Borsalzslösung

19.05.2012



Hallo,

möchte mein Dachgebälk vorbeugend mit Borsalzlösung imprägnieren. Dazu hätte ich 2 Fragen:

a) Muss das Zeug gestrichen werden oder kann es auch gespüht werden? Welche Schutzmaßnahme (Maske, Schutzbrille, ...) muss man unternehmen?

b) Wo bekommt man Borsalzlösung günstig her bzw. im Internet? Brauch für den Dachboden ja nicht nur einen 5 Liter Kanister.

Dankeschön und Grüße



Borsalz



kannste in ökologischen Baumärkten kaufen. Ich habe auch mal welches in einem Sägewerk gekauft, weils schon flüssig war, im Gegensatz zu dem Ökoladensalz, aber ein Bauherr von mir hat dann rausgefunden, dass die da noch böses Zeugs beigemischt hatten. Dieses war spritzbar.
Das aus dem Ökobaumarkt mußte erst angesetzt werden. ob das auch zu spritzen gewesen wäre weiß ich nicht.
Gebrauchsanwendung und Sicherheitshinweise stehen auf der Verpackung.
Gruß
Ralph



Vorbeugen statt Bangen?



Lieber Markus

Wenn du deine Arbeit nicht vergeblich tun willst, dann rate ich dir zu Folgendem:

# Besorg dir bitte im Handel ein zur Vorbeugung aktuell zugelassenes und geprüftes Produkt (z.B. Kulbasal B-combi, Adolit Holzwurmfrei, Diffusit IC B, Adolit Bor flüssig, Diffusit Holzbau, Basilit B flüssig,etc.) Von Eigenmischungen und sonstigen Produkten möchte ich dir dringend abraten, da hier keine entsprechende auf einer Prüfnorm basierenden Zulassung vorliegt und durch die Produktformulierung eine gewisse Eindringtiefe gewährleistet sein muß.
# Das Holz sollte vorher gut gesäubert bzw. von Staub befreit werden
# Das Holz muß vor der Behandlung aufgefeuchtet werden.
# Da besonders die Ritzen, Spalten durch die Holzschädlinge mit Eiern belegt werden, müssen diese besonders gründlich behandelt werden. Mit einem Pinsel lässt sich dies nicht in die Tiefe realisieren, daher sollte das Mittel eher im Spritzverfahren (vorzugsweise mit Flachstrahldüsen)aufgebracht werden.
# Das Mittel sollte in zwei Spritzgängen in der angegebenen Menge bzw. Konzentration verarbeitet werden

Also, um deine zwei Fragen direkt zu beantworten:
1. Spritzen ist bedingt durch die Ritzen und Spalten erforderlich. Zu Arbeitsschutzmaßnahmen ist immer dringend zu raten, selbst bei den einfachsten, scheinbar harmlosen Arbeiten (z.B. Schleifen).
2. Das vermeintlich günstige Produkt ist, wenn es das Falsche ist, letztendlich das Teuerste. Daher Vorsicht mit der Schnäppchenmentalität. Von Abfüllungen aus den Tauchtrögen der Sägewerke rate ich dir auch ab, da hier meist für dich ungeeignete Beimengungen enthalten sind. Das reine Borsalz ist es natürlich auch nicht, sondern die genaue Formulierung bewährter und geprüfter Holzschutzmittel mitsamt den zur Funktion notwendigen Additiven

Die ungestellte Frage ist aber auch, musst du den Dachstuhl unbedingt vorbeugend behandeln?

Mit den besten Grüßen

L. Parisek



Ohne...



Lutz Parisek widersprechen zu wollen oder zu können, noch die Anmerkung, daß man eine Lösung am besten selber herstellt, soweit es nur um die preisliche Schiene geht.

Es ist schon erstaunlich, wieviel Hersteller für Verdünnungsgvorgänge mit klarem deutschen Wasser aufschlagen. Seit Dr. Oetker (Backpulver) ist das Portionieren aber ein erfolgreiches Geschäftsmodell.

Ich zweifle aber ebenfalls, ob eine Behandlung im Innenbereich wirklich erforderlich ist.

Grüße

Thomas



Bezüglich der Schutzmaßnahmen...



...mal diesen Thread lesen:



---Forenreferenz-----------
Borsalz / Borsäure pro/Contra -
Hallo!
während der Sanierung unseres Hauses wurde ein nicht mehr aktiver Hausbock-Befall in Dachstuhl und angrenzenden Bauteilen (Deckenbalken, Rähm) festgestellt. Nun ist ein neuer Dachstuhl drauf. Die Kontaktbereiche mit den alten Hölzern wurden mit Boracol behandelt (vom ausführenden Zimmermann). Der hat mir nun auch eine vorbeugende Bahndlung des Rähm und der Deckenbalken, die nach außen über den Rähm überstehen ans Herz gelegt obgleich er kein ausgewiesener Schädlingsbekämpfer ist.

Kurzum habe ich mich mal versucht schlau zu machen, was es am Markt so an vermeintlich harmlosen Borsalz Imprägnierungen gibt und auch einige gefunden. Was sie alle gemein haben, ist eine kürzlich verlängerte Zulassung, die aber eine neue Kennzeichnung/Einstufung mit sich bringt.
Ich darf mal Wikipedia heranziehen:

"...Im Juni 2010 wurde Borsäure durch die ECHA als SVHC (substance of very high concern) eingestuft. Nach Inkrafttreten der GHS-Verordnung 1272/2008/EG und der REACH-Änderungs-VO 790/2009/EG wurde Borsäure in die Liste der besonders Besorgnis erregenden Stoffe aufgenommen (Anhang XIV der REACH-Verordnung 1907/2006/EC) und als reproduktionstoxisch gekennzeichnet. Auch Gemische, die Borsäure in einer Konzentration von 5,5% oder mehr enthalten, sind nach der GHS-Verordnung als reproduktionstoxisch zu kennzeichnen...." - Wiki

mir wäre wohl sehr geholfen, wenn diejenigen, die sich nun beruflich mit diesem Thema beschäftigen hier mal Ihre Meinung dazu kundtun könnten.

Ich sehen mich nun vor folgender Entscheidung:

--> Dennoch mit einer Imprägnierung auf Borsalzbasis behandlen. Nur im Außenbereich und mit entsprechender Vorsicht

--> Überhaupt nicht behandlen und die Balkenköpfe nur wie geplant Grundieren und Streichen (Leinoelfarbe). Selbst wenn es noch ein Würmchen/Käferlein gibt, sollte der ja nach der nächsten Generation ausziehen, da die Lebensbedingungen wohl nicht mehr gegeben sind (Dachüberstand groß, neues Dach).

--> Mit einem andere Produkt behandlen. Aber mit welchem? Wenn ich mir die techn. Merkblätter der alternativen bei den Herstellern anschaue, habe ich da die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Wiedermal verwirrte Grüße!

Michael mehr ...
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Die Indikation wurde m.E. zwischenzeitlich umgesetzt und ist so auf den entsprechenden Produkten zu finden.
Das Wort "Reproduktionstoxikologisch" und Öko/Natur sind eigentlich kaum im selben Zusammenhang zu verwenden.

Gruß



Verwirrungen



Lieber Michael

Ich kann deine Verwirrung nachvollziehen und tatsächlich ist es so, dass es im Bereich des Chemischen Holzschutzes zur Zeit drunter und drüber geht. Dies hat im Schwerpunkt sehr viel mit den Harmonisierungsbestrebungen innerhalb der EU zu tun.

Aber nun zu deinen Irritationen was Borate betrifft. Hierzu auszugsweise eine Stellungnahme von Dr. A Peylo :

" Das dänische Umweltministerium gab 1996 eine Studie zur Untersuchung von Wirkstoffen in Holzschutzmitteln in Auftrag. Als ein Ergebnis dieser Studie wurden 1997 Borprodukte als reproduktionstoxisch eingestuft (Dänisches Umweltministeruim 1997) und müssen seit 1999 den Gefahrenhinweis .,giftig" (Totenkopfsymbol) tragen !


Was war nun eigentlich geschehen?
Katzen und Hunden war Borsäure verfüttert worden. Diese Tiere bekamen Bor in einer Konzentration von 4 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht über 90 Tage verabreicht, sodass bis zu 200 Milligramm pro Tier und Tag gegeben wurden
Erwartungsgemäß erkrankten die Versuchstiere. Die Symptome waren:

• Abgeschlagenheit, allgemeines Unwohlsein
• eine verminderte Samenproduktion der männlichen Tiere

Gerade letzterer Befund wurde als alarmierend gedeutet und hat dann zur Einstufung als reproduktionsschädigend geführt. Vergleicht man nun diese Ergebnisse mit Literaturdaten, die teilweise seit dem vorigen Jahrhundert bekannt sind (Kliegel 1980), überraschen die Versuchsergebnisse nicht. Bor ist unbestrittenermaßen ein Gift. Fraglich ist dagegen, ob der Mensch mit diesem Gift in behandeltem Holz überhaupt in Kontakt kommt und ob er es dann auch noch aufnehmen kann.

Menschen und Säugetiere verfügen über einen schnellen Entgiftungsmechanismus über die Nieren (Streit 1991), sodass es nicht zur Anhäufung von Bor im Organismus kommen kann. Da die Wirkungsweise auf einer langsamen, im Gleichgewicht verlaufenden Reaktion beruht, wird Bor auch wieder schnell von seinen Wirkorten entfernt, sodass Symptome schnell abklingen und bleibende Schäden vermieden werden. Durch die bis weit in das 19. Jahrhundert zurückreichende Verwendung sind die toxikologischen Eigenschaften bekannt und in ihren Auswirkungen gut abzuschätzen. Sämtliche berichteten Vergiftungsfälle unter Beteiligung von Bor stammen aus dem Bereichen der Hygiene, Pharmazie und der Medizin und sind auf Irrtümer oder Verwechslungen zurückzuführen (Kliegel 1980).
Bei der Imprägnierung von Holz sind bisher keine Schädigungen bekannt geworden. Im behandelten Holz ist Bor als anorganisches Salz in der Zellwandstruktur deponiert und tritt bei Verarbeitung oder bestimmungsgemäßer Verwendung kaum mit den damit umgehenden Personen in Kontakt. Die Resorption durch die (unverletzte) Haut ist gering, sodass ein Berühren einer mit Bor behandelten Fläche nicht zu Schädigungen führen kann, Vor allem besitzt Bor keine Gasphase, sodass es nicht in die umgebende Raumluft entweicht.
Wichtig ist jedoch, dass bei der Verarbeitung auf entsprechende Schutzausrüstung geachtet wird, da hier, vor allem beim Versprühen, Bor als feiner Nebel in die Luft gelangen und so aufgenommen werden kann.

Ist Bor nun gefährlich?
Die in Dänemark verwendeten Versuchsbedingungen entsprechen somit nicht den realen Verhältnissen, da eine chronische Aufnahme von Bor aus behandeltem Holz kaum möglich ist.
Mit der Nahrung werden dagegen ständig geringe Mengen von Bor aufgenommen. So enthält zum Beispiel ein Kilogramm Getreide etwa 3 Milligramm Bor (Falbe, Regitz 1995) auf Grund des natürlichen Vorkommens von Bor in Boden und Wasser. Ob Bor für den Menschen ebenfalls ein benötigtes Spurenelement ist, wie es für Pflanzen bewiesen ist, konnte bisher nicht geklärt werden, da eine absolut borfreie Ernährung trotz aller Anstrengungen bisher nicht möglich war (Streit 1991).
Insgesamt ist die Position des dänischen Umweltministeriums somit nicht verständlich. Weder die deutschen Behörden (Giese 1999) noch ausländische Umweltbehörden (Koch 1999) können die dänische Reaktion nachvollziehen sodass auch zukünftig auf europäische Ebene im Rahmen der Biozid Richtlinie nicht mit einer Einschränkung der Borverwendung gerechnet werden muss

Zusammenfassend:
Borverbindungen sind Giftstoffe, wodurch sie eine gute Wirksamkeit gegen holzzer störende Insekten und Pilze aufweisen. Dies ist die Grundvoraussetzung eines chemischen Holzschutzmittels
Bei höheren Lebewesen, wie Menschen und anderen Säugetiere sind Schädigungen bei normalem Gebrauch kaum möglich, da eine Aufnahme von Bor in den Organismus schwierig ist. Zusätzlich wird Bor schnell wieder ausgeschieden sodass eine Akkumulation nicht stattfindet. Da Borverbindungen keinen Dampfdruck aufweisen, können sie nicht in die Raumluft gelangen
Somit sind Überlegungen des dänischen Umweltministeriums zu einem Verbot von Borverbindungen nicht verständlich. Auch auf europäischer Ebene wird es nicht zu einer Einschränkung der Borverwendung kommen Technologische Probleme mit Oberflächenbehandlungen oder Mörtel treten in der Praxis bei sorgfältiger Planung kaum auf. Borate sind somit als Holzschutzmittel aufgrund der vergleichsweise geringen Humantoxizität bei gleichzeitig breitem Wirkspektrum und guten technologischen Eigenschaften ausgesprochen positiv zu bewerten. Grundsätzlich neue Erkenntnisse gibt es somit zur Verwendung von Bor im Holzschutz nicht."



Ich hoffe, dies hat dir weitergeholfen

Gruß

L. Parisek