Stampflehmwand und Energienachweis

25.01.2018



Stampflehmwand und Energienachweis
Ich habe vor ein Stampflehmhaus zu bauen, 400 mm Stampflehm auf die Innenseite 10 mm Lehmputz, Schilfrohr 50 mm, Lehmputz 10mm, Schilfrohrplatte 50 mm und zum Abschluss 30mm Lehmoberputz. Aussen vor dem Stampflehm wir keine Schutzlattung aufgebracht- Für die Baugenehmigung wird ein Energienachweiss benötigt, denn ich nicht erfülle mit (jetzt berechneten) 0.38 W/m2K. Der Bauphysiker sieht hier auch noch das Problem des Kondensats.
Hat einer eine Idee, wie ich bei einer Stampflehmwand einen geforderten U-Werte gegen aussen > 0.2 W/m2K erreiche? Danke schon mal!



Stampflehm



Moin
Soll es denn ein Holzständer Haus werden?
Und wofür das ganze Schilf?
Greets Flakes. .



Pisebau



Ein sehr, sehr seltsamer, besser gesagt unsinniger Wandaufbau.
Nun weiß ich nicht wo die Wand einmal stehen soll, in einem Neubau oder soll sie eine vorhandene Wand in einem Gebäude ersetzen.
Letzteres dürfte konstuktiv zu viele Probleme mit sich bringen, deshalb Finger weg.
Beim Neubau mit solchen Wänden sind spezielle Konstruktionsprinzipien bei der Planung anzuwenden die sich von üblichen Prinzipien unterscheiden, die Herstellung ist ebenfalls sehr speziell.
Kurz gesagt der Planer und der Ausführende müssen über Kenntnisse und Erfahrungen verfügen die weder ein normaler Architekt noch ein normaler Bauhandwerker verfügen.
Bei Ihnen in der Schweiz gibt es einige Leute die über das notwendige Wissen verfügen.
Ich empfehle Ihnen sich erst einmal mit dem Werk von Martin Rauch auseinanderzusetzen.
Es gibt ein Buch von Otto Karpfinger und Martin Sauer (Herausgeber) über das Werk von Martin Rauch:

Martin Rauch gebaute Erde gestalten & konstruieren mit Stampflehm

Dort finden Sie Konstruktionsdetails, Beispiele und Namen.
Zu eigentlichen Wandaufbau:
Eine Stampflehmwand ist normalerweise sehr eben da geschalt.
Putz ist überflüssig.
Was die Zwiebelschichten sollen die darauf folgen (Schilfrohr Putz Schilfrohr Putz) kann ich nicht nachvollziehen.
Wohl aber die negativen Folgen wie Platzverbrauch/Raumverlust, mangelnde Belichtung, hohe Kosten (3 x Putz), lange Bauzeit und hohe thermische Trägheit die sich bei einer 55 cm dicken Wand ergeben werden.
Innendämmung geht auch anders.
Womit wir bei Ihrer Ausgangsfrage wären:
Eigentlich sollte Ihr Energieberater diese Frage beantworten, immerhin bezahlen Sie ihn dafür. Es geht auch ohne Referenzverfahren. Das heißt der Mindestwärmedurchgang ist nicht das alleinige Kriterium.
Andererseits sind solche Problem nur ganzheitlich zu lösen.
Das beginnt mit der Planung der Grundrisse und der Nutzungszuweisungen. Das Grundstück, die Himmelsrichtung, die Unterteilung in einen mäßig warmen Hüllbereich mit untergeordneten Funktionen wie Lagerflächen,Treppenhaus, Flur, Hauswirtschaftsraum, Heizung, temporär genutzte Räume wie Gäste- und Arbeitszimmer die an die Außenwände grenzen.
Einen warmen Kernbereich mit Küche, Bad, Wohnen, Essen definieren.
Holzfaserdämmungen und leichte Dämmputze statt Schilfrohrplatten verwenden.
Den Einsatz von dämmenden Zuschlagstoffen prüfen.
Über das Wärmeübertragungssystem nachdenken.
Solare Zugewinne konstruktiv begünstigen.
Usw.usw....
Wenn Sie so einen Bau erstellen wollen ist die planerische Vorarbeit um ein Mehrfaches höher als bei einem normalen EFH (ich hoffe es handelt sich datum). Das betrifft auch die Ermittlung des Primärenergiebedarfes.
Diese erhöhe Planungsleistung wird sich auch kostenseitig bemerkbar machen.
Bei der Ausführung natürlich auch.

Früher gabs mal eine Zigarettenwerbung, Slogan:
"Es war schon immer etwas teurer einen besonderen Geschmack zu haben".



Stampflehmwand mit U-Wert 0,2 Wm²K



Hallo Harry,

Auch ohne Berechnung ist eigentlich schon klar, dass es zu Tauwasserausfall kommen muß, was bei kaum kapillarer Innendämmung mit Schilfrohr noch ungünstiger ist als bei kapillaraktiven Innendämmungen.

Falls dir nicht speziell die Außenansicht einer Stampflehmwand wichtig ist müßte die Wand von außen gedämmt werden, wobei zumindest die Materialqualität und -optik von Stampflehm bei allen Innenflächen erhalten bleibt.

Feuchtetechnisch wäre dies ohnehin die bessere Lösung.

Da die Wand außen ohnehin einen Wetterschutz bekommen müßte kann dieser gleichzeitig mit der Dämmung hergestellt werden.

Alternativ müßte der U-Wert durch eine wesentlich größere Wandstärke und/oder dämmende Beimengungen im Stampflehm verbessert werden.

Wenn es sich um ein eingeschossiges Gebäude handelt ist die Statik kein großes Problem- abhängig von euren Baubestimmungen, wobei ja auch schon lasttragende Strohballenbauten in der Schweiz genehmigt wurden.

Literatur zu Stampflehmbau wurde ja schon genannt und gibts zur Genüge.

Wenn die Wand beidseitig als Stampflehm sichtbar bleiben soll kann uU eine Glasumbauung erfolgen.

Solare Wärmeeinträge sollten optimiert werden, um günstige Heizkosten zu ermöglichen.

Ich vermute es handelt sich um einen Neubau?
Gibts geeigneten Lehm an der Baustelle?
Ist es als Dauerwohnung vorgesehen?
Soll der Boden auch in Stampflehm erstellt werden?
Gibts Überlegungen zum Heizsystem und zur Wärmeverteilung?

Du kannst mir gerne Details zur Planung und zum Gebäude mailen.

Andreas Teich



Stampflehm



Hallo Andreas
Danke für dein Angebot. Es handelt sich um ein Neubauprojekt, die Wände sollen nach aussen nicht verkleidet werden. Die Lehmwand muss sich über 2 Etagen selber tragen. Im inneren ist noch ein Holzständer, der die Böden (mit)tragen soll. Kenne auch die Arbeiten von Martin Rauch und sein Wandaufbau alleine wird hier abgelehnt. Hatte Anfangs geplant von innen einen Lehmputz 20mm, Schilfrohrdämmung 50 mm, Holzleichtlehm-Dämmung 260 mm und 250 mm Stampflehm aussen. Das erreichte hier aber nicht. Habe so um die 0.38 W/m2K und soll nach Rechner 0.24 erreichen. Mit dem u-Wert Rechner probiere ich schon die ganze Zeit eine optimale Lösung zu finden. Selbst den Stampflehm mit Schaumglas zu mischen kam mir schon in den Kopf. Möchte mit der Wanddicke auch nicht die 500 mm überschreiten. Setze ich eine Lattung in Holz davor kann ich die Dämmung (Schilf) auch nach vorne bringen. Was natürlich eine andere Möglichkeit wäre. Bin um jeden Vorschlag dankbar, damit sich das positiv auf das Haus auswirkt. Gruss



Pisehaus



Ihr erster Fehler im Ansatz ist die sklavische Fixierung auf das Glaserverfahren.
Vergessen Sie es, hier geht es um Innendämmungen. Deren Planung und Ausführung wird in einer Reihe von Regelwerken gesondert behandelt. Die Anwendung des Glaserverfahrens ist dafür nicht möglich und nicht ZULÄSSIG!
Speziell in Ihrem Fall sind feuchtetechnische Simulationsverfahren mit denen ein eingeschwungener Zustand ermittelt werden kann zwingend erforderlich.
Die Regeln für die Ermittlung des Primärenergiebedarfes und die dafür zugelassenen Berechnungsverfahren finden Sie in der EnEv Abschnitt 2 § 3.