Nasser Bruchsteinkeller mit Sperrbahn - wie mauern trockenlegen?

01.08.2004



Hallo,

die Frage nach der Trockenlegung nasser Bruchsteinkeller ist häufig gestellt worden und die Antworten waren meist auch eindeutig - nicht isolieren, der Sandstein muss atmen.
Wie sieht die Situation aus, wenn über dem Fundament eine Sperrbahn aus Bitumen verlegt wurde?

Hintergrund: Ich habe ein 100 Jahre altes Haus mit Keller aus Bruchstein, darüberliegende Geschosse aus Ziegel. Der Keller ist ca. 100cm tief in der Erde und wurde innen neu mit Sanierputz verputzt (der alte Kalkputz bröckelte ab und war voller Salzausblühungen). Weiterhin habe ich den Keller ca. 30cm vertiefert um in ihm stehen zu können. Der Fussboden ist nun aus WU Beton mit einer Drainage, welche in ein Loch mit Tauchpumpe führt, welche im Frühjahr auch pumpen muss. Neue Fenster wurden ebenfalls eingesezt - zwei sind immer auf Kippstellung für Lüftung.
Leider fangen die Wände an zu schimmmeln und sind häufig feucht (nicht nur bei Wetterumschwung). Es bilden sich dunkle Flecken im Putz oberghalb der Sperrbahn. Wie kann ich der Feuchtigkeit Herr werden? Ist ein Sperranstrich von aussen ab der Sperrbahn Sinnvoll? Falls nein, was wäre die alternative?
Gibt es ggfs. im Raum Helmstedt / Wolfsburg / Braunschweig einen Fachmann, der beratend weiterhelfen kann?

mfg,
Oliver Tiede



Das liebe Wasser



Lieber Oliver

Was mir bei deiner Schilderung sofort ins Auge sprang, sind die dauerhaft geöffneten Fenster.
Fenster in Kellerräumen sollten im Sommer geschlossen sein, sonst kann es zu Kondensfeuchten kommen. Im Winter können sie offen bleiben. Wenn du einmal ein Molier-Diagramm studierst hast, dann siehst du auch schnell warum.

Allerdings scheint nach deiner Schilderung im Frühjahr massiv Wasser einzudringen.
Hier hilft neben vielen anderen Strategien meist eine fachgerechte Abdichtung und Drainagierung von außen, die bei 100 cm Tiefe auch nicht so schwierig sein sollte.

Und wieder möchte ich die alte Idee der Isoliergräben vorstellen. (siehe Bild rechts)

Gruß


Lutz



Die Fenster



Hallo Lutz,

die Fenster lasse ich erst seit März offen in der Hoffnung, dass etwas feuchtigkeit mit "herausgetragen" wird. Im März habe ich neue, dichte Kunststofffenster eingebaut. Vorher waren nur Glasscheiben in die Öffnungen hereingestellt, durch welche der Wind Pfiff (bis zu 1cm Luft am Rand)
Ich werde das mit den Fenstern natürlich sofort ändern. Danke für den Tip.
Ausgeschachtet habe ich einmal rund um das Haus. Das Haus scheint auf einer Lehm / Mergelschicht zu stehen. Beim Teichanlagen stand das Wasser nach Regenfällen im ausgeschachteten Teich - auch nach den Regenfällen lief das Wasser "unterirdisch" in die 100cm tiefe Grube. Ich glaube jedoch nicht, dass der Grundwasserspiegel so tief liegt. Ist wohl eher abfliessendes Oberflächenwasser.

Gruss,
Oliver



Die Badewanne



Lieber Oliver

Wenn dein Haus rundherum von einer wasserundurchlässigen Schicht umgeben ist, dann steht dein Haus praktisch in einer Badewanne.
Wenn du die Badewanne leerlaufen lassen willst, solltest du also den Stöpsel ziehen. Das heißt eine funktionsfähige Ringdrainage mit Kontrollschächten etc. ist angesagt.

Gruß


Lutz



Der Feuchtigkeit Herr zu werden



wird immer eine Kombination verschiedener Maßnahmen gleichzeitig zur Folge haben. Grundvoraussetzung sollte aber eine solide Kenntnis der Rahmenbedingungen/Fakten sein; d.h. eben auch eine Vorortanalyse des Fachmannes. Der kann die eigentlichen Ursachen der Feuchte bestimmen und die notwendigen, geeigneten Schritte für ein trockenes Mauerwerk festlegen und empfehlen. Den Umfang bestimmt letztlich der Bauherr; er muß entscheiden, was ihm Lebensqulität und ein gesundes Bauwerk wert ist...

Bei Ihnen spielen die bereits genannten Fakten (Antworten)sicher eine große Rolle; eine entscheidende Bemerkung Ihrerseits scheint aber auch der Fakt 'Flecken oberhalb der Sperrbahn' zu sein. Dies kann man aber nicht aus der Ferne bewerten...Wir beraten Sie gern. Grüße aus Limburg



Ortsbegehung



Lieber Oliver

Stimmt, das Büro Berghammer hat recht!
Ohne Untersuchung durch Fachleute bleibt das ganze letztendlich ein Stochern im Trüben.

Was manchmal als Schaden so einfach aussieht, stellt sich am Ende als verzwickte, multikausale Verquickung von verschiedensten Faktoren heraus.
Also ran mit den Fachleuten !

Gruß


Lutz



Fachleute



Hallo Lutz, hallo Büro Berghammer,

das mit Fachleute ist garnicht so einfach. Wer ist denn ein Fachmann? Der Architekt und Statiker meines Vertrauens meint: Drainage und Bitumenanstrich. Das Reicht.
Durch mein Stöbern im Internet, speziell bei Fachwerk.de, bin ich jedoch skeptisch geworden.
Die Idee vom Isoliergraben habe ich bereits in anderen Artikeln gelesen. Ist garnicht so ohne die Idee. Aber auch die Variante anstelle des Grabens eine Schicht Steine von der Oberfläche bis zur Drainageschicht einzubringen und diese durch Drainplatten oder Noppenbahn vom Erdreich zu trennen, hat seinen Reiz. Die Drainage ist bereits beschlossene Sache. Das Rohr gekauft und der Graben in entsprechender Tiefe ausgehoben. Auch die Mauern sind vom Erdreich gereinigt.

Ehe ich das Angebot der Beratung von Büro Berghammer aus Limburg (leider 400km entfernt) wahrnehme, werde ich in der Region Braunschweig noch einmal suchen. Da eine genaue Beratung nur VorOrt erfolgen kann, ist dies wohl sinnvoller.

saludos,
Oliver



Frage an Lutz Parisek



Guten Tag Lutz,
ich ich habe mal eine Frage an dich!
Deine Zeichnung von den Isoliergräben aus welchem Buch ist die? oder kannst du mir die Seite aus dem Buch per Fax zusenden? (meine Faxnummer ist 05544/999779)
denn gesehen habe ich so einen Isoliergräben schon aber ich interessiere mich über die genau Ausführung des Grabens (Wasserrinne, Abdeckungen, usw.)
ich bedanke mich schonmal im voraus für deine Bemühungen und ich hoffe dass es geht.

Mit zimmerlichem Gruß
Andreas Vollack
aus Hann. Münden



Isoliergräben



Lieber Andreas

Die Darstellung ist aus dem ausgezeichneten Buch von Frank Frössel "Mauerwerkstrockenlegung und Kellersanierung"
Ich kann dir ja trotzdem ein paar Seiten Kopieren und faxen.

Gruß


Lutz



@ an Lutz Parisek



Hallo Lutz
danke für deine schnelle Antwort und für die Faxe die du mir zugesendet hast. Ich werde Sie morgen durchstudieren und wenn ich dazu noch Fragen habe melde ich mich mal bei dir!!

Mit zimmerlichem Gruß
Andreas Vollack
aus Hann. Münden





Hallo, ich bin kein Fachmann, aber ich habe seit einem halben Jahr einen furztrockenen Bruchsteinkeller, nachdem er ein halbes Jahrhundert oder länger nass war ...
Ich habe das so gemacht:
- Einbau von Kunststoffenstern und Einführen von Kontrollierten Lüftungsphasen. Das heißt: Nur Lüften, wenn es draussen trocken und deutlich kälter als drinnen ist. Vorzugsweise in der Nacht.
- Ausschachten des Kellers und Einbringen einer Drainage. Zur Stabilisierung des Fundamentes habe ich einen Ring aus Schwimmbadbeton rund um das bröckelige unterste Fundament gegossen, danach dreissig Zentimeter unter Sohle und 20 cm vor der Sicherung einen Ring aus blauen Drainagerohren.
- Dort, wo sicherer Erdkontakt, Verputzen der Wand im Zwei-Wege-Verfahren, dann doppelt geschlämmt, dann doppelt bitumiert, mit Styrodur 50 gedämmt und mit Noppenfolie gesperrt. Davor dann eine 20/40er Lavaschicht, 50cm rundum von oben bis unten, die durch Sickerflies auf dem blauen Drainagerohr aufliegt. Die Lavaschicht muss durch das Flies auch bis oben hin vom sonstigen Erdreich getrennt sein.
Ich habe alles selbst gemacht und habe etwa 4000€ ausgegeben.



Es ist leider nicht immer möglich einen geeigneten (guten/brauchbaren) Vorschlag zu machen...



wenn es nicht genau das gleiche Problem ist!
Man kann sehr viel ausführen, aber ob es auch immer notwendig ist???
Die Frage war... eigentlich schon ausreichend(?) beantwortet.

Haben Sie denn schon einmal darüber nachgedacht.. ob eine Drainanlage immer funktioniert?
Oder ist es nicht auch denkbar, dass Sie sich darüber Gedanken machen sollten, wenn mehr Wasser eingeleitet wird als notwendig - warum sollte dies dann besser sein?
Wäre nicht besser ....dicht, dann brauchen sie auch keine Drainanlage!





Da habe ich mir ehrlich gesagt gar nicht so viel Gedanken drüber gemacht. ;-))

Wenn Sie sich mal ein schönes grosses Loch gebuddelt haben und die heilige Kellerwand in ihrer ganzen nassen Schönheit vor Ihnen stand, dann denken Sie nicht über das theoretische Versagen einer Drainanlage nach, sondern machen einfach eine rein, damit Sie nicht Gefahr laufen, eine nachträglich reinbauen zu müssen. Hat 100€ mehr gekostet. Also, was soll´s ... Da ich noch nicht alles wieder zu habe (es muss noch ein neuer Vorfluter her), kann ich auch beobachten, wie da das Wasser raussickert. Also, es funktioniert. (Und wenn es mal nicht funktioniert, ich habe Spülrohre angeschlossen.)

Übrigens hatte unser Haus ehemals auch eine Drainage aus Tonrohren, etwa einen Meter höher als meine Neue und natürlich hoffnungslos verstopft, weil kein Flies. Wahrscheinlich hat man sich vor hundert Jahren schon gedacht "OK, machen wir eine rein, bevor wir es nochmal aufbuddeln müssen, weil es doch zu feucht ist ..." ;-)