Verbindung der Sparren zur Mittelpfette nur durch Schraube?

21.05.2006



Hallo,
Bei unserem Altbau mit neuem Ringanker und neuen Betonauflagen für die Pfetten ist uns nach der Errichtung des neuen Dachstuhles folgendes aufgefallen: Die Sparren besitzen am First Klauen. Die restliche Verbindung an der Mittel- und Fussfette übernehmen nur Schrauben ohne Klauen. Was mich besonders stört ist, das die Sparren teilweise 1cm über der Mittelpfette "schweben" und die Schraube dazwischen sichtbar ist. Der Dachdecker sagt zwar die Schraube würden die Last tragen aber meines Wissens sollen die Schrauben in erster Linie nur Zugkräfte aufnehmen und nicht die gesamte Last übertragen. Was ist Richtig?

Schönen Gruß
Sascha



Gibt es vielleicht Bilder ??



Hallo Sascha,
wenn ich Deine Aussage richtig deuten kann sind an der Mittelpfette ( Rähm ) und an der Schwelle die Sparren ohne jede weitere Zimmermannsmäßige Holzverbindung miteinander verbunden. Eine solche Bauweise ist mir jedenfalls nur von Marktständen von kurzer Standdauer bekannt. Nicht aber bei einem neuen Dachstuhl.
Auf die einzelnen Sparren ( und Schrauben ) wirken jedenfalls mehrere Kräfte ein ( Schub - und Zugkräfte ).
Ich würde das ganze evtl. nochmal dringend überprüfen lassen.
MfG
Rolf Hudelmaier

P.S.
Falls Ihr Bilder davon habt ; könntet Ihr mir diese vielleicht zukommen lassen ?



weiter Details



Die Sparren sind alle, sowohl an der Mittelpfette als auch an der Fußpfette nur mit einer Holzschraube (ASSY L240 von Würth) befestigt. Die Pfetten sind lediglich an der "Auflagekante" abgeschrägt. Was mich auch erstaunt, ist das trotz 80cm Überstand keine zusätzliche Verankerung zwischen den Sparren und der Fußpfette notwendig ist. Bilder lass ich Dir zukommen.



Der zuständige



Statiker sollte sich die Sache dringend einmal ansehen. Er wird ja wissen, was er gerechnet und welche Verbindungen er vorgesehen hat.



Man lernt nie aus



Danke für den Hinweis. Vom Statiker ließen wir uns lediglich die vom Dachdecker geplanten Holzdimensionen überprüfen. Da auf unserem Dach vorher nur Rundhölzer waren, sind wir eigentlich davon ausgegangen, dass jeder Meisterbetrieb dieses 0815-Dach ordentlich planen und aufbauen kann. Es muß doch auch hier irgendwelche Vorgaben für Befestigungen und Toleranzen geben.
Schönen Gruß
Sascha Mohr



Klar gibt es



Vorgaben, aber diese sind abhängig von den vorhandenen Lasten, und dem statischen System. Natürlich gibt es auch ein paar Grundregeln, die jeder Handwerker beherschen müsste.



Was ist vereinbart? Was ist geschuldet?



Wie Fred schon schreibt, es gibt einiges an Vorschriften und Regeln. (Für den Holzbau sind etwa 500 DIN-, DIN-EN-, EN-Normen, Merk- und Regelblätter zuständig, die techn. Hinweise der Baustoffhersteller mal außen vor gelassen).
Es entscheidet sich aber meist an dem Punkt: Was wurde vereinbart zwischen Ihnen und den Handwerker? Sie haben ein beauftragtes Angebot oder einen Bauvertrag in dem die VOB vereinbart ist und Ihnen ist die VOB (Verdingungsordnung für Bauleistungen, hier wichtig Teil B und Teil C) geläufig? Dann haben Sie automatisch die DIN 1052 (Entwurf, Berechnung und bemessung von holzbauwerken) mit im Spiel. Hier ist festgelegt nach welchen Berechnungen der Bau statisch wirksamer Konstruktionen aus Holz durchzuführen ist. So kein Statiker im Spiel ist, muß auch der Zimmerer in der Lage sein die Bemessung seiner Konstruktion nachzuweisen und zu belegen.
Geschuldet ist von dem AN das "mängelfreie Werk". Auch die DIN lassen mitunter unterschiedliche Wege offen zu diesem Ziel zu kommen, aber er muß Ihnen nachweisen können, dass es auch so ist.
Die von Ihnen hier und unter bau.de geschilderten Probleme wecken nicht gerade Vertrauen in den Zimmerer, aber es muß nicht unbedingt verkehrt sein.
Ein Lösungsweg wäre: Der Firma die festgestellten Mängel schriftlich anzeigen und um eine ebenfalls schriftlich Stellungnahme mit Nachweis der Tragfähigkeit bitten.
Plan B hierzu: den Statiker, der die Vorbemessungen gemacht hat um einen Ortstermin bitten und ihn die Ausführung kontrollieren lassen. Hier gilt allerdings: Wer die Musik bestellt, muß sie auch bezahlen. Allerdings mit dem Vorteil, dass sie einen Profi an der Seite haben der wesentliches von unwesentlichem besser unterscheiden kann und das restliche Bauwerk mit ihm Blick hat.
Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri