Haus in Stockwerks- UND Ständerbauweise

08.09.2011



Hallo liebe Fachwerkfreunde,

Ich bearbeite gerade eine Abschlussarbeit über ein 2-geschossiges Fachwerkhaus in Schlepzig (Spreewald) und habe festgestellt, dass beide Giebel und eine Längswand in Stockwerksbauweise und eine Längswand (zum Nachbarn) in Ständerbauweise errichtet wurde. Das gesamte Haus datiert dendrochronologisch auf 1813/14. Die Besonderheit am Haus ist eine hofseitige Oberlaube und eine in Back- und Lehmsteinen errichtete Schwarze Küche. Da eine Oberlaube an Wohnhäusern in Brandenburg ungewöhnlich ist und ich die Ständerbauweise eigentlich nur von älteren Objekten kenne wollte ich bei den Fachleuten auf dieser Seite anfragen, ob jemanden Vergleichsobjekte hinsichtlich der Mischkonstruktion oder der Oberlaube in Brandenburg oder anderen Regionen einfallen?

vielen Dank schonmal im Vorfeld und ich würde mich über eure Ünterstützung freuen!

es grüßt aus der Niederlausitz

Thomas Krause



Stockwerks- und Ständerbauweise



Hallo Thomas,

bei uns war es wohl typisch zur Straße hin in Stockwerksbauweise zu bauen und nach hinten, wo keiner guckt, in Ständerbauweise.
Ich habe nicht wirklich Ahnung von der Materie, sondern habe diese Angabe aus einem Buch über unseren Ort. Die Häuser sind um/nach 1700 entstanden.
Leider ist davon aber nicht viel zu sehen, da eigentlich alle Fachwerkhäuser im Ort verputzt/verhängt sind. Unser Haus ist sehr wahrscheinlich auch auf diese Art gebaut, ist aber auch noch komplett verhängt.

Beste Grüße aus Göttingen
Nina



Datierung prüfen



1813/14 ist für einen Ständerbau meines Erachtens sehr spät/eigentlich zu spät für ein Wohngebäude.

Stimmt die Datierung? Welche Hölzer wurden gebohrt? Auch Ständerhölzer oder nur Dachbalken bzw. evtl. ausgetauschte Unterzüge?

Ich habe selten Reste von Ständerbauten bei meinen Sanierungsvorhaben, oft sind aber nur wenige durchgehende Ständer bzw. gelegentlich wuchtige Mittelunterzüge mit Sattelhölzern in den Gebäuden versteckt. Die Datierung davon liefert im Raum Nürnberg meist 15./16.Jh..

Viel Erfolg beim Nachforschen.



Datierung



Die Datierung stimmt, ich habe ein durchgängiges Abbundsystem ohne Anzeichen einer Wiederverwertung. Schlepzig ist im Jahr 1769 komplett abgebrannt, so auch die Vorgängerbebauung dieses Hofes. Ich habe bisher auch kein weiteres Beispiel dieser Bauart im Dorf gefunden. Alle anderen erhalten Fachwerkhäuser sind in Geschossbauweise errichtet.
Die Dendroproben habe ich zum einen in einem Stiel des 1. OG im Giebel, einem Deckenbalken des OG auch gleichzeitig Bestandteil der Oberlaube und in einer Stuhlsäule im Dach entnommen.



AHF und IGB



Hallo Thomas,

ich hoffe der Querverweis von hier zu den "anderen" ist ok:

Kontaktier' doch mal den Arbeitskreis für Hausforschung (http://www.arbeitskreisfuerhausforschung.de/Kontakt.html) oder schreib' Deine Frage im Forum der Interessengemeinschaft Bauernhaus (http://www.igbauernhaus.de/). Dort findest Du noch mehr Experten die Dir weiterhelfen können.

Viele Grüße

Dirk