Schwitzwasser in Dachisolierung nach heißen Sommertagen

12.06.2014



Hallo,

auf unserem Haus ist ein Pultdach mit 5° Dachneigung. Grundkonstruktion sind Holzsparren mit Dachlatten draufgenagelt. Auf den Dachlatten sind Schweissbahnen angebracht (verschweisst und mit Druckleisten). Zischen den Sparren ist die Dammung und unten drunter eine Dampfsperre (oder Dampfbremse) an die Sparren angebracht. Darunter sind dann die Deckenplatten zum Dachgeschoss. Welche Meterialien genau verbaut wurden, kann ich nicht sagen, müsste ggfls. mal die Unterlagen durchsehen.
Das Haus steht nun ca. 3 Jahre. Im letzten Jahr hatten wir nach sehr heißen Tagen plötzlich Feuchte Stellen an der Decke. Der Dachdecker konnte sich die Sache nicht erklären, hat aber alle Schweissnähte der Außenbahnen auf dem Dach nochmal kontrolliert und nachgeschweisst. Seit dem was nichts mehr (auch nicht im Winter) bis es jetzt über Pfingsten wieder sehr heiß wurde. Jetzt sind wieder die gleichen Stellen an der Decke feucht. Ein Nachbar, dessen Haus gleichzeitig vom selben Bauträger gebaut wurde, hat das gleiche Problem und schon etwas intensiver geforscht. Er hat die Decke an einer feuchten Stelle aufgerissen, die Dampfsperre druchtrennt und hat gesehen, dass sich auf der Dampfsperre regelrecht Pfützen gebildet hatten.
Anscheinend bildet sich Schwitzwasser zwischen den beiden Folien (Dachfolie und Dampfsperre), was nicht mehr weg kann... keine Ahnung wo das her kommt.
Was kann man tun? Dach abreißen und komplett neu Aufbauen, ist keine Option für mich! Ich frage mich aber, ob es nicht vielleicht hilfreich wäre, in den Mauerbereich zwischen den Sparren an der Dachseite einfach Lüftungslöscher zu bohren, die dann in der Dämmschicht landen... damit wäre die Möglichkeit gegeben, dass das Schwitzwasser aus dem Dach entweichen kann. Was meinen die Experten dazu?

Viele Grüße aus der Rhein-Main-Region
Peter



Kondensat



Die Ursache der Kondensatbildung ist in der undicht verbauten Dampfsperre zu suchen. Nachts bzw. gegen Morgen kondensiert dann die Luftfeuchte an der Dachunterseite. Wahrscheinlich ist die Dämmlage schon regelrecht mit Wasser vollgesogen denn Kondensateintrag erfolgt vor allem im Winter. In der Tageshitze verdampft dieses Wasser, das Kondensat kann an Kabeln, Vorsprüngen usw. dann herunterlaufen oder wird vom Dampfdruck durch Löcher gepresst. Ich habe das einmal an einem ähnlichen Dach erlebt, eine Sondierungsbohrung für das Endoskop ergab einen fingerdicken Wasserstrahl der durch die punktierte Dampfsperre rann. Zum Druckausgleich werden in die Dachhaut von Warmdächern Lüfter gesetzt. Keinesfalls sollte Sie selber so etwas versuchen, denn dann wird die Dämmwirkung drastisch vermindert. Mittelfristig sollten Sie das Dach neu aufbauen lassen. Entweder als Kaltdach mit Belüftungsebene oder als Warmdach mit neuer Dämmebene aus Weichholzfaserplatten und neuer, fehlerfrei verlegter Dapmpfbremse.



… der Fehler liegt im Glauben … 



… an die "Wissenschaft" und an die Dämmungstechniken …
denn DAS: fehlerfrei verlegter Dampfbremse wird es nie geben … und wenn doch wird dieser Zustand nur wenige Jahre so anhalten … das ist wie ein Haus auf Treibsand bauen … leichtsinnig …

Viel Erfolg weiterhin

… evtl mit dem vorgeschlagenen: "belüfteten Kalkdach" …





Hallo Peter,

die Ursache dürfte auf der Raumseite liegen. Der genaue Dachaufbau in Material und deren Stärken wäre schon interessant um zu bewerten was da genau geschieht. Möglicherweise ist die Dampfbremse nicht richtig verbaut, beschädigt oder gar eine nicht taugliche eingebaut.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Garantie/Gewähr



Eigentlich sollte man den Bauträger, so es ihn denn noch gibt, in Regress nehmen können...



Gott schütze uns die Flachdächer bis 5° (ha)



rechne mal so nen Aufbau mit Glaser. Mit Dampfsperre passiert nichts, Mit Dampfbremse einiges. Eine nachhaltig funktionierende Dampfsperre ist aber nachhaltig nur theoretisch möglich.
Du sagst Dampfsperre oder Dampfbremse:

Dampfbremse:
Feuchtigkeit der Raumluft kondensiert in der Heizperiode unterhalb der Bitumenschweißbahn und durchfeuchtet deine Dämmung und belastet die Deckenbalkenlagen mit Feuchtigkeit. Die Trocknung erfolgt in den Sommermonaten zur Innenseite. Dennoch ist deine Decke Monatelang nass.

Dampfsperre:
Feuchtigkeit der Raumluft kann theoretisch nicht (auch Dampfserren haben einen Wasserdampfdiffusionswiderstand) in die Dämmebene gelangen...aber halt nur theoretisch. Kleinste Lücken bewirken einen Feuchtigkeitseintrag durch Konvektion. Fazit: Die Dämmebene ist dauerhaft klatschnass.

Flachdachaufbauten:
Flachdachaufbauten mit Bitumenschweißbahnen funktionieren nur, wenn zwischen Dämmung und Bitumenschweißbahn (Winddichtigkeit berücksichtigen, sonst dämmt da nix mehr) turbolent hinterlüftet wird. Bei Dir werden die einfachsten Regeln "von Dampfdiffusionsdichter nach Dampfdiffusions offener" einfach ignoriert.
Das ist ein Problem, dem ich schon öfter begegnet bin. Leider heute Stand der Technik, dass durch Dampfbremsen die Abtrocknung zur Rauminnenseite gewährleistet werden soll, noch schlimmer die Dampfsperre, aber die rechnet sich zuverlässig.

Fazit:
Schimmel in der Dämmebene
Holzzerstörende Pilze in der Deckenkonstruktion
etc.

Wenn du da nicht zeitnah rangehst, hohlt Dich die Zeit ein. Das liegt in deinem Ermessenszeitraum.

Im Sommer Wasserbildung:
Das sagt doch schon aus, dass der Aufbau katastrophal funktioniert.

Gruß
Emzet



Hm... so richtig weiter bringen mich die Antworten noch nicht



Also den genauen Aufbau kann ich leider nicht sagen, laut Baubeschreibung liest sich das so:
"Das Dach wird mit einer Folie oder Schweissbahn ausgeführt. Dachaufbau: Folie oder Schweissbahn, Volldämmung zwischen den Sparren d=20cm WLG 035 gemäß Wärmeschutznachweis"
Das Dach aufmachen bringt mich auch nicht weiter, wenn an der Folie nicht zufällig ein Zettel mit den Angaben hängt... erkennen kann ich sicher nicht ob es eine Dampfbremse oder -sperre ist. Denke aber mal eine Dampfsperre, da beim Nachbarn ja Wasser drauf stand und nicht durch ging. Wenn ich ihn das nächste mal sehe, werde ich ihn fragen, ob er irgend welche Infos auf der Folie gesehen hat, die genauere Rückschlüsse zulassen. Morgen kommt der Dachdecker und schaut sich die Sache an. Ich fürchte aber, dass er sich wieder auf die Kontrolle der Folie AUF dem Dach beschränkt und sonst mit den Schultern zuckt. Vielleicht hat er auch nur die Außenhaut zu verantworten und ein anderer hat die Dämmung + Dampfsperre eingebaut, werde ihn das mal fragen.
Wenn ich aber davon ausgehen muss, dass da Feuchtigkeit zwischen Dachfolie und Dampfsperre ist, die an heißen Tagen irgendwie durch undichte Stellen in der Dampfsperre rausgedrückt wird und so die nassen Stellen an der Innendecke verursachen... dann kann es doch nicht so verkehrt sein, irgenwie für Lüftung in diesem Bereich zu sorgen, oder?
Kommen wir zur Aussage "Zum Druckausgleich werden in die Dachhaut von Warmdächern Lüfter gesetzt". Wie muss ich mir das vorstellen? So etwas ähnliches hatte ich wahrscheinlich als Schnell-Lösung vor. Nur will ich die Dachfolie nicht beschädigen, dass muss schon ein Fachmann machen. Aber an die Traufe komme ich ganz gut dran, wenn ich da im betroffenen Bereich jeweils zwischen den Sparren von außen die Ziegelmauer Richtung Dämmbereich durchbohre, habe ich da nicht einen ähnlichen Effekt? (Mal davon abgesehen, dass es nicht der höchste Punkt im Dach ist) Die Löcher noch mit einem dünnen PVC-Rohr (wie es z.B. für die Verlegung von Aufputzelektroleitungen verwendet wird) auskleiden... klingt vielleicht doof, aber im Sommer könnte dadurch gelüftet und im Winter das Rohr zur Not verschlossen werden... ich meine jetzt ist Sommer, jetzt kann da was trocknen.

Viele Grüße aus der Rhein-Main-Region
Peter





Hallo Peter,

wenn das Haus erst drei Jahre alt ist gibt es da ja ausreichend Bauzeichnungen. Ebenso existieren Vorgaben aus dem Wärmeschutz. Aus diesen Angaben ist i. d. R. der genaue Dachaufbau erkenntlich. Entweder rechnerisch und / oder auch als Zeichnung. Wenn Sie die Unterlagen nicht besitzen fragen Sie den Bauträger an oder noch besser denjenigen der die Baugenehmigung unterzeichnet hat, bzw den Ersteller der Wärmeschutzberechnung. Es bestehen normalerweise noch Gewährleistungsansprüche. Parallel können Sie zum Bauamt gehen und dort Akteneinsicht verlangen. Wenn es in der Nähe ist kann ich Ihnen hier behilflich sein.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Bauträger ist ein schwieriger Fall



Hallo Christoph,

den Bauträger fragen ist leider keine Option mehr, auch Gewährleistungsansprüchen wird er nicht mehr nachkommen... lange Geschichte auf den Punkt gebracht: der Bauträger wird freiwillig nichts machen, höchstens/frühestens nach einer juristischen Auseinandersetzung, wenn er dann noch nicht Pleite gemacht hat.
Einen Wärmeschutznachweis habe ich, aber der scheint leider im Dachbereich nicht ganz korrekt zu sein. Zumindest habe ich da etwas von Dachziegeln gelesen... und da sehe sogar ich als Laie, dass das so nicht gebaut wurde... auf dem Dach ist jedenfalls eine Folie.
Bauzeichnungen habe ich, aber daran kann man nicht erkennen, welche Materialien verwendet wurden... außerdem finde ich hier keine Option, Dateien hochzuladen.
Das Haus steht in Offenbach.

Viele Grüße,
Peter





Hallo,

ich habe nun doch noch einen Wärmeschutznachweis gefunden, der den scheinbar richtigen Dachaufbau beinhaltet:

Bauteil Dachschräge:

Gefach = 0,85 (85%)
1. Gipskartonplatten nach DIN 12524
2. Polyethylenfolie nach DIN 12524
3. Mineral. und pflanzl. Faserdämmstoff (DIN 18165-1 WLG035)
4. Holzschalung
5. Bitumendachbahn (DIN 52128)

Sparrenanteil = 0,15 (15%)
1. Gipskartonplatten nach DIN 12524
2. Polyethylenfolie nach DIN 12524
3. Konstruktionsholz nach EN 12524
4. Holzschalung
5. Bitumendachbahn (DIN 52128)

Anforderung nach DIN 4108 Teil 2 ist erfüllt.

Hilft das weiter?

Viele Grüße
Peter



Warmdach



Langsam müssen Sie es verstehen das Sie ein Warmdach nicht so einfach belüften und damit in ein Kaltdach transferieren können, Peter.
Ihre paar Röhrchen ändern an der Situation nichts. Genauso wie Feuchte nach draußen gelangt kann auch Feuchte von draußen hineingelangen; diese Röhrchen sind keine Einbahnstraße bzw. eine Hygrodiode.
Die Lüfter, Diffusionskanäle , Entspannungseinsätze usw. genannten Einbauten in der Dachhaut eines Warmdaches sind nicht dazu da eingedrungene Feuchte abzulüften sondern in erster Linie für einen Druckausgleich in der Dämmung zu sorgen. Das wird erforderlich wenn die Dämmschicht allseits diffusionsdicht verbaut ist, sonst kommt es im Sommer zur Blasenbildung in der Dachhaut.
Was die Rechnerei betrifft:
Theorie ist das eine, in der Praxis kann vieles anders aussehen. Ich habe schon Warmdächer ohne Dampfsperre vorgefunden, nur eine Gipskarton- Unterhangdecke trennte den Innenraum von der Dämmlage. Trotzdem funktionierte es. Es kommt eben darauf an wieviel Feuchte im Raum vorhanden ist- das ist eine Frage der Nutzungsgewohnheiten.
Was bei größeren Dachflächen innerhalb der Dämmlage passiert ist mit dem Glasermodell nicht annähernd realitätsbezogen darstellbar. Schon wenn die eine Hälfte der Dachhaut besonnt ist und die andere nicht gibt es große Temperaturunterschiede unterhalb der Dachhaut und in Folge dessen Konvektionsströme, Verdunstung, Kondensation- also vagabundierende Feuchte- und Temperaturströme innerhalb des Bauteiles. Bei entsprechender Besonnung kann im Laufe eines Tages das ablaufen was laut Glaser innerhalb von Monaten passieren sollte.