tag lang in Terpentin "angesumpft" (Breiige Masse) werden. Die Trocknung dauert dann nur noch 1 bis 2 Tage. Cobaltsikkativ ist in jedem Malerbedarf erhältlich.

Gruß Christian



Da war doch noch was....



...habe mich mal wieder selbst ausgeklingt.

Also: Weiterhin viel Erfolg beim Gestalten!



Trocknung Standölfarbe



Hallo alle zusammen,

danke für die vielen Tipps. Hatte den Hinweis mit dem Holzhartöl schon mal bekommen, aber nicht richtig verstanden, dass das Hartöl und das Standöl gemischt werden sollen.
Mittlerweile trocknet der Boden langsam aber sicher und ich denke, es wird ganz passabel. Die "scheckigen" Stellen, die es mit Sicherheit geben wird, werde ich gemäß den Empfehlungen nachbearbeiten.

Grüße und danke
Achim Kraft