Seitenwand und Giebel mit Lehm verputzen

15.01.2014 Heiko



Hallo,

wir sanieren gerade eine Reihenmittelhaus aus den 30’er Jahren. Da wir mit Lehmputz arbeiten wollten, haben wir den alten Putz im Haus komplett entfernt, so dass nur noch das rohe Mauerwerk übrig blieb.

Die Wand im Erdgeschoß zu den Nachbarn ist nur eine 24’er Wand, im Obergeschoß (Giebelwand) ist es sogar nur eine 12’er - entsprechend hellhörig ist es auch.

Wir suchen nun nach einer Möglichkeit, die Wände gegen den Schall zu dämmen, einen ordentlichen Putzträger zu verbauen und die Wände mit Lehm zu verputzen.

Das Problem ist, dass die Wände sehr uneben sind, wir aber im besten Fall direkt auf die Wand gehen müssen, da jeder Aufbau vor der Wand unseren Treppenausschnitt verkleinern würde.

Wenn jemand einen Vorschlag machen kann, wie man das am besten ausführen könnte, würde ich mich über eine Antwort sehr freuen.

Vorab schon mal vielen Dank!



Kommunwand



Eine 1 Stein dicke Wand ohne großen Raumverlust schalltechnisch nachzurüsten ist schwer;
andererseits: Es ist ein Treppenhaus und nicht das Schlafzimmer.
Eine gängige Lösung wäre die Masse zu erhöhen, das geht mit einem mehrlagigen Zementputz (min.20 mm) ganz gut. Eine zweischalige Entkopplung ist auch möglich:
10-15 mm Zementputz als Ausgleichsputz, nach dem Abbinden (min. 28 Tage!) Trockenputzplatten Rigitherm mit 20 mm Polystyrolkaschierung im Buttering-Floatig- Verfahren aufkleben.
Das wird die Luftschallübertragung dämpfen. Wieviel das sein wird und wie es mit Körperschallübertragung und den Nebenübertragungswegen aussieht bleibt abzuwarten.

Beide Oberflächen können Sie mit Lehmfeinputz bzw. Lehmspachtel bekleiden, allerdings sollten Sie beachten das eine Treppenhauswand durch Abrieb belastet wird.



@ Kommunwand



Vielen Dank für die Antwort - leider handelt es sich um die Treppe zum Schlafzimmer (ohne Flur oder Trennwand) :-)

Die untere Seitenwand ist ja eine 24'er und der Giebel wurde mittig auf dieser Wand gemauert. Theoretisch wären da also noch ca. 6cm Platz um sie bündig mit der unteren Mauer abschließen zu lassen.

Rigitherm ist schon mal ein interessanter Hinweis, auf die rohe Wand kann ich das aber nicht bringen, oder?

Da ich überwiegend die Stimmen von "drüben" höre, gehen ich davon aus, dass der Luftschall momentan mein größtes Problem ist.



Luftschalldämmung



Bei 6 cm Platz schlage ich ihnen die Kombination beider Varianten vor.
Ein Ausgleichsputz muß ohnehin drunter damit eine ebene Fläche entsteht. Der Kleber gleicht nur Unterschiede bis etwa 5 mm aus. Außerdem ist ein vollflächiges Aufkleben wichtig zur Vermeidung von Kondensation in den dann vorhandenen Hohlräumen hinter der Platte. Wenn die Verbindung zur Raumkluft haben kann Schimmel entstehen, außerdem wars das denn mit Schalldämmung.

Wenn solche Luftschallübertragungeen stattfinden muß das nicht unbedingt an der Wand an sich liegen. Es gibt immer Nebenübertragungswege wie der Fußboden (falls es hier Hohlräume gibt die durchgehen), Heizungsrohre die in der Wand liegen, die Decke zum Dachboden, Risse im Bereich der einbindende Querwände...
Bei solchen Reihenhäusern wurden während der Rohbauphase oft provisorische Durchgänge in den Giebelwänden gelassen um Transporte zu erleichtern. Die wurden so spät wie möglich geschlossen, manchmal auch nicht mit Steinen. Klopfen Sie mal die Wand ab. Schauen Sie sich die Übergänge zur Decke, zum Fußboden und zur Querwand genau an. Risse mit schwarz verfärbten Flanken deuten auf eine Verbindung zum Nebenraum hin.



Re: Luftschalldämmung



Nochmals vielen Dank für Ihre Anmerkungen!

Ich habe mal nach den Rigitherm-Platten gesucht und dabei die Rigitherm MW gefunden, die direkt für den Schallschutz geeignet sein soll.

Außerdem habe ich noch ein spannendes System zur Innendämmung mit Untergrundausgleich gefunden: Unger Diffutherm - UdiIN RECO. Offenbar kann man sich damit den Ausgleichputz sparen, allerdings habe ich keine Aussagen zu den Schallschutz-Eigenschaften gefunden.

Im Fußboden gibt es übrigens kein Hohlräume. Die Balken haben wir frei gelegt und die liegen längst zur Seiten-/Giebelwand. Heizung und Elektro haben wir zumindest auf unserer Seite komplett rausgerissen, wobei wir auch ein altes ungenutztes Stromkabel entfernt haben, das mal quer durch alle Häuser gegangen sein muß und wahrscheinlich der Hauptanschluß war. Davon abgesehen, gibt es keine verbindenden Elemente mehr. Zum Glück habe ich auch keine dunklen Flanken gefunden ;-)



Schallschutz



Unger Diffutherm ist eine Innendämmung. Da es sich hier um eine Innenwand handelt ist Dämmung nicht die Hauptsache. Das System kenne ich und halte es für sehr gut, da wo es hinpasst. Preis und Aufwand sind höher als bei meinem Vorschlag. Ein schallschutztechnischer Nachteil ist die Verankerung; die setzt dem Prinzip der Zweischaligkeit Grenzen. Schrauben sind gute Schallüberträger.



Re: Schallschutz



Ok, das mit den Schrauben ist natürlich ein Argument, aber Rigitherm MW statt Rigitherm 032 wäre richtig, oder? Spricht ja nichts gegen eine Wärmedämmung, wenn Sie die gewünschte Schalldämmung gewährleistet.

Nur ärgerlich, dass ich mir dort oben dann das Putzabkloppen auch hätte sparen können :-)

Mit Lehmputz kann man in dem Bereich nichts anfangen?



Rigips



Ich hatte die Platte aus Gründen der Dickenminimierung ausgewählt. Die MW- Kaschierung ist 40 mm dick. Inwieweit sich das auf den Schallschutz auswirkt ist nicht feststellbar, das Dämpfungsmaß für Körperschall steht nicht im Produktdatenblatt.
Aus optischen gründen können Sie die Platten immer noch mit lehmspachtel oder Lehmfarbe, bei entsprechender Vorbehandlung, beschichten. Raumklimatisch gesehen bringt ein dünner Lehmauftrag keinerlei Vorteile. Als Unterputz für die Platten ebenfalls nicht, da er eine geringere Dichte aufweist.
Wie genau äußert sich denn die Schallübertragung?
Welche Geräusche werden denn übertragen?
Laufgeräusche, Fernsehen/ Radio, Gespräche, metallisches Klicken..., vorwiegend tiefe oder auch hohe Frequenzen?



Re: Rigips



Nachdem was ich gelesen habe, ist die Rigitherm 032 und die MW mit 5,25cm gleich dick.

Hier steht auch auf Seite 17 auch etwas zum Schallschutz der MW-Platte: http://www.isover.de/Portaldata/1/Resources/multi-komfort/multi-komfort/publikationen/Saint-Gobain_Broschuere_Innendaemmung.pdf

Bei der 032 (Seite 16) steht dazu nichts, aber genaue Angaben zu den Dämpfungeigenschaftten konnte ich auch nicht finden :-(

Da wir das Erdgeschoß auf jeden Fall mit Lehm verputzen, würde ich im Treppenaufgang gern gerade nach oben durchputzen - daher ist mir der Punkt auch so wichtig.

Wir sind noch nicht so oft Abends auf der Baustelle gewesen, aber wenn ich von den Nachbarn etwas hören konnte, dann waren es Gespräche im Obergeschoß. Laufgeräusche oder andere Dinge sind mir bisher nicht aufgefallen.