Sockel trocknen, kaputt gefrorene Ziegel reparieren

23.05.2011 Arne



Guten Tag,

am Sockel unseres Hauses sind viele Ziegel und Fugen ausgebrochen, außerdem scheint der Sockel ordentlich Feuchtigkeit aufzunehmen. Ich denke mir dass das Ausbrechen sicherlich im Zusammenhang mit Frost passiert (Die Fassade an sich soll mit einem Hydrophoben Mittel behandelt werden). Um dem Entgegen zu wirken habe ich mir vorgestellt das ganze ca. 40 - 50 cm tief aufzugraben, die Fugen wieder zu verfüllen und im Teil wo die Steine marode sind diese einfach überzurappen um eine einigermaßen glatte Oberfläche zu erhalten. Diese wollte ich dann mit Bitumschweißbahn bekleben und am oberen Ende mit einer Andruckleiste abschließen. Da das Haus zwar auf einer Erhöhung steht aber das ganze Gebiet im allgemein doch recht feuchten Grund hat wollte ich, um Staunässe zu vermeiden, am unteren Ende der Bitumbahn dann eine Drainage in ein Kiesbett legen.

Ist diese so machbar oder haben sich bessere Methoden bewährt? Gibt es Empfehlungen und/oder Erfahrungen mit den verschiedenen Hydrophobierenden Imprägnierungsanstrichen am Markt?

Über Tips würde ich mich sehr freuen.



Anschauungsmaterial



Hallo

Könnten Sie evtl mal ein Bildchen hier hochladen, damit man etwas sichtbares hat?

Ist die Fassade, sind die Steine und Fugen schon mal behandelt worden?

Was sind das für Steine, was für ein Fugenmörtel?

FK



...



hier mal ein Bild von der ganzen Angelegenheit. Was für Mörtel verwendet worden ist kann ich leider nicht sagen. Vielleicht noch als zusätzliche Erklärung: bis jetzt sind innen noch keinerlei Schäden oder Feuchtigkeit erkennbar. Es soll also eine Vorsorge sein.



Anschluss / Abschluss



Wenn man den Sockel tatsächlich von Außen zusätzlich isoliert, sollte man den oberen Abschluss mit einer Kappleiste vornehmen oder reicht das Verschweißen an der Mauer?



Sockelbereich



Dem Format nach zu urteilen sind das noch Feldbrandziegel.
Wechseln Sie die aufgefrorenen Steine gegen andere, in Form und Größe passende aus. Weiteren Handlungsbedarf sehe ich nicht.

Viele Grüße



-



Hallo Herr Böttcher,

vielen Dank für Ihren Tip. Besteht aber nicht die Gefahr das das mit dem ausbrechen und kaputtfrieren immer so weiter geht (also natürlich nicht bei den denn bereits ausgetauschten Steinen).

Die Wasseraufnahme der alten Steine erscheint mir enorm.





Hallo Arne,

Du schreibst:"bis jetzt sind innen noch keinerlei Schäden oder Feuchtigkeit erkennbar". Weshalb soll die ganze Fassade denn mit einem hydrophobierenden Mittel behandelt werden?

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



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Guten Tag Herr Kornmeyer,

dahinter steht der Gedanke das das Haus einerseits neue Fenster bekommen hat (die sicherlich besser dämmen und weniger Zug zulassen) und anderseits das Mauerwerk bei Regen sehr viel Wasser aufzunehmen scheint. Ich möchte verhindern das diese Aufnahme (die im Sockelbereich bis zu einer Höhen von ca. 40 cm aus dem Boden heraus und bis zu 15 cm in den Boden Hinein ja schon zu Schäden geführt hat) auch am Restlichen Mauerwerk Schaden anrichtet oder zu Durchfeuchtungen (und damit event. Schimmel) führt.

(als Laie stelle ich mir das zumindest so vor ;) )





Hallo Arne,

eine Hydrophobierung von Mauerwerk ist nicht die richtige Antwort auf neue Fenster, bzw. hat damit nichts zu tun und kann das Mauerwerk sogar nachhaltig schädigen.

Mit dem Einbau der neuen Fenster wurde möglicherweise der Schwachpunkt hinsichtlich des Tauwasserausfalles vom Fenster auf die Wand, vielmehr wahrscheinlich in Richtung der inneren Fensterlaibungen verschoben. Hierauf könnte man mit einer Laibungsdämmung aus CS-Platten reagieren, selbst einfache (unkaschierte) verputzte Heraklitplatten reichen im Normalfall aus – es soll nur die Oberflächentemperatur angehoben werden.
Neue Fenster im Altbau bedeutet immer: Lüftungsverhalten kontrollieren / ändern / anpassen u. in der ersten Kälteperiode gar eine Kontrolle mit einem Hygrometer.

Das Abplatzen von Klinkeroberflächen kann beispielsweise auf gerissene Steine oder Fugen zurückzuführen sein oder aber auch auf salzbelastete Steine. Feuchtigkeit kann über Risse oder Fugen in das Mauerwerk eindringen und auffrieren.
Wären die Oberflächen hydrophobiert könnte sich das Schauspiel noch beschleunigen, erst recht, wenn Salze (z. B. Streusalze oder Nitrate aus tierischen Fäkalien) mit im Spiel sind. Ziegelwände, aber auch Natursteinwände die als Stallungen benutzt wurden enthalten oft Salze, die während des Kapillartransportes des Wassers an die Oberfläche geführt werden und dort ausblühen. Wird nun der Kapillartransport durch die Hydrophobierung unterbrochen kristallisieren dies Salze nun im Stein in der Wechselzone von hydrophobierter zu nichthydrophobierter Schicht aus, da das Wasser hier ausdifundiert. Schon bei kleinsten Wasser- und Salzmengen, z. B. resultierend aus zu hoher Luftfeuchtigkeit, kann dies stattfinden.
Feuchtigkeit – egal ob salztransportierend oder auch nicht – kann ab diesem Punkt das Mauerwerk nicht mehr kapillar, sondern ausschließlich in der Dampfphase verlassen. Das tiefer liegende, nicht von der chemischen Tunke erreichte Mauerwerk ist somit feuchter als das behandelte Mauerwerk. Es kann eine so genannte Schalenbildung, eine Abplatzung durch den Kristallisationsdruck der Salze im Steininneren oder auch durch einfaches auffrieren stattfinden. Besonders anfällig sind hier Putze, Tuffe, Kalk-, Sand- aber auch Backsteine.
Um zuvor beschriebene Schalenbildung zu vermeiden muss also sicher gestellt sein, dass selbst unter extremen Bedingungen (Feuchte und Temperatur) zu keinem Zeitpunkt Wasserdampf im Bauteil kondensieren kann.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



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Hallo Herr Kornmeyer,

vielen Dank für die Mühe und ausführliche Antwort. Ich weis ja das ein Forum für diesen Austausch da ist finde es aber ausdrücklich klasse das Sie und Ihre Kollegen sich so viel Zeit nehmen mir als Laie weiter zu helfen. Dafür schon einmal DANKE!

Das mit der Kontrolle der Luftfeuchtigkeit werden wir auf jeden Fall machen. Ist den neben einer Hydrophobierung denn eine andere Art der Konservierung oder des Schutzes für das Sichtmauerwerk angebracht oder Empfehlenswert (Tiere haben an oder in diesem Gebäudeteil übrigens nie gestanden)? Oder sollte man das Mauerwerk lieber so belassen?

Was mache ich mit meinem Sockel ;) ? Wirklich nur ausflicken? Was wird mit den nicht ausgeflicken Stellen passieren (Es wurde in der Vergangenheit auch gemacht und vom alten Mauerwerk bricht immer weiter was ab)?

Mit vielen Grüßen aus dem Norden



Sockelmauerwerk



Nun, so schlimm mit dem Zerstören des Mauerwerkes kann es wohl nicht sein, der Sockel hat sicher schon ein stattliches Alter und sieht noch recht gut aus. Das einzelne Steine zerstört sind kann an der unterschiedlichen Qualität liegen, die alte, in Ring- oder Feldbrandöfen hergestellte Ziegel haben.
Wenn Sie dem Sockel etwas Gutes tun wollen, dann sorgen Sie für die Minderung von Spritzwasser. Das kann über den Dachüberstand geschehen und/ oder über die Oberflächenausbildung des Geländes vor dem Sockel. Da Sie ohnehin etwas aufgraben wollen um die defekten Steine auszuwechseln, wie wärs mit einem Streifen Grobkies vor der Wand?

Viele Grüße



Dachüberstand...



einen vergrößerten Dachüberstand bekomme ich nicht hin. Die Idee mit dem Kies finde ich allerdings gut. Sollte hier noch eine Drainage verbaut werden?

Und ja, so ganz schlecht schaut er nicht aus, allerdings sind auch Steine auf diesem Bild bereits ausgeflickt worden (meine Angst das es trotz erneutem Ausflicken mit den Schäden weiter geht bleibt leider noch)



Sockelmauerwerk



Wozu eine Dränung?
Erdfeuchte bekommen Sie damit nicht weg.

Viele Grüße



...



Hallo Herr Böttcher,

Sie hatten vorgeschlagen Spritzwasser event. durch Grobkies am Haus zu mindern. Normalerweise besteht bei uns am Haus ein Gefälle von Haus weg, Kies an sich hat ja aber die Fähigkeit mehr Wasser aufzunehmen als "normaler" Mutterboden. Ich denke mir, dass ich also ein künstliches Wasserpolster erzeuge und hatte gedacht dieses mit einer Drainage abzuleiten.



Sockelbereich



Hallo Arne,
mehr wie feucht werden kann der Sockel nicht, egal ob mit Erde oder Kies davor. Eine Dränung ist nur erforderlich, wenn es zu kurzzeitigem Aufstau von Wasser am Sockel eines Kellers kommen könnte. In diesem Fall würde Wasser unter Druck durch die Lagerfugen in den Keller strömen, das soll eine Dränung verhindern. Bei Ihnen ist so etwas also nicht erforderlich. Der Kies sorgt erst einmal dafür, das oberhalb nicht soviel Wasser an den Sockel spritzt und er sorgt außerdem dafür, das sich das einsickernde Wasser auf eine größere Fläche verteilt, wo es versickert. Wie gesagt, nur die Oberfläche des Sockels zählt, und die ist dabei immer feucht, ob mit ohne ohne Dränung.

Viele



Alte Häuser sind feucht - verwitterte Ziegel



Hallo,
das geschilderte Problem habe ich auch. Haus von 1905.
Vor ca. 8 Jahren wurden gedämmte Holzfenster eingesetzt, sowie neue Dielen (Lärche) auf die alten Eichenbohlen im Erdgeschoss. In einem Zimmer auch mit einer Unterschicht aus Rollenkork. DANACH Feuchtigkeit im Wohnraum!!

Wahrscheinlich waren die neuen Fenster und die Bodendämmung die Ursache, ohne moderne Baumaßnahmen war vorher das alte Haus halt normal durchlüftet.

Im Innenraum habe ich die Dielen in einem Raum aufgenommen, seitdem ist das Mauerwerk nicht mehr so feucht.
Von Außen dringt noch Feuchtigkeit ein, der Mörtel zwischen den Ziegeln ist verwittert.

Und dazu habe ich auch die Frage ans Forum:

Ich will das Fundament jetzt soweit möglich aufgraben, die Backsteinziegel neu verschmieren (Mörtel, Beton oder was ratet Ihr?) und danach Kies einfüllen.



Luftfeuchte



Wozu soll das gut sein?
Die Ursache ist anscheinend in den neuen, dichten Fenstern und Ihrem nicht angepassten Lüftungsverhalten begründet.
Das können Sie mit "Backsteinziegel neu verschmieren" nicht abstellen.
Durch"...das Fundament jetzt so weit wie möglich aufgraben..." können Sie die Standsicherheit Ihres Hauses ernsthaft gefährden.

Viele Grüße