Spalten im Gebälk ausfüllen

12.10.2015 herzer



Hallo zusammen,
ich bin neu hier im Forum und stelle mich erst einmal kurz vor. Ich bin seit gut einem Jahr Besitzer eines schönen Fachwerkhauses im Raum Neumünster in Schleswig-Holstein. Unser Haus ist zwar erst 1994 entstanden, wurde aber komplett aus alten Materialien aufgebaut. Beim Aufbau sind aber einige Dinge falsch konzipiert worden. So ist die klassische Dielen-einfahrt zur Terrassentür geworden und zeigt nach Westen. Auf dieser Wetterseite hat das Haus keinen Walm wodurch die Fassade sehr viel Wasser trägt und schon jetzt nach 20 Jahren erste Verwitterungserscheinungen ersichtlich sind. Ich selbst komme aus der IT Branche, bin also ein klassischer Nerd, scheue aber nicht davor zurück selbst hand anzulegen. Ich bin, zumindest noch, nicht so bewandert was die Fachbegriffe angeht. Ich hoffe das sehnt ihr mir nach.

Unsere Vorbesitzer haben das Haus leider nicht mit der Sorgfalt behandelt die es braucht und haben weder in den Fächern Mörtel nachgeschmiert, geschweige denn Fugen im Gebälk ordnungsgemäß geschlossen. So wurden sämtliche Fugen einfach mit Unmengen an Silikon gefüllt was zu einer eher stärkeren Beeinträchtigung geführt hat.

ich habe versucht mich etwas schlau zu machen und begonnen sämtliches Silikon zu entfernen. Die Spalte im Gebälk würde ich jetzt mit Hanffasern die in Leinöl und Kohle getränkt sind schließen (mit Holzkeil einarbeiten). Danach würde ich beginnen an den abgesackten Fächern den Mörtel an den Seiten abzutragen, dahinter auch etwaige Freiräume mit dem getränkten Hanf auffüllen und wieder neu bis an das Gebälk heran mit Fugenmörtel schließen.

Jetzt hat mir jemand einen Floh ins Ohr gesetzt das es bei Einsatz von Leinöl zu Selbstentzündung kommen kann. Ich bin mir also gerade unsicher ob das Leinöl die beste Variante ist. Kann mir einer von euch entweder bestätigen das ich auf dem richtigen Weg bin oder mir Alternativen mitteilen?

vielen herzlichen Dank





Hanf in Leinöl und Kohle - haben Sie sich das selber ausgedacht? Wenn ja, wird Ihnen niemand die Frage mit Sicherheit beantworten können. Ausprobieren.

Vor der Selbstentzündung wird ja bei den Lappen gewarnt, mit denen man das Öl aufträgt. Habe mal bei youtube ein Video gesehen, wo jemnd versucht hat diese Läppchen zur Selbstentzündung zu bringen. Hat es nicht geschafft.

Ich geb zu, sicherlich eine nicht zufriedenstellende Antwort.

Viele Grüße



Schlagregenbeanspruchung



Was mich wundert ist das in Ihrer Gegend (es ist immerhin die höchste Beanspruchungsgruppe bei Schlagregen) Sichtfachwerk hergestellt wurde, eigentlich dafür nicht zulässig.
Können Sie mal ein paar Fotos von der betreffenden Fassade innen und außen einstellen?





Hallo Vogel,

vielen Dank für deine Antwort. Selbst ausgedacht habe ich mir das nicht. die Idee kommt an sich aus dem Schiffsbau (https://de.wikipedia.org/wiki/Kalfatern). da sicherlich Holzteer oder Pech nicht die Qual der Wahl sind, habe ich an Leinöl gedacht (härtet aus und ist wasserabweisend). Das mit der Holzkohle war ein Tipp eines befreundeten Gärtners da Kohle ja antibakterielle Wirkung hat.

Für mich als Laie ist der Plan an sich recht schlüssig. (Wasserabeweisend, Flexibel, Beständig und Diffusionsoffen). Ich habe auch versucht mit einigen befreundeten Zimmermännern darüber zu sprechen. diese sind aber alle aus meiner Generation (Ende 20, Anfang 30) und haben diesbezüglich wenig Fachwissen. Es konnte mir bisher auch niemand sagen wie ein solches Problem früher gelöst wurde. Den Plan an sich haben die aber ebenfalls für gut befunden... vermutlich ist aber alles besser als Silikon.
viele Grüße



Fachwerkneubau



Mit altem, geborgenen Material ein Fachwerkhaus im lokalen Stil neu entstehen zu lassen ist eine sehr löbliche Absicht gewesen.
Was die Ausführung betrifft habe ich gewisse Bedenken was die Informationen Ihrerseits und das Foto betrifft.

Da ist erst einmal die Wetterexposition. Sichtfachwerk an bewitterten Fronten einzusetzen ist bautechnisch heikel, schon gar nicht in solch einer Klimazone. Das Mindeste was passiert ist ein erhöhter Instandhaltungsaufwand.

Das scheint zum zweiten der Vorbesitzer nicht beherzigt zu haben, das Ergebnis ist jetzt ein erheblicher Instandsetzungsaufwand; jedenfalls ist das meine Auffassung nach Durchsicht des Fotos.

Dazu kommt als dritter Punkt Ihre Bemerkung zum Wandaufbau mit einer Innendämmung aus Glaswolle, jedenfalls habe ich das so verstanden.

Mit dem Nachbessern der Gefachfugen ist es jedenfalls nicht getan.
So wie das aussieht wurde ein sehr harter Mörtel verwendet und das bei einem sich nach Aufstellung deutlich verformten Tragwerk. Es sind erhebliche Schäden entstanden die sich wohl auch mit nicht beseitigten Altschäden überlagert haben.
Ob die Grundschwelle und andere Reparaturhölzer aus geeignetem Holz bestehen- da habe ich so meine Zweifel. Das betrifft auch die Art der Reparaturen.
Die Fugen der Fenster und der Terrassentüranlage halte ich nicht für Regen- und winddicht und ich vermute das zur Abdichtung ungeeigneter Bauschaum zum Einsatz kam.
Den Dachüberstand am Giebel hatte man versucht mit der Dachrinne wohl ein wenig zu entschärfen- hier vermute ich mangelndes Gefälle und ab und an ein Überlaufen der Rinne. Die Calcitausblühungen der Ziegel an einigen Stellen lassen vermuten das sich hinter der Gefachausmauerung Dinge abspielen die man besser vermeiden sollte.

Vorsichtig ausgedrückt:
Ich glaube das Sie um eine grundhafte Instandsetzung dieser Fassade in nächster Zeit nicht herumkommen werden.
Sie brauchen dafür kurzfristig sachkundige Hilfe durch einen mit der Materie bewanderten Architekten oder Planer. Der sollte sich mal das Haus anschauen.
Da Sie erst seit einem Jahr Eigentümer der Immobilie sind kann es sein das Sie auch noch die Hilfe eines Fachanwaltes benötigen. Der Verkäufer schuldet Ihnen Gewährleistung; die Frist beträgt 5 Jahre.
Hat er Ihnen beim Kaufvertrag die Unterlagen zur Baugenehmigung mit übergeben und den Energienachweis?





Lieber Herr Böttcher,

erst einmal danke für Ihre ausführliche Antwort. Das langfristig eine komplette Sanierung der Fassade ansteht, ist mir durchaus bewusst. Dies ist aber aktuell aufgrund von Zeit und Geld nicht zu bewerkstelligen.

Es geht mir zum jetzigen Zeitpunkt darum, die bestehenden Schäden so gut wie möglich zu beheben und die Fassade soweit abzudichten das keine weiteren Schäden entstehen.

Halten Sie dazu den genannten Plan zum Ausfüllen der Gefachfugen für Sinnvoll?

viele Grüße



Fachwerkfugen



Nein.
Besser ist es die Fugen zu verbreitern (alte Fugen abnehmen), Stopfhanf in die Fugen setzen und dann mit einem Kalkmörtel PI ausstopfen. Das ist nur ein Notbehelf. Überprüfen Sie die Funktion der Dachrinne, setzen Sie Stopfhanf und provisorische Deckleisten über die Fugen an den Fenstern. Dichten Sie die waagerechten Fugen an der Fensterbrüstung ebenfalls provisorisch mit Fassaden Acryl ab.





Entschuldigung. Da habe ich mich nicht klar ausgedrückt. Es geht mir nicht um die Übergänge von Gebälk zum Mauerwerk sondern um die Übergänge von Balken zu Balken. Die Übergänge zum Gefach habe ich mir bereits hier im Forum angelesen (http://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/gefach-fugen-162248.html).

viele Grüße



Tragwerk reparieren



Da halte ich mich raus, ich bin kein Zimmerer.
Als Bauleiter würde ich so etwas nicht zulassen.