Strategie und Dimensionierung bei Heizungssanierung

25.09.2003



Hallo Forenmitglieder!
Nachdem wir die erste Gasrechnung der Stadtwerke bekommen haben (Schock!), haben wir uns entschlossen, die Sanierung der Heizung nun doch noch dieses Jahr in Angriff zu nehmen. Offen ist derzeit allerdings, was für ein Kessel (Brennwertkessel oder Niedertemperaturkessel) es sein soll und wie leistungsstark er dimensioniert werden muss. Da wir noch am Anfang der Haussanierung stehen, wird sich in den nächsten 5 Jahren – so lang reicht jedenfalls unsere derzeitige Planung - noch einiges ändern.



Der Ist-Zustand:


150 qm Wohnfläche, Bruchsteinhaus, Dach und Keller ungedämmt, Alu-Fenster von ca. 1983 mit Doppelverglasung (Thermopane?), Heizkessel von 1976 mit 48 kW Wärme­leistung, Warmwasserbereitung elektrisch

Der Soll-Zustand:
350 qm Wohnfläche, Bruchsteinhaus, Dach modern gedämmt, Kellerdämmung ungewiss, neue Holzfenster und Haustür (Denkmalschutz!), Warmwasserbereitung über die Heizung

Die Frage, die sich uns stellt, ist die nach der richtigen „Strategie“: Sollen wir jetzt die Heizung auf unsere aktuellen Bedürfnisse auslegen und später den Kessel gegen einen stärkeren tauschen? Oder doch besser gleich einen „großen“ Kessel einbauen, der auch künftigen Wärmeanforderungen genügt? Und welche Bauart sollte es sein – Brennwert oder nicht? Der Kamin muss bei uns in jedem Fall saniert werden. Für entsprechende Erfahrungen und Tipps wäre ich sehr dankbar!


Freundliche Grüße, Thomas Mispagel



Heizung



Guten Tag Herr Mispagel,
ich rate Ihnen zu einer sorgfältigen Wärmebedarfsberechnung. Zm Gerät: es gilt der Grundsatz, daß Überdimensionierung den Kesselwirkungsgrad herabsetzt. Sie können aber auch ein Gerät kaufen, daß stufenlos moduliert (Brennwert) oder mehrere Brenner (NT) hat. Diese geräte werden dann mit einer größeren Bandbreite von Wärmeabforderungen fertig. Haben Sie denn schon alternative Möglichkeiten, vor allem Sonne zur Warmwasserbereitung, ausgedacht ?
Mit freundlichem Gruß





Gefühlsmäßig würde ich vorschlagen, das Haus in einzelne Bereiche zu trennen und die dann jeweils je nach Baufortschritt mit je einer Gastherme zu heizen. Ob es Zentralheizungen gibt, die die Wärmeabgaben so weit spreizen können, kann Ihnen sicher Ihr Heizungsbauer sagen. Wir installieren einen Pelletsbrenner der Firma Fröling, der zwischen 7,5 und 25 kw Wärme liefert (für Wandheizung, die in den Anlaufjahren sehr viel Wärme schluckt), kombiniert mit 14 qm Solar für Warmwasser und Heizungsunterstützung, das ganze über einen 1000-l-Speicher mit Frischwassermodul.
Gruß Günter Flegel
PS.: 48 kW für 150 qm? Hängt da vielleicht noch die Rasenheizung vom Fußballclub mit dran????



Fachmenschen beauftragen...



Energieberater mit einem Energiegutachten beauftragen (in Sachsen werden die gefördert und benötigen nur einen kleinen Selbstkostenanteil) und sich ein optimiertes Programm an Maßnahmen ausarbeiten lassen. Pfiffige Energieberater kennen sich auch mit den Fördermöglichkeiten von Bund und Land für alternative Systeme aus. Die Handwerkskammern bilden aus und haben im Normalfall auch die Adressen in Ihrem Umfeld. Mit Grüßen aus Leipzig von



Heizungserneuerung



Zur Dimensionierung einer Heizungsanlage ist es wichtig, dass Sie sich erstmal darüber im klaren werden, was und wie Sie bauen wollen. Dann müssen Sie sich überlegen, welche Beheizungsart Sie wählen (Fußboden/Wandheizung, Heizkörper, Fußleistenheizung etc.) Weiterhin müssen Sie sich auch darüber im klaren sein, wie Ihr Wandaufbau, also Ihre Dämmung ist (nicht zu vernächlässigen sind auch Fenster, Fußboden und Decke). Das sind Sachen die Sie selbst evtl. in Absprache mit Ihrem Architekten. Prinzipell kann gesagt werden, ein Gasbrennwertgerät ist vom Wirkungsgrad her besser, als ein Niedertemperaturgerät, wenn die Anlage ordentlich eingestellt ist, was bei vielen Anlagen leider nicht der Fall ist. Die schon angesprochen Überlegung mit Solar oder nicht hat keinen Einfluß auf die Leistung der Heizung, nur auf die Auslegung der Speicher bzw. der Beheizung der Räume. Moderne Kessel egal ob Niedertemperatur oder Gasbrennwert sollten alle moduliert arbeiten, wobei gesagt werden muß, dass der Wirkungsgrad eines Bernnwertgerätes im unteren Lastbereich besser ist, als im oberen, im Gegensatz zu einem Niedertemperaturgerät. Sehr gut ist die Einbeziehung eines unabhängigen Energieberaters, wobei die Förderung auch bundesweit durchgeführt wird. Berater unter www.rkw.de. Ich würde Ihnen raten, das Heizungsproblem nicht mal so auf die schnelle zu lösen, denn überdimensionierte Anlagen sind zu teuer und unterdimensionierte Anlagen bringen viel Ärger. Fragen Sie doch mal Ihren Heizungsbauer.



Re



Hallo, warum muss eine Heizung modulierend sein? Wir beheizen unsere Haus von 1679 mit 390 m² Flächen mit einem 28kW Brennwertkessen. Dieser läuft in einen Speicher von dem ich Brauchwasser und Heizung entnehme. Der Effekt ist das die Heizung am Tag nur einige wenige male anspringt. Und nicht wie die normale Heizung die dauern an und aus springt. Wie auch bei einem Auto das nur Kurstrecken fährt kann die Heizung auch nicht wirtschaftlich arbeitet. Ist aber der Speicher dazwischen kommt man in den Langstreckenbereich. Auch das speichern kann man Lastspitzen ausgleichen und muss die Heizung nicht sinnlos überdimensionieren und kann auch auf die Modulation verzichten. An den Speicher lässt sich auch ein Ofen mit Wärmetauscher anschließen. Viele Grüße Gerd Meurer



modulierende Regelung



Hallo Gerd, eine modulierende Regelung hat den Vorteil, dass immer der Brennwert ausgenutzt wird. Normalerweise wird, wenn z. B. die Raumtemperatur um 2 °C absinkt, der Brenner mit großer Flamme gestartet, bis die Raumtemp. erreicht ist. Bei mod. Regelung ist es so, dass ganz langsam und sparsam aufgeheizt wird, bis die Raumtemp. erreicht ist (= lieber langsam und sparsam als schnell und teuer). Bei 'ner An-/Aus-Regelung hat man ca. 10% mehr Gasverbrauch. Vorteil eines größeren Kessels, der modulieren kann: das Wasser, das man verbraucht, heizt schneller nach (wir haben z. B. ne riesengroße Badewanne und vielleicht mal Kinder, die nacheinander Duschen wollen, ich kenne das von uns früher). Hat man wenig Wärme- /Warmwasserbedarf, werden auch nur die KW gebraucht, die benötigt werden. Man sollte auch drauf achten, dass der Speicher nicht zu groß ist, denn wenn die Speicherwassertemperatur absinkt und WW-Bedarf entsteht, startet der Brenner wieder.
Grüße Annette





Hallo, ich würde grundsätzlich auch mal eine ökologischen Ansatz einbeziehen. Bei dieser Wohnfläche lohnt sich sicher eien Pelletsheizung, kombiniert mit Solar, Wärmeabruf dann über einen Pufferspeicher. So machen wir's, weil unser relativ großes altes Haus mit Wandheizung in den ersten ein, zwei Jahren überdurchschnittlich viel Wärme benötigt und dann, schau mer mal, in die Nähe eines NE-Hauses wandert.
gf



ja, aber ...



da muss man einen zusätzlichen trockenen Raum haben, wo die Pellets gelagert werden können. Dieser muss eine gut schließende Tür haben (wenn getankt wird, wirds sonst arg staubig im Haus). Also ein feuchter Keller iss nicht... Also man muss wirklich Platz haben! Außerdem muss man Platz haben, einen so großen Warmwasserspeicher aufzusellen, denn der wiegt einiges, wenn er voll ist. Zu bedenken sind auch die Wartungskosten für Speicher, Heizung und Solar. Bei Gas Heizwert oder Brennwert wäre nur der Kessel zu warten... nur mal so als Hinweis. Bei Solar sollte man zusätzlich eine Gebäudeversicherung abschließen (ist bei manchen mit drin). Aber grundsätzlich ist Pelletheizung ne tolle Idee. Vor allem für Schreinereien, die dann Ihre Holzabfälle... ;-). Wir hatten auch über eine Zisterne nachgedacht, bis mir einer gsagt hat, dass man die alle Jahre reinigen muss. Es tun zwar nicht alle Leute regelmäßig, aber je später, desto mehr Schlamm setzt sich fest. Außerdem muss man dann in die Zisterne kriechen *bäääh*... Na ja, wer will, der sollte aber wenigstens drauf vorbereitet sein. Ach so, ja, noch was zum Bedenken: Die normalen Gaskessel (nicht Brennwert) halten länger und haben einen geringeren Wartungsaufwand. Außerdem sind sie von der Anschaffung her billiger. Grüße Annette





Annette hat schon Recht, aber ich denke, bei 350 qm Fläche würde sich schon ein Pelletsräumchen finden lassen. Außerdem gibt es auch Erdspeicher für Pellets, Silos für den Einbau unter Dach und und und. Ich bin halt ein Öko-Fan...



Brennwert hat geringere Lebendauer



die Aussage von Anette ist nicht ganz richtig, Brennwert muß öfters gewartet werden und geht schneller kaputt. Jede Heizungsanalage sollte einmal im Jahr gewartet werden und wir haben ein Brennwertanlage eingebaut, die funktioniert jetzt bereits 11 Jahre fehlerfrei (Anlage noch aus den Entwicklungstage). In der Anschaffung natürlich teurer.
Gruß Karsten



@Annette



Hallo, meine Idee ging glaube ich in eine andere Richtung. Also Wärmeerzeugung bringt immer gleichmäßige Leistung in den Pufferspeicher rein. Dieser ist in der Regel zw. 300 und 1000 l groß. Jetzt kann die Wärmeerzeugung ganz gleichmäßig und lang mit hoher Leistung und Wirkungsgrad Wärme in den Pufferspeicher geben. Dadurch verlängert sich die Lebensdauer der Wärmeerzeugung schon erheblich weil nicht immer an / aus sondern gleichmäßig und lang. Auch der Energieverbrauch der Wärmeerzeugung sinkt bei dieser Variante. Wenn man will und kann, leider nicht ganz im Sinne des Denkmalschutzes kann noch eine Solaranlage mit angeschlossen werden. Oder auch ein Raumofen mit Wärmetauscher. Wenn man dann noch die Wandheizung als Niedertemperaturheizung dazu nimmt hat man ein wunderbar funktionierendes Energiesystem mit der Möglichkeit sich auch von fossilen Brennstoffen unabhängig zu machen. Viele Grüße Gerd Meurer



Pufferspeicher so groß für was?



Hallo Gerd, so große Speicher lohnen sich nur, wenn man Solar hat (ich lass mich aber auch gerne belehren). Man muss bedenken, dass der Kessel den Speicher immer und immer wieder anfeuert, wenn er abkühlt oder warmes Wasser entnommen wird. Das ist nicht grade Energiesparend. Wurde Wasser entnommen, dann wird der Speicher automatisch wieder gefüllt, damit warmes Wasser bereitsteht (und erhitzt). Wenn man im Sommer nicht so große Abnahme für sein Warmwasser hat, dann ist die Verweildauer des Wassers ziemlich lang *ihhhh*. Ist sie sowieso bei 1000 Litern. Besser - wenn ohne Solar - ist immer ein kleiner Speicher. Das Wasser im Speicher ist übrigens reines Trinkwasser, ein Wärmetauscher (mit Heizungswasser drin) geht da durch, Heizungswasser und Trinkwasser sind aber 2 Paar Schuhe und dürfen nicht zusammen "gekoppelt" werden. Bei Solar muss natürlich ein großer Speicher her. Der ist übrigens ziemlich schwer bei Fachwerk bei den meisten nur im Keller zu gebrauchen (wir würden so einen dicken Speicher garnicht die Kellertreppe bei uns runterkriegen). Zum Thema Brennwert: Brennwert hat'n Haufen Schnickschnack drin, und erfahrungsgemäß (man siehts ja auch an den Autos) geht da sowieso immer mehr kaputt als an den einfachen Autos. Zum Thema an/aus: das kommt drauf an, wie weit der Brenner modulieren kann. Kann er tief runtermodulieren, brennt der Brenner mit leichter Flamme, bis die gewünschte Temperatur erreicht ist. Bei ner An-/Ausregelung heizt der Brenner volle Pulle, bis die Temperatur erreicht ist. Das erhäht den Energieverbrauch um ca. 10%. Diese Brenner sind auch etwas anfälliger im Gegenzug zu denen, die "Modulationsweltmeister" sind (so werden die in der Presse genannt. Die meisten Brennwertgeräte können aber so weit runtermodulieren. Brennwert lohnt sich sowieso nur, wenn die Rücklauftemperatur nicht höher ist als 53 °C (besser drunter). Vor- u. Rücklauftemperatur dürfen keinen Temperaturunterschied von mehr als 15 °C haben. einen Thema Lebensdauer: Wie gesagt, Brennwert hat n Haufen Extra-Schnickschnack, der kaputt gehen kann. Grüße Annette



Brennwertkessel jetzt oder später



Moderne Brennwertkessel haben einen modulationsbreich bis 80% jetzt den Kessel für die 350 qm einbauen und dann die Leistung runternehmen bis auf 150qm passt. Funktioniert prima!!




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