Seriöser Anbieter für Mauertrocknung gesucht

04.04.2019



Sodele, da stehe ich nun mit meinem Ruinchen und stelle fest, dass der Markt auf diesem Gebiet einige schwarze Schafe enthält. Einen Vertreter dieser Art hatte ich diese Tage im Haus....

Fakten:
Stadthaus, einseitig angebaut Bj 1804
Gewölbekeller unter 20% der GF, Nähe zur Havel aber kein Wasser im Keller. Die dort aufstehenden Wände sind akzeptabel.
Wände auf Feldsteinfundamenten , diese Wände sind von 1804 mit recht weichen roten Ziegeln - also weder Reichsformat noch Hartbrand, errichtet. Fachwerk nur im 1.OG.
Originalputz war bis 1,10 Höhe stark geschädigt. Allerdings lag dieser auch schön verpackt hinter Tapete...darauf Teerpappe hauchdünn...darauf Tapete...darauf Lattung und die unsäglichen weißen Kunstpaneele...Aber selbst das hatte nicht zu großflächigem Schimmel geführt. Außenwände feucht bis nass vom unabhängigen Bauing. ermittelte nachvollziehbare Werte. Wandstärke Ü40 cm, im Anbau von Ca 1870 nur 30cm
Fußbodenaufbau war Dielen auf Balken im Erdgemisch, bis UK Dielung verfüllt...
Vorderseite des Hauses ist klitschnass dank hoch geführter öffentlicher Pflasterung bis ans Haus und fehlender Regenentwässerung einer direkt dorthin führenden Straße...
Giebel ist etwas weniger betroffen, hier fehlt seit Jahrzehnten der Außenputz und der Nachbar hat sein Efeu nicht im Griff...ich fand Wurzeln im Haus...
Ein defektes Fallrohr als Selbstbewässerung wurde schon beseitigt..

Plan
Einbringen einer Sperrschicht in den Aussenmauern.
Da wo Ziegel außen mit dem Erdreich in Kontakt sind Isolieren bis zum Feldsteinfundament
Innen gedämmte Bodenplatte mit Abdichtung -Anschluß an die Trennschicht
Kalkputz und Kalkfarben innen (konventionell) und außen (frescal)
Denkmalschutz auf der Fassade

Nun die Frage..
Gegen die Nässe müssen wir etwas tun, da ist selbst mein guter alter Lehm und Kalkbauer, der sonst nie sperrt, überzeugt.
Der Bauing empfiehlt Injektionsverfahren, da der Giebel statisch schwierig ist . Ich tendiere mehr zum Mauerwerkssägen, da ich den chemischen Zusätzen nicht über den Weg traue. Eventuell bleibt tatsächlich nur eine Mischung übrig. Die Vorderseite würde ich definitiv gerne Sägen lassen...
Gesamtlänge Ca.30 lfm
Über eure Tipps und Hinweise würde ich mich sehr freuen.

Gibt es in der Region nördliches Berliner Umland eine kompetente Firma, die diese Verfahren wirklich beherrscht und umsichtig ausführt ?

Danke
Anna



Trocknung



Hallo Anna,

dem Bild nach zu urteilen, sieht die Wand doch ganz gut aus.
Wir hatten unser Haus mit einem überlaufenden Fallrohr übernommen.
Mehr als zwei Jahre lief Regenwasser die Fassade herunter.
Nachdem wir den Schaden behoben hatten, zog sich die Trocknung über ein ganzes Jahr hin, trotz Rekord-Sommer.
Damit will ich sagen, dass es sich lohnen könnte, mit Maßnahmen zu warten und die Wand erst einmal unverputzt trocknen zu lassen.
Gruß
Mark



Nicht abdichten



Hatte ich ernsthaft auch schon in Erwägung gezogen...aber das Haus wird dann erst einmal vermietet und leider sind da die Wünsche an den Wohncomfort doch oft etwas anders...
Ich persönlich würde kein Problem damit haben, einmal im Jahr den Kalk abzufegen und im Sockelbereich nachzuarbeiten. Das mache ich bei meinem selbstgenutzten Haus auch regelmäßig..
Das Regenfallrohr befindet sich an der Rückseite...leider ist damit nicht das Problem des zu hohen Gehweges zu lösen . Eine Sperrschicht in Höhe des Sockels erscheint hier durchaus notwendig.



Mauerfeuchtigkeit beseitigen



Die Gesamtsituation müßte natürlich bekannt sein, um besser antworten zu können.

Bei den Verkleidungen und ggf Oberflächenwasser ist Mauerfeuchtigkeit nicht verwunderlich.
Ich würde erst einmal alles gründlich austrocknen lassen.
Oberflächenwasser außen ableiten, evt Rinne herstellen,
sofern der Sockelbereich verputzt ist diesen hier einschneiden,
um die Kapillarität zu unterbrechen.
Wenn das Oberflächenwasser nicht abgehalten werden kann ist eine Außenabdichtung des Mauerwerks (zumindest unter Erdniveau bzw noch kurz darüber)möglich, zB mit MB2K o.Ä.- allerdings reduzieren solche Abdichtungen die Maueraustrocknung sehr stark

Innen können Heizungsleitungen im Sockelbereich die Trockenhaltung ermöglichen.
Ggf durch eine kleine dezentrale Lüftungsanlagen für gute Lüftung sorgen, damit kein Kondensat entsteht.
Mauersägeverfahren sind enorm teuer und können Schäden verursachen-
zumindest reduzieren Sie den Verbund.



Die Anzahl der Klicks zeigt, dass nicht nur ich vor solchen Problemen stehe



Herr Teich, vielen Dank für Ihre Antwort.
Wir haben in den letzten Tagen viel Zeit mit dem Aushub des Erdreiches in einem ersten Raum bis OK Fundament verbracht. Die Vorbesitzer hatten tatsächlich Mutterboden bis knirsch unter die Dielenlage eingebracht, der natürlich auch gute 15 cm der untersten Ziegellagen überdeckte..erdfeucht trifft den Zustand dort gut, vor einer Anpflanzung sollte man aber dennoch Gießen ;) In dem Teil des Raumes, den man irgendwann mal mit einem Magerbeton plus Estrich in den Stärken vom 0-20 cm aufgefüllt hatte war die teilweise darunter befindliche Sandschicht aus Vogelsand ....staubtrocken, ebenso wie der bröselige Magerbeton.
Die Kalkmörtelfugen des Mauerwerks sind ebenfalls trocken.
Wir werden nicht sägen.
Die Heizungsleitung im Sockelbereich ist auch unser Plan, zudem wird mindestens ein Heizkamin vermutlich eher ein Grundofen in das EG einziehen und als Teil der Heizung zur Entfeuchtung beitragen.
Lüftungssytem werden wir sehen, es lässt sich hervorragend Querlüften.
Wasserableitung außen ist klar, da wo wir können werden wir auch abschnittsweise bis zum Feldsteinfundament abgraben....das Bodendenkmalamt wird sich freuen... und abdichten.
An der Straßenseite muss ich mit der Gemeinde Rücksprache nehmen. Einfach das Bernburger Pflaster aufnehmen werden die nicht zulassen...

Den Fußbodenneuaufbau müssen wir dann in jedem Raum anders durchführen.
Im Bereich der Küche und des Bades würden wir konventionell mit Sauberkeitsschicht, Abdichtungsebene bis OK Fertigfußboden an den Seiten hochgeführt, Dämmung XPS , Estrich, Bodenbelag arbeiten. Dies ist auch der straßenseitige Raum.
Im Bereich des Wohnzimmers würden wir gerne Dielen verlegen.Daher hier
Sauberkeitsschicht, Abdichtungsebene bis OK FF, Steico oder vglb mit Traglattung in der obersten Ebene, Dielung.
Könnte es hier Probleme geben ? Solllten wir besser konventionell mit Estrich arbeiten und dann Parkett aufbringen ?
Über dem Gewölbekeller ist zu wenig Aufbauhöhe für einen kompletten Neuaufbau. Hier würden Abdichtung, Lagerhölzer in Schüttdämmung (Perlite ? ) und dann Dielen verlegt werden. Die alte Dielung hier war durch einen Wasserschaden von oben in weiten Teilen ruiniert. Es stand dort noch ein alter bis zuletzt genutzter mit Holz beheizter Waschzuber, eine perfekte Dauerbewässerungsanlage.
Wir wissen, dass wir damit ein gewisses Risiko eingehen. Es hängt dann halt auch sehr stark am späteren Nutzungsverhalten der Bewohner. Dieses Haus ist aber eh nur etwas für Liebhaber alter Bausubstanz, die dann auch bereit sein müssen, ein wenig mehr darauf zu achten, wie man darin lebt.

Wir berichten dann, wie es weitergeht.