Spannungsrisse bei neu aufgebrachtem Kalkputz durch Fachfirma




Hallo Community
Ich habe einen dauerfeuchten Keller (Ziegel), sprich die Wände sind feucht. Haus ist 110 Jahre alt. Abdichtung von außen nicht möglich, leichte Hanglage. Hatte Salzausblühungen an manchen Stellen, gelbe und schwarze Flecke auf dem alten Putz. Nun habe ich eine Fachfirma bauftragt die feuchten Wände neu zu verputzen. Die Firma wollte Sanierputz auftragen, ich lehnte dies nach eingehender Studie auch in diesem Forum ab und wollte Kalkputz. Gesagt getan
Jetzt nach 1 Woche zeigen sich Spannungsrisse im Putz. Der Putz ist zudem an manchen Stellen bröselig. Ich habe den Kalkputz gewählt als diffusionsoffenen Putz um die Mauerfeuchtigkeit die immer gegeben ist ins innere entweichen zu lassen. Entfeuchtet wir bei zu hohen Werten > 70% eingeschaltet. Ich weiss nun nicht ob nun nur eine Lage oder zwei Lagen Putz auf das vom alten Putz freigelegt Mauerwerk aufgebracht wurde und ob 2 Lagen wirklich nötig sind
Kann mir jemand raten?



Hallo abacus,



was wurde angeboten?

Was meinst Du mit "Entfeuchtet wir bei zu hohen Werten > 70% eingeschaltet."

Grüße Gerd





Die Idee einen Kalkputz aufzubringen statt "Sanierputz" ist schon gut. Bei Salz- und Feuchtebelastung aber auch nicht von ewiger Dauer.

Der frische Putz wird bei der hohen Luftfeuchtigkeit wohl auch sehr lange zur Erhärtung und zum trocknen brauchen. Oft wandern da schon Salze aus dem Untergrund in den frischen Putz ein und sorgen für gelbe bis bräunliche Flecken im Putz.

Die Rissebildung ist beim Spannungsabbau normal und könnten bei einer Überarbeitung mit einem Feinputz oder Schlämme auch geschlossen werden.

Vielleicht machst du mal ein Bild.

Was für ein Putz wurde den genau eingesetzt?



Kellersanierung



Falls die Kellerwände ein hohe Gleichgewichtsfeuchte aufweisen ist (Luft)Kalkputz ungeeignet. Warum- das haben Sie selber mitbekommen. Der Putz carbonatisiert von der Oberfläche her. Oben fest, unten weich. Kalkhydrat schrumpft beim carbonatisieren.
Wenn die Eigenfeuchte des Putzes dauernd über etwa 8 M% Wassergehalt liegt carbonatisiert nichts. Sie können dann nur hoffen das der Putz hydraulische Anteile enthält die festigkeitserhöhend wirken.
Selbst wenn der Putz fest wird: Die von Ihnen gepriesene Diffusionsoffenheit führt dazu das der Putz schnell wieder von der Wand fliegt falls das Mauerwerk salzbelastet ist- das typische Verhalten von Opferputz.Das Salz kristallisiert auf der Ziegeloberfläche aus und zerstört den Putz durch Volumenvergrößerung.
Trotzdem kann man mit Kalkputz arbeiten. Einen einfachen Pinselputz auftragen und den frescal mit Kalkschlämpe streichen- geht schnell und ist unschlagbar billig.
Falls was runterfliegt ist das schnell repariert, ohne große Spuren. Zeit- und Geldaufwand dafür sind minimal.
Sonst:
Erst Feuchtequellen abstellen, dann warten bis sich das Mauerwerk auf ein niedrigeres Feuchteniveau eingestellt hat.
Um nicht solange warten zu müssen können Sie- je nach Salzgehalt, vorher mit einfachem Opferputz, Entfeuchtungsputz oder gleich mit einem Sanierputzsystem arbeiten. Das lohnt aber nur wenn eine höherwertige Nutzung in einem möglichst kurzen Zeitraum realisiert werden soll.
Da ich vermute das Sie über die Wirkungsweise von Sanierputzsystemen unzureichend informiert sind:
Sie sind hoch diffusionsoffen und verfügen über einen großen nicht kapillaren Porenraum. Salze können dort auskristallisieren ohne Sprengwirkung zu entfalten.
Nachteile: teuer und sie haben eine hydrophobe Oberfläche.



Feuchte-Regulierugsputz



Einen guten Tag,

eine Lösung wäre das wirkprinzip des Feucht-Regulierungsputz. Der Putz hat eine Geometrie die eine große Oberfläche bietet.

Das Salz gelangt ungehindert an die Putzoberfläche und kann abgekehrt werden.
Rissbildung hatte ich bei diesem Putz noch nicht.
Voraussetzung ist eine gute Durchlüftung und es braucht seine Zeit bis das Mauerwerk trocken ist.

Es geht.

Beste Grüße
Waldemar Eider



Sanierputz



Hydrophobe Oberflächen sind für den Nutzer insofern nachteilig das bei fehlender Dämmung und hoher, nutzungsbedingter Luftfeuchte Kondensat auf der Oberfläche entsteht. Außerdem halten wasserbasierte Farben schlecht. Mir ist eine selbstgemachte Kalkfarbe mal einfach abgeperlt.





Also ich kann von ö.b.u.v. sachverständig geplant und qualitätsüberwachten Sanierputzarbeiten berichten, die jetzt eimerweise wieder aus dem Keller rausgetragen werden. Die Gewährleistung nach VOB ist gerade abgelaufen.

Ich selbst habe aber auch schon in solchen Altbaukellern mit "alter" Horizontalsperre Putzinstandsetzungen ausgeführt. 2011 und seither noch vorzeigbar vorhanden.

Zum einen solche die als "natürlichen Sanierputze" oder sicher nicht ganz zutreffend, aus werblichen Gründen "Entfeuchtungsputz" genannte angepriesene Kalkputze mit Leichtzuschlägen.

Im konkreten Fall 1,5 Teile Bindemittel (Cl 90 und NHL 2), 1 Teil Sand und 4 Teile Perlite, bauseitig gemischt und in Summe auf 20 mm angeworfen und in der Tat wird die Feuchtigkeit verteilt und Salze kristallisieren an der Oberfläche aus. Stellenweise färbt sich der Putz bei starker Salzbelastung braun.

Auch habe ich Flächen mit einer mit einem Schlämmverputz aus hellem NHL 3,5 und Kalksteinmehl, sowie feiner Perlite als Leichtfüllstoff versehen. Die Zutaten kann man alle im Fachhandel recht preiswert kaufen.

Diese Variante ist sehr wirtschaftlich und der zweimalige Anstrich ist auch für ambitionierte Einsteiger machbar. Durch die hydraulischen Bindemittel wird die Sache nach zwei Tagen auch auf "dauerfeuchten" Untergründen fest. Die Wasserlinie zeichnet sich auch hier im Putz ab. Auch hier lassen sich die Salze nach einiger Zeit abkehren. Die Deckschicht bleibt fest gebunden und ist ohne Schimmelsporen.

Weniger belastete Innenwände habe ich mit einem "klassischen" Kalkputz versehen dem 0,3 T eile Ziegelmehl zugeschlagen sind und ebenfalls mit der NHL-Kalkschlämme überzogen. Hier und da feucht und Salzausblühungen aber fest und ansonsten schön weiss.

Also es gibt auch handwerkliche Lösungen, die ebenso nachvollziehbar wirken, wenn auch optisch nicht ganz so famos dastehen, wie die aber zumeist deutlich teuren Sanierprodukte . In den Härtefälle ist das Versagen ohnehin nur eine Frage der Zeit. Und bei den gemäßigten Fällen kann man mit den "einfachen" Lösungen oft gut leben. Meine eigene Erfahrung.



Nun ist schon sehr oft von mir berichtet..


Nun ist schon sehr oft von mir berichtet..

.. dass Putze im Keller (ohne Abdichtung) allesamt ungeeignet sind.
Die Einen sind zu hart die Anderen zu offenporig usw..
Zu bedenken ist auch - jedes Haus steht auf feuchten Dreck und geht nicht kaputt nur weil es darunter feucht ist. Auch unter noch so guten Putzen bleibt die Wand (wenn keine Abdichtung vorhanden ist) immer feucht.
Völlig gleich wie diese heißen! Es ist nur eine Frage der Zeit aber auch der Oberflächen/Beschaffenheit und der Raumfeuchte wann diese kaputt gehen oder sich gar Schimmel bildet usw..
Um mich nicht ständig zu wiederholen empfehle ich sich auf meiner Seite etwas genauer einzulesen.
Das Bild zeigt Tropfen auf einer Wandfläche weil diese sehr kalt ist und die Raumtemperatur relativ hoch ist. Es entsteht Tauwasser und hat mit eindringender Feuchte nichts - aber auch gar nichts zu tun.



Gima Sanierputz SEP



Hallo,

die Lösung für die feuchten Wände kann dieser hydrophil eingestellter Sanierputz sein.

GIMA Sanierputz SEP, hydrophil eingestellt mit großem Porenvolumen

MFG
Andre



Aber was soll daran besser sein als bei Sanierputz?



Nett wenn jemand anonym Werbung betreibt aber?
Könnte es auch sein, dass wenn innen mehr Feuchte verdunstet um so mehr nachgesaugt wird?
Je besser die Verdunstung um so mehr Feuchte in den Räumen!
Oder wie regelt der Putz dieses Problem?