Dielenboden Ölen mit Standöl?

23.05.2008



Hallo zusammen,
habe ca. 90m², über 100 Jahre alte Dielenböden grobgeschliffen. Nach den Lehmputzarbeiten kommt der Feinschliff und das Ölen dran. Habe günstig Orangenschalenöl (100L) und Standöl (180L) bekommen.
Nun die Fragen:
Ab welcher Holzfeuchte kann ich mit dem Ölen anfangen?
Kann ich Standöl für den Boden verwenden?
Wenn ja, wie sollten die Mischungsverhältnisse des Orangenschalenöles als Verdünnung im Standöl sein.
Bitte um Erfahrungsberichte mit Standöl.

Gruß

Marco



Standöl



Hallo!
Standöl ist ja einfach geklärtes Leinöl. Am Besten so 20-30 % Orangenschalenöl mit 70-80% Standöl Mischen sollte reichen.
Aber eine Frage: Wofür solche riesen Mengen? Für 100m2 benötige ich bei zweifachem Anstrich 5 Liter max.

Ersten Anstrich satt auftragen und ca. 1Std warten, Überschuß abnehmen.
ca. 24-48Std. warten und zweiten Auftrag vornehmen, Überschuß wieder nach ca. 1Std. abwischen.

Gruss,

Oli Rust



Standöl



Hallo Oli,
wie gesagt, bin günstig an Standöl drangekommen (180L=60€). Habe noch etwas mehr zum Streichen (Fenster, Fensterbänke, Gartenhütte, Dachbalken,...) Für mich ist die optimale Mischung der Anstriche interessant. Ob ich den ersten Anstrich mit 50% Orangenschalenöl verdünne (sozusagen ein Halböl wie mit Balsamterpentinöl herstelle) und den zweiten Anstrich mit 20-30% Orangenschalenöl mische, oder noch ein dritter Anstrich mit einem anderen Mischungsverhältnis nötig ist? Wie ich gehört habe ist Standöl etwas zähflüssieger als Leinöl, deshalb denke ich an etwas mehr Verdünnung??? (Muß ja mit nix geizen) Vielleicht auch wg. dem Eindringvermögen etwas Temperierung notwendig ??? Interessant wäre auch die Trocknungszeit, da wir nach 2 Monaten Trocknungszeit des Anstriches unsere Wohnung beziehen wollen. Es handelt sich um einen Fichte/Tanne oder auch Kieferboden. Vielleicht ist er etwas durstiger als Eiche?
Laut Aussage meines Schleifmaschinenverleihers benötige ich ca. 20-30L Öl.
Gruß

Marco



Fussbodenöl



Hallo!
Würd einfach mal testen, ob das Mischungsverhältniss mit 50/50 vielleicht OK ist. Einfach an unauffälliger Stelle testen.
Bei meinem Boden (Lärche) habe ich für 80m2 ca. 4 Liter Fussbodenhartöl von Kreidezeit verbraucht.
Das Öl zieht auch nur ein und sollte keinen Film auf der Oberfläche bilden, da dieser speckig und klebrig wird.
Wenn Glanz gewünscht wird, sollte man noch mit Wachs nachpolieren.


Gruss,

Oli Rust



Standöl



Entschuldige bitte die Frage, aber mich interessiert warum das Standöl so günstig war ?



Standöl



Hallo Oli,
vielen Dank für die Tips. Werde den ersten Anstrich 50/50 mit 50-70°C Temperatur testen. Hast Du noch eine Info über die max. Holzfeuchte? Beim Verputzen könnte einiges an Wasser eingedrungen sein.
@ Thomas Lingl:
Habe nach Abgabe der Bodenschleifmaschine den Händler nach Standöl gefragt, da ich für den Außenbereich der Fenster welches benötige. Da hat er in der Nachbarfliale den Chef angerufen. Dieser sagte mir, daß er noch 180l im Bestand hätte und es loswerden wolle. Das Faß ist ca. 15 Jahre alt und ca. 20 Liter fehlen. Ganauso mit dem Orangenschalenöl. Es wird bei dieser Fa. nicht mehr eingesetzt (sondern Balsamterpentinöl) und er war froh, daß ich es mitgenommen habe (100L=100€). Im Ökomarkt hätte ich ca. 10L für den gleichen Preis haben können. Was nimmt man? 100 oder 10 Liter? Anbei noch ein Bild von den Fässern. Ist zwar etwas verrostet aber der Inhalt ist einwandfrei.
Gruß
Marco



Standöl



Ich würd dir ja gerne zu dem Schnäppchen gratulieren,
aber irgendwie macht mich der Preis unruhig ! Vielleicht mal ich ja wieder unbegründet schwarze Schatten an die Wand,aber versuch doch mal rauszukriegen ob da nicht ein Bleihaltiger Trockenstoff beim dem ja schon einige Jahre alten Standöl enthalten ist.



Holzfeuchte



Hallo!
Solange du beim Putzen nicht 10cm hoch den Lehm auf den Fußboden geworfen hast, dürfe das Holz kaum grosse Feuchtigkeitsmengen aufgenommen haben. Nach einer Woche sollte das Holz wieder gut getrocknet sein ( etwa 10% Gesamtfeuchte). Bei mir habe ich auch ordentlich rumgesaut, war alles nach 2 Tagen wieder trocken.
Mit dem anwärmen kannst du es probieren, macht aber kaum nen Unterschied ( meine Meinung ).
Nur Lappen, wenn du welche benutzt, gut auslüften. Ich hätte fast unsere Mülltonne abgefackelt;-)

Gruss,

Oli



Hallo Marco,



unter Beachtung des Einwandes von Thomas Lingl ist Standöl grundsätzlich geeignet, es gilbt nur mehr als Fußbodenhartöle, und es trocknet länger.

Auch hier gilt: mehrere dünne Aufträge, jeweils mit der Einscheibenmaschine einarbeiten, keinesfalls Schichten auf dem Holz stehen lassen, die trocknen ewig.

Mischungsverhältnis: ca. 30% Orangenschalenöl

Mit einer Columbus Thermopad E430 kannst Du das Eindringen sehr befördern, ggf. auch ohne Verdünnung arbeiten.

Das sind alles eher allgemeine Tips. Versuche solltest du vorher anstellen, die Standölqualitäten können sehr unterschiedlich sein, weshalb ich zu fertigen Fußbodenhartölen rate.

Da Du die Unmengen Öl und Citrusschalenöl als Privatier nie Verarbeiten kannst, war's auch nicht so viel preiswerter.

Dennoch: Gutes Gelingen, und berichte bitte über Deine Erfahrungen.

Grüße

Thomas



Standöl



Hallo Thomas Lingl,
habe mit dem Hersteller (Fa. Abshagen & Co. KG aus Hamburg) telefoniert.
Es handelt sich hierbei um ein absolut reines Leinölprodukt ohne Zusätze. Als er mich fragte wozu ich es verwenden möchte, hat er gesagt, daß ich unbedingt ein Sikkativ (Trockenstoff) wie Kobalt oder ähnliches beimischen soll, damit es überhaupt trocknet. Nun habe ich wenig Lust mir ein gesundheitsschädliches Schwermetall auf den Boden zu pinseln. Benötige ich wirklich einen Trockenstoff?
Gruß

Marco



@ Marco



Bei Standöl ist mit längeren Trockenzeiten zu rechnen, statt 1 Tag max. 4-7 Tage. Es ist übrigens kein lediglich gereinigtes Leinöl; es wurde gekocht und ist anpolymerisiert, also dicker.

Wichtig ist, daß alle Überstände abgenommen werden.

Es gibt übrigens auch Trockenstoffe auf Calciumbasis.

Grüße

Thomas



standöl



Hallo zusammen,
bis zu 2 Wochen Trocknungszeit wäre für mich noch i.O.. Mache erstmal unauffällige Tests. Wenn diese erfolgreich sind, werde ich den ersten Raum angehen. Das Ergebnis werde ich Euch dann mitteilen.
Danke für die Tips.

Marco



Erfahrungsbericht Ölen mit Standöl



Hallo zusammen,
hatte versprochen einen Erfahrungsbericht über das Arbeiten mit Standöl zu schreiben.
Da das von mir verwendete Öl eine Konsistenz wie Honig hatte, musste ich ca. 70% Verdünnung (Orangenschalenöl) beimischen um eine ähnliche Viskosität wie "normales" Halböl zu erhalten. Der erste Anstrich war bei meinem durstigen Boden nach ca. 3-4 Tagen getrocknet und der 2. Anstrich habe ich mit ca. 50% verdünnt. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Die Schutzwirkung des Öles ist sehr gut und ab und zu wird der Boden mit Leinölseife gereinigt. Dieses Jahr wird ein weiterer Anstrich folgen. Bisher habe ich auch Türen, Türrahmen, Vertäfelungen, Möbel und Fenster damit gestrichen.
Der hohe Verbrauch von Verdünnung und der hohe Preis des Standöles macht das ganze für den Normalverbraucher unwirtschaftlich. Wenn man nicht günstig an Standöl herangekommt, ist der normale, wahrscheinlich auch bessere Weg mit rohem Leinöl, dann gekochtem Leinöl mit etwas Standöl zu empfehlen.
Gruß

M. Weisenburger



Rohes Leinöl...



...wird stark gelb.

Auf hellen Böden nicht jedermann's Geschmack.

Grüße

Thomas