Austausch eines Schwellbalkens

17.04.2003



Liebe Community, Mein Häuschen in Südfrankreich (wo ich lebe) hat dicke Aussenmauern aus rohen Lehmziegeln, Kalkstein- blöcke (uralt), Lehm,einige gebrannte Ziegel, alles in allem ziemlich weich; es ist mehr als 350 Jahre alt. Alle innern Strukturen sind aus Eichenfachwerk, dh die inneren, auch tragenden Wände sind aus Fachwerk mit den nötigen Schwellbalken; diese Schwellbalken liegen auf einem Steinfundament aus Kalksandsteinen; an einigen Stellen sind die Schwellbalken durch aufsteigende Feuchtigkeit "marode" geworden, dazu muss man sagen, dass das Holz die 350 Jahre doch recht gut überlebt hat, oder? Es sind auch keine akuten Feuchtigkeitsanzeichen erkennbar. Das Haus stand 3 Jahre leer, zum Teil mit kaputten Fenstern. NUN DIE FRAGE: ich möchte keinen Neubau aus meinem alten Haus machen, ich möchte auch nicht das Haus durch atypische Baumaterialien verschandeln; Es wäre sicherlich statisch sinnvoller (siehe auch die Diskussionen im Forum), die Schweller auszutauschen und nicht durch Mauerwerk zu substituieren. ABER: die französischen Landsleute sind nicht ganz so interessiert an baubiologisch sinnvoller, denkmalwahrender, durchdachter Bauweise. Sie waren es sicherlich einmal (siehe die super Häuser), aber dies ist "verschütt" gegangen (wie in Deutschland an vielen Stellen anzutreffen). Daher gibt es hier auch nicht die gleichen Fachleute wie in Deutschland. Oder wenn es sie gibt, dann sehr teuer. Gut. Ich mache alles selbst an meinem Haus. Beim Tausch der Schweller sehe ich allerdings einige kleinere Probleme: 1) Rein "topologisch" gesehen, wie kann ich einen Schweller ersetzen und trotzdem die Zapfungen wiederherstellen; anders gesagt, die Ständer sind doch in den Schweller gezapft, wie bekommt man einen Schweller wieder "noigzapft"? Ersetzen ohne Zapfen ist natürlich ein Kinderspiel... 2) Ich kann entweder altes Eichenholz nehmen, Balken findet man leicht hier, oder frisch zugesägtes, dafür perfekt auf Mass. Beides hat Vorteile, aber ich denke dass die erste Lösung vielleicht besser ist, oder? 3) An einer einzigen Stelle ist der Schaden etwas Schlimmer (keine Angst, ich hatte einen Spezialisierten Architekten da, der mir sagte, das Haus würde mich, meine Kinder und Kindeskinder weit überleben, und zwar ohne grosse Probleme). Nun, an dieser Stelle stand ein kleines Erkerfensterchen seit Existenz des Hauses (!) leicht offen, es gab da nie einen Fensterrahmen, nur eine Art Fensterladen, der nicht gut schloss. Darüber gab es eine defekte Regenrinne (erste Sach die ich nach dem Kauf reparierte), und das Wasser hat wunderbar den ganzen Boden eingesatscht. Daher hat über die Zeit auch der Schweller gelitten, er ist abgefault, hat sogar noch Ständer bis ca 30 cm über Bodenhöhe "mit sich ins Grab genommen". Das Eichenholz ist an dieser Stelle zu Pulver zerfallen (schwarzbraun, nicht riechend). Nein, es ist kein Hausschwamm. Ich werde also das Ständerwerk bis zum gesunden Holz reduzieren müssen und durch neues Holz ersetzen. Das bedeutet, entweder Ständer amputieren und durch Eichenbalken verlängern (mit den entsprechenden Schnitten), oder ganze Ständer austauschen. Ich muss auch zugeben, dass eine Untermauerung an dieser statisch nicht sehr bedeutenden Stelle mich aufgrund der Einfachheit auch reizen könnte...In der Tat befinden wir uns hier in dem direkt an der Aussenwand angrenzenden Fachwerkwand.... Entschuldigt mich für den etwas konfusen Aufbau meines Beitrags... beste Grüsse aus Frankreich Torsten



schwelle



Die neue Schwelle sollte nicht mehr eingezapft werden, weil dort sich Wasser sammelt (wie in ein kleines Becken). Heute setzt man Dübel rein (chevilles en bois de chêne, env. 25 cm de long, diamètre 2,5 à 3 cm). Sie werden schräg eingesetzt, ein Dübel an jeder Seite. Une cheville en biais de chaque côté, placées de telle facon qu'elles ne se touchent pas dans la nouvelle pièce de bois. Altes Holz nehmen. Keine metallwinkel verwenden wegen der Gerbsäure (acide tannant)des Eichenholzes.
Besser ist es der gesamten Ständer zu ersetzen, wenn es möglich ist. Ansonsten Ständer durch Aufblattung (enture a demi-bois) und entsprechender Schrägschnitt ersetzen.
Das wäre es für's Erste.
m.f.g
J.E.Hamesse



Schwelle



Gutenn Tag,
nur noch einige kleine Ergänzungen:
-keine Buchendübel, sondern Eichendübel verwenden (Eigenresistenz des Holzes)
-Das Buch "Anschuhen, verstärken und Auswechseln" ehemals vom ZHD aufgelegt beschreibt viele Reparaturverbindungen.
Viel Erfolg!
Ulrich Arnold
www.bauplanungsbuero-arnold.de