Sind Zinklochplatten an Strebe statisch relevant?

13.04.2021 don_ari

Sind Zinklochplatten an Strebe statisch relevant?

Hallo zusammen

Ich brauche mal eure Meinung. Ich weiß, dass eine Ferndiagnose keine Garantieansprüche hat, aber ich selber habe gar keine Ahnung davon und daher brauche ich ein wenig Input.

Unser Fachwerkhaus (BJ 1987) in der Nähe von Köln war ursprünglich so geplant, dass die Fachwerkwände mit Fermacell verkleidet werden sollten. Während des Baus haben die ehemaligen Eigentümer sich umentschieden, dass die Fachwerkwand sichtbar bleibt. Rausgekommen ist, dass die Zinklochblenden, die die Strebe mit der Schwelle verbindet, nun sichtbar sind. Finde ich nun nicht wirklich schön und daher hätte ich die gerne weg.

Nun die Frage, kann ich die einfach wegmachen oder hab ich dann ein statisches Problem? Es sind Kammnägel drin, einen habe ich mal rausgezogen, ist ein bisschen Arbeit, aber es hält sich im Rahmen. Ich hab nur die Befürchtung, dass ich mir damit was kaputt mache und daher brauche ich ein paar Einschätzungen.

Im Idealfall liest das hier vielleicht ein Statiker und kann mir dazu mehr sagen oder sogar vorbeikommen.

Vielen Dank schon mal
Ari



Plan


Plan

Hier auch ein Plan des damaligen Statikers, falls das relevant ist.



ja


ja

Moin, moin

also diese Platten sind natürlich relevant, alleine der Druck auf die Fassade von innen und aussen könnte sonst den Balken verschieben samt Mauerwerk.

Wir haben ein ähnliches Mauerwerk in den 88er Jahren übernommen - abenteuerlich gemauert, die Balken sägerauh und überall dicke Metallplatten und Maschinenschrauben. Das Haus war als Öko-Haus von einem Kasseler Architekten geplant.
Die Wände waren sehr unruhig und da wir gerne Bilder hängen wollten, habe ich die Wände mit Drahtbürste, einer Rotbandschlämme und danach mit weißer Farbe bearbeitet. Dadurch sieht man durchaus die Struktur des Holzes der Steine und der Statik. Das Raumgefühl ist aber deutlich besser als zuvor und alle haben das Haus geliebt.



Die Aufgabe der Streben im Fachwerkbau



ist die, aus der Wand ein unverschiebbares Viereck zu machen, welches sich nicht zum Parallelogramm verschieben kann. Normalerweise sind die mit Zapfenverbindungen gearbeitet und nicht mit Versatz. Zudem sind sie falsch eingebaut, das untere Teil der Strebe zeigt in Richtung weg von der Ecke, da gab es sogar in Preußen wenn ich nicht irre eine herrschaftliche Anordung.
Meines Erachtens können die Platten durch einen kräftigen Stichnagel vom Rähm schräg nach unten in die Strebe ersetzt werden, das sollte reichen, um ein Auswandern der Strebe zu verhindern.



Fragen??



Sind auf den Fotos die Außenwände zu sehen??

Besteht die Wand nur aus der Holzkonstruktion und der Ausmauerung.?? Wo ist die Dämmung??

Besteht das Fachwerk aus Nadelholz??

Man sieht keine Holznägel, also ist das Fachwerk nicht verzapft??

Wenn alle Fragen mit "Ja" beantwortet werden, würde ich die Blechplatten nicht wegmachen und mir einen Fachmann holen um zu sehen, wie ich das Haus ertüchtigen kann.



Ehrlich gesagt



finde ich es lustig, dass man sowas 1987 überhaupt "Fachwerkhaus" genannt hat.
Ts,ts,ts....



Verschrauben



Das Ganze ist kein Fachwerkbau im klassichen Sinne, sondern ein "moderner" Holzständerbau, mit geschoßhohen Gefachen. Von daher kann man davon ausgehen, dass es da keine gezapften Verbindungen gibt. Das sieht man auch auf der Zeichnung. Die Ständer sind lt. der mit Blechwinkel an Schwelle und Rähm fixiert.
Um die Lochbleche an den Streben los zu werden, ohne die Ausfachungen beschädigen zu müssen, könntest du mit einem Forstnerbohrer ca. 10 cm vor den Strebenenden jeweils 2 "Taschen" in die Streben bohren, in diesen Taschen jeweils eine 8x240mm-Holzbauschrauben schräg nach oben/unten in die Schwelle/Rähm schrauben und dann die Taschen mit passenden "Holzknöpfen" (Scheiben von Rundhölzer abgeschnitten) verschließen, damit man die Schrauben nicht mehr sieht.
Wichtig ist, dass die Bohrungen mit dem Forstnerbohrer winklig zum Holz sind, damit das Loch kreisrund wird und die Holzknöpfe exakt rein passen. Es sieht dann auf den ersten Blick aus als wären es Äste.
Diese Art der "Schraubverbindung" ist im modernen Holzständerbau "Stand der Technik", sprich statisch zulässig.



Zapfen



An den Ständern kann ich sehr wohl Zapfenverbindungen erkennen. Man muss die Bilder vom TS etwas vergrößern. Nur bei den Aussteifungen sind diese Lochplatten vorhanden.

Unser damaliges Haus in Hessen war sehr ähnlich gebaut. Die Holzständerkonstruktion ging so weit, dass der Architekt das Dach auf vier gerollte Baumstämme aufständerte und Treppe diagonal durch den großen Wohnraum lief. Die Südseite wurde mit einem riesigen Wintergarten abgeschlossen und die Nordseite hatte kleine Fenster und hinter dem Kalksandstein eine Dachpappen/Luftschicht mit einem Abschluss nach außen durch Zedernschindeln.

Im Übrigen waren die Heizkosten überschaubar.



Ich versuche mal die offenen Fragen zu beantworten


Ich versuche mal die offenen Fragen zu beantworten

Erstmal schon einmal vielen Dank für das schnelle Feedback.

@Heinz-Josef Burhorst
- Es geht um Innenwände. Die Außenwände sind alle innenseitig mit eine Lehmziegelwand versteckt und daher nicht sichtbar.
- Die Innenwände sind nur ausgemauert mit Lehmziegeln. Die Gefache der Außenwände sind mit Zellulose gefüllt. Außen gibt es eine Holzverkleidung mit Hinterlüftung. Innen ist eine Lehmziegelwand hochgemauert.
- Ich muss zugeben, ich bin kein Holzfachmann, daher kann ich nicht sagen, um welche Holzart es sich handelt.
- Das mit dem Verzapfen ist so eine Sache. Nachdem, was ich sehen kann ohne die Gefache zu öffnen, sind nur die Streben mit Schwelle/Rähm durch die Lochplatten verbunden. Sonst sieht man überall, dass alle Pfosten/Ständer/... verzapft sind oder durch (meines Erachtens nach) typischen Fachwerkverbindungen verbunden sind. Auf der anderen Seite gebe ich dem Ralf teilweise auch recht, weil laut der Zeichung auch Blechwinkel verwendet wurden und das eher untypisch ist. Nach meiner bisherigen Recherche ist das aber auch ein Glaubenskrieg. Einige sagen, Blechwinkel gehen gar nicht, andere sagen, wenn es richtig gemacht wurde, dann ist das okay. Aber in so einen Glaubenskrieg mische ich mich nicht ein. Ich stelle gleich noch ein Foto rein vom Rohbau. Da sieh man gut, dass es wenige Stellen gibt, die Blechwinkel haben, die meisten jedoch ohne auskommen. Warum das so ist, müsste man den damaligen Statiker fragen, den gibt es aber nicht mehr.

@Ralf
Wie oben schon erwähnt, ich bin kein Experte, es wurde größtenteils rein auf Verzapfungen und Holzverbindungen gearbeitet, aber es gibt einige wenige ausgesuchte Stellen, die mit Blechwinkeln arbeiten. Warum das so ist, weiß ich nicht.

@Karl-Heinz Hubel
Das mit der beschriebenen Schraubverbindung finde ich super, danke für die Erläuterung. Ich teile gleich noch ein paar Bilder, die das Haus im Rohbau zeigen und ein paar Zeichnungen des Architekten um die Fachwerkkonstruktion zu zeigen.



Bilder von der Holzkonstruktion


Bilder von der Holzkonstruktion

Hier exemplarisch eine Innenwand (links) und eine Außenwand (rechts).



Moin,



die Bleche sind Bestandteil der Statik welche so seinerzeit genehmigt wurde. Wenn die Platten rausgenommen werden sollen ist das ein Eingriff in ein bestehendes und genehmigtes Tragwerk was unweigerlich ein genehmigungspflichtiges Vorhaben darstellt.



Strebenverbindung



Im alten Fachwerk wurden durch die Streben nur Drucklasten übertragen und brauchten lediglich eine Lagesicherung. Mit den Lochplatten, die in der Statik sogar mit der Anzahl der Nägel vorgegeben sind, will der Statiker vermutlich zusätzlich Zugkräfte übernehmen, denn dazu sind diese Bleche gut geeignet. Es muss also genauer nachgeprüft werden welche Lasten auftreten und mit welchen alternativen Verbindungsmitteln diese aufgenommen werden können.
Herr Hubel beschreibt eine gut auszuführende und schöne moderne Verbindung, die für eine Lagesicherung mit Sicherheit ausreichend ist. Ob sie für andere auftretende Kräfte ausreicht muss geprüft werden.

Nach Landesbauordnung NRW kann man kleiner Änderungen auch an tragendenden Bauteilen ohne Genehmigung ausführen. Sie müssen aber durch eine qualifizierte Tragwerksplanerin- oder einen Tragwerkslaner begleitet werden.



Re: Strebenverbindung



Ohne dass ich Statiker oder Zimmerermeister bin, schätze ich mal, dass die Lochplatten dazu dienen sollen, dass die jeweilige Strebe nicht nur auf Druck, sondern auch auf Zug wirken soll und damit die gegenüberliegende, in die entgegengesetzte Richtung geneigte Strebe somit unterstützen, bzw. entlasten soll. Ob sie in dem Fall statisch notwendig sind, oder "nur" die Streben an Ort und Stelle halten sollen, wäre nachzurechnen.
Und,
richtig, das hätte ich vielleicht extra betonen sollen: Ob die von mir beschriebene "Schraubverbindung" ( mind. 10 cm Vorholz an der Strebe, je zwei 8x240er Schrauben = 100 mm Vorholz + 140 mm Einschraubtiefe in Rähm/Schwelle) tatsächlich, d. h., auch statisch berechnet, der Zugfestigkeit der vorhanden Nagelblechverbindung in dieser Holzart und -qualität gleich kommt, weiß ich nicht. Wie gesagt, ich bin kein Statiker und kann es nicht berechnen. Ich gebe nur eigene Erfahrungen wider, oder beschreibe Dinge/Situationen/Gegebenheiten, die ich häufig gesehen (abgeguckt) habe und von denen ich weiß dass sie funktionieren. Nach dem Motto: Mit den Augen stehlen darf man immer und nach dem Wieso, Weshalb, Warum fragen sowieso.... ;-)



Nagelplatten..



..werden hier sowohl die Lagesicherung wie Zug- und Tosrsionskräfte der Streben erschlagen sollen ; diese
sind wohl zur Aussteifung der durchleitenden Lasten aus Ober- und Dachgeschoß zu verstehen .

Es wäre prinzipiell möglich ( und berechenbar ) , die Nagelplatten durch Holzknaggen gesschraubt oder genagelt zu ersetzen , dann gäbe es vielleicht ein optisch ansprechenderes Eergebnis .

Vorschlag : Knaggen -(imitate) auf die Nagelplatten bringen , dann aht der liebe Statiker seine Ruh und Ihr eine Holzansicht .
Vorschlag 2 : zur Spraydose greifen und die Platten erst recht auffällig zu gestalten - Neon ? Goldbronze ?
;-))




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