Mittelpfette aus Stahl ?

30.01.2008



Hallo,
ich bin neu hier und hätte eine Frage zum Thema Denkmalschutz.

Wir wohnen in einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus, und möchten gerne den Dachboden ausbauen und dämmen. Ein wesentlicher Teil des Ausbaus besteht darin, dass 3 Schleppgauben eingesetzt werden (bisher gibt es nur 2 Dachluken + Giebelfenster). Dieses wurde vom Architekten geplant, vom Statiker durchgerechnet und vom Denkmalschutz abgesegnet. Es hat uns zwar einige Monate (und Geld) gekostet, aber die Denkmalschutzrechtliche Genehmigung hierzu liegt uns vor.

Als erste bauliche Maßnahme hat der Zimmermann zunächst mal den Boden begradigt. Und damit haben wir die Bauarbeiten auch gleich schon wieder stoppen können.
Im Vorfeld ist nämlich nicht aufgefallen, wie schief der Boden ist. Die aufgetragene Holzkonstruktion (Keile und Platten) hat nun dazu geführt, dass die Mittelpfette komplett auf Kopfhöhe gekommen ist. Und das macht bei den geplanten Gauben natürlich keinen Sinn.

Also haben wir erneut Kontakt mit dem Denkmalschutz aufgenommen. Der Zimmermann sagt (und das wäre auch unser Wunsch), dass er einfach eine neue Mittelpfette (aus neuem Holz) etwa 50cm oberhalb anbringt, und die alte Pfette komplett rausschneidet.
Logischerweise ist der Denkmalschutz bemüht, soviel Bestand wie möglich zu erhalten. Also sollen wir die alte Pfette nur in der Breite der Gaube (3 Sparren breit, ca. 2,50m) rausschneiden. Gut - damit können wir uns noch anfreunden.

Allerdings möchte der Denkmalschutz die neue Mittelpfette in Stahl (H-Profil) ausgeführt haben. Aus Sicht des Denkmalschutzes passt eine neuer gerader Balken aus Holz nicht zu dem alten vorhandenen Holz. Daher das Kontrastprogramm: alter Dachstuhl versus Stahl.

Wir können uns mit dieser Idee gar nicht anfreunden. Zum einen ist sie wahrscheinlich deutlich teurer, zum anderen dachten wir immer, dass Stahl im Fachwerkaus absolut verpönt ist.

Nun also zur eigentlichen Frage:
Ist es wirklich üblich, dass man Stahlkonstruktionen (hier 2mal 10meter Stahlträger) in einen Dachstuhl einzieht, anstatt mit dem natürlichen Werkstoff Holz zu arbeiten?

Vielen Dank schon mal im Voraus. Grüße, Volker



Üblich ist es



sicherlich nicht. Der Denkmalschützer wünscht sich einen möglichst großen Unterschied zwischen den beiden Konstruktionsdetails nach dem Motto "Man soll erkennen zu welcher Zeit diese Änderungen durchgeführt wurden." Ob ein solches Motto Sinn macht, darüber läßt sich trefflich streiten. Hinzu kommt, dass es in der heutigen Zeit keinesfalls üblich ist die Pfetten eines Dachstuhls in Stahl auszuführen. Im Aachener Dom, bekanntlich aus der Zeit "Karls des Großen", wurde aus dem gleichen Grunde mit Leimholz und mit ingenieurmässigen Stahlverbindungen gearbeitet. Aus meiner Sicht eine grausige Lösung und ich denke mal, dass in erster Linie das fehlende Geld für diese Lösung der Vater des Gedankens war und nicht das oben beschriebene Motto.
Ob diese Bemerkungen bei der Auseinandersetzung mit dem Denkmalschützer weiter helfen?!?



Denkmalphilosophie



Die Denkmalschutzgesetze der Bundesländer basieren weitgehend auf der Charta von Venedig. Dort wird gefordert, dass sich Ergänzungen, Änderung, Reparaturen etc. vom Bestand absetzen sollen, damit sie sich von der Originalkonstruktion absetzen und ablesbar bleiben.
In Ihrem Fall wird es aber sicherlich bessere Lösungen als einen Stahlträger geben. Meine erste Wahl wäre wohl ein Leimholzbinder als Überzug für die Kehlbalken, der sich auch deutlich vom Bestand absetzt, aber wohl besser zur Konstruktion passt.



Stahl im FWH



Wo liegt die Mittelpfette denn nach erfolgtem Innenausbau mit allen Verkleidungen ?
Gibt es keine Zeichnung ?

Wenn ein Leimholzbinder der Denkmalpflege noch zu sehr nach Anbiederei aussehen sollte, wäre auch zu überlegen ob man einen Parallam-Träger verwendet. Der hat einen höhere Biegezugfestigkeit als ein Leimholzträger und damit eine noch geringere Verformung. Mit seinem Aussehen würde er sich absetzen und brauchte auch nicht verkleidet zu werden.
Anschlüsse mit Dampfbremsen etc wären einfacher.

Wenn Ihre Architekten und Ingenieure schon nicht dreidimensional arbeiten können, schlage ich vor, daß Sie sich als Bauherr mal im Baumarkt einen einfachen Rotationslaser besorgen.

Grüße vom Niederrhein



Vielleicht...



... kann man die alten Mittelpfetten ja auch als ganzes "versetzen"? Mehr Orginalsubstanz bliebe erhalten, wenn auch an anderer Stelle. Geht natürlich nur, wenn die Dachstuhlkonstruktion es erlaubt.

Zur Not ließe sich der Träger auch nach Bauabnahme nett verkleiden, spart den Ärger und kann jederzeit im Sinne des Denkmalschutzamts zurückgebaut werden.

Gruß Frank



Stahlträger kontra Holzbalken?



Hallo Volker,

was spricht gegen einen Holzbalken? Wer sagt denn, daß der Balken neu sein muß, kann doch genauso alt wie das Haus oder älter sein, dagegen kann die Denkmalbehörde nichts haben.
Fragt mal Euern Zimmermann, wenn er keinen besorgen kann, kann ich Euch vielleicht weiter helfen.

Gruß Michael Janocha



Vielen ...



... Dank für die Antworten!

Bei dem Ortstermin haben wir in der Tat einige Zeit über das Thema "diskutiert". Letztendlich sind wir so verblieben, dass Statiker und Zimmermann mal berechnungs- und kostentechnisch beide Lösungen gegenüberstellen, und wir uns dann noch mal zusammensetzen. Bzgl. der Holzlösung weiß ich gar nicht, wie der Zimmermann diese im Detail ausführen kann/will. Die 10m Dachstuhl-Länge teilen sich in 2mal 5meter auf. Ich vermute mal, dass man hier einen Massivholzbalken nehmen kann (also kein Leimholzbinder)?

Den Kehlbalken mit "neuem" Holz einzupacken ist eine gute Idee. Aufgrund des begradigten Bodens ist allerdings die Durchgangshöhe auch hier deutlich geschrumpft. Ich hatte mal die Idee, die alten Balken (Pfette und Kehlbalken), die nach dem Ausbau noch sichtbar sind, glattzuschleifen und zusammen mit der neuen Holzpfette in der selben Farbe anzustreichen. Quasi damit es optisch ähnlich aussieht. Von dieser Idee weiß der Denkmalschutz aber noch nichts.

Die neue Pfette (egal ob Stahl oder Holz) wird teilweise sichtbar sein, da wir mit Dämmung und Abschlussplatte ungefähr 10cm in den Raum reinkommen (gerechnet ab Unterseite der Sparren). Eine Zeichnung hiervon haben wir leider nicht.

Die jetzigen Mittelpfetten sind laut Statiker deutlich unterdimensioniert. Sie haben zwar bisher gehalten, sind aber auch schon sichtbar durchgebogen (durch den Ausbau kommt ja noch mehr Last auf sie zu). Insofern kommt die Option, die vorhandenen Pfetten nach oben zu setzen, leider nicht in Frage.

Die neue Pfette in altem Holz auszuführen haben wir im Detail noch nicht besprochen. Ich vermute, dass es logistisch etwas aufwendig wird, zwei passende Balken zu finden und diese dann zu uns zu transportieren - aber das sollte zu lösen sein. Werde dies noch mal als Option mit in die kommende Diskussion nehmen.

Mir ist noch eingefallen, dass der Denkmalschutz uns sehr schnell einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, als wir Kunststofffenster einsetzen wollten. Für Gauben und Giebel müssen es Holzfenster sein - und das sind Holzfenster aus neuem Holz. An dieser Stelle gilt das Kontrastprogramm also nicht ... ???

Danke + Grüße, Volker