Borax/Borsäure

05.10.2005



Ich möchte unterschiedliche Hölzer behandeln (Eiche - Borsäure; Nadelholz - Borax). Kann mir jemand sagen, ob diese beiden Stoffe als bedenklich gelten, wenn diese in Wohnräumen angewendet werden? Auch habe ich schon unterschiedliche Aussagen gelesen, die einen sagen nicht auf befallenes Holz, die anderen genau das Gegenteil. Wer hat recht, bzw. was ist zu beachten?



Zweifel



Hallo Dirk

Erst einmal eine Stellungnahme zu deiner Frage der "Bedenklichkeit" von Bor in Holzschutzmittel. Da dieses Thema immer wieder heftig diskuttiert wird, will ich versuchen anhand eines Zitats aus einem Fachaufsatz das Thema zu vertiefen:

".....Kürzlich erschienene Äußerungen zu möglichen Gefahren bei der Anwendung von Bor haben jedoch zu einer deutlichen Unsicherheit gegenüber Boraten geführt. In Dänemark wurde sogar über ein Verbot von Bor diskutiert.
Borate werden seit über 60 Jahren im Holzschutz verwendet. Positive Erfahrungen während dieser langen Anwendung haben zu einer weltweiten Verbreitung geführt, so dass derzeit in Deutschland über 60 Prozent der zugelassenen wasserlöslichen Holzschutzmittel Borate enthalten.

Auslöser dieser Überlegungen sind Untersuchungen im Auftrag des dänischen Umweltministeriums gewesen, die jedoch eine erstaunliche Eigendynamik erfahren haben und sogar in einem eher populistisch orientierten Magazin als „neueste Erkenntnisse aus den USA" dargestellt worden sind. Zusätzlich liegen widersprüchliche Berichte zu technologischen Eigenschaften vor.

Dänische Untersuchungen
Das dänische Umweltministerium gab 1996 eine Studie zur Untersuchung von Wirkstoffen in Holzschutzmitteln in Auftrag. Als ein Ergebnis dieser Studie wurden 1997 Borprodukte als reproduktionstoxisch eingestuft (Dänisches Umweltministeruim 1997) und müssen seit 1999 den Gefahrenhinweis .,giftig" (Totenkopfsymbol) tragen !


Was war nun eigentlich geschehen?
Katzen und Hunden war Borsäure verfüttert worden. Diese Tiere bekamen Bor in einer Konzentration von 4 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht über 90 Tage verabreicht, sodass bis zu 200 Milligramm pro Tier und Tag gegeben wurden
Erwartungsgemäß erkrankten die Versuchstiere. Die Symptome waren:

• Abgeschlagenheit, allgemeines Unwohlsein
• eine verminderte Samenproduktion der männlichen Tiere

Gerade letzterer Befund wurde als alarmierend gedeutet und hat dann zur Einstufung als reproduktionsschädigend geführt. Vergleicht man nun diese Ergebnisse mit Literaturdaten, die teilweise seit dem vorigen Jahrhundert bekannt sind (Kliegel 1980), überraschen die Versuchsergebnisse nicht. Bor ist unbestrittenermaßen ein Gift. Fraglich ist dagegen, ob der Mensch mit diesem Gift in behandeltem Holz überhaupt in Kontakt kommt und ob er es dann auch noch aufnehmen kann. Deshalb soll die Toxikologie von Borverbindungen im Folgenden näher beleuchtet werden
Toxikologie von Boraten

Im Holzschutz werden eine Anzahl synonymer Bezeichnungen für borhaltige Verbindungen verwendet. Tatsächlich verbergen sich hinter den verschiedenen Bezeichnungen nur Borsäure, Borax und ein Gemisch dieser beiden, das eine erhöhte Löslichkeit aufweist (Polybor, Timbor')
Borsäure und Borax besitzen ein erstaunlich breites Wirkspektrum gegen Holzzerstörer. Als Fungizid weisen sie eine hohe Wirksamkeit gegen Braun- und Weißfäuleerreger auf. Gegen Bläue sind sie weniger wirksam und gegen Moderfäulen nahezu unwirksam (Bavendamm 1958, 1960; Carr 1959, Drysdale 1994)
Als Insektizid wirken Borate gegen alle üblichen mitteleuropäischen Nutzholzschädlinge in vergleichbarem Maße. Termiten zeigen dagegen eine sehr unterschiedliche Empfindlichkeit (Cross 1988, Drysdale 1994). Als Fraßgifte bewirken Borate keine schnelle Abtötung im Gegensatz zu den als Atem oder Kontaktgiften wirkenden organischen Insektiziden. Ihr Wirkmechanismus beruht auf der Komplexbildung mit Molekülen, die zwei benachbarte Hydroxylgruppen aufweisen (Lloyd, Dickonson, Murphy 1990). Diese funktionellen Gruppen finden sich vielfach in Enzymen, Nucleotiden, Membranen, somit in nahezu allen pflanzlichen, tierischen und menschlichen Organismen. Somit können Borate in den verschiedensten Bereichen eingreifen und es wird leicht verständlich, wie bei einer zu hohen Borkonzentration vielfältige Störungen auftreten können
Andererseits sind Borate zumindest für Pflanzen essentielle Spurenelemente (Streit 1991). So ist zum Beispiel bei Pflanzen eine geregelte Zellteilung ohne Bor nicht möglich.

Humantoxizität

Menschen und Säugetiere verfügen über einen schnellen Entgiftungsmechanismus über die Nieren (Streit 1991), sodass es nicht zur Anhäufung von Bor im Organismus kommen kann. Da die Wirkungsweise auf einer langsamen, im Gleichgewicht verlaufenden Reaktion beruht, wird Bor auch wieder schnell von seinen Wirkorten entfernt, sodass Symptome schnell abklingen und bleibende Schäden vermieden werden. Durch die bis weit in das 19. Jahrhundert zurückreichende Verwendung sind die toxikologischen Eigenschaften bekannt und in ihren Auswirkungen gut abzuschätzen. Sämtliche berichteten Vergiftungsfälle unter Beteiligung von Bor stammen aus dem Bereichen der Hygiene, Pharmazie und der Medizin und sind auf Irrtümer oder Verwechslungen zurückzuführen (Kliegel 1980).
Bei der Imprägnierung von Holz sind bisher keine Schädigungen bekannt geworden. Im behandelten Holz ist Bor als anorganisches Salz in der Zellwandstruktur deponiert und tritt bei Verarbeitung oder bestimmungsgemäßer Verwendung kaum mit den damit umgehenden Personen in Kontakt. Die Resorption durch die (unverletzte) Haut ist gering, sodass ein Berühren einer mit Bor behandelten Fläche nicht zu Schädigungen führen kann, Vor allem besitzt Bor keine Gasphase, sodass es nicht in die umgebende Raumluft entweicht.
Wichtig ist jedoch, dass bei der Verarbeitung auf entsprechende Schutzausrüstung geachtet wird, da hier, vor allem beim Versprühen, Bor als feiner Nebel in die Luft gelangen und so aufgenommen werden kann. Hier sollten vor allem bei der bekämpfenden Anwendung in Gebäuden Partikelfilter (zum Beispiel P2) verwendet werden.

Ist Bor nun gefährlich?
Die in Dänemark verwendeten Versuchsbedingungen entsprechen somit nicht den realen Verhältnissen, da eine chronische Aufnahme von Bor aus behandeltem Holz kaum möglich ist.
Mit der Nahrung werden dagegen ständig geringe Mengen von Bor aufgenommen. So enthält zum Beispiel ein Kilogramm Getreide etwa 3 Milligramm Bor (Falbe, Regitz 1995) auf Grund des natürlichen Vorkommens von Bor in Boden und Wasser. Ob Bor für den Menschen ebenfalls ein benötigtes Spurenelement ist, wie es für Pflanzen bewiesen ist, konnte bisher nicht geklärt werden, da eine absolut borfreie Ernährung trotz aller Anstrengungen bisher nicht möglich war (Streit 1991).
Insgesamt ist die Position des dänischen Umweltministeriums somit nicht verständlich. Weder die deutschen Behörden (Giese 1999) noch ausländische Umweltbehörden (Koch 1999) können die dänische Reaktion nachvollziehen sodass auch zukünftig auf europäische Ebene im Rahmen der Biozid Richtlinie nicht mit einer Einschränkung der Borverwendung gerechnet werden muss......."


Dr. A. Pylo in dps 4/200

Die möglichen Erfolge der Bekämpfung tierischer Holzschädling in verbauten Hölzern wird angesichts aktueller Feldstudien neuerdings vermehrt kritisch eingeschätzt. Die grundsätzliche bekämpfende Wirkung ist jedoch nicht zu bestreiten, es zeigen sich allerdings massive Schwächen in der ausreichenden Penetrierung des Holzes.
Als vorbeugendes Mittel sind borathaltige Mittel in jedem Fall hervorragend geeignet.


Mit besten Grüßen

L. Parisek