Sparren, Dachraum, Zimmerermeister, Wurmlöcher, Holz

06.01.2007



Befall oder nicht Befall?

Vorab möchte ich mal den Beteiligten am Forum ein großes Lob aussprechen. Ich habe zu meiner Thematik natürlich vorab schon einiges im Forum herumgestöbert und muss sagen, es gibt hier offenbar nicht nur wertvolle Informationen sondern auch einen nicht zu bestreitenden Unterhaltungswert ;-)

Schön wenn man seinen Humor nicht verliert!

Zu meiner Frage

Ich interessiere mich für den Erwerb eines ca. 100 Jahre alten Resthofs, der in einigen Bereichen schon umgebaut und teilsaniert wurde. Bei der Begehung stellten wir fest, dass in einigen Dachsparren zahlreiche 1-2mm große Wurmlöcher zu finden waren. Trotz pingeligster Suche konnten wir allerdings nirgendwo Fraßmehl finden (Der Dachraum war alles andere als frisch gefegt, insofern scheint eine Verschleierung unwahrscheinlich.

Zum Zustand: Das Haus ist ein Winkelbau, die befallenen Sparren sind alle im Bereich des ursprünglichen Dachs, da ist praktisch jeder Sparren benagt. Nahezu der gesamte Dachraum ist offen zugänglich und unverkleidet. Eine fühlbare Schwächung der Holzsubstanz konnte aber noch nicht festgestellt werden, es krümelte oder bröckelte so weit noch nichts und der Klang beim Abklopfen war auch noch vertrauenerweckend.

Der Querflügel, der mit dem Dachraum verbunden ist, ist vor mindestens 10 Jahren mit neuen Sparren aufgebaut worden. Hier ist nirgendwo auch nur ein einziges Wurmloch zu finden, obwohl das Holz dem Anschein nach nicht imprägniert wurde (keine Farbe/ Beschichtung ersichtlich).

Ich werde in jedem Fall noch mal einen Begehungstermin mit einem entsprechenden Fachmann vereinbaren, der mir zum Zustand etwas sagen kann, würde aber auf dem Wege gern schon mal Informationen sammeln, die mir weiterhelfen können. Ich kenne einen erfahrenen Zimmerermeister, den ich dazu befragen wollte, wäre aber ansonsten auch dankbar für Tipps ob vielleicht in der Region (Dithmarschen) auch ein Schädlingsprofi empfehlenswert wäre.

Zu guter letzt nun meine eigentliche Frage: Wäre es vertretbar und vernünftig, regelmäßige Kontrolle vorausgesetzt, erst auf Anzeichen wie Fraßmehl zu warten, bevor man Maßnahmen ergreift oder sollte ich vorher noch andere Tests oder Untersuchungen veranlassen? Wäre es eventuell sinnvoll, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen? (Der Dachraum bleibt offen, wird also weder umgenutzt noch verkleidet.)

Beste Grüße Antje



Wurmlöcher



Hallo Antje,

find ich gut, daß Dir das Forum gefällt ;-)

Aus welchem Holz sind die befallenen Sparren, welchen Querschnitt haben sie und sind sie komplett vierkant gesägt oder auch runde dabei?

Dein Zimmerermeister ist auf jeden Fall ein Muß, vorher kannst Du noch schauen, ob noch weitere Probleme auf dem Boden sichtbar werden, die Holz betreffen.

Alles Gute



Ääähm - Gute Frage



Hallo Jan,

also, genau kann ich das nicht sagen (habe nicht gemessen), aber das Format war so ca 18x18,vierkant, im neueren Teil sicher Fichte/Tanne, im älteren Teil waren die Sparren ziemlich dunkel, vermutlich auch Fichte, ganz sicher bin ich mir da aber nicht. (Eiche wars in keinem Fall)

Grüße Antje



Sparren



Na wenn die Sparren nicht gerade aussehen wie Luftschokolade und Du mit dem Schraubenzieher nicht reinstechen kannst, solltest Du ruhig auf den Zimmermann warten.

Alles Gute



Schaden soll angeblich behoben sein



Nach Angaben des Vorbesitzers ist der Holzwurmbefall Anfang der 90er Jahre erfolgreich behandelt worden und damit abgeschlossen. Nach unserer ersten Inaugenscheinnahme (nirgenwo Fraßmehl) wäre das denkbar. Nun bin ich mal gespannt, was unser Zimmerermeister dazu sagt.

Etwas sonderbar waren die Aussagen allerdings schon, der Vorbesitzer meinte, das wäre so ohne Rechnung 'im Dorf' gemacht worden, mit Gas oder so, was genau könne er auch nicht sagen und wer auch nicht ...
Na, vielleicht leben die letzten Heinzel ja jetzt in Dithmarschen :-)

Antje



Vereinzelte Löcher...



...von Anobien sind kein Problem, selbst ein leichter Befall wäre nicht so problematisch. Die Tierchen sind ziemlich oberflächlich, d.h. halten sich des Sauerstoffs wegen bevorzugt nahe der Oberfläche auf. Der empfohlene Schraubenziehertest gibt da durchaus erste Anhaltspunkte.

Das Wiederbefallsrisiko könnte man mit einem Präparat auf Borax-Basis verringern.

Fraglich ist noch die rätselhafte Schädlingsbekämpfung. Da sollten Sie noch mal konkret nachfragen, besonders, wenn der Bodenbereich später vielleicht doch noch ausgebaut werden sollte - manch einer hat da schon eine massive Giftquelle finden müssen. Ggf. kann man auch eine Holzprobe in ein Labor geben. Die dadurch gewonnene Sicherheit wiegt die Kosten jedenfalls auf.

Imprägnierungen übrigends werden Sie kaum optisch erkennen, die sind im Holz. Jetzt färbt man imprägnierte Hölzer, das war aber nicht immer so.

Gutes Gelingen

Thomas



Unsicherheiten



@Antje
Du solltest die Art der Behandlung und die eventuell eingesetzten Mittel genauer recherchieren. Hört sich ein wenig sonderbar an. Grundsätzlich sollten vor einer Bekämpfung die Holzbauteile auf Fraßaktivität geprüft werden. Wirklich sichere Tests und Untersuchungen zur Vitalität (Monitoring) sind allerdings sehr langwierig.

Die Notwendigkeit einer Vorbeugung hängt vom Grad der Gefährdung ab. (Umgebung, Bauwerksverschluß, verwendete Hölzer etc.)

@ Thomas W. Böhme
Deine Sauerstofftheorie solltest du noch einmal gründlich überdenken, diese gehört wohl eher in die Grimmsche Märchensammlung.

Gruß

L. Parisek



Das...



...war war Pariseks volle Breitseite!

Ob's nun am Sauerstoff liegt und / oder am dichteren (und weniger nahrungsreichen) Kernholz, kannst Du, Lutz, besser beurteilen. Ich habe bei Nadelholzbalken halt häufig beobachtet, daß die Schäden von außen nach innen abnehmen. Bei Laubschnitthölzern hingegen, und das widerspricht meiner "Theorie", fanden sich in der Tiefe meist ebenso viele Fraßgänge wie unter der Oberfläche.

Grüße

Thomas