Wandsanierung, Innendämmung mit Lehm?

14.12.2004



Hallo,
ich bewohne ein FWH von 1778 und möchte weitere Räume renovieren.
Bei den bisher renovierten Räumen wurde die Ausmauerung (Feldbrandsteine, Kalkmörtel = ziemlich Diffusionsoffen) auf Sandsteinfundament erneuert. Der kapillare Wasseraufstieg in das Mauerwerk konnte dabei wirkungsvoll unterbrochen werden.
Konstruktiv wurden die Dachüberstände verlängert, Oberflächenwasser abgeleitet, wasserziehende Bepflanzungen angelegt.
In den nun zu renovierenden Räumen ist das Einbringen einer
Kappilarsperre in die vorhandenen Gefache aufwändig. Es wurden bis dato die Ständer und die Ausmauerung komplett von sperrenden Anstrichen, etc. befreit. Der Bodenbereich wurde ausgehoben, eine kapillarbrechende Schicht mit einem Betonboden auf Baufolie wurde eingebracht (durchgetrocknet).
Aktuell herrschen in den Räumen Temperaturen von 5° C bei einer relativen Luftfeuchte von 43%. Die Räume sind gut durchlüftet. ABER: Die Wände sind im Sockelbereich bis zu einer Höhe von 30cm feucht.
Meine Frage: Kann eine Innenwanddämmung mit einer vorgemauerten Schale aus Stroh-Leichtlehmsteinen (Dichte ca. 700kg), hohlraumfrei mit Leichtlehm an das bestehende Gefache angeschlossen, ohne weitere Maßnahmen eingebracht werden (Schimmelbildung, etc.)
Die Außenwanddämmung muß zudem im Bereich der Deckenbohlen unterbrochen werden. Im Geschoss muß die Innendämmung auf
Lagerhölzern mit Lastabtrag auf die Konstruktion angebracht werden.
Mit einer Wandheizung (braucht wohl Lehmsteine mit einer Dichte von 1200 kg (Wärmespeichervermögen)? bzw. einer Randleistenheizung kann die Feuchtigkeit (wie von den Herstellern propangiert) eigentlich auch nicht weggeheitzt werden, da die entsprechende Wasseraufnahmemöglichkeit der Luft jetzt schon gegeben ist.
Weiss jemand Rat?

Grüße
Klaus



???



Hallo Klaus,

wenn ich das nun richtig verstanden habe, gibt es also oberhalb des Sandsteinsockels keine Horizontalsperre - damit wirst Du dann auch weiterhin von unten aufsteigende Feuchtigkeit haben.

Zur Wandheizung:
Eine Wandheizung trocknet die Wand - die Feuchtigkeit wird dabei hauptsächlich nach außen abgeleitet und nicht nach innen. Die Wasseraufnahmefähigkeit der Innenluft spielt deshalb keine oder nur eine nachgeordnete Rolle. Eine trockene Wand hat eine bessere Dämmwirkung als eine Feuchte - ca. Faktor 3 - 6.

Falls Du aber keine Horizontalsperre hast, hast Du nicht nur das temporäre Problem mit Niederschlagswasser an der Fassade, sondern von unten ein perpetuum mobile.

Gruß

Bernd





Hallo Bernd,

meine Frage ist blöd formuliert darum noch der Nachtrag:

Bei den anstehenden Maßnahmen ist zwischen Sandsteinsockel und Mauerwerk / Ständer keine Horizontalsperre vorhanden. Die Ausfachung besteht seit minimum 100 Jahren, die Ständer (Eiche) stehen über 200 Jahre. Die Feldbrandsteine, sowie die Ständer zeigen keine Verottungserscheinungen. In der Historie muß von daher ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Feuchtigkeitsaufnahme/Abgabe bestanden haben.

Meine Überlegung:
Wenn nun die Innendämmung mit Lehmbaustoffen den Feuchtetransport aus den Ständern/Ziegeln zumindest nicht verschlechtert, dürfte die Hütte weiterhin hunderte von Jahren überleben.
Klar ist, dass ein Eintritt an Feuchte die Dämmwirkung reduziert, andererseitz erhöht sich das Wärmespeichervermögen. Darum dachte ich an Leichtlehmsteine mit einer Dichte von ca. 700kg.
Der Diffusionswiderstand des Wandaufbaues Ziegel/Strohleichtlehm wird meines Erachtens nicht zwingend den Feuchtetransport nur nach außen bewirken.
Wäre vielleicht bei dem Einsatz von mineralischen Zuschlägen zum Lehm, bzw. bei der Aufbringung von diffusionsbremsenden Farben im Innenbereich anders.
Ein Feuchtetransport aus der Wand nach innen und außen ist durchaus erwünscht, wenn die Wand dadurch trocken gehalten werden kann.

Also, geht ohne Horizontalsperre nichts?

Gruß
Klaus



Re



Hallo, eine thermische Horizontalsperre und auch die Wandheizung trocknet Ihren Wandaufbau. Das hat viele Vorteile wie schon aufgezeigt. Weitere Vorteile sind: Keine Wärmebrücken an den Zwischenwänden die zu Tauwasserausfall führen können. Ein feuchter Wandaufbau bringt jetzt mit Ihrem Strohlehm die Gefahr der Schimmelbildung. Ich würde Ihnen zumindest ein beheiztes Rohr hinter der Dämmung auf der Wand empfehlen. Viele Grüße Gerd



Vermutungen



Hallo Klaus,

Du hast ein Fundament aus Sandstein. Sandstein ist auf jeden Fall kapillar leitend und das könnte auch die Feuchtigkeit im unteren Wandbereich erklären.

Die Anschlüsse zwischen Fundament,Betonplatte, (Schwellbalken) und Ausfachung werden in Deinen Ausführungen nicht ganz klar - kannst Du hier evtl. mal eine Skizze fertigen. Es kann durchaus sein, daß hier noch weitere Probleme eingebaut wurden.

Die Überlegungen von Gerd Meurer in Richtung Schimmelbildung sind schon richtig.

Gruß aus BS

Bernd





Hallo Bernd, hallo Gerd,

ein Schwellholz konnten sich die Erbauer damals nicht leisten. Zwei Ständer stehen jeweils am Rand einer Sandsteinbohle. Entlastet man einen Ständer um z.B. ein VA-Blech unterzuschieben kippt das Fundament ab. Habe ich alles hinter mir und irgendwie muss ich auch die Kosten im Auge behalten. Die innen eingebaute Betonsohle ist bis an das Fundament geführt und natürlich auch mit einer vertikalen Feuchtigkeitssperre versehen worden.
Die Feldbrandsteine sind bei den Außen-und bei den Innenwänden direkt auf das Fundament gesetzt.

Der Hinweis vom Gerd, nach der die Trocknung der Wand, sowie die Vermeidung von Wärmebrücken zu den Innenwänden durch eine Wandheizung sichergestellt werden kann, spart natürlich einiges an Aufwand.

Welchen Wandaufbau in Sachen Lehm würdet ihr mir empfehlen. Leichtlehmsteine mit einer Dichte von ca. 700kg oder eher 1200kg? Kann man die Mauer anschließend von innen schlitzen und ein Heizungsrohr (Kupfer oder KF) in die Oberfläche schlängeln. Dann einen Lehmputz von ca. 2-3cm aufgebracht und fertig?
Oder eher bis zum Frühjahr warten und mit einer Schüttung hinter verlorener Schalung arbeiten?

Könnt ihr mir Baustofflieferanten empfehlen?

Viele Grüße aus dem Münsterland
Klaus



Betreff: Bodenplatte bzw. Betonboden



Das Einbringen eines Betonbodens auf eine darunterliegende PE-Folie im Altbaukörper und dann u.U. noch die Anbindung (Heranführung) an den Natursteinsockel, birgt große Gefahren, da sich unter der PE-Sperre ein sogenannter Dampfdruck einstellt, der die Feuchtigkeit zu den Außen- und Innenwänden wandern läßt.
Hatten gerade vor einiger Zeit eine derartige Besichtigung in einem BV in unserer Nähe mit U. Berghammer (Plattformmitglied), bei dem sich diese Problematik genau abzeichnete und aufzeigte.
Diffussionsoffene Aufbauten (ohne PE-Bahnen und Beton) sind machbar und auch sehr wirksam.
Rollierungen mit verschiedenen Rundkiesen (auf Saugverhalten achten!) Kokosmatten, Holzkalkestrichen und Holzböden sind da möglich. Auch eine umlaufende Lüftungsdrainage ist denkbar und sehr wirksam.
Randdämmstreifenausbildung mittels Kokos wäre auch noch eine Zusatzunterstützung.

Der Innenwandaufbau kann mittels Leichtlehmsteinen (950 Kg/m³) homogen ausgebildet auch bei dieser Jahreszeit ausgeführt werden, vorausgesetzt, die Wandheizung kommt anschließend sofort mit drauf und wird in Betrieb genommen!
Aber auch eine Holzweichfaserdämmung ist denkbar, wenn eben eine Wandheizung aufgelegt würde.
Geringere Aufbaustärke und schnelleres voran kommen!
Materialien sind durch mich auch lieferbar, doch sollte man sich die Vor-Ort-Besichtigung vornehmen, um eine genaue und präzise Ermittlung zu erhalten.

Wandheizung kann anschließend mittels Zahnleisten aufgebracht werden (z.B. 14er Verbundrohr) und anschließend mittels 2-lagigem Strohlehmverputz und Gewebeeinlage verputzt werden.
Zu weiteren Fachfragen stehe ich unter meinen bekannten Nummern zu weiteren Gesprächen gern bereit, da im gesprochenen Wort noch mehr ergründet werden kann.

Beste Grüße aus der kalten Oberlausitz vom Lehmbauer.



Betonboden und V2A-Blech



der Betonboden wird die latent vorhandene Bodenfeuchte zu den Aussen- evtl auch Innenwänden transportieren und langfristig Probleme bereiten.
"Abdichtungen" - ob aus Teerpappe oder Blechen zwischen Holz (Hirnholzflächen) und anderen Materialien klemmen wird auch zu Schädigungen führen. Schwitzwasser entsteht auch bei Aufeinandertreffen von unterschiedlichen Materialien, da unterschiedliche Materialtemperaturen herrschen. Absperren hilft nichts! Bringt langfristig Frust und Schäden. Ist keine "Glaubenssache"!
Suchen Sie sich nicht überall was umsonst, sondern gute Qualität in Handwerk und Beratung, und lernen Sie von Ihrem Haus, das mehr weiß, als man momentan sehen kann!
Grüsse aus Nürnberg Florian Kurz