Sockel putzen - 3 Leute, 3 Meinungen. Und ihr?

03.08.2016



Hallo Forumsgemeinde,

ich habe im Jahr 2013 und 2014 von unserem Haus, Baujahr 1897, den ca. 0,9m hohen, etwa 6cm vorstehenden Sockel von Riemchen und Buntsteinputz befreit, weil zumindest der Buntsteinputz schon ziemlich gelitten hatte und zum Teil von selbst abfiel. Zwischenzeitlich wurde der Absatz mit Tropfblechen provisorisch abgedeckt und - zumindest an 3 Seiten des Hauses, die vierte steht direkt am Gehweg, was das ganze sehr teuer und kompliziert macht - die Wände in der Erde mit PCI Barraseal behandelt und mit 50mm Styrodur zum Erdreich gedämmt.

Nun möchte ich gern in diesem Jahr den Sockel wieder neu Verputzen (offenlassen ist keine Option, da die Ziegelsteine nicht mehr gut aussehen). Dazu habe ich inzwischen, neben den Beiträgen hier im Forum, in der realen Welt 3 Vorgehensweisen von 3 verschiedenen Leuten nahegelegt bekommen.

1. Erfahrener Baufirmeninhaber und Maurer/Putzer: Nimm Maxit Zement Sockelputz und mach wieder Buntsteinputz drüber.

2. Hotline von Quickmix: Nehmen Sie Sanierputz, spritzen Sie 50% der Fläche mit Vorspritzmörtel SAN-V vor, dann 1cm SAN-1 Sanierputz, durchtrocknen lassen, dann nochmal 1cm SAN-V, darauf wenn gewünscht Silikatfarbe.

3. Berater eines Baustoffhändlers: Nehmen Sie Kalkzementputz, z.B. Quickmix mk3.

Nun tendiere ich aufgrund dessen, was ich bisher hier gelesen habe dazu, mit Zementmörtel vorzuspritzen (50% Deckung), trocknen lassen und dann den Quickmix mk3 20mm zweilagig naß-in-naß nehmen, darauf dann Silikatfarbe.

Die Wand besteht aus Ziegelsteinen unterschiedlichster Qualität, von "fällt beim Anschauen auseinander" bis "sehr hart und mit dem Maurerhammer kaum zu zerschlagen", der Mörtel ist sehr sandig und bröselt bei jeder Gelegenheit. Von der Wand zwei Bilder anbei.

[pubimg]http://up.picr.de/26392279ir.jpg[/img]

[pubimg]http://up.picr.de/26392280vm.jpg[/img]


Meine Fragen:

- Ist die von mir angedachte Vorgehensweise sinnvoll?

- Muß ich die tiefen Fugen vorher auffüllen? Womit? (tut es da einfacher Kalkzement-Mauermörtel für 2,99 für den 40kg-Sack?

- Ist das Vorspritzen mit dem Zementmörtel nötig? Muß es ein spezieller Vorspritzmörtel sein oder kann auch hier der 40kg-Sack Zementmörtel für 2,99 zum Einsatz kommen?

- Ist es sinnvoll, den teureren mk3-Markenputz zu nehmen, oder reicht auch hier der Kalkzement-Putz- und Mauermörtel im 40kg-Sack aus? (Druckfestigkeit M 2,5, Wasserdampfdurchlässigkeit µ 15/35, Dauerhaftigkeit "für mäßig angreifende Umgebung nach EN988-2 Anhang B", Wasseraufnahme W0, Haftzugfestigkeit nach Bewitterung >= 0,08N/mm²) Ich sehe die Unterschiede in den Produkten nicht, vielleicht kann mir das jemand erklären.

- Wenn mk3, dann lieber die hydrophobierte Variante mk3h? (Sowas wird von anderen Herstellern offensichtlich nicht angeboten.. was mich wundert.)

Prinzipiell würde mir eine geriebene Oberfläche im Sockelbereich ausreichen (da muß nicht noch Scheibenputz drauf denke ich), der mk3 wird als "filzbar" angepriesen. Mit welcher Art Reibebrett bearbeitet man die oberste Putzlage dann am besten? Der Baustoffmann meinte, als ich sagte "Für den Lehmputz innen habe ich so ein orangenes Schwammbrett genommen.": "Das wäre mir schon zu grob." Geht das auch mit jedem anderen Kalkzement-Putzmörtel oder bekomme ich da ggf. kein vorzeigbares Ergebnis?

Fragen über Fragen... aber offensichtlich sind sich selbst die Handwerker uneins.

Grüße und Danke,

Martin



Sockelputz



Es gibt noch eine andere Meinung,
die steht in der DIN V 18550 in der Tabelle 2- Putzsysteme für Außenputze. Für Außensockelputz ist die Mörtelgruppe für den Unterputz Mindestens PII, besser PIII, Druckfestigkeitskategorie CS III.
Für den Oberputz mindestens PII CS II, Druckfestigkeit größer wie 2,5 N/mm²(das wäre hydraulischer Kalkputz).
Mein Vorschlag:
Mit PII CSII (Kalkzementmörtel)die Fehlstellen im Mauerwerk und die tiefen Fugen auswerfen, Flächen begradigen (Vorputz).
Dann die Fläche mit Zementmörtel CS IV oder CS III netzförmig vorspritzen.
Darauf 15-20 mm PII CSIII aufbringen, glatt ausreiben.
Darauf ein Sockelanstrichsystem.
Ein Fachhändler kann mit den Bezeichnungen etwas anfangen.
Firmennamen sind uninteressant; die Putze sind genormt.



Sockelputz



Hallo Herr Böttcher,

vielen Dank für Ihre Antwort (Sie haben mir schon mehrmals geholfen) und den Vorschlag einer Vorgehensweise.

Die Normung ist für mich verwirrend, da es wohl für dieselben Eigenschaften Normen verschiedener Entwicklungsstufen gibt, die auch wild durcheinander benutzt werden. Auf den Säcken des Kalkzement-Putzmörtels finde ich zum Beispiel keinen Wert der Form CS.. sondern nur die erwähnten M2,5. Für mich als Laien ist das schwer durchschaubar. (Bei Maschinenelementen fällt mir das von Berufs wegen leichter, da weiß ich, daß eine DIN912 mit einer ISO4762 quasiidentisch ist und wo ich nachgucken muß um zu prüfen, welche Aluminiumlegierungen nach verschiedenen Systemen bezeichnet gleich sind.)

Wenn es sich um genormte Produkte handelt, ist es umso unklarer für mich, wodurch sich ein Faktor im Preis von fast 4 ergibt. Nur die etwas buntere und kleinere Verpackung kann es ja wohl (hoffentlich) nicht nur sein.

Grüße, Martin



Sockelputz



Ja, das mit den Normen kann schon verwirren.
Da gibt es einmal Normen die für das Herstellen von fertigen Putzmischungen gelten wie die DIN EN 998-1. Dann gibt es extra Normen für einzelne Zuschläge wie Gesteinskörnungen und natürlich Normen für die Bindemittel. Diese Bezeichnungen können auf den Verpackungen auftauchen.
Für den eigentlichen Putzmörtel gilt die DIN V 18550.
Dann gibt es aber noch eine andere DIN für Maurermörtel.
So kann es passieren das auf einer Tüte mit Putz- und Mauermörtel eigentlich zwei verschiedene DIN gelten und die Bezeichnung für beide DIN draufstehen sollte. Macht für den Baumarkt niemand, ist zu verwirrend.
Wenn NM 5 draufsteht dann ist das die Bezeichnung für einen Normalmörtel- also Mauermörtel- mit der Druckfestigkeit von 5 N/mm² nach 28 Tagen. Das wäre dann ein Kalkzementmörtel oder ein hochhydraulischer Kalkmörtel.
Eingeteilt wurden/werden Mauermörtel nach Druckfestigkeit und Art des Bindemittels in 3 Mörtelgruppen, MG I (Luftkalkmörtel,keine Vorgaben bei der Druckfestigkeit), MG II, IIa (Kalkzementmörtel bz. hydraulischer Kalkm. 3,5 und 7 N/mm²) und MG III (Zementmörtel, bis 25 N/mm²).
Eine andere Bezeichnung ist NM (Normalmörtel) oder LM (Leichtmörtel) und dahinter die Druckfestigkeitsklasse, wie 5, 10, 15....

Putze haben eine andere Klassifizierung. Es gibt hier 4 Gruppen, PI bis PIV.
PI: Luftkalkmörtel,
PII: Kalkzementmörtel bzw. Hydraulischer Kalkmörtel,
PIII: Zementmörtel mit oder ohne Kalkhydratzusatz,
PIV: Gips- bzw. gipshaltige Mörtel.
Die einzelnen Putzgruppen werden neben den Bindemitteln noch nach Druckfestigkeitskategorien in N/mm² nach 28 Tagen eingeteilt:
CS I, das sind 0,4 - 2,5 N/mm²,
CS II sind 1,5 - 5 N/mm²,
CS III sind 3,5 - 7,5 N/mm²,
CS IV sind mehr wie 6 N/mm².
CS I ist ein Kalkputz PI, CS II entspricht normalerweise einem PII,
CS III und IV sind Zementputze. Warum diese Wertespreizung?
Einmal weil die Festigkeit in hohem Maße von der Verarbeitung abhängt, dann vom verwendeten Bindemittel. Ich hatte hochhydraulischen Kalk als Bindemittel empfohlen weil der noch lange nachhärtet, also über die 28 Tage hinaus. Dann können latenthydraulische Zuschläge wie Ziegelmehle oder Puzzolane unter bestimmten Bedingungen für eine silikatische Nachhärtung sorgen.
Eine weitere Einteilung bei Putzmörteln ist die nach der Wasseraufnahmefähigkeit und die kapillare Wasseraufnahme, wichtig für den Regenschutz. Für die Wasseraufnahmefähigkeit gibt es zwei Gruppen, wasserhemmend und wasserabweisend.
Die kapillare Wasseraufnahme wird in drei Gruppen eingeteilt, W0, W1 und W2. Die Zahlen lasse ich mal weg, ebenso die Einteilungskriterien bei Leichtputzen.

Also: Ein Mauermörtel NM 5 entspricht in etwa einem PII/CSII, beim vorgeschlagenen Schichtenaufbau der Kategorie W1 und wasserhemmend.
Warum unterscheidet man die überhaupt:
Putze und Mauermörtel haben eine andere Sieblinie, also Kornzusammensetzung. Ein Mauermörtel lässt sich nur schwer zum Putzen einsetzen.
Der Preisfaktor von 4:
Tja, das ist Marktwirtschaft. Wenn man da Öko, oder Bio oder wohngesund oder sowas auf eine Tüte draufdruckt, dazu noch eine dralle Maid im Blaumann mit gelbem Schutzhelm die mit einem verklärten Gesichtsausdruck (der eher bei Manipulationen an gewissen privaten Körperteilen auftritt) Putz an die Wand kleckert dann ist der Preis auch höher.
War jetzt übertrieben aber solche Versprechungen wie schwefelfrei, emissionsarm, frei von schädlichen Schwermetallen, holzgebrannt, schadstoffbindend gibt es durchaus die sich am Preis bemerkbar machen. Mal sehen wenn der erste Fleischer mit garantiert alkohohlfreier Leberwurst wirbt oder ein Olivenölverkäufer mit Gluten- und Laktosefreiheit.
Wenn man Lebensgefühl mitkauft wird das halt teurer.
Um einem Entrüstungssturm vorzubeugen:
Natürlich gibt es Unterschiede. Die liegen aber mehr in den anwendungsspezifischen Bedingungen oder in der Verarbeitung und sind nicht so groß. Die Hersteller von Profimaterial verifizieren sich durch unterschiedliche Anwendungen.
Zum Thema Werbung:
Auf dem Foto ein Sack Kalkmörtel, gesehen auf einer Baustelle in Castelgandolfo, Italien. Sicherlich gutes Zeug.
Da steht drauf in mehreren Sprachen:
"Verbessert die Luftqualität in Innenräumen,
das Produkt schützt das Mauerwerk und erhält es lange Zeit gesund".
Halt alkohohlfreie Leberwurst.
Trotzdem wird macher Heimwerker für so etwas gern tiefer in die Tasche greifen.



Normen und Sinnhaftigkeit ... abenteuerliche Anregungen



DIN ist auch Marketing und kein Gottesgesetz und es gibt da das Normenunwesen, weil Geschäftsinteressen durchgesetzt werden.

Ein Sockelputz am Bürgersteig mit Streusalzflutung ist natürlich am Besten Plastik oder Zement, doch weitgehend entsprechende Dichtigkeit kann man auch dauerhaft mit Trass oder Prompt von Vicat erreichen. Rein mineralisch statt petrochemisch ... Wasserglas (Ziakosal oder Imprägnierung von Koch Farben in Neuenstein? Oder NCT.at Ansonsten Algin Chemie.) ist auch eine Rechercherichtung, aber hier wird man auch für Anregungen verfolgt ...

Doch wenn der Kiesstreifen das Rückspritzen des Wassers verhindert, sollte auch einfach ein Luftkalk (mit Trass oder Ziegelmehl) oder NHL wie von Hessler ausreichen, weil in Gebieten mit 600+ mm Niederschlag wie hier im Südwesten die Feuchte kommt und geht und eine 50 Jahre alte Südwand 'wie neu' ist ... während im Schwarzwald, Eifel, Harz es wieder anders aussehen kann ... weil ich eine Hanfluftkalk-Platte direkt auf dem Beton stehen hatte und hier in der Pfalz nach 3 Jahren es wie neu aussah und nur auf der Standfläche angefressen war ... denn mit Zementfugenmörtel wird wohl das Wasser durch die Ziegel geleitet werden, was vielleicht das Mauerwerk aus Backsteinen mit anscheinend unregelmäßiger Brennung total zerstört ...

Doch gerade habe ich eine total irre Idee und zwar luzides oder (blech)schwarzes Plastikplattenmaterial im Abstand von 5 cm zu Wand, d.h. unter dem Blech und dazu einen Solarluft-Kollektor nach www.trubadu.de, der ständig die Wand trocknet.

Da hält die Wand, der Sockel noch 110 Jahre mehr ...

Jetzt bin ich gespannt, ob die Antworten sachlich oder östlich 'mobbish' sind ...



Sockelputz



Wieder was geraucht, Herr Berges?



qed ... der Osten funktioniert zuverlässig



... wie schon beim Posten geschrieben, sollte dies nicht abhalten davon, die genannten Links zu erarbeiten ... statt Selbstbesoffenen, 'Putzmörteltaliban' blind zu folgen.

Erst wenn alle Links unter Raucheinfluß stehen und keiner der 'Reichsputzkammer' folgt, kann man diskreditieren, doch bisher fehlt jede sachliche Würdigung von Unternehmen und Produkten, die auch eine lange Tradition haben.



Sockelputz



Hallo Martin,
das Foto von dem italienischen Kalk habe ich deshalb reingestellt weil Sie selbst hier die Eigenschaften und die Verwendungsmöglichkeiten recht gut ablesen können. Wenn Sie das Foto in der Bilddatei anklicken und vergrößern können können Sie lesen das:
- der Trockenmörtel gemäß EN 998-1 hergestellt wurde,
- es ein hydraulischer Kalkmörtel (NHL 3,5),
- mit der Druckfestigkeitsklasse 3,5 N/mm² ist (entspricht einem PII CS II bzw. CS III),
- die kapillare Wasseraufnahme in der Gruppe W1 liegt (nicht mehr wie 0,40 kg/ (m² x min hoch 0,5),seine Dampfdiffusionswiderstandszahl bei 6- also wasserhemmend. Eine WTA- Zertifizierung hat er auch noch, glaube ich.

Laut DIN V 18550 Tabelle A 1 ist dieser Mörtel für einen Sockelputz geeignet.
Deshalb brauchen Sie nicht gleich nach Italien zu fahren, einfache Putze der o.g. Kategorien gibt es hier auch.
Will sagen: Fragen Sie nicht nach Firmen oder Handelsnamen oder Werbeversprechen, fragen Sie nach den objektiven Kriterien.
Oder lesen Sie den Aufdruck auf der Verpackung und zwar das Kleingedruckte.



Sockelputz



Hallo Herr Böttcher,

im Gegensatz zu dem Beitrag von Castell Berges kann ich mit Ihren Zeilen etwas anfangen. Ersteinmal nur eine kurze Antwort, ich versuche mich heute abend nocheinmal intensiver mit Ihren Texten zu beschäftigen.

Sie haben sehr viel geschrieben, danke dafür! Ein bißchen was davon wußte ich schon, unter anderem auch aus Ihren früheren Beiträgen hier. So richtig klar sehe ich leider immernoch nicht.

Vielleicht wäre es am besten, ich setze mich mal mit den Normen auseinander, die - aktuell oder veraltet - auf den Säcken aufgedruckt sein können, damit ich wenigstens auf dieser Basis vergleichen kann. Findet sich irgendwo im Internet eine kompakte, aufschlußreiche Aufstellung der relevanten Normen?

Die Frage, welche Vorteile ein normtechnisch gesehen gleicher Putzmörtel für einen vielfachen Preis mir denn tatsächlich bietet, kann ich damit aber nicht beantworten. Aber entweder teuer kaufen und hoffen oder günstig kaufen und probieren kann ja eigentlich auch nicht die Lösung sein. Irgendwie bin ich daran gewöhnt, Produkte objektiv vergleichen zu können, das scheint im Bauwesen aber nicht einhunderprozentig möglich zu sein. Als ich Stahlträger gekauft hatte, war das einfacher: Da ist klar, daß ich von jedem Lieferanten entsprechend der Trägernorm genau dasselbe bekomme, und ein doppelter Preis ist auch tatsächlich ein doppelter Preis.

Viele Grüße, Martin



Sockelputz



http://www.kalksandstein.de/binaries/content/59702/file_mauerwerk-2009-06_prepens_putz.pdf

Hier finden Sie im letzten Drittel die Tabelle A 1 der DIN V 18550. Die selbe Klassifizierung heißt bei Werktrockenmörteln auch die gleichen Eigenschaften. Sie können also beruhigt auf den Preis achten.





Hallo Herr Böttcher,

vielen Dank für den Link auf das Dokument.












Ich habe desweiteren noch gefunden

- eine Zusammenstellung über die DIN998-1 und DIN998-2 mit ähnlichem Inhalt https://www.kalksandstein.de/ks_ost/binaries/content/82125/file_pka_heft_07_putz_moertel_1_2014_de.pdf?session_id=bbd18e13f5b632cd6c3ffda7109a650f

- eine Gegenüberstellung alter und neuer Normen für Putzmörtel und ihre Gültikgeitsdauern (offensichtlich gibts für die DIN V 18550 immer noch keine EN, sondern eine neue DIN 18550) http://www.baumit.de/upload/Service/Technische_Zusatzinfos/Putze/Aktuelle_Normung_Putz.pdf

- ein paar Kommentare zu europäischer Normung Stand 2004 und 2006 http://www.schwenk-putztechnik.de/Downloads/Technik-informiert/SCHWENK-Putztechnik-Ti-Neue-Norm-Teil-1.pdf und http://www.schwenk-putztechnik.de/Downloads/Technik-informiert/SCHWENK-Putztechnik-Ti-Neue-Norm-Teil-2.pdf

Vielleicht hilft das ja auch anderen Informationssuchenden weiter.


Sie schreiben, daß der italienische Mörtel laut DIN V 18550, Tabelle A1 (die wird im von Ihnen verlinkten Dokument allerdings unter Tabelle 3 geführt, oder irre ich mich da?) als Sockelputz zulässig wäre. Dem kann ich nicht ganz folgen, da ein "Mörtel mit hydraulischem Kalk (NHL)" laut des zweiten von mir verlinkten Dokuments einem PI entspricht, und dieser laut DIN V 18550 Tabelle nicht als Sockelputz zulässig ist. Oder ist die Druckfestigkeit 3,5N/mm², die ja CSII entspricht, hier ausschlaggebender?

Insgesamt ist nach der Lektüre jetzt aber alles schon wesentlich klarer und ich weiß eher, worauf ich achten muß! Der billige Putz- und Mauermörtel kommt so z.B. nicht mehr infrage, weil er einerseits nur eine Druckfestigkeit von 2,5N/mm² erreicht (was bei Putzmörtel einem CSII entspricht, aber leider auf der Packung nicht explizit aufgeführt ist, sondern nur über den Wert im Bereich Mauermörtel herausfindbar ist) und andererseits die Wasseraufnahme W0 für einen Sockelputz zu hoch sein kann.

Die Druckfestigkeitskategorie wird bei reinen Putzmörteln offensichtlich auch nicht bei der CE-Kennzeichnung angegeben (zumindest bei keinem der im Moment bei mir lagernden Produkte).

Das Thema wird mich noch ein Stück beschäftigen.

Viele Grüße, Martin



Sockelputz



Wenn Sie in meine Beiträge schauen und in die Tabelle A 1 finden Sie das ein PII CS III als Sockelputz geeignet ist; selbst P II CS II ist möglich. Die Festigkeitskategorie CS III reicht von 3,5 bis 7,5 N/mm². CS II reicht von 1,5 bis 5 N/mm². Ich hatte auch etwas von NHL, also hydraulischem Kalk als Bindemittel, geschrieben. Bei entsprechender Verarbeitung (nass in nass) erreicht ein CS II Festigkeiten über 5 N/mm, allerdings erst in einigen Monaten. Wer im Oktober damit putzt kann Pech haben, wer damit im Mai putzt hat sicher Erfolg.
Das liegt an der langen silikatischen Nachhärtephase bei NHL.
Nehmen wir einen Modellmörtel mit NHL 5 als Bindemittel, der hat nach 28 Tagen Lagerung eine Festigkeit von 1,6 N/mm², nach 90 Tagen von 3,2 N/mm² Das Bindemittel selbst erreicht nach 6 Monaten eine Festigkeit von 11 N/mm², nach 12 Monaten von 14 N/mm². Auch der w/z- Wert hat großen Einfluß auf die Festigkeit eines Mörtels. Daher kommen diese Spreizungen der Normfestigkeit.
Deshalb wählt ein Profi seinen Sockelputz aus der großen Anzahl von Angeboten nach den realen Bedingungen vor Ort, z.B. die frostfreie Zeit die zur Verfügung steht oder die Salzbelastung des Untergrundes oder die Feuchtebelastung oder die Klimazone oder die Verarbeitungsfähigkeit oder die Festigkeit des Untergrundes usw..
Zu fest nach dem Motto -viel hilft viel- wäre auch falsch, es kann dann auf Grund hygrischer und thermischer Spannungen zum Abscherbeln des Putzes mit Teilen des Untergrundes kommen.
Die o.g. Zahlen habe ich aus dem Band 114 Bauforschung für die Praxis vom Fraunhofer IRB- Verlag.

Zu dem Quick-Mix- Produkt:
Die Festigkeitsklasse fehlt. Er wird als Normalputz- und Mauermörtel ohne besondere Anforderungen geführt.
Man kann höchstens über die Angabe der Haftzugfestigkeit auf die Druckfestigkeit schließen (Faustregel: Die Druckfestigkeit ist etwa 10 mal höher). Bei (mindestens)0,08 N/mm² ergäbe das eine Druckfestigkeit von 0,8 N/mm²- das ist zu niedrig. Deshalb lieber Finger weg; auch weil ich keine Volldeklaration gefunden habe. Ich würde ihn allerhöchstens zum Auszwicken und Auswerfen von Fehlstellen im Untergrund nehmen.
Achten Sie immer auf eine ordentliche Deklaration bzw. auf ein technisches Datenblatt. Die richtigen Putze von Quick-Mix haben die, mit den erforderlichen Angaben.





Hallo Herr Böttcher,

"Wenn Sie in meine Beiträge schauen und in die Tabelle A 1 finden Sie das ein PII CS III als Sockelputz geeignet ist; selbst P II CS II ist möglich."

ohne jetzt auf dem Nebenschauplatz herumreiten zu wollen: Woher nehmen Sie die Information, daß dieser Putzmörtel PII entspricht? Wie geschrieben, ich habe in die verlinkte Tabelle geschaut und dort steht für NHL = PI.

Das Bild mit der CE-Kennzeichnung ist vom QuickMix mk3, hätte schon gedacht, daß dieser zu den " richtigen Putze[n] von Quick-Mix" gehört. Auf der Homepage von QuickMix finde ich die Festigkeitsklasse CSII zu diesem Produkt angegeben, auf der Packung leider nicht. Entsprechend Ihrer Empfehlung (die ich nun ganz gut nachvollziehen kann) wäre er dann aber nicht für meinen Sockel zu empfehlen.

Ich werde auf Basis Ihrer Beiträge jetzt nach einem PII CSIII W2 suchen und entsprechend vorgehen.

Viele Grüße nach ASL

Martin



Sockelputz



NHL = PI ist für mich nicht nachvollziehbar, NHL ist Natürlich hydraulischer Kalk und kein Luftkalk.
Schauen Sie sich noch mal die Zeile 29 der Tabelle A 1 an.
p.s. Ich habe gerade gemerkt das die Tabellen nicht mit der Tabelle A 1 der DIN übereinstimmt- mein Fehler. Noch ein Fehler meinerseits: Die Tabelle ist in der DIN die Nr. 2 und nicht A 1.
Ich habe die Tabelle abfotografiert, hier ist sie:



Sockelputz



Hier noch mal der Teil zum Sockelputz.
Die Tabelle stammt aus den "Leitlinien für das Verputzen von Mauerwerk und Beton" vom Industrieverband WerkMörtel e.V.





"NHL = PI ist für mich nicht nachvollziehbar, NHL ist Natürlich hydraulischer Kalk und kein Luftkalk."

Das entnehme ich aus der Tabelle nebenstehend.

Die "Leitlinien" gibts hier, nur finde ich da die Tabelle nicht drin.

http://www.iwm.de/broschueren-und-merkblaetter/

Grüße, Martin



Und noch eine Anmerkung...



...all diese Normen und Regelwerke sind für den Neubau gedacht. Beim Altbau d.h. Instandsetzen soll man bedenken, dass der Untergrund auch nicht nach DIN soundso erstellt wurde.
Ich empfehle hier ein auf "alte Substanz" abgestimmtes System zu verwenden. Siehe dazu:
http://www.dhbv.de/dokumente/upload/4a381_wta-merkblatt_2-9-05_d_sanierputzsysteme_4-2005.pdf
.
Evtl. hilft auch dies hier weiter:
http://www.wall-systems.com/fileadmin/database/broschure/rajasil/Sanierputzlexikon.pdf



zur Wahl des Werkzeugs



das ist immer abhängig davon wie es nachher aussehen soll..
soll es Glatt und Gerade werden würde ich mit ner Plasikkardätsche,oder Alu oder manchmal auch nur ein sehr gerades Holzbrett mit sehr scharfen kanten, abziehen und mit nem Kunststoffreibebrett
ausreiben.
das gilt übrigens meiner Meinung nach auch für Lehmputz:)
mit so nem Orangenem Schwammbrett kann man prima Werkzeug reinigen,oder Gipsputz zwischenreiben.

so ein Schwammbrett macht eine viel zu Grobe und Sandige Oberfläche.

zum Thema Buntsteinputz.. den find ich ganz Fürchterlich,ich habe noch nie ein Haus gesehen was dadurch Optisch aufgewertet wurde.
den würde ich im Eimer lassen , und diesen beim Hersteller,sry Persönliche meinung.

zur Materialwahl selbst gibt es ja nun schon reichlich meinungen,da möchte ich mich enthalten.

gibt es ein Foto von der "schwierigen" 4ten seite am Gehweg?
greets Flakes.





Hallo Herr Bromm,

ja, das ist mir schon halbwegs klar; wie gesagt, die Ziegel sind von der Festigkeit her wild durcheinander und eher so mit Sand vermauert. Die Normen bieten aber schon einen guten Anhaltspunkt für mich. Ich werde mir Ihre Links mal noch zu Gemüte führen, danke dafür!

Hallo Flakes,

endlich mal eine Aussage dazu! Ich habe noch nirgends irgendwo was schriftliches zum Thema "welches Reibebrett für welches Ergebnis" gelesen. Das ist wohl eher Erfahrungssache und wird in der praktischen Ausbildung vermittelt.

Im Innenbereich mit dem Yosima Lehmputz bin ich mit dem Oberflächenergebnis mit orangenem Schwammbrett von der Körnigkeit her ganz zufrieden, es hätte an vielen Stellen leider etwas gleichmäßiger von der Verteilung her werden können. Ist aber auch ein Zeitproblem denke ich, der Putz zieht sehr schnell an, weil der Untergrund trotz reichlichem Vornässen saugt wie verrückt und man kommt nicht oft zur richtigen Zeit zum reiben, weil man ja auch erstmal auf- und abziehen muß. Bei den großen Flächen führt das dann zu einem ungleichmäßigen Ergebnis.

Ich habe jetzt alle möglichen Reibebretter daheim, nur ein reines Kunststoffbrett habe ich bisher nicht gekauft. Das werde ich mal nachholen und testen.

Ich würde Putzleisten setzen mit dem zu verwendenden Putz. Dann naß-in-naß arbeiten, die erste Schicht nur mit dem Flächenrakel abziehen, die zweite dann mit der Alukartätsche über die Putzleisten, dann die Putzleisten wieder ab und den Zwischenraum zu und abziehen, dann reiben. An den Putzleisten will ich noch waagerecht oberhalb des Sockels eine Richtlatte anbringen, damit ich mit nem zusammengebauten Werkzeug die Oberkante des Sockels mit einer definierten Neigung horizontal formen kann, wo dann die Tropfbleche draufliegen.

Mit dem Buntsteinputz bin ich ganz bei dir, ich würde den auch nicht mehr wollen. Optisch find ich ihn gerade im Sockelbereich nicht sooo schlimm, aber er ist halt auf Kunstharzbasis und das muß ich am Haus nicht haben.

Die Kompliziertheit der vierten Seite kommt daher, daß das Stadtgrund ist, den ich da aufbuddeln müßte und dort auch viele Leitungen liegen. Deshalb möchte die Stadt mir nicht erlauben, da selbst zu graben ("Wenn Sie was kaputtmachen, dann müssen sie das alles selbst bezahlen und wir haben den Ärger." usw. usf.), sondern es muß eine Fachfirma machen. Da habe ich ein Angebot von einer Firma, die mir voriges Jahr die Nachbarseinfahrt neu gepflastert hat (da hatte ich auch gebuddelt) und das gut zu nem günstigen Preis gemacht hat. Die Firma meint allerdings, wenn, dann machen sie alles, also incl. Wand gerade, verputzen, abdichten, dämmen, weil sonst die offene Zeit zu lange ist und sie nicht garantieren können, daß es zu keinen Setzungen durch den Verkehr direkt daneben auf der Straße kommt. Die möchten maximal eine Woche offen haben, mit Eigenleistung würde das eher so um die 4 Wochen dauern. Dann ist mir aber der Preis zu hoch (über 4000 Euro für 6m) und so dringend ist das an der Stelle erstmal nicht. Ich spekuliere noch darauf, daß in paar Jahren da eh mal wieder aufgemacht wird für irgendeine Leitung, und dann würde sich da vielleicht eine Möglichkeit finden lassen, das günstiger gleich mit zu machen.

Grüße, Martin