Splissdeckung

02.09.2008



Hallo Freunde,
wir überlegen, ob wir bei der Sanierung unseres Fachwerkhauses die alte Splissdeckung wieder herstellen oder doch "auf Nummer sicher" gehn mit Doppeldeckung. Vor- und Nachteile sind weitgehend bekannt. Was ich suche sind vielleicht Erfahrungsberichte, wo es gemacht wurde oder wo die alten Dächer noch drauf sind (auf genutzten Häusern) und funktionieren.
Das Dach soll nicht ausgebaut werden (logisch), aber im Obergeschoss sind Stuckdecken vorhanden, die sollen natürlich noch länger halten als das Dach. Vom Konzept her solls eine Art Museum werden, zumindest spielen da auch die traditionellen Bautechniken eine Rolle.
Bin gespannt auf Eure Meldungen, danke!



Kiefersplisse



haben wir vor Jahren bei zwei Dächern verwendet. Das 45 Graddach hat mit dem Materialdurch guten Wasserablaufund Luftumspülung kein Problem, hier wurden die Splisse zusätzlich mit Leinöl getränkt. Durch die Rauhheit der Ziegel hielten sie sich auch gut am Verlegeplatz, aber einmal im Jahr ist Sichtkontrolle nötig und eine gute Erreichbarkeit für Korrekturen obendrein.
Bei einem Werkstattgebäude mit flacher Dachneigung und Biberschwanzdeckung (Bauherrenwunsch,Museumsbau) zeigte sich bei der Umdeckung nach 4 Jahren das Gegenteil: die dort unbehandelten Spleisse konnten durch Ansammlungen von Staub und Flugsamen nicht abtrocknen und moderten sich sicher durch.



Vielen Dank erstmal ...



... für diese erste Meldung (erhalte aber gern noch weitere). Das mit der Leinöltränkung ist nochmal ein guter Hinweis. Übrigens haben wir hier auch noch ein (leerstehendes, notgesichertes) Haus mit Splissdeckung, die nicht so gut funktioniert. Da sagte mir der Dachdecker, dass die auch falsch verlegt wurde, nämlich mit halbem Stein Versatz. Tatsächlich ist es ja so, dass beim Spliss gar kein Versatz zwischen den Reihen oder max. 1/3 erfolgen soll. Dachneigung ist bei uns OK, über 50°.
Die regelmäßige Prüfung ist für uns heute erstmal kein Problem, ich denke nur manchmal daran, was unsere Nachfolger dazu sagen werden ...



Splissdeckung, Spließdeckung



... wollte nur nochmal die Frage auffrischen, vielleicht kommen ja doch noch ein paar Meldungen. Und Google kennt nur die Spließdeckung.



Arme-Leute-Dach



Also das ß ist zwar auch auf meinen Tasten, aber ich kann die Ligatur, welche sich durch alle Schreibreformen schummelt, nicht mehr als Buchstabe anerkennen und meide ihn, deshalb...
Die Deckung stirbt aus und wird höchstens noch für untergeordnete Nebengebäude verwendet, wo der Reparaturaufwand handzahm ist. Nach dem Aufkommen der Hartdeckung im ländlichen profanen Bereich (im Wettlauf mit den Betonziegeln und getrieben von den Versicherungen) konnten mit diesen gespaltenen Holzschindeln auch statisch nicht recht geeignete Dächer mit schweren Biberschwänzen belegt werden und man sparte wenigstens die Hälfte der Ziegel und spaltete sich die Kieferhölzchen preiswert sebst. Nach dem Krieg gab es in den Umsiedlerneubauten (nach Befehl 208 der SMAD) auch komplette Dächer aus diesem Ersatzmaterial.
Später gab es Versuche, diese Spleisse aus unverrottbaren Material zu erstellen und verfiel auf PVC und Blechstreifen. Mit einem Knick versehen, leisten diese sicher längere Dienste, aber die Ästhetik...
Aber wenn es der Wiederverwendung der handgemachten Biber dient! Es gab auch Versuche der Plastrecycler, Biberschwänze aus Platsgranulat zu pressen, aber der Mangel an Farbechtheit und Brandschutz verhinderten einen Siegeszug. In Osteuropa konnten sie gegen die traditionellen Blechdächer auch nicht punkten.
Soviel zu Substituten. Die lokal verfügbaren Baustoffe sind das Thema, was aber seit der Erfindung der Eisenbahn keinen Zwang mehr ausüben kann.
Sonst müssten in einigen Gegenden wieder die Erdhütte, der Lehmdachziegel und das Grasdach unser Heim bedecken.



Ohne Versatz



noch ein Nachsatz: Die Ziegel müssen bei dieser Deckung ohne jeden Versatz gelegt werden, also der Bogen sammelt das Wasser am tiefsten Punkt (regional gar unterstützt vom Wasserstrich) und gibt es sicher auf den nächsten Ziegel und möglichst auch bei Wind nicht auf den hölzernen Unterziegel.



vielen Dank erst mal,



Arme-Leute-Dach war es zumindest nicht zur Blütezeit unseres Hauses (wobei natürlich nicht klar ist, welches Dach um 1700 drauf war, aber unsere Deckung ist sicher älter als 1950, und da waren es noch gute Zeiten für unser Haus). Und wenn es um eine authentische Restaurierung geht, ist es doch korrekt. Zumal die Nutzung auch dazu passt. Würd ich auch nicht befürworten, wenn es (trotz Denkmalschutz) ein normales Wohn- oder Bürohaus wäre.
Aber trotzdem interessante Meinung, und besonderen Dank für den Hinweis mit dem Versatz, manche meinen ja 1/4 oder 1/3, aber wenn man die Hintergründe kennt, leuchtet es auch ein, gar keinen Versatz zu machen (so hatte ich es auch schon gehört).
Also - danke nochmal, und immer dichte Dächer Euch allen.




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